monochrom, unschweiz II

11-10-10
In Gesellschaften vermeide es, oft und unbescheiden von deinen eigenen Texten und Gefahren zu sprechen. Denn wenn es dir auch Spaß macht, deiner überstandenen Gefahren zu gedenken, so macht es doch den andern nicht denselben Spaß, das zu hören, was dir zugestoßen ist.

monochrom, unschweiz

10-10_10
Wenn du weisst, dass du mit jemandem zusammenkommen wirst, dann stelle dir, zumal wenn der Betreffende eine hohe Stellung einnimmt, vor Augen, was in diesem Falle Sokrtates oder Zeno getan hätte, und du wirst nicht in Verlegenheit sein, wie du dich dem Fremden gegenüber würdig benehmen sollst.

Willst du zu einem mächtigen Herrn gehen, dann denke: du wirst ihn nicht zu Hause treffen, man wird dich nicht vorlassen, man wird dir die Tür vor der Nase zuschlagen, er wird sich um dich gar nicht bekümmern. Musst du trotz alledem noch hingehen, dann geh, lass kommen, was kommen mag, und sprich niemals bei dir: das war der Mühe nicht wert. Das wäre niedrig und eine verkehrte Auffassung von Außendingen.

monochrom, Schweiz VI

02-10
Zu den Vorträgen gewisser Leute gehe nicht aus Laune oder ohne besonderen Gund. Wenn du aber hingehst, dann beobachte ein würdiges und wohlgesetztes Verhalten, das niemandem lästig ist.

monochrom, schweiz V

01-10
Oft Zirkusspielen beizuwohnen ist nicht nötig. Wenn es aber einmal vorkommt, dann zeige dich für niemanden besonders interessiert als für dich, das heisst, habe nur den Wunsch, dass alles so geschieht, wie es heschieht, und gönne jedem Sieger seinen Sieg. So wirst du kein Ärgernis haben. Beifallsrufe, freudiges Zuklatschen oder größere Anstrengung vermeide ganz und gar. Und wenn die Sache aus ist, sprich nicht viel über das Geschehene, überhaupt nur, sowei es zu deiner Förderung dient. Denn sonst könnte es scheinen, das Gesehene habe dir Bewunderung abgenötigt.

monnochrom, SCHWEIZ IV

30-09
Von Werken der Liebe halte dich vor der Ehe nach Kräften rein. Kostest du aber davon, son beschränke dich auf den erlaubten Genuss. Sei aber nicht denen lästig, die Gebrauch davon machen, und tadle sie nicht; und rede nicht viel davon, dass du selbst enthaltsam bist.
Wenn dir jemand hinterbringt, dass der oder jener gehässig über dich spricht, so verteidige dich nicht, sondern antworte: er wusste wohl die anderen Fehler nicht, die mir noch anhaften, sonst hätte er nicht bloß diese angeführt.

monochrom, Schweiz III

29-09
Die körperlichen Bedürfnisse befriedige nur, soweit es durchaus notwendig ist, was Essen, trinken, Kleidung, Wohnung und Dienerschaft betrifft; was aber dem äußeren Glanz und dem Luxus dient, das meide ganz.

monochrom, schweiz II

28-09
Einladungen zu Gelagen bei Andersgesinnten und Ungebildeten schlage aus. Kommt aber einmal ein solcher Anlass, dann sei deine Aufmerksamkeit gespannt, damit du nicht in das Wesen der Menge zurückfällst. Denn merke dir: hat jemand einen verkommenen Gefährten, so muss er unweigerlich mit verkommen, auch wenn er selbst unverdorben sein sollte.

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loco-cafeallaposta
loco-berg
loco-berg
Die kurze Pause ist vorbei. Die abgebildeten Schweizer wohnen im Tessin, im Nachbarort von Berzona, wo es auch Max Frisch, Alfred Andersch und Golo Mann hinverschlagen hatte. In Berzona neben dem Friedhof findet sich ein ziemlich hässlicher Autogaragenbau.

monochrom, zweidunkle

24-0925-09
Für die Frömmigkeit ist die Hauptsache, richtige Vorstellungen von den Göttern zu haben: dass sie sind, dass sie die Welt gut und gerecht regieren, dass es deine BEstimmung ist, ihrem Willen dich zu fügen, dich in alles, was geschieht, zu schicken, dich gern und mit der Überzeugung zu fügen, dass es von höchster Einsicht so zum Ziel geführt wird; dann wirst du die Götter niemals tadeln, nie ihnen Vorwürfe machen, als kümmerten sie sich nicht um dich.
Aber das ist nur dann möglich, wenn du die Begriffe von Gut und Böse nicht dem entnimmst, was nicht in unserer Macht steht, sondern sie nur in dem suchst, was wirklich unser ist.
Wenn du jedoch etwas von jenem für gut oder böse hältst, dann musst du unweigerlich den Urhebern Vorwürfe machen und sie hassen, wenn du etwas nicht erreichst, was du erstrebst, oder wenn dir etwas widerfährt, was du nicht wünschest.
Denn jedem Wesen ist es angeboren, das, was ihm schädlich erscheint und was den Schaden verursacht, zu meiden und zu fliehen, dem Nützlichen aber und seinen Ursachen nachzugeben und es zu bewundern.
Es ist also unmöglich, dass einer, der sich geschädigt glaubt, sich über den Urheber des Schadens freut, ebenso wie man sich unmöglich über den Schaden selber freuen kann.
So kommt es, dass ein Vater von seinem Sohne verwünscht wird, wenn er ihn an den Dingen nicht teilnehmen lässt, die jener für Güter hält. Auch für Eteokles und Polyneikes war das der Grund zur Feindschaft, weil sie die Alleinherrschaft für ein Gut hielten. Daher kommt es, dass der Landsmann der Götter lästert, darum tut es der Seemann, darum der Kaufmann, darum alle, die Weib und Kind verdienen.
Denn Vorteil und Religion stehen miteinander in Wechselbeziehung. Wer daher sein Streben und sein Meiden in die richtige Bahn zu bringen sucht, der handelt eben dadurch auch religiös. Doch Trank- und Brandopfer darzubringen, die Erstlingsgaben nach Väterbrauch zu weihen, ziemt sich für jeden; mit reinem Herzen, nicht gedankenlos, nicht nachlässig, nicht gar zu kärglich, aber auch nicht über Vermögen soll man es tun.
Wenn du zu einem Orakel gehst, so merke dir: welches Ereignis dir bevorsteht, das weisst du freilich nicht, sondern deswegen bist du zum Wahrsager gekommen, um es zu erfahren; von welcher Art aber eine Sache ist, das wusstest du schon, als du kamst, wenn anders du ein Philosoph bist. Denn wenn es eins von den Dingen ist, die nicht in unserer Gewalt stehen, dann kann es in keinem Falle ein Gut oder ein Übel sein.
Bringe also zum Wahrsager weder Wünsche dafür noch dagegen mit; geh auch nicht mit Zittern undZagen zu ihm, sondern in der Überzeugung, dass alles, was da kommen wird, gleichgültig ist und dich nichts angeht; welcher Art es auch immer sei – es wird möglich sein, davon einen guten Gebrauch zu machen, und daran kann dich keiner hindern.
Getrost also wie guten Ratgebern nahe dich den Göttern und, wenn dir ein Rat erteilt worden ist, dann denke daran, wen du als Ratgeber genommen hast und wem du ungehorsam sein wirst, wenn du nicht hörst.
Geh aber auch nach dem Beispiel des Sokrates nur in solchen Fällen zum Orakel, wo alleine der Ausgang der Sache in Frage steht, und wo weder durch vernünftige Überlegung noch durch irgendeine Kunst die Mittel geboten sind, das klar zu erkennen, was bevorsteht.
Wenn du also einem Freunde oder dem Vaterlandes beistehen musst, dann frage nicht erst das Orakel, ob du es tun sollst. Denn wenn dir der Seher sagt, die Opferzeichen seien schlecht ausgefallen, so bedeutet das offenbar den Tod oder den Verlust eines Gliedes oder Verbannung. Aber die Vernunft fordert auch unter diesen Umständen, dem Freunde, dem Vaterlande in der Gefahr beizustehen. Wahrlich, darum richte dich nah dem größeren Seher, dem phytischen Apollo, der aus seinem Tempel den Menschen hinauwies, der seinem Freunde in Todesnot nicht zur Hilfe gekommen war.
Stelle endlich für dein Wesen ein festes Gepräge, ein bestimmtes Ideal auf, wonach du dich richtest, wenn du mit dir allein bist oder unter Menschen gehst.
Schweige gewöhnlich, sonst sprich nur das Notwendige und das mit wenig Worten. Selten, nur wenn es die Umstände erfordern, rede, aber nicht über alltägliche Dinge, nicht über Zirkuskämpfe, Pferderennen oder Athleten, nicht übers Essen und Trinken – das sind triviale Gesprächsstoffe -, vor allem aber nicht über andere Leute, um sie zu tadeln oder zu loben oder auch nur zu vergleichen.
Wenn es dir möglich ist, so lenke durch deine Unterhaltung das Gespräch der Gesellschaft auf einen angemessenen Gegenstand. Bist du aber allein unter ganz Fremden, dann schweige.