Jetzt sterben sie alle. Marjane Satrapi am 4. Juni. Und jetzt David Hockney. Hockney habe ich relativ früh entdeckt. 1987 war ich zum erstenmal im Centre Pompidou in Paris und hab mir dort ein Katalogbüchlein über David Hockney gekauft.Ich war angetan insbesondere von den Portraitzeichnungen in Blei-, Farbstift und Feder in Tusche. Sehr klare und konzentrierte Zeichnungen, die ich, insbesondere die Farbstift-Varianten, nachzuahmen suchte. Es würde mich reizen, die Tage mal auf den Speicher zu krabbeln und die alten Mappen rauszusuchen, ob ich da noch was finde … Hockney hat mich immer wieder beschäftigt, wahrscheinlich ist er der Einzelkümnstler, von dem ich die meisten Ausstellungen gesehen habe: Die Retrospektive 2001 in Bonn, 1998 die Photoworks in Köln, 2013 The bigger Picture, auch im Ludwig in Köln. Auf Schloss Moyland gab es eine kleine Show mit seinen Radierungen zu den Gebrüdern Grimm 2016. Was mich beeidruckt hat, war immer die Freiheit, die er sich genommen hat. Die Experimentierfreude. Er hatte ein schönes und langes Leben.
Weshalb mich der Tod von Marjane Satrapi letzte Woche allerdings wahrscheinlich auch mehr erschüttert und berührt hat. Ihr „Persepolis“ hab ich erst 2018 entdeckt. Zuerst als Buch. Und dann auch als Film. Ich habe das Buch letzte Woche nochmal aus dem Regal geholt und wieder gelesen. Ein völlig anderes Leben. Eine völlig andere Welt. Ich weiß mit diesem Tod gar nichts anzufangen. Eben stolpere ich über einen France Inter – Beitrag zu ihrem Tod, wo sie auf die Frage, ob sie manchmal an den Tod denke, antwortet: Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute. Was bleibt mir, als ihre anderen Bücher endlich auch mal zu lesen.
Vermisst man jemanden, von dem es so viel gegeben hat, weniger, als jemanden, von dem noch so viel hätte kommen können? Ist das eine blöde Frage, vielleicht sogar eine ungehörige und ungebührliche?
Ich hege ja die Vermutung, dass irgendwann der Punkt erreicht ist, wo man von der Welt dermaßen genug hat, dass man gehen kann.
Zwei sehr unterschiedliche Leben.
Nachtrag: Alle wissen, was sie am 9. September 2001 getan haben. Ich höchstselbst war in der Hockney-Retrospektive in Bonn. Müde im Zug noch insbesondere über Bilder nachsinnend, bei denen ich mir die Frage stellte „darf der das?“ (diese Ansicht vom Fuji mit Blumen davor z.B.), schlief ich, um an dem ein oder anderen Bahnhof leicht das Auge zu öffnen, eine merkwürdige Stimmung unter den Leuten spürend, ohne zu wissen, dass inzwischen die Welt eine andere war.

























