
Skizzenbuch und permanenter Ausstellungsraum von Klaus Harth



ich mißtraue dem funkeln der sterne seit wir damals alle eingeschlossen waren kommen sie mir hinterlistig vor und nicht mehr lustig und ich füttere den mond stattdessen der mich beißen wird oder sogar fressen wer weiß aber aus dem mißtrauen gegenüber den sternen wird das vertrauen in den mond der mich beißen wird oder sogar fressen und eigentlich weiß ich das genau aber gleiches recht für alle auch für die die micht entrechten und engrechten und da hinten war ein stern für den sich niemand interessiert hat aber ich es geht ungerecht zu und gleiches recht für alle ihr starrt nur alle auf die zähne des mondes es wird aber nicht so schlimm werden denn die gefahr ist anderswo nämlich in der hinterlist der sterne die schwach funkelnd schon lange nicht mehr die wahrheit sagen was ist also gegen den mond zu sagen gegen seine zähne dank seiner gravitätischen kraft könnten sich neue hoffnungsvolle und alternative sternbilder bilden sie wachsen am himmel sie wachsen am abend und am morgend sind sie auch noch da (ich weiß nicht was ihr wollt) mit neuen horrorskopischen tatsachen bekommen alle diejenigen futter denen das futter zusteht nur diejenigen nicht die gar nicht hierher gehören und wer sagt das das sagen ich und der mond und am schluss nur noch der mond ganz allein allein mit seinen zähnen.













Manchmal, und gar nicht mal so selten, passiert es mir, dass ich zu einem bestimmten Anlass, einem bestimmten Projekt und Auftrag eine Technik benutze, benutzen muss, die ich ansonsten gar nicht so sehr anwende. Hier ist das auch wieder der Fall. Es ist noch gar nicht klar, ob diese Zeichnungen für dieses geplante Buchprojekt verwendet werden, ob es dem Verleger so gefällt, wie wir uns das denken. Es hat sich aber ergeben, dass die Arbeit mit Tinte (die man mir überraschenderweise zu Weihnachten geschenkt hat) besser passt als Tusche oder Graphit oder was auch sonst immer wieder in Frage hätte kommen können. Die Verwischungen der noch nassen (und nicht gänzlich schwarzen) Tinte erzielt Effekte, die ich ansonsten eher ablehnen würde, die mir hier, sowohl formal als auch inhaltlich zu passen scheinen. Und das ist, auch in diesen glücklosen Zeiten, dann doch ein Glück.




Krisenzeit ist gute Zeit. Schwer auszuhalten, manchmal. Aber, auch manchmal, kommt etwas Interessantes dabei heraus. In Zeiten, wo man das Gefühl hat, außer einem selbst interessiert sich niemand für das, was man da so tut, wie weitermachen? Interessieren ich mich selbst noch, für das, was ich da so tue? Es gibt da verschiedene Stadien der Zweifels-Eskalation. Und immer wieder die Frage: Lässt sich die Form dann doch so zuspitzen, dass es vielleicht doch die richtigen Köpfe erreicht? Eine Idee war 2020 mein Jahrbuch. Eine Form, Texte, Zeichnungen, Notizen zusammenzubringen und vielleicht zum miteinander funktionieren zu bringen. Geht. Und geht nicht. Und geht. Und geht nicht. Na was jetzt? Die Tage fiel mir ein Konzept wieder ein, dass mir vor Jahren bereits im Kopf rumspuktete: INFORMATION – DEFORMATION. Auch hier war es als ein Miteinander von Texten, Ideen und Gedanken, vor allem als Ausdrucke der „tagessätze“ gedacht im Zusammenhang mit Ausdrucken von Zeichnungen und Bildern. Die tagessätze waren als Beitrag von wadiwadi 2021 in Kaiserslautern zu sehen, als Beklebung eines Schaufensters eines im Laufe der Ausstellung dem Abriss freigegebenen Nachbarhauses des Theodor-Zink-Museums. Datt war cool. Und die letzten Tage schwebt mir sowas vor als Ausstellungskonzept (ich muss es nur noch ein wenig besser formulieren): Texte und Zeichnungen und vielleicht auch im Zusammenhang mit Lesung/Projektion was auch immer. Hach, während ich das so schreibe, macht mir das sogar fast wieder ein bisschen Mut.
By the way: Vielleicht war das auch ein kleiner Brandbeschleuniger dieser Idee: die alljährliche Walpoden-Visionen der Walpodenakademie in Mainz: Wer will schickt ein bis drei aktuelle Arbeiten, von denen dann eine ausgesucht und auf A3 ausgedruckt wird. Datt janze wird dann nebeneinander ins Schaufenster geklebt. Und ich finde das einfach eine schlichte und einfache und famose Idee, wie man dem Ding der Kunst, wenn es das denn gibt, auf andere Art wieder näher kömmt. Ich fahr demnächst mal hin und mach n Foto.
In der Süddeutschen gestern ein Artikel über den Begriff der Kulturschaffenden, der immer mehr um sich greift und, wie der Artikel nachweist, nachweislich aus dem Nazi-Jargon stammt. Das ist interessant. Mein Lieblingssatz aus dem Artikel: „Wer Kultur schafft, hat einen Plan und erfüllt seine Pflicht. All das Überflüssige und Überschüssige, das Nutzlose, Luxuriöse, das Zufällige, Emergente, Explosive, das die Kunst braucht, geht in dem Begriff nicht auf. Und schon gar nicht die seltsame Erkenntnis, dass es oft die Werke sind, die den Künstler formen und nicht umgekehrt.“ Ok, das war mehr als ein Satz. Aber: Wer Kunst schafft, erfüllt seine Pflicht. Kunstsschaffende kommt bei mir fast in einem Atemzug mit „Kreativwirtschaft“. Und vielleicht sind auch hier die Gründe zu suchen, warum mich kaum noch was hinter dem Ofen hervorlockt. Alles funktioniert irgendwie. Passt sich ein. Ist ein Teil der Unterhaltungsindustrie: Jetzt Tickets lösen für die Art Karlsruhe! Die Leute vom Saarbrücker Künstlerhaus bieten seit Jahren Fahrten zur Art Karlsruhe. Dabei war Joseph Beuys, den laut Matthias Winzen diese Woche im Saarbrücker Zeitung Interview kaum noch 5% der aktuellen Kunststudenten kennen, bereits klar: die Mysterien finden am Hauptbahnhof statt. Mit Sicherheit nicht auf der Art Karlsruhe. Dort findet man das, was auf dem Markt funktioniert. Ach, wär ich doch nur ein wirklicher Epikuräer. Kann man das lernen? Ich halt mich da raus, muss mich dann aber auch nicht drüber aufregen? Ich spiele nicht mit, spiele dann aber auch nicht mit? Konsequenz ist was für Anfänger. Belegen wir einen Fernkurs in Misanthropie. Vielleicht macht es das besser. Und: Ich sollte endlich, endlich mal Lutger Lüdekehaus‘ Buch über NICHTS lesen. Das liegt seit 21 Jahren auf meinem Nachttisch. Vielleicht ist langsam Zeit dafür.





„Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen.“
T. W. Adorno, zitiert nach C. Emcke in „Respekt ist zumutbar“, S. 328
Auch ein Buch, das man verschenken sollte und verschenken sollte und verschenken sollte.



