

Skizzenbuch und permanenter Ausstellungsraum von Klaus Harth




der mensch wird nicht hübscher, wenn er auto fährt, aber er tut es natürlich trotzdem. tagaus und tagein. ohne unterbrechung, vorwärts, rückwärts, meist vorwärts. manche haben vorfahrt und ampeln gibt es. der faradaysche käfig schützt nicht nur vor blitzeinschlag. ist straßenverkehr so etwas wie der alltag? hier bin ich mensch, hier darf ich sein? manche sitzen auch zu viert. wir müssen als erstes an der ampel sein, dann sind wir ein spermium. oder sonstwo. zeit ist leid. hier ist jetzt. welches bild habe ich von der welt, wenn ich immer nur auf grüne ampeln treffe? oder immer nur auf rote? die afd will ampeln nur noch mit blauem licht. was wäre, wenn es nur noch philosophen am lenkrad gäbe? nirgends darf ich aussteigen, denn nirgends gibt es einen halt. parkverbot heißt, dass niemand je ins grüne darf. halteverbot, dass alle rastlos leben müssen. oder rastlos rasen. ich halte mich am lenkrad. ich beiße hinein und es schmeckt kein bisschen nach advent. ich bin nicht gern, wo ich herkomme. ich bin nicht gern, wo ich hinfahre. und weißt du: das geht allen so!


15.5.26 ein hündchen im dino-kostüm, eine frau am müllcontainer, deutlich dem hund zugehörend und die das alles auch schön findet, ein monotoner mäh-roboter, im dino kostüm, ebenso (das wäre ja auch vorstellbar (wieso ist noch nie jemand auf die idee gekommen, seinem mähroboter ein dinokostüm???)) = falsche atavismen im zeitalter falscher gefühle (war das nicht die definition von „kitsch“ das mit den falschen gefühlen (?), aber laut milan kundera ist kitsch ja die „verleugnung der scheiße“), im zeitalter falscher zukunftsvorstellungen also, auf dem trainingsplatz nebenan mehr bälle als spieler, wie zeichnet man das geräusch von torschüssen (?) – – – und jetzt, jetzt erst fällt es auf: kein einziger torwart weit und breit!
bedeutend ist ungleich allgegenwärtig
Freiheit und Freizeit: 1 Buchstabe Unterschied
stöbere eben ein wenig in meinen „tagessätzen“. entdecke den vom 30.11.2016:
wenn es niemanden interessiert, was du tust, existierst du dann – wenn es nur ein paar interessiert, was du tust, existierst du dann ein wenig mehr – wenn es alle interessiert, was du tust, was dann???



kaum geh ich vor die tür,
mache ich mich schuldig
die nachbarin rettet den vogel
aber die luft, die wir atmen,
atmet sonst jemand anderes
… lese eben im www: Trump plant weitere Energiekrise.
Yepp: weiter so!

foto: gerhard schaal
Was mache ich eigentlich den ganzen Tag?
Die letzten Tage vor allem Dateien für die Projektion der Bühnenbilder für das Inklusionsmusical der Lebenshilfe Saarbrücken.
Zeichnungen, die ich mit den Leuten dort vor Ort gemacht habe, eigene Zeichnungen, die ich dort vor Ort gemacht habe, kombiniert zu elektrischen Collagen, die dann projiziert werden.
Dies wär die erste Szene, die, zu diesem Zeitpunkt recht traurige Stadt Grauburg.

Es gibt einen kleinen Videoschnipsel wohl aus einem längerem Interview mit Ann Cotten. Sie wird dort gefragt, was denn Poesie eigentlich sei. Und sie macht einen Schlenker zu Vorgärten. Und wenn sich nun in einem Vorgarten etwas findet, was merkwürdig zugeschnitten ist oder wächst oder ein Gegendstand vielleicht und man es nicht so genau einordnern könne, der Gestaltungswille aber klar erkennbar sei, auch wenn sich mir der Sinn nicht erschließt, das Ding also unverstehbar bleibt, aber heischt, dass es vielleicht verstehbar sein könne – sofern ich sie halbwegs verstanden habe: dann sei das so, wie es sich auch mit einem guten Gedicht verhalte.
Das ist mir auf alle alle alle Fälle sehr viel sympathischer als die gestaltungswilligen Statements all der beflissenen Künstler*innen-Kolleger*innen, die immer so Dinge von sich geben: Ich beschäftige mich mit den Unwägbarkeiten von Blablablupp. All diese Erklärungen des gepflegten Kunstgewerbes.
Es gibt wahrscheinlich mehr Autos als Künstler*innen. Aber wahrscheinlich immer noch mehr Künstler*innen als Tankstellen. Was immer das auch heißt in Zeiten der Inflation.





Das waren dann die Versuche vom 1.5., die mir wesentlich besser gefallen haben. Sie werden dann auch Eingang in die Bühnenbild-Projektion finden. Es sei denn, es käme noch ein technisches Problem dazwischen.

Für eine Szene in dem Inklusionsmusical braucht es WIndräder, die kräftig angepustet werden. Dies war die letzte Stufe einer Zeichnung, die stetig verändert wurde mit Kohle, später Tusche und am Schluss Sprühfarben.