Skizzenbuch und permanenter Ausstellungsraum von Klaus Harth



Orlog ist das niederländische Wort für Krieg. Es wird fast ausgesprochen wie das deutsche Ohrloch. Was natürlich etwas völlig anderes ist. Arschlöcher führen Kriege, Ohrlöcher eher nicht. Im Vergleich sind Ohrlöcher also fast etwas friedliches. Ich hab keins. Ich weiß nicht, in wie weit es schmerzt, wenn man sich eines stechen lässt. Den Schmerz eines Krieges können wir Friedensgeneration uns auch kaum vorstellen. Und wollen das auch nicht erleben.
Der Zeichnung ORLOG READYMADE geht eine kleine Diskussion voraus. Vielleicht nennen wir es auch einfach Briefwechsel. Wenn es auch auf einem elektronischen Messenger-Dienst stattgefunden hat (nicht WhatsApp) statt auf Papier. Und dieser kleine Gedankenaustausch (noch ein besseres Wort) versuchte ein wenig, die ein oder andere Angst oder Nicht-Angst zu beschreiben und die politischen Dinge, die uns so umgeben, einzuordnen.
Was natürlich immer schwer ist, wenn man in einer historischen Situation drinsteckt, was man natürlich immer tut, manchmal mehr, manchmal weniger bedrohlich. Was nun richtige politische Einschätzungen und Entscheidungen sind, wie sich bestimmte Situationen weiterentwickeln oder überhaupt entwickeln: Es ist nur selten wirklich vorherzusagen.
Wie auch immer: Das Gegenüber dieses kleinen Gedankenaustauschs will diese nun bildnerisch umsetzen. Eine Landschaft, in deren Vordergrund eine durch Panzerspuren aufgewühlte und zerstörte Landschaft zu sehen ist. Ein guter Plan, wie ich finde.
Ich habe am Montagabend dann um das Schmierblatt gebeten, auf dem die Farben (vulgo: Grautöne) angemischt und ausprobiert wurden, weil ich dachte: Da ist schon eine ganze Menge von dieser Stimmung drin. Ein Readymade quasi. Wobei ich spontan zwei kräftigere Farbablagerungen mit einem Stück Karton von rechts nach links verwischt habe. Und dann war’s für mich fertig.
Ein Krieg. Bereits fast fertig. Und das würde in etwa die Argumentation meines Gegenübers treffen. Nicht meine. Aber ich habe sie mir bildnerisch zu eigen gemacht. Um die Blickrichtung einzunehmen. Um selbst den Standpunkt etwas zu verschieben. Um anders auf die Dinge zu schauen.





Diese Postkarte bekommen alle geschenkt, die sich für den Rundgang „König?“ in Friedrichsthal anmelden und teilnehmen dürfen (die Anzahl der Teilnehmer*innen pro Aufführung ist begrenzt. Deshalb unbedingt anmelden).







Gestern in der ZEIT vom 8.10. folgendes gelesen in einem Artikel, in dem sich die Autorin einem Selbstversuch ausgesetzt hat, ohne Smartphone auszukommen.
„Tatsächlich konnten die Wolfs zeigen, dass die Gehirnstruktur von Menschen, die ihr Smartphone exzessiv nutzen, denjenigen von Alkoholikern ähnelt. In der linken anterioren Insula, im inferioren Temporallappen und im parahippocampalen Kortex – Regionen, die unter anderem mit Selbstwahrnehmung, Emotionsverarbeitung und dem Gedächtnis zu tun haben – fehlt es den Betroffenen an grauer Hirnsubstanz. …“ (Hervorhebung von mir).
Liegt hier die Crux des ganzen Soziale Medien Wahnsinns? Die ganze menschliche Dummheit steigert sich einfach nicht nur durch die Blubber-Wahrnehmungsblasen, in denen sich alle bewegen, sondern es gibt auch einen physischen Verblödungsmove?
Die Menschheit hat es verdient, dass sie endlich untergeht.
Gestern ein wunderbares Interview geführt. Und das Gefühl gehabt, tatsächlich ab und an auch eine gar nicht mal so dumme Antwort gehabt zu haben. Meist denkt man ja nachher: das hätte man besser sagen können.
Ein Interview zu führen ist eine gute Schule, sich nicht fremd zu schämen. Man kann sich direkt, unverblümt und ohne Umwege direkt für sich selbst schämen.
Vielleicht wäre das ja ein Ansatz für eine kleine Verbesserung der Welt.
Es war, wie sie schlussfolgerte, das Urteilsvermlögen selbst, an der es der Welt mittlerweile mangelte. Den Extremfall verkörperten Eichmann, dem es vollständig abhanden gekommen war, und seine monströse Unfähigkeit, sich mit der Realität zu dessen zu beschäftigen, in das er so begeistert eingewilligt hatte. …
„Ist unsere Fähigkeit zu urteilen, das Rechte vom Unrechten, das Schöne vom Häßlichen zu unterscheiden, von unserem Denkvermögen abhängig? Fallen die Unfähigkeit zu denken und ein verheerendes Versagen dessen, was wir gemeinhin Gewissen nennen, zusammen?“
…
Ihre Antwort lautete Ja – es war die Gedankenlosigkeit, die dem Bösen den Boden bereitete. Das war die wichitigste Erkenntnis. Diejenigen, die Widerstand leisten, ob in Diktaturen, totalitären Regimen oder gegenüber der hinterhältigen Tyrannei, die mit dem Gruppendenken und der performativen Politik in Demokratien einhergeht, sind diejenigen, die auf die Stimmen in ihrem Kopf hören, auf das andere „Ich“ im „Ich bin“, das mit Sokrates sagt: „Ich kann es nicht mehr mit mir selbst aushalten, wenn ich das mitmache, egal was es kostet.“
Heute morgen ein Bericht in der Saarbrücker Zeitung über die Veranstaltung mit Peter Müller zur langen Nacht der Demokratie, wo er sich kritisch zu einem möglichen AfD-Verbotsverfahren geäußert hat. Natürlich ist das gefährlich und natürlich muss man das kritisch sehen.
Aber verkennt das Argument, nach einem Verbot der AfD seien die Gründe, warum die Menschen diese Partei wählten, immer noch da, ein wenig die Lage?
Muss man bei den meisten Wähler*innen nicht trennen zwischen den Gründen, warum sie AfD wählen und den eigentlichen Zielen dieser Partei, die mit diesen Gründen nix zu tun haben. Die wenigsten Menschen wählen die AfD aus rassistischen oder menschenfeindlichen und freiheitsverachtenden Gründen, sondern weil sie sich in der aktuellen Politik nicht gesehen fühlen. (Wobei es natürlich auch Wähler*innen gibt, die die menschenverachtenden Politik der AfD gut finden, aber dies sind hoffentlich nicht die meisten).
Sprich: Die Gründe, warum die meisten Wähler die AfD wählen sind nicht identisch mit den Gründen, warum diese Partei gewählt werden will!
Warum sieht das keiner?
Die AfD verfolgt aber menschenfeindliche und rassistische Ziele und will einen völkischen Umbau dieses Staates. Alles Ziele, die den meisten Wählern auch nicht zugute kommen. Was diese aber nicht sehen.
Ein AfD-Verbot schafft nicht die Gründe der meisten Wähler aus der Welt. Würde aber vermeiden, dass freiheitsgefährdende Tendenzen weiterhin vom Staat selbst finanziert und ermöglicht werden.