nach roméo mivekannin

die Rückseite dieser Zeichnung (durch die Verwendung von Haarspray auf Kugelschreiber schlägt der Kugelschreiber auf die Rückseite durch)

zeichnungen von unterwegs, diesmal Bitche, la ville morte.

Dienstagabend in Bitche en france. Wir verleihen ihr den Ehrentitel „la ville morte“. Allerdings findet sich am Ortseingang, jedenfalls, wenn man von dort herkommt, wo wir herkommen, eine kleine Pizzeria zum Emportieren oder am-Platz-essen. Wir essen am Platz. Und es ist erfreulich lecker und günstig. Kann man also empfehlen, wenn man nicht stattdessen lieber für 153,- € das günstigste Menue im „Strasbourg“ speisen möchte. Das ist aber eh nicht so unsere Welt…
Auf dem Rückweg dann eine Überrest einer Sculpture, die mich aber eher an die Überreste der 2. internationalen Minigolftage in Bitche erinnern möchte, so scheint es jedenfalls, wenn ich mich nicht trompiere.

kafka im tessin

das ist natürlich nicht f.k., das sieht ja jeder (und jeder*in). aber ich hab nach dem kafka_100, quasi zur entspannung, „Kafka am Strand“ von Murakami gelesen. Und dann im Tessin, komplett, ganz und vollständig: „Die Stadt und ihre ungewisse Mauer“, welches mir aus der Leihbibliothek mitgebracht wurde. Zuerst dachte ich: Was ist nur in diesen Murakami gefahren, ist das jetzt so eine Art Michael Ende auf Japanisch geworden? Aber dann hat es doch noch einen anderen Groove bekommen. Man kann das so in einem Wegbrubbeln, ABER: dieses unterschwellig Bedrohliche, ein etwas unterschwellig Unerklärliches, das bei ihm immer den Basso Continuo gibt, schien sich mir mit der im Juni/Juli ausufernden Vegetation sehr schön zu verbinden. Und das schien mir dann Anlass genug für dieses Blättchen (42×29,7 ca.).
Interessanterweise hab ich in meinen Aufzeichnungen der Tessin-Reise von 2011 gesehen, dass ich damals ein Blatt „Kurt Vonnegut im Tessin“ gezeichnet habe. Hab’s aber noch nicht rausgesucht.

es gab dann vorher auch noch eine gesonderte Vegetations-Studie, wie folgt im Bilde zu erkennen:

l’uomo nell‘ olocene

Im Anstieg zum Passo della Garina gibt es die Wegabzweigung Richtung Berzona. In Berzona lebten einst nicht nur Alfred Andersch und Sybille Berg, sondern noch früher, quasi im Holozän: Max Frisch, der in seinem Buch: „Der Mensch erschien im Holozän“ einen nächtlichen Fluchtversuch vor einer sich hinziehenden Unwetterlage beschreibt. In seiner Verzweiflung versucht er das Valle Maggia durch Überquerung des Passo della Garina zu erreichen, um von dort mit dem Zug zu seiner Tochter nach Zurich – wenn ich mich nicht komplett falsch erinnere. Vor Jahren (2012 oder so) waren wir schonmal beim Abstieg an dieser Weggabelung und es hat uns gepickt, uns diesen im Buch (nächtlich bei Unwetter) beschriebenen Weg anzusehen. Damals bin ich an einer Stelle psychisch kollabiert und konnte einfach nicht weiter: Es war zuviel. Zuviel an ungesichertem Weg, zu viel an steilen Abgründen. Jetzt findet man dort einen kleinen Gedenkstein an den uomo nell’olocene, der mit in seiner Gestaltung der Wanderer-Figur mit ihrem merkwürdigen Hut und Rucksack und Schirm die Lächerlichkeit des nächtlichen Versuchs im Buch ganz gut zu treffen scheint. Diese kleine Skizze bei hoher Luftfeuchtigkeit und schon recht ansehnlicher Hitze gefertigt, beschäftigt mich schon die ganze Zeit. Vielleicht wäre das ein interessantes Bildmotiv, um es mal ein wenig durchzudeklinieren.

das oben-unten-problem

vor acht jahren, beim letzten besuch in loco im valle onsernone, hat mich der blick nach unten fasziniert, nachdem mir irgendwann klar geworden ist, wie steil es doch in die tiefe geht. meine zeichnungen wurden dem nicht gerecht. der blick nach oben schloss sich dem an: es war mein oben-unten-problem, an dem ich mich in mehreren blättern abmühte. jetzt war es wieder da, weniger verzweifelt und verbissen. hier dreimal der blick neben dem haus.