4.12.25 heute morgen ein kurzer moment des innehaltens und erschreckens: eine plötzliche stille, von der man erst einmal begreifen musste, dass es diese war, die einen irritierte: von einer sekunde auf die andere kein auto mehr auf der straße, morgens, viertel vor sieben, eine epiphanie, wie lange wird das anhalten, wird das sogar ab sofort für immer und ewig so sein, als hätte es niemals … (?) – eine halbe minute war es am schluss, die einem aber unendlich lang vorgekommen ist

einfach immer nur weiter bilder zu produzieren, ist auch kein superschlauer plan

3 minuten gehirnwäsche, 17.12.25 23uhR44 bis 23UHR51

Ich denke grade über neue Formen nach. Und über Dinge, die man sich früher so getraut hat. Und die niemanden interessiert haben. Die einen aber freier gemacht haben. Ich hatte zum Beispiel mal die Idee, für ein paar Wochen lang Sonntag morgens so um 6 Uhr rum an der Konzertmuschel im Deutsch-französischen-Garten in Saarbrücken ein Klarinettenstück zu spielen. Dinge, die sich ereignen, die aber kaum jemand mitbekommt. Die sich aber trotzdem ereignet und folglich die Welt verändert haben. Auch wenn sie, diese Welt, das nicht bemerkt hat. Heute lasse ich mich vom Alltag auffressen. Die tagessätze, mit denen ich mich gegen die Vereinnahmung wehre, schreibe ich viel zu selten. Meine Beobachtungen sind meine Beobachtungen und meine Sprache, die ich der Welt entgegensetze, verhindern, dass ich überrollt und aufgefressen werde. Ich schreibe sie viel zu selten, diese Sätze. Ich zeichne viel zu selten die Blätter, die mich am Leben halten. Auch wenn sie keiner sieht, existieren sie und verändern die Welt. Auch wenn sie es nicht merkt. Sprich wenigstens mit dir selbst. Leise reicht völlig. Viel zu viele sind laut genug.

van Goghs Sohn führt höchstpersönlich durch die Ausstellung

so zwischendurch – ansätze und absätze

Letztens wurde es mir zugetragen: Sigurd Rompza, dem das Saarland-Museum gerade eine Ausstellung widmet, konnte mit Picasso nicht so viel anfangen: zu viele verschiedene Ansätze, keine wirkliche Kontinuität in der Arbeit. Nundenn. Aber interessant. Aber stimmt das denn überhaupt mit dieser Zutragerei? Spielt das eine Rolle, ob es mir richtig zugetragen wurde oder nicht? Wie auch immer, irgendjemand konnte Picasso aus dem Grunde der Nichtkontinuität nicht leiden. Mir fallen eine Menge anderer Gründe ein. Und man sollte vielleicht auch Mensch und Kunst unterscheiden? Was wiederum ein anderes großes Thema ist. Ob das geht, wenn jemand ein Ekelpaket ist. Kann man dann seine (oder ihre) Kunst gut finden. Zumindest teilweise? Ein weiteres weites ausgedehntes, nicht geklärtes und vielleicht auch nicht klärbares Feld.

Jetzt aber retour, da capo al fine, quasi, denn, wenn ich mich recht erinnere, war es mal wieder Canetti (bei mir ist es immer irgendwie Canetti, auch wenn ich das Zitat niemals wieder gefunden habe), der gemeint hat, es gäbe in der Kunst vor allem – und noch blöder: jetzt weiß ich noch nicht mal mehr, welche Begriffe er genau gebracht hat – es gäbe in der Kunst vor allem zwei Sorten Künstler*innen: die Eindampfer (so will ich das mal nennen), diejenigen, die also ein Thema, bestenfalls ihr Thema, formal ein Leben lang dermaßen eindampfen, dermaßen reduzieren und zuspitzen, dass sie zu einer Essenz gelangen. Zumindest scheint das ihr Wunsch, Ziel und Begehr. Die Kunst des Bogenschießens, wie es die Japaner lehren. Oder Tai Chi oder oder. Konzentration, Kontemplation. Selbstvergessenheit im Einköcheln des Themas und seiner interessant erscheinenden Form. Und es gibt die Chaotiker, Synthetiker, Beobachter, die die Welt wahr- und aufnehmen und alles auf unterschiedlichste Art und Weise wieder neu zusammensetzen. Die ihr Thema (von mir aus auch im Plural) auf immer wieder neue Art und Weise umkreisen und umzingeln, um es sich greifbar und dingfest zu machen. Die Welt auf diese Art zu begreifen versuchen. Dasselbe auf immer wieder neue Art sagen. Und vielleicht bleibt es dann ja auch nicht „dasselbe“. Dies kann dann formal unkonsequent erscheinen, gleichzeitig aber nicht weniger konsequent sein, als das formale Eindampfen. Und nicht zu vergessen, die ganzen Formen dazwischen. Was ist mit jemandem wie Gerhard Richter? Geht es hier nicht in letzter Konequenz um die Fragen, was alles ein Bild sein kann und was alles auf diese Weise sagbar ist? Ach.

Und ist Eindampfen vielleicht doch ein blödes Wort für das, um was es hier eigentlich geht? Wer weiß ein besseres?

(Ich für meine Person finde viele Picasso-Werke famos, insbesondere viele aus dem zeichnerischen Bereich. Und auch einige plastische Arbeiten sowieso. Es gibt aber auch viele Werke, die finde ich unglaublich unerträglich, unerträglich misslungen, redundant und überflüssig. Ich hätte mich mit ihm menschlich wahrscheinlich null verstanden, weil ich ihn wahrscheinlich einfach zu testosteronlastig empfunden und ihn alleine körperlich unerträglich gefunden hätte. Und natürlich ist seine Haltung Frauen gegenüber ein absolutes No-Go. Viele Arbeiten von Sigurd Rompza finde ich unglaublich interessant und pfiffig als Position der Kunstrichtung, die er hauptsächlich vertritt. Das nur so als kleinliche Ergänzung dieses kleinen Einwurfs auf einen Zuwurf, ob er nun inhaltlich gestimmt hat oder nicht.)