Bildbeschreibung 2

Eine Postkarte. Man blickt über eine große Kiesfläche. Im Mittelgrund Wasserbassins, in den Boden eingelassen, wie sie für bestimmte Parkanlagen typisch sind. Hinter den Bassins beginnen auch die ersten Hecken- und Baumreihen, die, wohl leicht abschüssig, ab dort in die Tiefe des Raumes (und des Parks) führen. Im leichten Dunst, in ziemlicher Entfernung,sind einige Hochhäuser zu erkennen. Jetzt kommt aber das Außergewöhnliche: Vor dem rechten Bassin, quasi zum Beginn des Mittelgrundes, steht ein dunkelgrünes rechteckiges, an eine große Gartentür erinnerndes Metallteil. Eine Art Absperrung, wenn man es sich genauer betrachtet, denn links und rechts sind dreieckige Stützkonstruktionen angebracht. Es ergibt sich aber aus dem Bildzusammenhang keinerlei Anlass zu einer solchen Absperrung. Links und rechts des Gitters gibt es genügend Platz, um einfach so daran vorbeizuspazieren. Im Bild selbst erfüllt es aber tatsächlich die Funktion eines Blickfangs: Die Absperrung ist die Attraktion der Postkarte. In ihrer Strenge erinnert die Metallkonstruktion natürlich auch an Bildfindungen des Konstruktivismus, was von der Fotografin wiederum unterwandert wird, indem sie sie, wie man es auch hätte machen können, aber eben gerade nicht zentral im Foto arrangiert. Die Absperrung lässt diese Erinnerung offen, steht auf der anderen Seite aber auch einfach nur so rum. Farblich in der Nähe der Parkbäume und Hecken, wird der Unterschied zwischen Natur und Menschengemachtem klar, erinnnert aber gleichzeitig daran, dass auch die Anlage des Parkes selbst etwas Menschengemachtes und nicht etwas Natürliches ist.

nussbaum
Acryl, Öl auf Leinwand, 80x70cm, 21.10.09

Bildbeschreibung 1

Ein kleines Bild (Format 36x36cm) zeigt eine sich kauernde junge Frau mit dunklen Haaren und dunklem Kleid. Ein schulterfreies Kleid mit sogenannten Spaghettiträgern. Die Figur ist nach unten angeschnitten, das linke Bein ragt gerade noch ins Bild. Darauf ruht der linke Arm der abgebildeten Frau, deren Blick, vom Betrachter abgewandt, von ihr aus gesehen nach links unten gerichtet, zur Mitte des Bildformates zielt. Der rechte Arm führt locker nach unten und ist ebenfalls am unteren Bildrand angeschnitten. Man könnte sich vorstellen, dass die Frau sich in ihrer hockenden Haltung damit auf dem Boden abstützt. Die Figur trägt eine gelbe Kappe mit zwei schwarzen Hörnern darauf. Die Hörner erreichen den oberen Bildrand. Die Hauttöne der Figur sind vergleichsweise zart gehalten und wechseln zeitweise in eine leicht blau-graue Farbskala. Der Hintergrund des Bildes ist in einem Dunkelrot gehalten. Malgrund des Bildes ist ein Stoff, auf dem bereits ein Blumenmuster aufgedruckt war. Im Wechsel eine geöffnete Rosenblüte und ein Rosenstengel, ebenfalls mit drei Blüten daran, diese allerdings geschlossen. Diese bereits aufgedruckten Blüten sind an einigen Stellen übermalt worden, dabei aber noch erkennbar, an den nicht übermalten Stellen wurden sie als eine Art regelmäßiges Grundraster ins Bild integriert. Dadurch scheinen zum einen die Blüten durch das Bild und um die Figur umherzufliegen, zum anderen scheint ein Rosenstengel auch einmal als Dekor der gelben Mütze zu dienen. Aus dem Gegensatz nicht zuletzt der merkwürdigen schwarzen Hörner und der leicht verletzbar wirkenden Haltung der Figur entsteht eine gewisse, durchaus auch erotische, Spannung, die offen lässt, was nun gleich als nächstes passieren wird.

AUFRUF

An alle Leser dieser Kolumne: Zwischen dem 30.11. und dem 6.12.09 dieses Jahres werden im Nauwieser Neunzehn die sogenannten KUNSTSTOFFE stattfinden. Näheres in lockerer Folge demnächst auch hier vor Ort.

Unter anderem wird es nebst ausgestellten Arbeiten auch Lesungen, Musik, Ess- und Trinkbares geben.
Einer der Themenstränge, der sich in den Vorbereitungen herausgeschält hat: Abbild und Wahrheit, was ist Wahrnehmung etc. ppp.
Nicht zuletzt wird es auch eine Lesung im Dunklen geben, gehalten von Frau Christa Rupp, die im Blindenverband aktiv, die sehenden Zuhörer in einen anders hörenden Zustand versetzen wird.

Wir, die Veranstalter der KUNSTSTOFFE, bitte alle Menschen, die dies hier nun lesen (und auch andere) um eine Beschreibung ihres (oder eines ihrer) Lieblingsbilder. Zwölf Zeilen in etwa. Nicht zu ausführlich, aber dennoch möglichst präzise. Diese Beschreibungen werden Bestandteil einer Lesung (oder mehrerer Lesungen), auf Wunsch mit Namensnennung des Autoren oder der Autorin, auf Wunsch anonym. Was auf jedenfall nicht genannt werden wird: Titel des Bildes und dessen Autor, bzw. Autorin.
Geplant ist auch, die Texte während der Ausstellung im Schaufenster auszuhängen, resp. in einer kleinen Publikation zu veröffentlichen. Je nachdem. Die Veröffentlichung können wir allerdings nicht versprechen, falls zuviele Texte eingehen sollten, muss wohl oder übel ausgewählt (oder gelost) werden…
Wer nicht schreiben mag, darf uns auch eine kleine Skizze (wenn möglich mit Filzschreiber, einfarbig schwarz) des entsprechenden Werkes zuschicken. Entweder per Post (die Postadresse kann man sich per E-mail klaus_harth@web.de erfragen) oder per jpeg-Datei, mindestens 300dpi aufgelöst.
Texte per E-mail oder wer möchte auch als Kommentar auf diesen Eintrag.
Wir bedanken uns bereits jetzt sehr herzlich und sind sehr gespannt!
Lisa Borscheid
Klaus Harth

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aus einer Folge von 33 Zeichnungen am Abend des 8.10.09, voller Ärger, nervöser Anspannung und müde verklebtem Kopf, Folienschreiber auf äußerst glattes Papier, 21x21cm

baustelle
Baustelle, Graphit auf Papier, 20,5×30,5cm

damit niemand was verpasst…

einlkennokpf
Eröffnung am 9.10. um 19 Uhr in der Stadtgalerie SB. Jetzt kann man endlich gucken, was das mit den SB-Zeichnungen und den entsprechenden Fotos von Dirk Gebhardt auf sich hat, oder auch nicht…