anderhandzutragen

paket
2 vogelbilder, die, fast ein dreivierteljahr in mainz gelagert, gestern in form eines verschnürten paketes mit plastikgriff aus klebeband, zurückgeführt wurden. wie das genau aussah (paket in mainz, am rhein, im schließfach der kunsthalle, rausgetragen aus der kunsthalle, durch die neustadt, im zug etc.) das müsst ihr euch vorstellen (phantasie, vorstellungskraft etc.) heut‘ ist sonntag, da ist zeit für sowas.

15-06
15-06-kopie
Tusche, Graphit auf Papier, 15.6.10

proč -> proto

grabschmuckgrazienjanacekundichlampeprag
fruehstueckimgruenen
Auf der Rückreise ein Abteil voller kleiner Tschechen, so geschätzt um die zehn oder elf Jahre alt, die nach knapp zehn Minuten bereits die Hälfte ihres Proviantes weggefuttert hatten und so aufgekratzt waren, dass sie sich bereits über einen herausfallenden Apfel (jablko) aus einem der Rucksäcke kaputtlachen konnten. Ebenfalls mit im Abteil: ein Finne auf dem Weg zurück nach Finnland.
Der Finne spricht die Kinder auf englisch an, was sie zwar als solches erkennen, aber nicht darauf antworten können (nevím). Auch uns hielten sie wohl deshalb anfangs für englisch sprechende Menschen.
Irgendwann bekamen sie dann aber doch spitz, dass das wohl kein Englisch war, was wir sprachen, der Zug fuhr Richtung Deutschland, also wohl: německý. Sie überlegten gemeinsam und bekamen heraus: dobrý den = guten Tag.
Und dann ging die Assoziationskette weiter: Německo -Hitler; ein bisschen haperte es noch mit dem richtigen Vornamen, aber bald war auch der gefunden, und jetzt ahmten sie erstmal mit Armbewegungen Maschinengewehre nach, allerdings nicht allzu lange, um sich daraufhin in ein recht ernsthaftes und ruhiges Gespräch darüber einzulassen, was sie umeinander alles darüber wussten. Zehn oder elf Jahre alt und in Děčín ausgestiegen und ab auf den Wandertag.
Der Finne guckte aus dem Fenster und fragte, ob das hier bereits Germany sei. Not yet. In der Sächsichen Schweiz dann: Aus dem Flugzeug sieht man das alles nicht!
In Dresden in der Straßenbahn randalierende dreizehn oder vierzehnjährige Deutsche.
Die Sächsiche Schweiz nicht nur nice countryside, sondern auch Hochburg der Rechtsradikalen.
Und vorgestern haben sie in Luxemburg 25 Jahre Schengener Abkommen gefeiert.

Wiederaufbau

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Heute war es denn soweit: nach Neuaufkleben, Neumalen, Neulacken und Testen (zwei Tage Sonnenbestrahlung und fast fünf Tage Dauerregen) Wiederaufbau am Ort der Präsentation in Orscholz, Cloef-Atrium. Hoffentlich hält das nun auch die Zeit bis September durch und erstmal die nächste Woche mit geplantem Dauersonnenschein.
Beim die Schraub- und Aufstellarbeit sich anschließenden Durchschreiten des Cloef-Geländes (außerdem war Feiertag und spätestens ab 10 Uhr strömten die Busbewohner und Wanderer zur Cloef und weiter) musste ich feststellen, dass die Besatzung des Atriums die Positionierung der Bänke als flexibel begreift. Einiges, was katalogisiert, kartographiert, gemalt und abgehakt war, steht plötzlich nicht mehr da oder woanders. Auch interessant. Alles fließt. Auch in Orscholz. Auch wird fleissig gebaggert und gebessert, so dass einiges, was auf den Bildern zu finden ist, jetzt defintiv anders erscheint. Abbild und Wirklichkeit. Bleibendes Bild und lebendiges Leben. Soweit. So dings. Den Flyer kann man dort jetzt übrigens auch bekommen.

alle photografien: borscheid and me

balkkonzeichnung27-05
27.5.10, Graphit auf Papier

grüsse an monika

darwinflommersfeld
Immer wieder werde ich gefragt, zuletzt anlässlich der Veröffentlichung von Peter Webers Flommersfeld-Phantasie. Frau M. aus B. schreibt beispielsweise: „Ist der Herr Flommersfeld real?
Oder gehört er in die Welt der Imagination.“
Ich kann sagen: Er ist real. Ich kenne ihn. Er ist mein bester Freund. Und er macht Sachen. Er hat am selben Tag Geburtstag wie Charles Darwin und Max Beckmann, um nur einige zu nennen. Natürlich ist er wesentlich jünger als die beiden.
Er macht Sachen, die man hören kann, und Sachen, die man sehen kann. Oder auch hier. Ich lese seine Sachen auch gerne vor. Und zusammen machen wir noch andere Sachen. Oder solche.

Und zum Abschluss und dem endgültigen Beweise seiner Existenz folgenden Text aus dem Jahre 1999 oder 98 oder 97?:

Vinci2

Zu Schwester Monika entwickelte ich eine besondere Beziehung. Ich wartete geduldig auf den Beginn des Morgens, darauf, daß sie mich berühren möge.

Einmal brachte sie mir ein weißes Blatt Papier und einen Stift. Sie sagte: „Lalalalala“, und deutete auf meinen Mund, dann auf das Blatt. Bald darauf ging sie und überließ mich meiner Neugierde.

Ich zog erste zaghafte Striche.

Ich dachte dabei an Flugobjekte.

Dicke Hummeln.

Bald aber merkte ich, daß mir das Zeichnen leichter fiel, wenn ich an gar nichts dachte. Der Stift bewegte sich dann fast von ganz alleine.

Als die Schwester die Ergebnisse sah, rief sie: „Mein Gott, Sie schreiben russisch!“ Sie lief aus dem Zimmer und kam mit zwei Ärzten zurück. Sie schauten sich die Buchstaben auf dem Papier an und schüttelten den Kopf.

Ich wußte nicht, was das zu bedeuten hatte.

„Alles wird wieder gut.“ sagte sie. „Alles wird gut.“

Sie weinte.

fundstück

jandlmayroecker
Zeichnung aus „Herr Heinz“, 2005, Graphit auf Papier, ca. 100 x 120 cm
Beim Aufräumen am Samstag wiederentdeckt. Überhaupt eine Menge Sachen wiederentdeckt: die Fortführung der Vergangenheit mit anderen Mitteln.