WIR SIND DAS VOLK – der Ruf, der 1989 eine andere Bedeutung hatte als heute. ICH BIN DAS VOLK. L’ÉTAT C’EST MOI! ICH BIN DER STAAT, ODER DU?

DAS IST ja echt der Hammer: ich korriere STATT in STAAT, und immer wenn ich den Post irgendwo öffne, steht da wieder STATT.  Der STAAT STATT meiner?

Also: ich bin nicht zu doof, um Staat zuschreiben, falls es also draußen beim Volk anderes ankommt: die Korrektur funktioniert nicht. Wie blöd. Ein Zeichen?

im letzten Kapitel von Canettis „Masse und Macht“ geht es u.a. um „Herrschaft und Paranoia“. Ein erstes Unterkapitel heißt: Afrikanische Könige. Dort wird ein Ritual aus Gabun beschrieben, wie ein alter König abgesetzt und vor allem, wie ein neuer gewählt wird. Ein Gremium hat den neuen König gewählt, der von dieser Wahl sieben Tage nichts weiß.
„Als er am Morgen des siebenten Tages am Strande spazierenging, wurde er von der ganzen Bevölkerung überfallen. Man vollzog nun einen Brauch an ihm, der der Krönung vorangeht und der jedem außer einem sehr ehrgeizigen Manne die Lust auf den Thron benehmen muss. In einer dichten Masse umringen sie ihn und überhäufen ihn mit Schimpfworten, wie sie nur der wüsteste Pöbel ausdenken kann. Einige spuckten ihm ins Gesicht, einige schlugen ihn mit Fäusten, einige gaben ihm Fußtritte, andere warfen nach ihm mit ekelhaften Gegenständen, während die Bedauernswerten, die zu weit außen standen und den armen Burschen nur mit ihren Stimmen erreichen konnten, ihn, seinen Vater, seine Mutter, seine Brüder und Schwestern und seine Ahnen bis zu den entferntesten Geschlechtern zurück beschimpften. Ein Fremder hätte keinen Pfennig aufs Leben dessen gesetzt, der eben zum König gekrönt werden sollte.

Du bist noch nicht unser König. Jetzt können wir noch mit dir machen, was wir wollen. Dann werden wir dir schon folgen müssen.


Alle Feindseligen Regungen gegen den Toten (der verstorbene König) werden erst an seinem Nachfolger ausgelassen.

Er bleibt aber ruhig, weil er weiß, dass diese Feindschaft eine verschobene ist, sie wird gespielt und gilt nicht wirklich seiner Person. Es muss alles trotzdem als peinlicher Beginn seiner Herrschaft immer in seiner Erinnerung bleiben, die Drohung dessen, was jederzeit geschehen könnte.

Übrigens erhält der neu gewählte König nach seiner Krönung den Namen des alten.
Was sowieso interessant ist: Manche Könige geben sich wie Päpste programmatische Namen.

Wenn man Leute im Landschafts-Kurs hat, die es dankbar annehmen, Baustellen zu malen und zu zeichnen: was für ein Glück. Ansonsten eumel ich ja grade ziemlich durch die Gegend mit meinen zweifelhaften Zweifeln. Gestern aber die Kiste aufgemacht mit den kleinen Zeichnungen von 2018. Und auch das war ein überraschendes Glück. Sehr freche und experimentierfreudige Blättchen dabei, wo man sich immer fragt: War ich früher mutiger?
Auf alle Fälle Felle.
(Und auch eine neue Heckenschere, weil meine Arme dann doch kürzer als früher.)

von der Einsamkeit des Langstreckenläufers

Ein merkwürdiger Zustand: in diesem merkwürdigen Jahr, in dem ich mich plötzlich um ganz viel anderes kümmern musste, entsteht so nebenbei eine ganze Menge Material. Und es läuft, macht Spaß und irritiert mich, und ich hab keine Ahnung, ob es was taugt. „Von der Öffentlichkeit unbemerkt, wurde das Kind mit 4 1/2 Jahren größenwahnsinnig“. (Bodo Kirchhoff).
Von der Öffentlichkeit unbemerkt habe ich langsam keine Ahnung mehr (und mehr).
Aufgeben oder Weitermachen?
„Man muss sich Sysiphos als glücklichen Menschen vorstellen.“ (Camus)
Man sollte mit manchen Dingen aufhören, bevor sie beginnen, einem Spaß zu machen.
Niemandes Nase.
Nobody nose.