
Öl, Acryl auf Pappe, 12.10.10
Skizzenbuch und permanenter Ausstellungsraum von Klaus Harth

Öl, Acryl auf Pappe, 12.10.10

Gefährlich ist es auch, im Gespräch auf schlüpfrige Gegenstände zu kommen. Wenn einmal etwas Derartiges in deiner Gegenwart vorkommt, und es bietet sich eine passende Gelegenheit, so weise denjenigen zurecht, der so weit gegangen ist. Sonst zeige wenigstens durch dein Schweigen, dein Erröten oder durch eine finstere Miene dein Missfallen an solchem Gespräch.
Wenn du dir einen sinnlichen Genuß vorstellst, so hüte dich ebenso wie bei den anderen Vorstellungen, dich davon hinreißen zu lassen. Lass vielmehr die Sache auf dich warten und gewinne dir noch einen Aufschub ab. Dann stelle dir die beiden Zeitpunkte vor, den des Genusses und den danach, wo dich die Reue packt und du dir selber Vorwürfe machen wirst.
Und dem stelle gegenüber, wie du dich freuen und mit dir zufrieden sein wirst, wenn du dich enthalten hast.
Wenn dir aber der Zeitpunkt des Genusses gekommen scheint, dann gib Obacht, dass dich nicht das Einschmeichelnde, die Reize und das Verführerische der Lust zu Falle bringen, sondern stelle dir dageen vor, wieviel schöner das Bewusstsein für dich ist, einen solchen Sieg errungen zu haben.

Abraham David Christian sagt im Interview im Kunstforum Nr. 204, S. 241, dass er als 12-Jähriger einen selbstgezeichneten Katalog zur Dokumenta 1964 gemacht habe.
Das finde ich eine irrwitzige Idee: Du gehst in eine Ausstellung und zeichnest Dir Deinen eigenen Katalog!

Öl auf Pappe, 13.10.10

Vermeide es auch, in Gesellschaft Witze zu machen, denn eine solche Gewohnheit geht leicht ins Gewöhnliche über und ist außerdem geeignet, der Achtung deiner Mitmenschen gegen dich zu mindern.

Öl, Malpappe, 30x40cm, 11.10.10

…als kleinen Geburtstagsgruß an den Fotografen!

In Gesellschaften vermeide es, oft und unbescheiden von deinen eigenen Texten und Gefahren zu sprechen. Denn wenn es dir auch Spaß macht, deiner überstandenen Gefahren zu gedenken, so macht es doch den andern nicht denselben Spaß, das zu hören, was dir zugestoßen ist.

Öl auf Malpappe, 50x60cm, 10.10.10

Wenn du weisst, dass du mit jemandem zusammenkommen wirst, dann stelle dir, zumal wenn der Betreffende eine hohe Stellung einnimmt, vor Augen, was in diesem Falle Sokrtates oder Zeno getan hätte, und du wirst nicht in Verlegenheit sein, wie du dich dem Fremden gegenüber würdig benehmen sollst.
Willst du zu einem mächtigen Herrn gehen, dann denke: du wirst ihn nicht zu Hause treffen, man wird dich nicht vorlassen, man wird dir die Tür vor der Nase zuschlagen, er wird sich um dich gar nicht bekümmern. Musst du trotz alledem noch hingehen, dann geh, lass kommen, was kommen mag, und sprich niemals bei dir: das war der Mühe nicht wert. Das wäre niedrig und eine verkehrte Auffassung von Außendingen.


Öl/Malpappe, 24x32cm
Acryl und Aquarell auf Malpappe, Durchmesser 40cm

Zu den Vorträgen gewisser Leute gehe nicht aus Laune oder ohne besonderen Gund. Wenn du aber hingehst, dann beobachte ein würdiges und wohlgesetztes Verhalten, das niemandem lästig ist.



Oft Zirkusspielen beizuwohnen ist nicht nötig. Wenn es aber einmal vorkommt, dann zeige dich für niemanden besonders interessiert als für dich, das heisst, habe nur den Wunsch, dass alles so geschieht, wie es heschieht, und gönne jedem Sieger seinen Sieg. So wirst du kein Ärgernis haben. Beifallsrufe, freudiges Zuklatschen oder größere Anstrengung vermeide ganz und gar. Und wenn die Sache aus ist, sprich nicht viel über das Geschehene, überhaupt nur, sowei es zu deiner Förderung dient. Denn sonst könnte es scheinen, das Gesehene habe dir Bewunderung abgenötigt.

Acryl, Öl, Lwd., 40x60cm, 6.10.10

Von Werken der Liebe halte dich vor der Ehe nach Kräften rein. Kostest du aber davon, son beschränke dich auf den erlaubten Genuss. Sei aber nicht denen lästig, die Gebrauch davon machen, und tadle sie nicht; und rede nicht viel davon, dass du selbst enthaltsam bist.
Wenn dir jemand hinterbringt, dass der oder jener gehässig über dich spricht, so verteidige dich nicht, sondern antworte: er wusste wohl die anderen Fehler nicht, die mir noch anhaften, sonst hätte er nicht bloß diese angeführt.


Die körperlichen Bedürfnisse befriedige nur, soweit es durchaus notwendig ist, was Essen, trinken, Kleidung, Wohnung und Dienerschaft betrifft; was aber dem äußeren Glanz und dem Luxus dient, das meide ganz.
