
rohes Fett!
Skizzenbuch und permanenter Ausstellungsraum von Klaus Harth

rohes Fett!



roll over a postcard by Lisa Borscheid


eins meiner Lieblingsdetails aus der Wandzeichnung zur DADA-Soirée am 10.12.16

Gestern und vorgestern insgesamt 40 Zeichnungen rausgehauen als Material für SOLA. Was das ist? You will see. Demnächst in diesem Theater. Erst aber mal noch nicht, erst einmal muss gezeichnet und geprobt werden. Heute morgen dann Druckerei und danach Probentag. Morgen dann Druckerei bis etwas länger und dann Probentag. Und heute abend noch scannen von ein paar Zeichnungen. Damit es nicht so langweilig wird.



Was ich auch in diesem Jahr nachgeholt und tatsächlich noch nie in meinem Leben gemacht habe: Springen vom 3-Meter-Brett. Und das im Freibad meines Heimatortes, wo ich vor vielen Jahren auch Schwimmen gelernt habe. Zwei abendliche und zwei samstagliche Schwimmrunden im Freibad meiner Kindheit waren mein Sommer.
Das mit Abstand unmotivierteste und uninspirierteste Buch, das mir (in diesem Jahr auch eine Neuerung: ich bin nämlich seit diesem Jahr zum erstenmal in meinem Leben mangels ökonomischer Mittel zum Bibliotheksleser geworden) in diesem Jahr in die Hände gefallen ist: Unruhezone von Jonathan Franzen. Die einzig interessante Passage darin ist die, wo er sich über die Cartoons von Charles M. Schulz auslässt. Das ist wirklich interessant und teilweise erhellend. Der Rest ist Schweigen. Da stelle ich mir einen sehr amerikanischen Durchschnittsmenschen vor, der eine sehr amerikanische Durchschnittsjugend verlebt hat und ziemliche Durchschnittsdinge getan hat. Vielleicht fängt man manchmal auch einfach mit dem falschen Buch an.
Heute morgen auf der ersten Seite der Saarbrücker Zeitung das Foto eines niederländischen sogenannten Supermodels, das am Strand Müll aufsammelt und obdessen gelobt wird. Dieses Foto zu betrachten ist recht lohnenswert, denn es zeigt den Lug- und Trughudeleicharakter der abgebildeten Wirklichkeit. Das Model lächelt uns an, hat eine kleine Papiertüte mit etwas farbigem Abfall darin. Das ganze wirkt so niedlich, dass man sich kaum vorstellen kann, das man mit so einer Tüte mehr als fünf gedankenlos hingeworfene Banananschalen aufsammeln kann. Außerdem wäre das Papier auch ratzfatz durchgeweicht (man bedenke: Strand). Zweitens: Das Model lächelt den Betrachter an und hat die rechte Hand am Boden, als wäre da was zum Aufsammeln: isabernicht! Da ist nix! Guck hin!! Absolut niente!!! Da ist nur eine Hand am Boden. Und die greift noch nicht mal nach irgendwas. Hängt da nur so rum. Drittens: Der ganze Strand ist komplett abfallfrei. Entweder hat die Gute schon mehrere Stunden fleißg gearbeitet (siehe aber auch: kleine Papiertüte) oder das ist jetzt wirklich eine Stelle, wo man fix fertig ist. Viertes: In diesen Schuhen und in diesem Kostümchen würde ich noch nicht mal bei schönem Wetter am Strand spazieren. Fünftens: Verarschen können wir uns selbst.
Wie hat mal ein höherer technischer Abteilungsleiter der Mainzer Allgemeinen Zeitung (für die ich mal knapp über ein Jahr als Reprofotograf gearbeitet habe) zu mir gesagt: Bei größeren und guten Zeitungen gibt es so etwas wie Bildredakteure.
Muss ja nicht jeder haben, aber ein wenig gedankenvoll bei der Arbeit sein und nicht auf der ersten Seite Müll-Fotos verkaufen, das wäre schon auch mal was. Lustig war`s auf jedenfall anzuschauen. So engagiert sich ein bekanntes niederländisches Model für den Umweltschutz.
Und jetzt Computer ausgeschaltet, in den SUV gesprungen und in den Bio-Markt zum Einkaufen! Schließlich ist Samstag.
Andrea Neumann in Neunkirchen. Was hab ich mich so schwer getan mit dieser Präsentation. Zwiegespalten. Einerseits geht man da durch und denkt: was für eine geile Malerei, Auflösung der Formen und und und. Und andererseits bleibt es schal und macht mich fast wütend: um was geht es hier eigentlich? Du gehst durch und nichts bleibt haften. Ich für meinen Teil werde sogar fast wütend, weil die Bilder dich anlügen, sie tun so, als ginge es um etwas, aber es geht eigentlich um nichts, außer um malerische Effekte. Cathrin Elß-Seringhaus von der Saarbrücker Zeitung lobhudelt bis zum Umfallen. Sie mag das: Projektionsflächen für den Betrachter, die Dich optisch umschmeicheln und somit nicht den Hauch eines Gedankens fordern oder sogar dich als Betrachter fordern. (Vielleicht ist das auch falsch beobachtet: Vielleicht sucht sie ja auch Bilder, die es ermöglichen, sich weiter an den eigenen,sowieso bereits vorhandenen Gedanken und Beobachtungen aufzugeilen, sich bestätigt zu fühlen, anstatt vielleicht auch mal ein wenig aus dem Gleichgewicht gebracht zu werden…) Vielleicht ist das der ideale Ausdruck unserer Zeit? Ich bekenne mich zu gar nichts, alles ist mir Mittel zum eigenen Spiel, aber eigentlich nehme ich die Dinge nicht ernst. Musik als Klang-Design. Kunst als Kunstdesign. Dabei funktioniert es sogar teilweise, wenn man sich ein beliebiges Bild herauspickt und sich den Rest der Ausstellung wegdenkt. Ein einzelnes Bild, sich vorgestellt in einem Museumskonzext mit anderen Werken anderer Menschen: da kann ich mir sogar denken, dass dann das einzelne Bild funktioniert. Aber wenn sie alle zusammen hängen, dann nehmen sie sich gegenseitig was, sie eliminieren sich, die Masche wird deutlich und alles ist an der selben Nadel gestrickt. Kein Wagnis, keine existientielle Wucht, kein Mut zum Bruch: alles ordentlich gemalt und ohne Risiko. Meine Begleiterin hat es schön auf den Punkt gebracht, wo ich wochenlang mit Worten und Sinnsuche hadere: „Eine tolle Malerin, aber sie traut sich nix. Soviel vergeudetes Talent.“
So ein bisschen die Xavier Naidoo der saarländischen Malerei.
(Und dann hat man hier so Leute wie Kurt Emser zum Beispiel, die malen, weil es ihnen um etwas geht, und die bei allen Ausstellungshäusern gnadenlos abblitzen.)
Lang lebe die Kreativwirtschaft!

(mir war eigentlich überhaupt nicht klar, welches hoffnungslose Gedicht ich durch meine Buchauswahl auf dem Ausleihzettel provoziere)




Das Bühnenbild. Einmarsch der Protagonisten. Veränderung des Bühnenbilds vor lebendem Publikum kurz vor Beginn.
Katharina Bihler. Nikola Dimitrov. Jörg W. Gronius. Klaus Harth. Petra Jung. Wolfgang Korb. Armin Schmitt. Et voilà: eine neue Ebène! Unglaubliche Publikumsmassen, Begeisterung aller Orten und Menschen, die nie wieder nachhause wollten. Wie konnte das passieren? In nur vier Proben? Lag es am Frack? An der Musik? Am T-Shirt von Jörg W. Gronius? An Armins Klage oder Katharinas rotem Schlankarm? An Petras Gemurmel?
Wer dabei war, wird es nie vergessen. Wer nicht dabei war hat natürlich mal wieder keine Ahnung davon, was er verpasst hat, und warum sich die Welt plötzlich ganz anders dreht als noch am Samstagnachmittag.
ramba ramba ramba ramba ramba
m-bara m-bara m-bara
bara
ramba
bamba bamba
rambababababa
ich ging mit stark gebeugtem herzen, doch zeitlich erfrischt (nicht erbost), solange, bis der eigene freund seinen eigenen kompletten garten wieder aus sich rauswürgt, an einem seichten nachmittag unter seichten bäumen vor einem seichten schatten und unter wolken; nichts war mehr haltbar, während niemand an seinen großvater denkt, und ich selbst mich sowieso dem schlaf übergeben habe, der mich nach einer halben stunde wieder rauswürgt, zeitlich erfrischt und nicht erbost.


Habe ich doch letztens im VHS-Kursraum SB ein Foto aus der Zeit zur Verschönerung des Raumes angebracht, das einen Pudel zeigt mit auffallend rundem Gesicht und Kindchenschemabetonung, das mit dem Satz „Du siehst aus, wie ich mich fühle“ eine gewisse Komik erzeugt. Tatsächlich ist jemand hingegangen, und hat dem Pudelgesichtsfoto links und rechts je eine Dose Haarspray zugefügt, so dass eine durchaus freche Installation daraus entstanden ist. Die Zeichnung oben habe ich mir als kleine Gedächtnisstütze ins Skizzenbuch eingefügt.