spaßbremse

Gestern war die Stadt schön ruhig. Überall Schnee und weniger Autos und Menschen als sonst. Die Gelegenheit genutzt und mir noch kurz vor Ende die aktuelle Ausstellung von Carina Linge „Allerseelen“ in den Neunkircher Ausstellungshallen angeschaut. Fotografien, die angepriesen werden als „tiefsinnig, rätselhaft und berührend“. Und wie so oft, so dass ich mich natürlich frage, in wie weit das an meiner eigenen inneren Verfasstheit liegt, was es natürlich tut, und darüber sollte man sich bei Kritiken natürlich immer im Klaren sein, finde ich diejenigen Arbeiten besser, die aus einer Art Beobachtung heraus entstanden sind. Arbeiten, die einen gesehenen Moment festhalten, der aber in der Lage ist, über sich und das Abgebildete hinauszuweisen. Solche Fotos gibt es in dieser Ausstellung, wenn auch nur sehr wenige. Es gibt beispielsweise ein Foto, wo, der Kleidung und dem Habitus nach, eine Malerin in einer Rauchpause aus dem geöffneten Atelierfenster in die Weite schaut. Es gibt eines, wo sich jemand die Fingernägel rot lackiert und an dem einen Arm ein Tatoo erkennbar wird, ebenso leise ein fehlender Finger. Ein anderes, eine sehr ausschnitthaft gehaltene Aktaufnahme, wo ebenfalls ein Tatoo eine aufmerksamkeitsheischende Rolle spielt. Diese Fotos erzählen Dir etwas. Eine weitere recht spannende Bildfindung: Auf dem Bild sieht man eine Wand, an der ein Foto festgepinnt wurde. Es zeigt einen Mann mit rotem Pullover, der ein Kind auf den Armen hält. Hinter diesem Foto kommt einen rote Schnur hervor, die in leichtem Bogen in den Vordergrund führt, dort sehr groß und unscharf wird: Es gibt also eine Verbindung von der Betrachterin zum Foto zum Pulli des Mannes (über die Farbe rot und über den Bogen, den die Schnur von Dir zu dem roten Pulli des Mannes spannt). Und das auf sehr unaufgeregte Art und Weise. Und dann gibt es leiderleider eine ganze Menge Fotos, die denken, dass sie über eine ausgeprägte Symbolik etwas erreichen. Im für mich schlimmsten Fall sieht man einen von der Decke baumelnden Strick und darunter einen umgestürzten Hocker am Boden. Desweiteren gibt es Schädel in unterschiedlichem Kontext. Es gibt z.B. ein klassisches memento mori mit Schädel und Kerze, die sich nochmals spiegelt. (Ganz spontan denke ich, dass mir Gerhard Richters gemalte Versionen hier tiefgründiger erscheinen). Es gibt einen weiblichen Rückenakt, der ergänzt wird durch einen Fisch (?), der kreisförmig zusammengerollt am Boden liegt. Es gibt einen weiteren Rückanakt, der mir heimlich hinter dem Rücken ein Steinchen entgegenhält, es mir quasi heimlich zeigt, und das auf den ersten Blick vielleicht wie ein Würfel sein könnte (alea iacta est). Es gibt zwei nackte Frauenbeine, die von einem herabgehaltenen Lot ergänzt werden, quasi als dritte Senkrechte im Bild. Alles in allem wird mir hier einfach ein bisschen zu viel gewollt. Das funktioniert für meinen Geschmack zu wenig über das bildnerische Denken und verlässt sich zuviel auf die Erzählung, die aber auch nicht immer funktioniert. Die manchmal einfach einen Tick zu plump und einfach gestrickt scheint. (Das Problem haben wir ja auch mit vergleichbarer Malerei aus vergangegen Jahrhunderten: Man muss die Anspielungen kennen, um sie verstehen zu können. Aber kann es heute überhaupt noch um solche Formen des Verstehens gehen? In jener alten Malerei kann man sich immerhin an der „Leckerheit“ des Malerischen selbst ergötzen, wenn sich einem die Symbolik schon nicht erschließt. Offensichtlich scheint das hier auch eine gewisse Rolle zu spielen, denn an irgendetwas muss die Betrachterin hier ja ihre Freude haben, sonst würde die Ausstellung ja nicht, wie in Neunkirchen üblich, über den grünen Klee gelobhudelt. In diesen heiligen Hallen frage ich mich ja fast in jeder Ausstellung, welchem Kunstanspruch überhaupt nachgeeifert wird.) Eine immerhin interessante Bildfindung ist eine ältere, am Boden sitzende Frau. Sie trägt ein schwarzes Top und ist gerade dabei, sich eine Beinbekleidung zu stricken. Zum Teil ist sie damit schon fertig, die Füße und Unterschenkel sind bereits verhüllt. Wenn man genau hinschaut, ist dieses Beinkleid dann später aber unten geschlossen wie eine Art Sack, sie strickt sich keine Hose, keinen Rock. Wenn sie fertig ist, wird sie sich damit nicht bewegen können. Aber auch hier beschleicht mich hier sofort der Gedanke: Was wäre, wenn dieses Motiv jetzt gemalt wäre? Sprich: warum ist Fotografie hier das gewählte Medium?

Aus einer Ausstellung sollte man anders rausgehen, als man reingegangen ist. Kunst sollte einen verändern. Auch wenn es nur an einen  klitzekleinen Punkt meines Bewusstseins passiert. Ich habe den Verdacht, dass die Symbolismus-Strategie, die hier gefahren wird, aber weder etwas verändert oder in irgendwelche Tiefen vordringt, auch gar nix verändern will, dass sie, in den meisten Fällen zumindest, Symbole wählt, die wohlfeil sind, an denen sich das Betrachter*innen-Hirn beruhigen und ergötzen kann. Die Wahrnehmung wird bestätigt. Ähnlich wie früher in Familienfotos oder in unserer Zeit in tausendfach reproduzierten Selfies und anderen Smartphone-Fotos: Die Reproduktion als die Versicherung, dass alles in Ordnung ist in dieser Welt. Das kenne ich, das kann ich verstehen und bin als Individuum genau wie alle anderen. Und diese wohlfeilen Symbolismen in dieser Ausstellung funktionieren als intellektuelle Befriedung derjenigen, die nicht weiter denken wollen, denen sich das Rätsel ganz schnell löst (die verschüttete Milch in einem der Stillebenkompositionen, das memento mori (ah! ja klar, die Vergänglichkeit!), der Strick (ah, klar, Suizid!), und wenn es sich nicht ganz schnell löst, wie bei dem zum Kreis gefügten Fisch: tiefgründig!

Nein, Leute: Die Welt erschließt sich nicht so schnell. Kommt zu mir, wenn ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch beruhigen. Die Menschheit hat es verdient, dass sie untergeht. Und auch das Neunkircher Publikum bekommt immer wieder die Shows, die es verdient hat. Neunkirchen: die Musical-Stadt. All is pretty.

 

vor weihnachten ist nach weihnachten, teil 2

Anpassung oder Wagnis.  Wehren sich meine Ästhetiken oder nehmen sie teil? An was auch immer. Lass ich mich fressen oder werde ich gefressen?  Mich würde es interessieren, mir die Anzeigen-Ästhetiken anzuverwandeln. Zeichnerisch zu verfremden, zuzuspitzen, die einem eher künstlerischen Ansatz auszuliefern. Den Marktscheiß rauszupusten. Sie rückzuführen in einen rechtfertigbaren Ausdruck. Auf ein menschliches Maß. Was auch immer.

Man hat ja sonst nix zu tun.

 

vielleicht auch doch?

Die untere Abbildung zeigt eine Arbeit von Alicja Kwade gegen eine Anzeige von DOUGLAS. Das obere Foto Carneb Winant mit Grace Weaver. Eine Doppelseite ohne Werbung, wo sich zwei künstlerische Positionen auf interessante Art und Weise kommentieren. Links eine Art Collage aus dokumentarischen Fotos, gesammelt und gefunden und montiert, rechts „Madonna lactans“ von Grace Wieaver. Die Fotos eröffnen einen Raum von Körper-Sprachen, Geschlechter-Identitäten, Körper-Rhythmen, der sich betreten, erkennen, aber nicht entschlüseln lässt. Dem gegenüber steht die „Madonna lactans“ in ihrer fast kindlichen Ästhetik. In sich selbst eine inhaltliche Spannung entfaltend aus traditionellem christlichen Bildthema und der gewählten Umsetzung. Beide zusammen finde ich eine sehr gelungene Kombination, die angespielten Themen nochmal steigernd.

Alicja Kwade könnte in ihrer Rundästhetik auch als Verbreitung der Duftnoten gelesen werden. Ich mag ihr Uhren-Objekt in Mannheim. Das Blatt hier heißt übrigens „Form light to dark in 3 months (91 days/2184 hours)“. Es könnte dann auch: die Verbreitung der Düfte in 3 Stunden heißen. Ok, ok. Ich bin schon still.

vor weihnachten ist nach weihnachten

Kurz vor Weihnachten gab es in der Süddeutschen eine Beilage mit künstlerischen Beiträgen. Es gab jeweils ganzseitige Abbildungen mit Arbeiten von Thomas Demand, Liv Liberg, Camille Henrot, Carmen Winant, Grace Weaver, Peter Shire, Ólafur Elíasson, William Kentridge und Alicja Kwade. Im Zeitungsformat gedruckt. Ich mag sowas. Kunst, die in einem Zusammenhang auftaucht, den man vielleicht nicht unbedingt erwartet – ach nein, das stimmt nicht so ganz, die aber vielleicht nicht so edel daherkommt wie sonst in einem Ausstellungskatalog. In einem anderen Medium einer anderen Wahrnehmung ausgesetzt wird. Die in die Zeitungsästhetik gequetscht wird und sich dort behaupten muss. GROSSE KUNST heiß die Beilage.

Manchmal stehen zwei Kunst-Seiten gegenüber, wie z.B. die von Thomas Demand und Liv Liberg, manchmal steht eine Kunst-Seite eine ganzseitige Anzeige gegenüber.

Und dort wird es besonders interessant.

Denn es stellt sich die berechtigte Frage (neben der allerersten Frage, wie es überhaupt zu genau dieser Auswahl an Künstler*innen kommt): Wie behaupten sich die künstlerisch gestalteten Blätter gegen die werbetechnisch durchgestylten und strategisch ausgerichteten Gestaltungen. Manchmal, wie in den  Beispielen oben, Camille Henrot gegen HERMES und unten Peter Shire gegen PORSCHE gehen sie für mein Gefühl eine doch merkwürdige Allinanz ein. Mag sein, dass sich die Werbeagenturen in den speziell für diese Beilage angelegten Anzeigen an künstlerischer Sprache orientiert haben, mag sein, dass die künstlerische Sprache ihre Widerständigkeit zu zaghaft formuliert, oder sich bereits beide Sprachen zu sehr angenähert haben?

Wobei ich es natürlich sehr spannend fände, traute sich CHANEL an die kindliche Madonnen-Ästhetik einer Grace Weaver heran.

Mischen wir alles miteinander. Es ist eh alles egal.

Natürlich ist es eine Binsenweisheit, wie sehr sich das meiste an Kunst den kapitalistischen Zeitzwängen anpasst, Wert und Bedeutung in Geldwert gemessen wird.

Ich musste dran denken, dass bei meiner ersten Einzelausstellung 1993 die Mainzer Rheinzeitung nichts als ein Foto veröffentlichte, auf eine Zeitungsseite gepackt mit den anderen Meldungen, untertitelt mit „Klaus Harth zeigt seine Werke“. Eine Abbildung eines meiner überschmierten Werbeplakatteile, die ich damals in den Büros der „Forschungsgruppe Jugend und Europa“ gezeigt hatte und die in der Zeitung die Form eines vielleicht etwas irritierenden Zeitungsfotos angenommen hatten. Was mir natürlich sehr gefiel.

Anpassung oder Wagnis.  Wehren sich meine Ästhetiken oder nehmen sie teil? An was auch immer. Lass ich mich fressen oder werde ich gefressen?  Mich würde es interessieren, mir die Anzeigen-Ästhetiken anzuverwandeln. Zeichnerisch zu verfremden, zuzuspitzen, die einem eher künstlerischen Ansatz auszuliefern. Den Marktscheiß rauszupusten. Sie rückzuführen in einen rechtfertigbaren Ausdruck. Auf ein menschliches Maß. Was auch immer.

Man hat ja sonst nix zu tun.

merkt denn keiner mehr irgendwas?

 

 

 

 

 

 

das hier ist weder KI noch fake noch eine Verarsche, nein, es ist ein ernst gemeinter Adventskalender der Barmenia-Gothaer. Die Schokolade da drin kann man essen, sie zeigt in ihren Abbildungen auch keine Autos, was ja irgendwie konsequent wäre, aber ich bin eigentlich immer noch sprachlos. Es sollte einen hashtag geben #merktdennkeinermehrirgendwas
Vier besinnliche Fahrzeuge, wahrscheinlich für jeden der Adventssonntage eins. Hoffen wir, dass auch irgendwann mal jemand ankommt (adventus, wir erinnern uns).

Schmerzkunst

heute mittag im Radio: ein CDU-Jungpolitiker verteidigt die „Stadtbild“-Aussage von Friedrich Merz. Man müsse die Dinge doch ansprechen, meint er, nachdem er vorher ausgeführt hat, dass doch überall in den Städten mit Drogen gedealt würde und überall Gewalt herrsche. Die Leute sähen das doch, man müsse das doch ansprechen, die Beobachtungen und Befürchtungen der Menschen ernst nehmen. Und wenn man das tue, die Probleme also anspräche, dann sei das kein Rassismus.

Man fragt sich langsam wirklich, wie ungebildet denn diejenigen sind, die sich da in die Parlamente mogeln. Ist keiner in der Lage, die Begriffe auseinanderzuhalten? Nein, wenn man die Probleme anspricht, ist das nicht per se rassistisch. Die Art und Weise aber, wie man das tut, wie man Revanchismen bedient, wie man Dinge vereinfacht und verkürzt, Menschen in gemeinsame Töpfe wirft, in die sie nicht gehören, überall dort, wo Menschen subsummiert und populistisch gegeneinander ausgespielt werden: Dort ist Rassismus. So einfach ist das.
Und das ist das, was Friedrich Merz immer wieder gerne tut.

Wenn die Probleme wirklich angesprochen würden, dann wären wir doch froh. Revanchismen und Rassismen bedienen und als Ansprechen der Probleme verkaufen: Söder, Merz etc. ppp. Wenn ich es gut mit Euch meine, dann will ich Euch keine böse Absicht unterstellen. Aber eigentlich wäre es dann nur noch umso schlimmer. Denn sie wissen nicht, was sie tun? Fast ist es zu befürchten.

wiedersehen

die Tage habe ich mir den Film „Vor der Morgenröte“ von Maria Schrader nochmals auf DVD angesehen. Das Kino-Erlebnis liegt jetzt schon ein paar Jahre zurück. Für die Schluss-Sequenz, den Epilog, hat sie sich ein Bild-Arrangement ausgedacht, für das sie mindestens den Filmnobelpreis erhalten müsste, wenn es diesen denn schon gäbe.
Den toten Stefan Zweig sieht man nur kurz, wenn die verspiegelte Tür aufgeklappt wird. Ansonsten sieht man die Polizisten, den Arzt, Freund, Nachbarn etc. vor allem im Spiegel im rechten Bildteil.
Manchmal kommt eine Person immer näher und ist dann kurzzeitig doppelt zu sehen, vor dem Spiegel, ganz groß im Bild vor uns und im Spiegel selbst. Und dann geht sie in den linken Bildteil, in den eigentlichen Raum, wo man die Leichen von Stefan Zweig und seiner Frau Lotte weiß aber nicht sieht. Während im Hintergrund die Besucher und Trauergäste ihrer Verzweiflung und Trauer nachgehen. Was in diesen Momenten des Übergangs geschieht, lässt sich mit Worten kaum beschreiben.
Hier ein paar erste Skizzen dazu von gestern abend direkt.

tattuu-kritik

heute habe ich tatsächlich zum allererstenmal ein tattoo gesehen, das ich richtig originell und gut fand: saß da ein jüngerer mann auf den nachbarplätzen im zug  mit HAHAHAHAHAHAHA auf dem Arm. Bisschen comichaft angeordnet die buchstaben. frech, groß, direkt, anders. das hat mich echt überzeugt.

nicht dieser ganze ernsthafte pseudoscheiß, ästhetisch meist fragwürdig und ich finde auch die farbigkeit der linien meist abstoßend. aber HAHAHAHAHA war echt einfach formal und inhaltlich komplettüberzeugend. yepp.

 

 

 

schlau und schön

Ich hab ja immer ein wenig Probleme mit dem Begriff „schön“. Im Studium musste ich es für mich auf den Begriff bringen: Schön ist das, was uns nicht gefährdet. Heute mittag, quasi auf Zwischenstation zwischen Rietheim/Villingen und Loco/Ticino mit Ablieferung der kleinen Mutter in der St. Ingberter Reha, in der Ausstellung Fouloscopie von Véronique Verdet in St. Wendel. Très bien. Schön und schlau. Das waren die beiden Adjektive, mit der ich die Schau spontan für mich auf den Punkt gebracht habe. (Und wer sich das anschaut, der wird „auf den Punkt bringen“ jetzt auch wieder etwas anders verstehen.)
Letztens gab es hier ja bereits das Botho-Strauß-Zitat zum „auf-den-Punkt-bringen“. Und hier ist Véronique dann sehr fein raus: abertausende Punkte sind es, auf die hier die Dinge teilweise gebracht werden.
Die Installationen aus einer großen Zeichnung (1,50x10m) und vielsten kleinen Figuren, einer Toneinspielung vermittels Trichter und Video-Einspielung im zweiten Raum – all diese Dinge spielen zusammen, sind smart arrangiert und kommentieren und ergänzen sich. Da ist nix redudant, selbst der Trichter ist clever gewählt, kommt das Stimmengewirr doch aus einem Werkzeug, dass an Megaphone bei Demonstrationen erinnert (ist natürlich von der Klangwelt her anders gedacht und nicht schreiend).
Das ist stringend, gedanklich überzeugend und funktioniert (auch) über die Form. Ausgesprochen cool arrangiert.
Nur die Reihe der kleinen Zeichnungen mit Punkten im Durchgang, die jeweils mit einem kleinen orangenen Pinselschwung versehen sind, fallen ein wenig ab. Sie wirken allzusehr wie kleine Verkaufs-Gimmicks und die orangenen Pinselschwünge einen Tick zu elegant und ostasiatisch.
Da heben die kleinen Blätter gegenüber mit den eingesteckten Fähnchen schon wieder einen anderen Touch mit ihrer Erinnerung an Landkarten, speziell auch militärischen Karten, in die mit Wimpeln der Stand der Kampfeshandlungen dokumentiert wird.
Ach ja, ein kleines „Reisevideo“ namens „On The Road“ gibt es auch noch. Allerdings nicht ganz so faszinierend wie die große Projektion „Le Noir et le blanc“ mit sich z.T. heftig aufeinander zu und voneinander weg bewegenden schwarzen und weißen Kugeln.
St. Wendel ist auch mit der Bahn erreichbar.
Wenn schön auf schlau trifft, dann ist schön auch nicht schlimm.

heute wieder was gelernt (kritik der kritik)

die menge des in der betrachter*in ausgelösten „kopfkinos“ als kriterium für bildende kunst.
interessant. kopfkino heißt ja noch nicht zwingend, dass das ein guter film ist. so wie authentizität
ja auch kein qualitätskriterium sein kann. boris becker war mit sicherheit immer hochgradig authentisch.
(hier ist der tennisspieler gemeint). irgendwie wird es langsam zeit, dass man sich von dieser welt verabschiedet.
in welcher form auch immer.

Kunsthistoriker:innen-Poesie, Nachtrag

Das Schlimme an dieser Kunsthistoriker:innen-Poesie ist ja, vor allem, die Fallhöhe zwischen dem, was da alles herbeibehauptet wird, und dem, was ich auf den Leinwändchen vor mir sehe.

Besser wäre es doch, man und woman machte nicht so viel trara und behauptete, man/woman male eigentlich einfach nur gerne bunte Bilder, und dann haut es einem beim Betrachten einfach nur noch vom Sockel. Das wäre doch der Hammer und ein Aha!

Aber wenn es denn einen Spätkapitalismus gibt, dann wäre doch eines seiner konstatierbaren Merkmale das ungeheure Geschrei, das überall verbreitet wird.

kritik

by the way, gestern hab ich tatsächlich und völlig überraschend einen wirklich wunderbaren Film gesehen, auf DVD, zuhause, ausgeliehen in der wohlsortierten Neunkircher Stadtbibliotheque:

POOR THINGS. von Giorgos Lanthimos. mit Emma Stone.

noch fehlen mir die Worte. Aber eigentlich will man das sofort nochmal sehen.

noch einer (weil ich noch nie so falsch war auf dieser welt)

Hier ein Text aus instagram. Die saarländische Galerie in Berlin betextet eine Ausstellung von Darja Linder.
Und dieses herausragende Beispiel zeitgenössicher Kunsthistoriker:innen-Poesie goes like this:

Darja Linders @darjalinder figurative Malereien und Installationen sind gespickt mit visuellen Codes, die sich auf die Erfahrungswelt ihrer Generation beziehen – von Dating Apps über Fernsehserien bis hin zu Internetphänomenen. Die farbintensive und schrille Ästhetik ihrer Arbeiten spielt mit der spätkapitalistischen Sehnsucht nach Übersättigung und Überfluss. Sie wirkt jedoch als bunt schillernde Oberfläche, unter der sich häufig schmerzhafte Themen verbergen.

Es werden Fragen aufgeworfen zu Klasse, Geschlecht oder Migration. Linder beobachtet die Zusammenhänge zwischen politischen (Macht-)Strukturen und individuellen Begierden. Sie untersucht in ihren Werken, wie tief individuelle und kollektive Erfahrungen in unsere Identitäten hineinreichen.

->  Spätkapitalismus ist immer super. Damit spielen ist auch immer super. Und dass der Spätkapitalismus, wer oder was das immer ist, davon abgesehen, ob wir uns wirklich in einer spätkapitalistischen Phase bewegen (wer sagt das, wer weiß das, wer hat das nachgemessen?), geprägt ist von dieser im Text behaupteten Sehnsucht: stimmt das denn? Oder ist das einfach mal eine wohlfeile Behauptung, die sich einfach immer mal gut macht? Und unter der schillernden Oberfläche verbergen sich die schmerzhaften Themen. Ja, möglich, aber warum sieht man sie nicht, diese schmerzhaften Themen? Warum werden sie nicht thematisiert? Zarte Schale, rauer Kern? Hier wird doch arg lustig geworthülst. Und lustig vor sich hin behauptet. Aber Hauptsache auch die Oberfläche der Wörter glänzt und untendrunter kann man die ernsthaftesten Themen vermuten. Und zum letzten Absatz: geht es auch ein wenig bescheidener: Unter den Zusammenhängen zwischen Klasse, Geschlecht, Migration, politischen Machtstrukturen geht kaum noch was. Und Begierden und individuelle und kollektive Erfahrungen werden untersucht und und und und blablablupp. Hier wird nix untersucht. Und schon gar nicht systematisch und konsequent. Hier werden bunte Bilder hergestellt und das ganze ein wenig gesellschaftskritisch verbrämt. Ich gehe hier als Betrachterin nicht anders raus, als ich reingehe. Als Betrachter übrigens auch nicht.

Peter Weibel hat in einem Vortrag in Saarbrücken, 1999 war das, wenn ich mich recht erinnere, mal die steile These aufgestellt, die Malerei habe als ernstzunehmendes künstlerisches Medium so um 1930 herum aufgehört, wesentliche Dinge zum Diskurs beizutragen. Ich finde diese Ansicht sehr interessant und bedenkenswert. Und es gab in den letzten Jahren für mich fast nur das Werk von Miriam Cahn, bei dem ich noch eine gewisse Relevanz gespürt habe. Alles andere scheint mir eher Zeitvertreib.

 

eclectic field

Hach, dachte ich, was für eine Gelegenheit, das Kino 8 1/2 zeigt den Gewinnerfilm des Ophüls-Festivals aus dem letzten Jahr. „Electric fields“ von Lisa Gertsch. Es fallen einem zwei Sachen ein. Zum einen das Diktum von Billy Wilder: Du darfst alles, nur nicht langweilen. Und zum zweiten, wie Jurys so funktionieren. Menschen, die aus welchen Gründen, zusammen in einer Jury gefangen sind, um, wie hier nach einer Woche, einen Gewinnerfilm küren zu müssen. Man kennt sich nicht, ist ein Individuum, versteht sich besser oder schlechter und muss sich auf einen Film einigen. Man fand vielleicht einen anderen Film besser, hat sich mit seinen Argumenten aber nicht durchsetzen können. Und nun ist es also das, auf was man sich einigen konnte.
Und ich finde es schon schlimm, wenn sich nach einem Film erstmal solche Gedanken aufdrängen.
Lisa Gertsch traut sich was. Kleine Episoden, die immer irgendwie im Unerwarteten enden, wobei, und das ist das Problem, dieses Unerwartete oft ein wenig belanglos daherkommt, wenig existentielle Tiefe hat, und alles in allem reichlich konstruiert wirkt. Die zweite Szene, wo eine Frau in einen Elektroladen kommt mit einer Glühlampe, die scheinbar so eine Art ewiges Licht darstellt. Sie leuchtet ohne Strom, leuchtet und leuchtet und dem Elektriker ist es unerklärlich, warum er die Lösung nicht findet. Keine Spannung drauf. Ja, sagt die Kundin. Aber sie leuchtet trotzdem. Das alles wird ins Unendliche gedehnt, so dass man sich zwischendurch bei dem Gedanken ertappt: hau doch einfach mit dem Hammer drauf! Und wie endet die Szene: Der Elektriker schlägt vor, die Lampe zu zerschlagen, und tut es, in dem er sie auf den Boden fallen lässt. Die Kundin bezahlt und nimmt die Scherben mit nachhause.
Mir ging es schon mal so mit den Erzählungen von Felicitas Hoppe. (Picknick der Friseure). Die erste Erzählung in dem Bändchen hat durchaus noch einen gewissen sprachlichen und intellektuellen Pfiff. Danach läuft aber alles wieder und wieder nach demselben Schema. Auch hier, für mein Empfinden, ohne ausreichende existentielle Tiefe.
Zwischendurch denke ich – natürlich – auch an die Filme von Roy Andersson. Auch hier unerwartete Wendungen. Absurditäten. Aber auch: die Abgründe des menschlichen Daseins. Und Bilder, die dies zu greifen vermögen.
Lisa Gertschs Film vertraut zu viel auf die ein oder andere fixe Idee oder schnelle Pointe. Man wartet und wartet. Es werden Andeutungen gemacht, die nicht eingehalten werden. Und vor allem: das alles funktioniert nicht über interessante Bilder, die sich einprägen.
Mit einer einzige Ausnahme: Der Mann, der, plötzlich, um Jahre gealtert, an der Brücke in den See steigt, unter- und nicht mehr auftaucht. Ganz langsam dramatisiert sich das Bild, der Wellengang nimmt zu, der Geräuschpegel nimmt zu, die Boote im Hintergrund werden absurd hin und her bewegt und es beschleicht einen die Ahnung, dass die Wellen und alles auch über einen selbst zusammenschlagen könnten. Das war der einzig wirklich berührende Moment des ganzen Films.
Am wirklich unnötigsten die Szene des Liebespaars, das sich in einem Hotelzimmer trifft. Keine Idee, was hier gesagt werden sollte.
Und was mich hier interessieren sollte. Ich war ja selbst früher ein glühender Verfechter der Ansicht, dass, wenn es bohrende Langeweile vermitteln soll, selbst auch bohrend langweilig inszeniert sein muss. Aber dann versehe ich wenigstens, dass es hier um das Thema bohrender Langeweile geht.
Ich denke auch an unzählige Video-Arbeiten aus dem Kunst-Bereich. Die meisten banaler Zeitdiebstahl.
Und wo ist der Film entstanden: Kunsthochschule Zürich. Bitteschön. Dankeschön.
Kann ja sein, dass die Jury gelangweilt war von unendlich konventionellen Erzählfilmen, aufwändig co-produziert von arte, ZDF etc. und dann dachte: wow, hier kommt eine neue mutige Erzählform.
Nee. Leider. Kommt sie nicht.

aus gegebenem Ablass

Gestern dieses CDU-Wahlplakat gesehen: Für die Wiederherstellung von Recht und Ordnung. Und letztens das kleine mit dem Gesicht von Friedrich Merz mit dem Spruch: für ein Land, auf das wir wieder stolz sein können.
Als ob wir in einem Land lebten, in dem Recht und Ordnung schon komplett den Bach runter seien.
Habt Ihr sie noch alle? CDU = AfD light?
Aber noch schlimmer eigentlich: Spricht man damit wirklich die Menschen an? Ist es das, was insgeheim gedacht wird?
Dies, so scheint mir, steht allerdings tatsächlich zu befürchten.
Da ich mich ja nicht nur in meiner sozialen Bubbleblase bewege, sondern in meiner nebenkünstlerischen Tätigkeit auch im richtigen Leben bewegen muss, ist manches im Alltag tatsächlich nur schwer auszuhalten.
Hinter mir die unendliche Masse eines unendlich schweren Vakuums.
M’illumino d’immenso.
Vielleicht sollte man sich diese Zeilen von Guiseppe Ungaretti irgendwo ins Vorderhirn meißeln. So dass man sie im Notfall immer greifbar hat.
Robert Habeck zeigt sein Gesicht ernst neben dem Wort ZUVERSICHT.
Geht mir doch alle aus der Sonne.

landeskunstding, heute: Kulturbahnhof SB

wollte ich unbedingt noch sehen. auf den dort letzten drücker quasi. und ja: da gab es durchaus sachen, wo ich froh war, es noch geschafft zu haben. über KARIN MAGARs abstrake arbeiten aus nylonstrümfen hatte ich im vorfeld schon gelesen, war aber doch sehr überrascht und beeindruckt über die farbliche frische dieser arbeiten. und auch über die formvielfalt dieses klaren, aber trotzdem nicht langweilenden ansatzes. mit dieser farbenfreude ging es schon los. die gemälde von CORDULA SUMALVICO zeigen Figuren. „Loslassen“ wäre z.bsp. ein bildtitel. hier arbeitet sich jemand an grundsätzlichen menschlichen relationen ab, vielleicht sogar an eigenen biographischen erfahrungen. nicht uninteressant. scheint derzeit auch ein beliebter bildansatz. trotzdem lässt es einen auf eine interessante art kalt. und distanziert abseits. ich erkenne eine gewisse sambolik (ausgegossene eimer), von farbskratzern unterbrochene hand-reichungen usw. usf. es bleibt aber alles ein bisschen kopflastig. KERSTIN ARNOLD im raum daneben macht ähnliches. mit viel weniger symbolik. und vor allem: mit einer, zumindest was die figuren angeht, fotorealistischen maximalperfektion. die hintergründe (farbige punkte, rechtecke etc.) sind dagegen malerisch „durchschaubarer“, einfacher angelegt. aber diese bilder lassen einen nicht kalt. was gelingt KERSTIN ARNOLD, was CORDULA SUMALVICO nicht gelingt und warum? CORDULA SUMALVICO setzt ihre figuren erkennbar gemalt in szene. mich erinnert das ein bisschen an den mittleren und späten MAX BECKMANN, dessen bilder aus diesen jahren ich auch meist nur als eine art kasperltheater wahrnehme. ich erkenne es als malerei. ich erkenne es als inszeniert. ich sehe, da will mich jemand mit symbolik überzeugen. das ist sehr „literarisch“ im sinne der gestaltwerdung von gedanken und ideen. KERSTIN ARNOLDs Fotorealismus ist kein Selbstzweck, sondern führt dazu, dass ich die figuren als menschen wahrnehme und nicht als gemaltes personal. und da sie die gesichter und haltungen präzise beschreibt und ausarbeitet, wirkt das auch glaubwürdig und überzeugend. und wenn sie dann als mensch eine figur in ihrer hand betrachtet, dann ensteht hier auch eine symbolik, die sich aber nicht billig entschlüsseln lässt. das ist, finde ich, eine sehr coole und gekonnte malerei, die auch inhaltlich vieles von dem gewollten hinter sich lässt, was in dieser landeskunstausstellung zu sehen war und ist. hier brauche ich keine beschreibung, die etwas daherdichtet, was es nun sein soll. das sehe ich von ganz allein. anders als z.b. bei diesem bett von ELODIE GRETHEN, deren Odaliske im saarlandmuseum ich ja durchaus geschätzt habe. das bett wird wie folgt betextet: „Die blaue Bettwäsche legt die Vorstellung nahe, die Künstlerin sei zugegen gewesen und gerade eben verschwunden. Das Bild verströmt eine tief melancholische Stimmung. Keine Rede mehr von Dialog, eher von Selbstbetrachtung.“ ich möchte sagen: nö, tut es nicht. es verströmt keine tiefere melancholische stimmung als das von mir morgens verlassene und ungemachte bett, wenn ich aufstehen muss, um meinem brotberuf nachzugehen. deshalb muss das ja auch extra nochmal gesagt werden. nur wo „lustige kneipe“ draufsteht, ist auch „lustige kneipe“ drin. und irgendwie peinlich finde ich auch, dass neben der schönen blauen bettwäsche an der wand ein zettel prangt mit dem roten schriftzug von möbel martin, mit dank für die spende aus dem schauraum. datt stört rein farblich. und stört auch die zutiefst melancholische stimmung. und erzeugt eine zutiefst schleimspurerisch kaptalistische stimmung. nej tack, wie der schwede (und die schwedin) zu sprechen pflegen. das video mit den nachgestellten haltungen von frauengestalten aus der kunstgeschichte erinnert dann wieder an den geist der odaliske und ist durchaus ok. vor allem immer die stelle, wo das modell scheinbar ein vor-bild betrachtet und so peu à peu seine eigene körperhaltung danach ausrichtet. aber: KERSTIN ARNOLD. Yepp!

fortsetzung landeskunstding

jetzt schon wieder eine weile, sprich zwei wochen, her, dass wir den part stadtgalerie besucht haben. und überrascht gut unterhalten wurden. nunja, wer will schon unterhalten, bzw. unterhalten werden. aber, station nummer 1: ARTHUR DEBERT mit seinen gegenständen auf niedrigschwelligen sockeln, die man nach eigenem gutdünken umstellen, anders anordnen durfte etc. klang und sah ja auf den ersten blick ein wenig nach mitmachtheater aus, hat sich dann aber doch als gar nicht so blöd herausgestellt. da viel dieser gegenstände so überhaupt wenig anmachendes, inspirierendes hatten (mit ein oder zwei ausnahmen), erwies es sich als umso vergnüglicher, sie tatsächlich umzumodeln und dem jeweiligen plateau (plateau passt besser als sockel) etwas sinnvolles abzugewinnen. ich fand, man dürfe die sachen natürlich auch nebendran stellen. wer sich traut hat spaß und bekommt vielleicht auch eine idee von dem, was man künstlerischen prozess nennen könnte. ca m’a plu. die bilder von vera loos. eins davon hatte einen wirklich guten titel. MARGAUX MORITZ aus metz zeigte ein ästhetisch nicht viel dahermachendes talisman-häuschen auf einem sockel (und diesmal ist es wirklich einer). und dieser mangel an künstlerischem entgegenkommen ist hier genau das surplus. hier wird nix überästhetisiert wie bei PAULETTE PENJE im saarlandmuseum. aber die ideen, die sich damit verbinden, finde ich sehr sympathisch. das ist für mein gleichgewichtsgefühl ein angemessenes vehältnis einer idee und ihrer gestaltwerdung. interessanterweise kommt der text dazu auch völlig ohne die mir verhasste kunsthistoriker*innen-poesie aus. er beschreibt einfach, das was ist und das was gedacht ist. da wird nix reingeheimnist. alle beschriebenen dinge sind durchaus klar und nachvollziehbar. ganz anders als bei SUZAN NOESEN aus luxembourg. bildschirme, auf denen gesichter argumentieren. unterschiedliche typen „normal“, „euphorisch“ etc. ich hab vergessen, was jetzt die genauen temperamente waren. leider alles auf englisch. pourqoui ca? sind wir auf der bienale in venedig?? wenn es auf das gesagte ankommt, und wenn die arbeit in saarbrücken gezeigt wird, warum nicht auf deutsch? oder wenigstens französisch mit deutschen untertiteln? man soll und darf sich dann in die runde der bildschirmgesichter einfügen und teil des gesprächs werden. vielleicht wäre es interessanter, wenn man es dann wenigstens unvermittelt wahrnehmen könnte? untertitel kann auch JULIAN ROSEFELDT. Ok, ich bin grad ein wenig verdorben durch seine Arbeiten, ich erwähnte das schon. schade, eigentlich. FRANCOIS SCHWAMBORN zeigtn videoprojektionen. leider verdirbt es einem hier der text ein wenig, weil er nicht verschweigen kann, dass es sich um verlangsamte bilder und töne von wasser handelt. vorher waren das zum teil durchaus faszinierende bilder und töne. nachher hat man dann das wasser gesehen. „Entschleunigung wird hier als Werkzeug benutzt, um der Bewegung des Wassers eine größere Bedeutung zu verleihen, es wirkt erhaben und zugleich bedrohlich.“ nö, irgendwie nicht. eher entzaubert. nungut.  ich dachte zuerst, ich hätte so etwas ähnliches damals in dieser „tod“-ausstellung in der stadtgalerie von ihm gesehen, was mich damals sehr beeindruckt hatte (war auch derselbe raum), in seiner vita erwähnt er das allerdings nicht. muss also jemand anderes gewesen sein.  CHRISTIANE WIEN zeigt gebogene betonplatten, in denen sich rauschen spiegelt und bricht. der ausstellungs-aufseher kommtiert das bei unserem besuch etwas lapidar mit: „physik halt“. wir fanden es aber doch ein wenig interessanter als nur physik.

alle während der aufführung gezeigten zeichnungen

Die Aufführung fand statt im Rahmen der Saarbrücker Sommermusik. Ralf Peter, Tenor und Inszenierung. Nadja Steinhardt, Alt. Thomas Layes, Flügel. Die Bilder wurden auf die komplette Wand an der hinteren Stirnseite des evangelischen Gemeindesaals projiziert. Die Wände in diesem Gebäude sind für Projektionen schwierig, weil wenige, aber doch recht breite, zart-orange angemalte Balken die Wände „zieren“. Im letzten Jahr bei Schönbergs Gurreliedern haben wir dann nur eines der dadurch entstehenden Rechtecke als Projektionsfläche genutzt: Über der Bühne war also immer ein Bild zu einem Lied zu sehen. Das sollte diesmal anders werden: größer, raumgreifender. Doch sah die Projektion auf den Balken einfach nur scheiße aus. Ralf sah das vor mir, als er die Projektion eingerichtet hat. Und hatte die Idee, die Projektion vermittels schwarzer Streifen, die er in Powerpoint eingefügt hat, genau über den Balken zu unterbrechen. Ein gewagtes Spiel und er wollte es mir irgendwie schonend beibringen. Brauchte er aber gar nicht. Das Ergebnis hat mich vom ersten Moment an nicht nur überzeugt, sondern regelrecht umgehauen: So etwas kann man sich im Vorfeld nicht ausdenken: Die orange-Balken erschienen wie schwarze Leisten eines Fensters oder eines Paravents (wozu das milchig und warm wirkende Weiß der Projektion noch beigetragen hat). Genial. So etwas bekommt man im Leben dann manchmal einfach so geschenkt. Von der Darbietung der Musik ganz zu schweigen. Nadja Steinhardt war letztes Jahr beim Gurre schon ein Gänsehaut-Moment und Thomas Layes am Flügel ist einfach nur Kunst pur. Ein Künstler durch und durch. Voller Empfindung und Verstand und in der Lage, das auch in seinem Klavierspiel auszudrücken.

landeskunstding

Nächste Station: Saarbrücken, Saarlandmuseum, Moderne Galerie. Großer Seufzer. Muss heute Abend beim Schreiben sagen, dass ich jetzt auch noch das Interview Andrea Jahn – Cathrin Elss-Seringhaus als Ballast mit mir herumtrage. Andrea Jahn nennt am Schluss 3 Positionen, die sie als besonders empfindet. Das sind exakt 2 1/2 Positionen, die ich ganz und gar nicht als besonders empfunden habe. Über KRYSTYNA DUL hab ich mich ja schon geäußert. KLAUDIA STOLLs Zeichnungen finde ich wirklich genial und so eigen und berührend. Andrea Jahn findet aber vor allem das, was sie dann davon in ihre Videosequenzen gepackt hat, als die besondere Leistung. Gerade diese fand ich nun wieder nicht so furchtbar interessant und berührend, als nicht wirklich wichtig, um das auszudrücken, was es hier auszudrücken zu geben scheint. Und dann noch als dritte CLAIRE HANNICQ. Mais, c’est quoi ça? Ich bin dankbar für den- oder diejenige, die es mir erklärt. Ich seh da nix und spür da nix. Genauso wenig wie bei dieser merkwürdige Fukujima-Kiste von SERGE ECKER. Hier braucht es wieder Unmengen an Kunsthistoriker*innen-Poesie (-> Die Skulptur Fukuyu_2 greift Form und Gestaltung des Reaktorblocks Fukushima 2 auf. Auch hier verleiht die Vergoldung dem Objekt eine attraktive, ikonische Ausstrahlung. Die Katastrophe von 2011 mag unser Bewusstsein verändert haben, jedenfalls aber hat sie unseren Lebensumständen ihren Stempel aufgedrückt. So strahlt Fukuyu_2 buchstäblich weiter, in den Ausstellungsraum hinein verstrahlt es die Wärme seines Kerns. -> warum sieht man das nicht einfach??? Wenn ich das nicht zu lesen bekäme, sähe ich dort eine relativ nichtssagende Kiste…  hmm ). Nicht schlecht fand ich schon den digital verzerrten Akt auf der Einladungskarte. Vor Ort wird dieses Bild dann auf eine Stoffbahn mit regelmäßigem Faltenwurf projiziert, was das nochmal ein wenig steigert. Odalisque von ELODIE GRETHEN. Das ist einfach, spricht tatsächlich Themen an, wenn man denn will, und ist visuell nicht doof. Wirklich in Bann ziehen kann mich dann aber die Wandzeichnung von Bettina van Haaren und Wolfgang Folmer.  Das ist – für mich – tatsächlich eine Arbeit, von der Bilder und Eindrücke bleiben. Die über das, was normales Kunstgewerbe ist, hinauszugehen vermag. Und sich etwas traut. Ich muss gestehen, dass mich auch die „Zuschauer“ von NAZANIN HAFEZ angezogen haben. Gesichter sind halt etwas, was mich anzieht. Durch das Collagieren wird das natürlich gesteigert. Dazu muss man dann noch nicht mal wissen, dass es sich um Zuschauer öffentlicher Hinrichtungen im Iran handelt. Was natürlich eine andere Dimension in die Sache bringt. SHAKTI PAQUÉ: upps. Like ich nicht. So viel Aufwand für so wenig, was gesagt wird. Irre erstaunlich. CHRISTIANE DESSECKERs Wandzeichnung auf, wenn ich richtig gezählt habe: 105 Täfelchen. Die Menschen freuen sich immer, wenn sie jemand an Platons Höhlengleichnis erinnert. Natürlich funktioniert das. Man freut sich auch, dass hier mal etwas klar gestaltet ist, ohne dass es mit allzuviel Hirngeschwurbst belastet ist. Und das ist ja auch schon mal was. Da setzt man sich dann hin (Danke für die Bänke) und freut sich. Mir drängte sich der Vergleich nicht auf, wohl aber meiner Begleiterin: Ist aber JULIA BAURs Arbeit in Merzig nicht mutiger? Interessanter Gedanke, fand ich. Und „mutiger“ ist ein interessanter Aspekt: Mit diesen nur angedeuteten Szenerien ist CHRISTIANE DESSECKER natürlich weniger angreifbar als JULIA mit ihren klaren Pflanzenformen. Wer hat schon was gegen Andeutungen, die nicht weh tun? Aber wieso zeichnet die Pflanzen? Der von CATHRIN ELSS-SERINGHAUS so hochgeschätzte GREGOR HILDEBRANDT zeigt drei hochuninteressante Bilder. Yepp: geguckt und weg. Und auch sonst. Ach nee: PAULETTE PENJE fand ich ja im Vorfeld ganz spannend. Da erschien es so, dass hier jemand ganz radikal und sehr mutig an die Grenzen dessen geht, was dann schon eine Art Bild wird oder nicht. Schmeißt sich auf’s Dach und sprüht mit Farbe um sich. Komme was da wolle. War das nicht auch die, die in der Stadtgalerie mit an die Wand gespucktem Rote-Beete-Saft gearbeitet hat? Bilder erspucken und erlecken. Nicht sauber sein? Weg vom Hochgeleckten? Und das war dann doch etwas schade: die Fotos von der Aktion auf dem Dach fand ich gut. Radikal. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und dann? Kommt man in die Ausstellung und sieht 3 große Bildschirme, wo sie sich langsam über die Kiesel auf dem Dach wälzt und Farbe sprüht. Ein Blick in den blauen Himmel mit Kondensstreifen. Bunte Steine. Räkeln und Sprühen. Aus dem radikalen Ansatz wird dann eigentlich schon wieder Kitsch. Dreckige Aktion hochglänzend aufgepimpt. Sehr sehr schade! Es stellt die Kunst in Frage, soll dann aber wieder auch den Anspruch an Hochglanzkunst erfüllen. Warum hätten es nicht auch ein oder zwei Fotos getan? Und den Rest mach die Fantasie der Betrachterin?? Das wäre mutig gewesen. „Sie stellt die Frage nach Kunst und deren Regeln, hinterfragt Entstehungsprozesse und ihre Rolle als Künstlerin.“ So die Kunsthistoriker*innen-Poesie. Vielleicht ein bisschen. Aber sie zieht nicht die formalen Konsequenzen. Das war für mich vielleicht die größte Enttäuschung. Aber ist wahrscheinlich symptomatisch für das ganze Projekt. Also Gesamtschau finde ich Neunkirchen bisher tatsächlich am überzeugendsten.

Kunst kann man auch denken als das Individuelle und Nichtangepasste. Man kann es aber auch denken als das Individuelle und Angepasste.

„Wir sind doch alle Individuen!“ – „Ich nicht!“, um den Witz des Jahrhunderts von Monty Python nochmal zu viralisieren. (Warum hat denn dieses Verb noch keiner entdeckt? „verstetigen“ gibt’s doch auch schon …)

Und über allem schweben die Besucherzahlen! (siehe auch nochmal den SZ-Artikel von heute).

 

gesterday auf reisen

i like deutschlandticket and deutschlandticket likes me. gestern nach völklingen. und mehr als deutschlandticket liebe ich jetzt: jahreskarte! es war überfällig. endlich reinspazieren und rausspazieren, wann und wenn man will! yes! völklingen ist der für mich derzeit spennendste kunstort im saarland. endlich. wir können hier nur lobpreisen, was man uns vor die nase legt! julian rosefeldt ist weltniveau. und „world of music-video“ war auch schon ein meilenstein – ansatz! populär und (trotzdem) mit tiefgang. dinge, die gesellschaftliche relevanz haben. bilder, die hängenbleiben. gedanken, die in dir arbeiten. das, was kunst sein kann.
nachdem ich dann endlich auch die jens harder-ausstellung nachgeholt habe (für die letztens einfach keine zeit und konzentrationsfähigkeit mehr war), konnte ich mir die muße gönnen, in voller konzentration und ganzer länger, den film (ich will gar nicht sagen: das video) PENUMBRA anzuschauen. Die verlangsamten Bilder tanzender Raver zur musik von robert schumann: szenen aus goethes faust am schluss setzen bilder, deren fasziantion sich mir noch nicht ganz erschließen. eigentlich sollte man sich da mit dem skizzenblock nochmal reinsetzen, um der sache auf die spur zu kommen. (kann ich mit meiner jahreskarte jetzt ja auch einfach mal machen 😉 ). was macht diese bildsprache aus? warum und auf welche weise benutzt rosefeldt hier film/video/geräusch/musik? wir sind voll von filmen und musik, die uns kulturell geprägt haben. es gelingt ihm, diese dinge zu benutzen, aber so zu benutzen, dass neues in unseren köpfen entsteht. und das ist interessant. bei manchen dieser bilder habe ich mich gefragt, was wäre, wenn das jetzt ein großes stück malerei wäre. unbewegt und auf großer leinwand im museum hängend? es gäbe genug interessanter bilder, die eine malerische umsetzung lohnten und auch zu guten bildern führten. nur: besser scheint es doch, wenn es sich weiterbewegt. warum? warum gucke ich mir das mehr als eine stunde lang an? obwohl es manchmal auch wirklich gnadenlos bei seiner langsamkeit bleibt?

Landeskunstding

Bisher habe ich gesehen: Neunkirchen, Merzig, Saarlouis, Saarbrücken Künstlerhaus und St. Wendel. Neunkirchen fand ich als Gesamtschau bisher am interessantesten. Die Videos muss ich mir die Tage noch in Ruhe angucken. Am meisten wirken in mir die Zeichnungen von Klaudia Stoll. Yepp. Eine eigene, lapidare und zugreifende Sprache, die sie sich da entwickelt hat. Ob es jetzt das Video dazu noch braucht? Don’t know. Ich bräuchte es nicht, es erzählt in seiner Bildkombi für mich nix wesentlich Neues und findet auch keine wirklich zupackenden Bilder. Leslie Huppert: yes. Das funktioniert. Małgorzata Sztremer zeigt eine interessant versponnene Malerei, die einen nicht langweilt und nicht kalt lässt. Jutta Schmidt hatte ich schon wieder vergessen, was kann man Schlimmeres über eine Arbeit sagen. Solche Zeitdokumentationen gab’s durchaus auch schonmal in spannend und erhellend. Darja Linder. Keine Ahnung. Muss man das gesehen haben, um weiterleben zu können? Auch nicht wirklich etwas, von dem man denkt, dass das bleibt, will heißen, bildnerisch stark genug ist, um sich in die Köpfe und Gedanken zu fressen. Vielleicht weniger bunt? Weniger durchschaubare Symbolik? Lydia Kaminskis Selbstportrait fand ich nicht schlecht. Klarer einfacher Blick. Klares einfaches Bild. Fertig. Mehr braucht es nicht. Von Katharina Krenkel Mein Highlight: Die „Pilze“. Stilisierte Zeichnungen unserer kleinen eß- und nichteßbaren Freunde. Mit Kupferdraht in kleine Skizzenblätter gearbeitet. „Sinninseln“. Ihr Gefühl für und ihr Spiel mit Sprache war mir eh immer schon très sympa. Wie gesagt: die Videos hab ich aus Zeitmangel noch nicht gesehen.

Merzig: Julia Baur. Was wäre diese Ausstellung im Museum Schloss Fellenberg ohne die Arbeiten von Julia? Nix. Es blieben die immerhin interessanten Plattenspieler von Markus Himmel. Und vielleicht die ein wenig kunstgewerblich daherkommende Klanginstallation von Peter Strickmann (das macht man halt so). (Ich bin auch nicht immer ganz frei vom Kunstgewerbe, Glashaus, Steine etc.). Aber ganz uninteressant ist es dann doch nicht. Spannender sind allerdings Strickmanns Publikationen, die im Vorraum zum Erwerb ausliegen. Das sieht irgendwie spannend aus. Völlig nichts sagen mir Stefan Zöllners manipulierte Fundstücke. Jaja, ich weiß. (was weiß ich?): Mich langweilen in der aber Regel auch Flohmärkte. Aber jetzt denkt Euch nochmal Julia weg! Man würde sich ärgern über die Anfahrt.

Saarlouis: Institut für aktuelle Kunst. Dort findet sich eine wirklich genial einfache und beeidruckende Arbeit! JOÃO FREITAS Triptychon. Taschentücher werden auf drei nebeneinander montierten Bildschirmen aus ihrer Verpackung gezogen. Nicht mehr. Und nicht weniger. Es entstehen immer wieder neue, sich veränderte Papierskulpturen. Es entsteht Musik durch das dabei erzeugte Geräusch. Und auch die Wahl von drei Bildschirmen ist auf dem Punkt, nicht nur, weil es an ein Trptychon gemahnt, sondern auch, weil es diesn Rhythmus braucht, der erst durch drei entsteht. Ein Bildschirm: keine interessanten Abwechslung. Zwei Bildschirme: der Rhythmus wahrscheinlich zu vorhersehbar.
Genial.
Die Zeichnungen von Susanne Kocks: Hhmm, knapp vorbei irgendwie. Schöne Idee mit den Schlafenden. Man klappt die Zeichnung auf und dann sieht man eine schlafende gezeichnete Person. Im Beitext wird darauf hingewiesen, dass Susannes zeichnerischer Impetus stark vom Weglassen geprägt ist. Manchmal ist weniger aber auch leer und nicht mehr. Ich versteh‘, glaube ich, die Absicht, aber mir werden z.B. die gezeichneten Personen als Personen zu wenig greifbar. Meine Begleiterin war da weniger vorsichtig: für sie waren das Oberstufen-Zeichnungen. So weit wollte ich nicht gehen.
Der Rest ist Schweigen: Bei Tobias Beckers Installation denke ich im Nachhinein an eine Kritik eines Mainzer Professors, die ich immer wieder gern zitiere: Es ist schon erstaunlich, mit wie viel Aufwand Sie wie wenig erreichen. Das ist schon ein bisschen Kunstgewixe mit gewollt tieferer Bedeutung. Viel viel Aufwand.
Barbara Herolds Videospiel. Ich hab mich echt an den Computer gehockt und den Kopfhörer aufgesetzt. Geklickt. Nothing happend. Dann hab ich auch keine Lust mehr.

Saarlouis. Museum Haus Ludwig. Außer Sigrun Olafsdottir und der Familie Ickrath bleibt nicht viel. Bei der Gelegenheit gilt es zu erwähnen (weil es hier in Saarlouis am meisten auffällt): ganz große Kunsthistoriker*innen-Poesie an allen Orten: ganz großes Blablablupp. Immer wieder schwierig, wenn da mehr intellektuell geschwurbelt wird, als die Arbeiten eigentlich halten. Wenn man, wie wir, Tage vorher in Völklingen bei Julian Rosefeldt war, dann findet man das Video mit den zertrümmerten Michael Jackson Figürchen eigentlich nur noch sterbensunsinspiriert.  “ … ein Kooperationsprojekt zwischen dem rumänischen Künstler Alexandru Mihai Budeș und der deutschen Künstlerin LISA MARIE SCHMITT (D).“  So what. Ok, ok, man geht mit dem Wissen nachhause, dass in Rümänien anlässlich eine Michael Jackson Konzertes entsprechend Devotionalfiguren hergestellt wurden, in der geplanten Menge keine Abnehmer*innen fanden und die Firma folglich verendete. Sowas kann einem in dem ein oder anderen Partygespräch durchaus mal über eine bedrückende Gesprächsstille hinweghelfen. Neenee, irgendwie sagt das auch was. Ich will da nicht so gemein sein.

Saarbrücken, Künstlerhaus. Die für mich einzig überzeugende Arbeit: Johanna Schlegel „morgen kommen wir nicht wieder“.  „Johanna Schlegel ist Absolventin der HBKsaar in Freier Kunst und studiert derzeit Kunst an der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main. Im Rahmen des Saarart wird sie eine Serie von Kunstwerken namens „morgen kommen wir nicht wieder“ vorstellen, in denen die Künstlerin die Geschichte und das Schicksal eines aus Schlesien vertriebenen Malers, Friedrich Karopka-Branntler, nachzeichnet.
,Ausgehend von einem Landschaftsgemälde, auf das die Künstlerin wiederholt in einem Familien-Foto-Archiv stößt, begibt sie sich auf die Suche nach dem Maler. Für die Ausstellung schuf Johanna Schlegel Collagen, die sie mit Fundstücken aus Karopkas Vergangenheit und Texten zum Thema der deutschen Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg vereint.‘ “ Yepp. Dazu gibt es auch ein Buch. Das werde ich mir kaufen. 

Von Birgit Thalau im Galerieraum 2 bleibt vielleicht der Kleiderbügel im Gedächtnis. Wer weiß. Ansonsten: auch irgendwie auf irgendeine Art schonmal dagewesen.

Claudia Brieskes Installation im Keller: Interessante alte Plattenspieler. Aber nachdem ich vor einigen Jahren mal eine der uninteressantesten Ausstellungen, die ich je gesehen habe, von ihr in St. Wendel erleben durfte, warte ich auf etwas, was mich emotional, menschlich, essentiell irgendwie berührt und mitreißt. Bisher Fehlanzeige.

Gestern jetzt noch in St. Wendel. Anne Haring! Ich war gespannt auf Anne Haring. Das ist cool und uncool zugleich und hat mich dann sehr überrascht, da ich bisher nur andere Arbeiten von ihr kannte. Das gehört für mich in die Kategorie: Vermisstmeinnicht.

Die Malereien von Gisela Zimmermann. Malerei halt. Farbverteilungsproblematiken. Nee, das wäre ungerecht: Farbproblematiken. Sie arbeiten mit bestimmten Pigmenten, die sich unter Lichteinwirkung im Eindruck verändern. Ich fands ganz ok, ist aber auch nicht kriegsentscheidend.

Kathrin Haaser zeigt eine Balletschuh-Installation, die ich recht beliebig fand, warum z.B. diese Form und keine andere?? Das erschließt sich mir nicht. Die Blablablupp-Poesie dazu: „… Sie dreht sich darum, die Vergänglichkeit zu bannen, die jeder künstlerischen Produktion, jedem ästhetischen Augenblick innewohnt.“ Ich finde, das ist wirkliches Blablablupp. Ich banne keine Vergänglichkeit, indem ich ein paar alte Dinge zusammenschraube. Christian Boltanski konnte das besser, aber auch ihm ist es nicht immer so ganz gelungen. Er hat die Dinge dann aber auch eher einfach geschichtet und nicht noch zu einer aufgesetzten Form verschraubt, verklebt, verzwungen.

Krystyna Dul  führt angeblich mit viel Humor die Absurdität der Konstruktion von Modell-Identitäten vor. Ok, ich gebe zu, das ist nicht mein Humor.  Die Fotos des jungen Mannes mit merkwürdigen Dingen im Gesicht bleiben in meinen Augen Fotos eines jungen Mannes mit merkwürdigen Dingen im Gesicht. Kann aber auch an mir liegen.

Bei all dem vielen Für- und Wider dieses Ausstellungskonzepts mit vorgegebenen Themen und der Möglichkeit, sich zu bewerben (was ich übrigens gut fand, zumindest Letzteres), bekomme ich irgendwie keine Diskussion mit. Was will diese Ausstellung mehr, als einfach nur da zu sein?

Wo sind die gesellschaftlichen Diskurse, ästhetischen Provokationen, neuen Blicken auf die Dinge? Bisher bleibt erschrecken wenig hängen.

Ok, mein alter Anspruch: Ich will anders aus ’ner Ausstellung rausgehen, als ich reingegangen bin. Ich will. dass mich die Werke bewegen, berühren, beschäftigen. Meine Sinne schärfen und Gehwege ändern. Wenn wir einen Film gesehen haben, dann ist auch die große Frage: An welche Bilder wird man sich erinnern. Ich bin auch hier gespannt.

Demnächst sind noch die Moderne Galerie fällig und die Stadtgalerie. Nach Berlin werde ich wohl kaum fahren. Auch so ein Käse. Wieso diesen Ort mit einbeziehen, der in Berlin sowieso keinem Menschen auffällt? Eh egal. Hauptsache something happens. Egal what.

Ach, bevor ich es vergesse: Da ich den Namen saar-art so bescheuert finde: heute abend auf dem Spaziergang der tröstliche Gedanke: es ginge noch bescheuerter, wenn man es beispielsweise documentsaar nennen würde. Ich verkauf die Idee gerne meistbietend ans Ministerium.