Wenn man Leute im Landschafts-Kurs hat, die es dankbar annehmen, Baustellen zu malen und zu zeichnen: was für ein Glück. Ansonsten eumel ich ja grade ziemlich durch die Gegend mit meinen zweifelhaften Zweifeln. Gestern aber die Kiste aufgemacht mit den kleinen Zeichnungen von 2018. Und auch das war ein überraschendes Glück. Sehr freche und experimentierfreudige Blättchen dabei, wo man sich immer fragt: War ich früher mutiger?
Auf alle Fälle Felle.
(Und auch eine neue Heckenschere, weil meine Arme dann doch kürzer als früher.)

von der Einsamkeit des Langstreckenläufers

Ein merkwürdiger Zustand: in diesem merkwürdigen Jahr, in dem ich mich plötzlich um ganz viel anderes kümmern musste, entsteht so nebenbei eine ganze Menge Material. Und es läuft, macht Spaß und irritiert mich, und ich hab keine Ahnung, ob es was taugt. „Von der Öffentlichkeit unbemerkt, wurde das Kind mit 4 1/2 Jahren größenwahnsinnig“. (Bodo Kirchhoff).
Von der Öffentlichkeit unbemerkt habe ich langsam keine Ahnung mehr (und mehr).
Aufgeben oder Weitermachen?
„Man muss sich Sysiphos als glücklichen Menschen vorstellen.“ (Camus)
Man sollte mit manchen Dingen aufhören, bevor sie beginnen, einem Spaß zu machen.
Niemandes Nase.
Nobody nose.

a la recherche

Andreas Speit beschreibt in seinem Buch „Autoritäre Rebellion“ in einem Kapitel auch die Situation und Gedankenwelt zur Zeit der Romantik anfangs des 19. Jahrhunderts. Achim von Arnim gründete 1811 die Deutsche Tischgesellschaft, später Christlich-Deutsche Tischgesellschaft genannte patriotische Vereinigung, zu der zahlreiche Politiker, Professoren, Militärs und Künstler der Berliner Gesellschaft gehörten und in der nur christlich getaufte Männer Zutritt hatten.[4] (Wikipedia).Speit spitzt das noch ein wenig zu. In der Christlich-Deutschen Tischgesellschaft hatten Juden keinen Zugang, es hatten Frauen selbstverständlich auch keinen Zugang. Und generell war man antifranzösisch und antimodernistisch eingestellt. Irgendwo musste man sich retten vor den am Horizont aufziehenden Veränderungen. Zurück zum Sicheren und Guten.

ANTIMODERNISMUS – ANTISEMITISMUS – ANTIFEMINISMUS

Auf diese drei Begriffe wird das von Speit eingedampft. Und ja: kommt einem das nicht immer noch ein wenig bekannt vor? Oder wieder? Würden nicht alle AfD nahen Denker und Nichtdenker bei diesen drei Eckpunkten hurra rufen?

Zurück zu Einbettung in Tradition und Märchen und Volkstümelei. Make the Wurzeln great again?

Sono importanti i radici. Keine Frage. Aber welches sind nun wirklich die Wurzeln. Und was kann daraus sinnvoll wachsen. Stämme, Äste und Zweige, die ihre Richtung ändern und zurück in die Erde wollen: datt kann es nun ja auch nicht sein.

olymp

eine überarbeitete Malerei vom 16.3.2025 – damals eine verworfene Studie zu Orpheus‘ Unterwelt

D E N   H U M O R   V E R L I E R E N   O D E R   D O C H   N I C H T   ?

a la recherche

Wenigstens können wir in unserer Nachbarschaft sicher sein.

Nein! Am allerwenigsten können wir in unserer Nachbarschaft sicher sein. Erinnert Euch an den Jugoslawienkrieg. Von einem Tag auf den anderen haben sich gerade Nachbarn auf schlimmste Art massakriert und als Feinde bekämpft. Wo hab ich das Zitat letztens gelesen? Die Schlimmsten Taten werden begangen von denen, die glauben, das Richtige zu tun.

Vielleicht sollte man als gedankliche Notiz auch auf Paul Lynchs Buch „Das Lied des Propheten“ hinweisen, das das alles für mich auf wunderbarste Weise zusammenfasst.

(heute fehlen mir scheint’s ansonsten die Worte irgendwie…)

Doch noch eine Erinnerung: Gestern zufällig über ein Hannah Arendt Interview gestolpert, deutsches Fernsehen, wie es schien, 60er Jahre, schwarzweiß, allerdings ohne weitere Quellenangabe, wo sie schildert, dass mit das Schlimmste nach der Machtergreifung gewesen sei, wie langsam peut à peut die Bekannten und Freunde die Seiten wechselten.

Ergänzung einen Tag später: Das Interview ist von 1964 mit Günter Gaus aus seiner Sendung „Zur Person“. Und Hannah Arendt spricht auch nicht von Freunden, die die Seiten wechselten, sondern von welchen, die sich gleichschalteten. Überhaupt sehr sehenswert, so als kleiner Anspieltipp. Wie man damals noch miteinander gesprochen hat im Öffentlich Rechtlichen Fernseher. Gibt es sowas heute überhaupt noch irgendwo irgendwie? Irgendwas, was wirklich in die Tiefe geht und nicht dieses Polit-Talkshow-Blablablupp? Neben der Einführung der Fernbedienung und des Privatfernsehns halte ich übrigens auch die Einführung dieser Politik-Talk-Shows (Sabine Christiansen war die Ursünde) für den Anfang vom Ende. Eine s-beliebige Sendung „Der internationale Frühschoppen“ gegen irgendwas wie „Christiansen, Will und wie sie alle heißen“. Um das grad mal zu erwähnen, weil die Gelegenheit und ding. Aber ich kann da kaum mitsprechen, weil ich guck mir den ganzen Schmonzes ja gar nicht erst an. Ich les‘ weiterhin lieber „gleichgeschaltete Qualitätsmedien“. 

Und dazu passt eine kleine Erzählung von Stephan Hermlin „Wie ich einen Freund verlor“, die ich heute mittag im Allmanach zum 60jährigen Wagenbach-Verlags-Jubiläum gelesen habe.

Nichts ist sicher und nichts ist selbstverständlich.

Der reale Kontrollverlust wird vermeintlich durch alternative Wahrheiten aufgelöst.