abendspaziergang (der wille als welt der vorstellung):

warum bewegen sich die menschen in ihren häusern?

hier und da ein neuer vorgartenleugner

wohnhaft: straße der überflüssigen balkone 13

wohnhaft: appendicitisweg 12

wohnhaft: gonorrhoegasse7a

warum heißen die straßen in den

sogenannten sozialen brennpunkten

immer käthe-kollwitz-

nie aber helmut-kohl-

gerhard-schröder-

oder henry-ford-?

aus meiner Vergangenheit

Ein Selbstportrait vom 3.12.1984. Einen Tag später habe ich meinen Zivildienst im Städt. Krankenhaus in Neunkirchen/Saar begonnen und bin zu Fuß dorthin gelaufen. 3B und 4B auf Brunnen-Skizzenblock. Mein bevorzugtes Papier damals. Doppelt gespiegelt, so dass ich nicht mein Spiegelbild gezeichnet habe, sondern das, was auch andere von mir sehen konnten.

not yet a broken harth

aus der serie meiner winterlichen unfälle ist dies die dritte selbstmissachtende performace über einen zeitraum von neun jahren (3×3). nach dem absturz auf den fuß 2011, mit dem ich dann im geschwollenen zustand nach mainz gefahren bin, um dort in der walpodenakademie meine erste lange vogelnacht zu performen, folgte am abend vor der wienreise 2014 der materialbruch der leiter zum dach (mit den anschließen langsamsten bewegungen, die man in dieser stadt machen kann) – und gestern nun, beim fotografischen erfassen von motiven für gegend (nk) hat mich mein erst vor kurzem als autoersatz gekauftes e-bike ab- und in den dreck geworfen. die hand sieht zwar von außen wie gebrochen aus, das röntgenbild sagt aber was anderes. zeichnen und kochen und schreiben und saugen geht aber alles nicht und tippen mit links ist auch die mühsal. but: the games must go on.

COMMERTZ, CORONA UND COMA

In dem kleinen Anzeigenblättchen zur Ausstellung von Art Ashram in der Walpodenakademie in Mainz kommt es zu folgendem kleinen Interview, das ich hier gerne nochmal einer gewissen Aufmerksamkeit anheim geben möchte, da es für mich so schön zur Situtation zu passen scheint.

EINKAUFAKTUELL interviewt den geläuterten ehemaligen Vertreter des Mainzer Kunstvereins Walpodenstraße 21 e.V., der als erster Vorsitzender und freier Künstler 25 Jahre lang für den Raubbau an der Natur mitverantwortlich war, die sich nun mit einer furchtbaren Pandemie gerächt hat, bis der uersättliche Kunst- und Kulturmoloch endlich durch die notwendigen Maßnahmen der Bundesregierung in seine verdienten Schranken gewiesen wurde.

EINKAUFAKTUELL: „Herr Brand, wie fühlen Sie sich seit der Säkularisierung des Kunstorts Walpodenakademie durch Art Ashram? Bitte bekennen Sie sich!“

Stefan Brand: „Ich habe mich fünfzig Jahre gegen den Kapitalismus gewehrt. Seit unserer Konvertierung durch Umwandlung des unkommerziellen Vereinsheims in einen florierenden Laden haben wir alle an Lebensfreude gewonnen. Die Kollaboration mit dem totalen Konsum hat uns einen neuen Sinn gegeben, den unsere Mitmenschen in unserer Kunst nicht finden konnten. Endlich sind wir systemrelevant und haben unsere wahre Bestimmung gefunden. Mammon, wir danken dir!“

Zur Hintergrundinfo: Die Ausstellung der Künstlergruppe Art Ashram wäre als Ausstellung vom zweiten Lockdown betroffen gewesen. Kurzerhand wurde das ganze in einen Einkaufsladen umdeklariert und konnte als solcher die Tore offen halten. Unter den gegebenen Hygienebestimmungen versteht sich.