14.1.21

      1. 19UhR46 bis 19uHr 54was soll es sein? Durch den schnee zu stapfen und dabei durch den schnee zu stapfen? Glücklich zu sein, wenn alle in grau verschwinden und es von unten leuchtet. Was ist das schöne daran? Dass alles so ruhig scheint? Obwohl man ja weiß, dass es das nicht ist? Die scheinbare begrenztheit der welt? Die kälte des atems? Ich sitze inzwischen ja auch im sommer gerne lange draußen und empfinde dann auch manchmal so etwas wie glück. Oder konnte, 1983 war das, in den weiher steigen und bin drei bis vier stunden geschwommen. Ohne boden unter den füßen, ganz für mich alleine. Ich war voller akne und eiterpickel und war froh, wenn mich niemand sah. Schwimmbad kam also nicht in frage. Viele jahre lang nicht. Also: Weiher. Zu zeiten, wo da nicht zu viele waren. An einsamer stelle ab ins wasser und dann – wie gesagt – drei bis vier stunden nur der kopf als sichtbares zeichen an die welt. Eben komme ich vom arzt. Es liegt schnee und es ist schon 17 uhr und entsprechend dunkel und es freut mich. Und ich habe lust, nicht auf direktem weg nachhause. Ich hätte noch stundenlang so laufen können. Mit festem schnee unter den füßen. Barfuß im schnee ist übrigens auch schön.

13. januar 2021

      1. 18UhR33 bis 18uHr38

des kaisers neues kleid ist des kaisers neues kleid. Was geht mich der kaiser an? Des kaisers neues kleid ist wie der gesunde menschenverstand: von allen benutzbar. Dehnbar. Es erklärt immer den eigenen geschmack. Verklärt die eigene meinung zur allgemeinen meinung. Der hut von beuys kann des kaisers neuer hut sein. Darunter bleibt er nackt und alle sehen es und keiner sagt es. Fett bleibt fett und kein mensch ist ein künstler. Was bleibt ist der schnee von heute. Schnee wird selten. Zumindest hier bei uns. Nur ich allein kann seine weißheit erkennen.

11.1.21 – 19UHr34 bis 19UHr 39

Was, wenn ein tag in einem kopf keinerlei spuren hinterlassen hat? Trotzdem es ein schöner tag hätte gewesen sein können?: Man hat einen schönen spaziergang gemacht. Schöne luft geschnappt. Alles. Was bleibt von alledem? Draußen springen die menschen umher und sind verrückt. Wenn ich etwas gelernt habe: der mensch kann per se alles gut oder schlecht finden. Man kann morgen das gegenteil von heute begründen mit denselben argumenten. Ich sitze als kind am fenster des hauses meiner großeltern und zeichne vögel mit einem kugelschreiber in meinen dreiähren-block. Ich sehe heute im wald ein von einem specht angenagtes vogelhaus. Woher soll der specht das wissen?

3 minuten gehirnwäsche

keine neue idee, aber eine interessante und gute: täglich für ein paar minuten die gedanken kreisen lassen und mitschreiben. Ein paar minuten, damit es eine regel hat. Regel und kontinuität. Arbeit und struktur. gehirn-wäsche im positiven sinn. wir nehmen die gedanken raus, waschen die ein wenig und tun den rest wieder rein. kann ja nix schaden. 🙂

 

10.1.21, 11uHR22 bis 11uHR28

Wie man dem toten Rasen das Leben erklärt. Wie sich die Himmel ähneln. Hier ein Blau, dort ein Grau. Wir wünschen uns dasselbe Essen wie gestern. Einfach, weil es uns geschmeckt hat. Abwechslung ist etwas für Anfänger. Vom dunkelsten Grau (nein: Schwarz gibt es keines) über Rosatöne, Rosa-Grau vor hellstem Blau. Der Horizont alleine macht nicht satt. Ohne ihn wollen wir aber auch nicht leben. Nur er trennt das Feste von der Luft. Und ohne Luft geht garnix. Ein leuchtendes und festes Weiß unten, ein Trennungsstrich, der uns Luft verschafft, und dann darüber alles andere. Strahlen. Unten ein Grün mit viel Rot-Anteil. Könnte man es etwas heller drehen, könnte es auch mitten am Tag sein. So wie gestern. Aber so, genau so, hatten wir es noch nie! An meinen Füßen wachsen krumme Finger.

textkritik

Einer der faselhaft verschwurbelten Kunstwissenschaftler Texte erschien auf dem BREGENZ – Faltblatt der Ausstellung von Peter Fischli im Kunsthaus Bregenz. Eine schöne Ausstellung, eigentlich. Mit „schön“ meine ich: interessante, fordernde, witzige, ernste, herausfordernde. Vier Stockwerke, unterschiedlichst bespielt, aber halt: oben steht: TEXTKRITIK, nicht Ausstellungskritik.

Peter Fischli schreibt zu den großen Papierarbeiten im obersten Stockwerk übrigens einen herzerfrischend ehrlich und unkomplizierten Text. So geht`s dann nämlich auch: klar und unprätentiös und frei von interpretatorischem Nonsense, der die zwischen Wolken und großen Löchern anmutig hin und her schwebenden angekokelten Papiere nur sofort zu Fall brächte.

Anders Arthur Fink, der die Schwurbelsprache wohl studiert und in jahrelangem Training eingeübt hat. Doktor blablabla wahrscheinlich.

It goes like this:

Peter Fischlis Boxen befinden sich an der Schnittstelle zwischen Museumswand, wo Objekte der Kontemplation hängen, und dem pragmatisch strukturierten Innenraum des Museums (falls es im Kunsthaus Bregenz einen solchen gibt). Derlei Boxen kennen wir als Bestandteil der Museumsarchitektur und deren Informationssystems. Sie sind ein Überbleibsel der prädigitalen Kunstvermittlung und als solche Teil des diskursiven Apparats und der traditionellen Rahmung der ästhtetischen Erfahrung. Sie sind Teil des real space und des metaphysischen Raums der Kunsterfahrung zugleich. …

…Phänotypisch gesehen, sind sie – mitunter auch durch die Serialität – minimalistische Skulpturen und als solche Teil des kunsthistorischen Narrativs über die Öffnung der Skulptur hin zum real space, der in den 1960er Jahren vollzogen wurde. Die mininmalistische Skulptur wird so definiert, dass sie mit der Vorstellung eines gesonderten Raums der ästhetischen Erfahrung, der durch Sockel oder Rahmung definiert wird, gebrochen hat und keine Grenzziehung zum unmittelbaren Erfahrungsraum der Betrachters vornimmt. Die Box stellt dabei die Urszene der minimalistischen Dekontruktion der Skulptur dar.

Die Bregenzer Boxen entsprechen allerdings nur bedingt den minimalistischen Lehrsätzen, sind sie doch kunsthandwerklich und nicht industriell hergestellt und aus einem Werkstoff, der mit der Bildhauertradition konnotiert ist. Man könnte von einem manirierten Minimalismus sprechen. Zugleich sind die Arbeiten – dies der zweite kunsthistorische Allgemeinplatz – einem institutionskritischen Erbe zuzuordnen, das die institutionelle Rahmung von ästhetischer Erfahrung zum Ausgangspunkt machte und sich bekanntlich aus dem Minimalismus entwickelte. Die vermeintlich neutrale Museumsarchitektur wird reflektiert.

… Der Werkstatus der Box ist prekär – als einzelnes Werk ist sie kaum als solches erkennbar und zudem Behälter des Deutungsschlüssels für sich selbst. Die Boxen sind stumm – sie sind weder abstrakte Skulpturen noch Gebrauchsgegenstände, sie können als Kunstwerke betrachtet und mit spezifischen Diskursen befrachtet werden und zugleich sind sie Platzhalter, dekonstruktive Gesten, die sowohl den Museumsraum an sich als auch die Werkerfahrung profanieren. Sie sind materialisierte Anti-Transzendenz, richten sich gegen phänomenologischen Kitsch und sind wiederum minimalistische Arbeiten im klassischen Sinn: anti-illusionistisch und anti-idealistisch.

 

Klar, recht hat er, der Herr Fink. Inhaltlich würde ich das 100% unterschreiben. Aber geht es auch ein wenig schöner? Bzw.: was will er uns eigentlich gesagt haben wollen?

 

Peter Fischli betreibt schon immer gerne ein Spiel mit Abbild und Wirklichkeit, mit Materialitäten und Formen, die unterschiedlich wahrgenommen werden können und das hat er auch schon zusammen mit David Weiss getan. (Man erinnere sich nur an den Raum unter einer Treppe im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt/Main:  Durch ein Fenster ist ein Sammelsurium abgestellter Farbeimer zu sehen, Reste von getaner handwerklicher Arbeit. Allerdings sind auch all diese wahllos abgestellten Gegenstände keine wahllos abgestellten Gegenstände, sondern aus anderen Materialien Eimern etc. nachgebildete Objekte).  Und so finden sich in einem Stockwerk der Bregenzer Ausstellung ein ganzer Saal voller Skulpturen, die scheinbar aus Verpackungen und Dosen etc. hergestellt sind. Man hat sein Vergnügen an diesen Objekten, guckt, wie da mit alten Dosen und Schachteln und den Vorstellungen, was ein Objekt, eine Skulptur sein kann, phantasievoll gespielt wird. Um dann im Klappentext zu erfahren, dass hier z.B. keine einzige alte Farbdose verwendet und angemalt wurde: alles, sogar die Sockel, auf denen die Skulpturen stehen, ist aus Pappe hergestellt und täuscht etwas anderes vor, als es ist. Man denkt es sich einfacher, und es ist dann doch wieder komplizierter.

Und so finden sich auf allen Stockwerken nun auch diese Boxen, wie man sie immer wieder in Museen findet: an die Wand montierte kleine Kästen, denen man meist A4-Zettel mit Informationen zu den gezeigten Arbeiten entnehmen kann. In dieser Bregenzer Ausstellung hat man zu diesem Zweck ein faltbares Poster drucken lassen, das, zusammengefaltet und in die Box gestellt, einem das Wort BREGENZ entgegenwirft.

Peter Fischli hat die Boxen nun aber nicht einfach so übernommen (falls sie vorher bereits montiert gewesen sein sollten), sondern hat sie aus Bronze gießen lassen. Einem banalen Ausstelluns-Architektur-Gegenstand wird ein Materialwert zugesprochen, der aus der Box wieder was anderes macht. Einen an der Wand hängenden Kunstgegenstand nämlich, der als solches auf den ersten (und vielleicht auch auf den zweiten) Blick nicht direkt zu erkennen ist. Diese Boxen werden quasi zu seriellen Skulpturen/Objekten, verbleiben aber als Träger der gefalteten Poster weiterhin benutzbare Objekte. Und mit dem uns entgegenspringenden Schriftzug BREGENZ wird da durchaus auch in der Kombination wieder eine Art Schriftbild-Objekt an der Wand, von dem ich mir sogar einen Teil mit nachhause nehmen darf. Boxen, die ich sonst übersehe, oder auch nur als notwendiges optisches Übel wahrnehme, dürfen und sollen als Teil der Ausstellung, als Teil des Gesamten wahr- und ernstgenommen werden. Ausstellungs-Architektur und Werk zugleich.

Und nun spielen die Boxen natürlich auch mit den seit den 60 Jahren bekannten Erzählformen der sogenannen Minimal-Art. Einfache Dinge (etwa Bodenplatten) werden in einer bestimmten Anordnung wiederholt, um eine bestimmte ästhetische Erfahrung zu erzeugen. Oft handelte es sich dabei auch um einfache Materialien, meist aus industrieller Herstellung. Peter Fischli kehrt das nun wieder um und lässt die Boxen in einem klassischen bildhauerschen Verfahren herstellen (Bronze) und unterläuft so scheinbar die Idee des minimalistischen Ansatzes. Trotzdem wird aber genau dadurch die klassische Minimal-Art-Idee wiederbelebt: hier wird kein künstlicher Inhalt hergestellt oder behauptet, keine Transzendenz und keine Illusion. Eine Box bleibt eine Box bleibt keine Box.

 

 

letzter Beitrag für dieses Jahr

Eine kleine Solidaritätszeichnung mit linker Hand von Sem (Michael Semmet) aus Saarbrücken. Hat mich heute erreicht und sehr berührt. Schöne Idee. Sieht ein bisschen aus wie seine Frau. Da hat er recht. Ich sehe sie auch. 🙂