
Skizzenbuch und permanenter Ausstellungsraum von Klaus Harth

im vergleich, so erinnere ich mich an meinen kunst-professor in den früher neunzigern, sei Tapiès im gegensatz zu Arnulf Rainer ja ein richtger intellektueller. Ein interessanter vergleich, weil für mich die beiden so gänzlich was anderes waren in meiner wahrnehmung und empfindung. Aber ich musste daran denken letztens: im vergleich mit Merz war Helmut Kohl tatsächlich ein intellektueller. Zumindest ein kanzler. Obwohl wir Helmut Kohl, angeführt von den poeten der titanic, ja als „Birne“ gesehen haben, als intellektuell minderbemittelten, der in der schule „gut in Hölderlin“ war, wie er das zu formulieren pflegte. Jetzt haben wir hier einen Black-Rock-gebildeten Schnösel ohne jeglichen horizont. Von den franzosen hieß es früher, dort könne niemand staatsmann werden, der nicht ein homme-de-lettre sei. Auch dort hat sich das verändert. Die erste potentielle staatspräsidentin, die jetzt doch erstmal keine werden wird, ist auch alles andere als femme-de-lettre. Aber immerhin scheint sie einen horizont zu haben, wenn auch keinen, der mir sypathisch ist. Können einem horizonte sympathisch oder unsympathisch sein? Here is your princess, and this is the horizon. Merz ist nicht verschrien als minderbemittelt wie es Helmut Kohl damals war. Aber er ist komplett horizontfrei. Und das ist das schreckliche. Er weigert sich rassist zu sein, obwohl er einer ist. Einfach, weil er die definition nicht kennt. Fragen sie ihre töchter. In den ideen des merz. In den iden des merz. Reimt sich vieles auf schmerz. Und auf kommMErz.
Krisenzeit ist gute Zeit. Schwer auszuhalten, manchmal. Aber, auch manchmal, kommt etwas Interessantes dabei heraus. In Zeiten, wo man das Gefühl hat, außer einem selbst interessiert sich niemand für das, was man da so tut, wie weitermachen? Interessieren ich mich selbst noch, für das, was ich da so tue? Es gibt da verschiedene Stadien der Zweifels-Eskalation. Und immer wieder die Frage: Lässt sich die Form dann doch so zuspitzen, dass es vielleicht doch die richtigen Köpfe erreicht? Eine Idee war 2020 mein Jahrbuch. Eine Form, Texte, Zeichnungen, Notizen zusammenzubringen und vielleicht zum miteinander funktionieren zu bringen. Geht. Und geht nicht. Und geht. Und geht nicht. Na was jetzt? Die Tage fiel mir ein Konzept wieder ein, dass mir vor Jahren bereits im Kopf rumspuktete: INFORMATION – DEFORMATION. Auch hier war es als ein Miteinander von Texten, Ideen und Gedanken, vor allem als Ausdrucke der „tagessätze“ gedacht im Zusammenhang mit Ausdrucken von Zeichnungen und Bildern. Die tagessätze waren als Beitrag von wadiwadi 2021 in Kaiserslautern zu sehen, als Beklebung eines Schaufensters eines im Laufe der Ausstellung dem Abriss freigegebenen Nachbarhauses des Theodor-Zink-Museums. Datt war cool. Und die letzten Tage schwebt mir sowas vor als Ausstellungskonzept (ich muss es nur noch ein wenig besser formulieren): Texte und Zeichnungen und vielleicht auch im Zusammenhang mit Lesung/Projektion was auch immer. Hach, während ich das so schreibe, macht mir das sogar fast wieder ein bisschen Mut.
By the way: Vielleicht war das auch ein kleiner Brandbeschleuniger dieser Idee: die alljährliche Walpoden-Visionen der Walpodenakademie in Mainz: Wer will schickt ein bis drei aktuelle Arbeiten, von denen dann eine ausgesucht und auf A3 ausgedruckt wird. Datt janze wird dann nebeneinander ins Schaufenster geklebt. Und ich finde das einfach eine schlichte und einfache und famose Idee, wie man dem Ding der Kunst, wenn es das denn gibt, auf andere Art wieder näher kömmt. Ich fahr demnächst mal hin und mach n Foto.
In der Süddeutschen gestern ein Artikel über den Begriff der Kulturschaffenden, der immer mehr um sich greift und, wie der Artikel nachweist, nachweislich aus dem Nazi-Jargon stammt. Das ist interessant. Mein Lieblingssatz aus dem Artikel: „Wer Kultur schafft, hat einen Plan und erfüllt seine Pflicht. All das Überflüssige und Überschüssige, das Nutzlose, Luxuriöse, das Zufällige, Emergente, Explosive, das die Kunst braucht, geht in dem Begriff nicht auf. Und schon gar nicht die seltsame Erkenntnis, dass es oft die Werke sind, die den Künstler formen und nicht umgekehrt.“ Ok, das war mehr als ein Satz. Aber: Wer Kunst schafft, erfüllt seine Pflicht. Kunstsschaffende kommt bei mir fast in einem Atemzug mit „Kreativwirtschaft“. Und vielleicht sind auch hier die Gründe zu suchen, warum mich kaum noch was hinter dem Ofen hervorlockt. Alles funktioniert irgendwie. Passt sich ein. Ist ein Teil der Unterhaltungsindustrie: Jetzt Tickets lösen für die Art Karlsruhe! Die Leute vom Saarbrücker Künstlerhaus bieten seit Jahren Fahrten zur Art Karlsruhe. Dabei war Joseph Beuys, den laut Matthias Winzen diese Woche im Saarbrücker Zeitung Interview kaum noch 5% der aktuellen Kunststudenten kennen, bereits klar: die Mysterien finden am Hauptbahnhof statt. Mit Sicherheit nicht auf der Art Karlsruhe. Dort findet man das, was auf dem Markt funktioniert. Ach, wär ich doch nur ein wirklicher Epikuräer. Kann man das lernen? Ich halt mich da raus, muss mich dann aber auch nicht drüber aufregen? Ich spiele nicht mit, spiele dann aber auch nicht mit? Konsequenz ist was für Anfänger. Belegen wir einen Fernkurs in Misanthropie. Vielleicht macht es das besser. Und: Ich sollte endlich, endlich mal Lutger Lüdekehaus‘ Buch über NICHTS lesen. Das liegt seit 21 Jahren auf meinem Nachttisch. Vielleicht ist langsam Zeit dafür.
24.1.26 23uHr20 bis 23UHR24
die kauende schwester zaubert einen ball. Betrachtet ihn. Betrachtet ihn noch länger. Doch sie will und kann es nicht erklären. Oder sollte man nicht besser sagen: sie will und darf es nicht erklären? Nicht über alle dinge darf man sprechen, nämlich. Insbesondere nicht über namenlose bälle. Und endliche bälle. Und namenlose, endliche bälle. Hin und zurück. Schwester hin. Und schwester her. Wir gehen in ihre küche und lesen ein buch. Danach messen wir ihren blutdruck. Es gibt kein zurück. Wir ziehen uns warm an, denn man sollte sich auf alle fälle immer warm anziehen. Alle felle. Aber nicht zu warm. Zu warm kann dann wieder doch gefährlich werden. Die schwester kaut. Aber sie schweigt nicht. Sie hat einen blutdruck und keinerlei gefühl für ihren puls. Was für ende. Was für ein beginn.
das rätsel ist gelöst: alle begriffe sortiert in unnachahmlicher zeit. Ich tausche etwas gegen etwas und nichts gegen nichts. Langsam gegen schnell. tun gegen nicht-tun. dasein gegen wegsein.
am 1. januar flog eine amsel hier gegen die scheibe, so heftig, dass sie verstarb. Amseln sind vögel, die uns glücklich machen. Vor jahren grub ich im garten eine wurzel aus und eine noch recht junge amsel flog immer wieder in meine nähe und beobachtete mich und den aufgegrabenen boden. Ich machte also immer mal wieder eine pause, kletterte aus dem loch und ließ die amsel würmer finden. Danach haben wir wieder gewechselt. Ich buddele weiter, die amsel sitzt und guckt. Etwas später im jahr damals kam immer wieder eine junge amsel in meine nähe geflogen und beobachtete mich beim lesen oder den anderen dingen, die ich im garten tat. Und natürlich war ich der meinung, dass es genau dieselbe amsel gewesen sein muss. Der tod anderer vögel geht uns nicht so nahe. Wenn es sich beispielsweise um hühner handelt, wenn auch aus kontrolliertem anbau. Aber amseln: ja! Sich am ersten januar in den tod fliegen, weil man eine scheibe nicht erkennt: nehmen wir uns kein beispiel!
einer der träume, die mich immer wieder verfolgen: in einer stadt, in der ich früher mal gelebt habe, gibt es noch eine wohnung, die ich nie gekündigt habe, die ich selten aufsuche, in der sich noch eine menge dinge befinden und die ich endlich einmal auflösen müsste. Manchmal kostet mich diese wohnung noch unnötig miete, meist spielt das aber keine rolle. Wichtiger ist, dass die dinge dort verkommen und vorkommen, dass ich es nicht schaffe, das endlich mal zu sortieren und in ordung zu bringen. Manchmal verstecke ich mich vor den nachforschungen der wohnungsgesellschaft, die mir auf die schliche gekommen ist. Auf alle fälle bin ich immer froh, wenn ich merke, dass das nur ein traum ist und es einen ausweg gibt. Das ist von der deutung jetzt auch nicht sonderlich tiefgründig. Aber trotzdem sehr beunruhigend.
Eben bin ich beim Spülen des Geschirrs. Der Reste unserer weihnachtlichen Einladung. Keine Familie diesmal. Sondern Freunde. Ich höre dabei eine alte Schallplatte, die mir einmal zugetragen wurde mit den Worten: Kannst du gerne haben, ich kann nichts damit anfangen. Ich konnte damals schon sehr viel damit anfangen: Keith Jarrett „Invocations“. Er spielt an der Orgel und dazu gibt es ab und an Saxophon. Wobei ich nie herausbekommen habe, wer hier Saxophon spielt, das steht nirgends auf der Platte und im Internet hab ich es bisher auch nicht rausbekommen. Eine teils, für viele Ohren wohl, schräge und radikale Aufnahme. Mich berührt diese Musik immer sehr. Gerade an den Stellen, wo es sehr radikal wird. So radikal ist er in seinen Klavierimpros eher nie gewesen. Das hab ich bei seinem Bruder gefunden, Chris Jarrett, aber bis auf dieser Platte Invocations nie bei ihm.
Das sollte Kunst können: Das Leben in all seinem Schmerz und Unaushaltbaren ausdrücken. Und auch in dem Aushaltbaren.
Ich versuche mich zu erinnern, von wem dieses Zitat war. Und warum ich es nie irgendwo notiert habe, außer in Tagebüchern.
Glenn Gould wird es in den Mund gelegt im Buch von Jonathan Cott: „Telefongespräche mit Glenn Gould“.
Seite 20, Gould zitiert wiederum Nietzsche:
„Sie (die Kunst) allein vermag jene Ekelgedanken über das Entsetzliche und Absurde des Daseins in Vorstellungen umzubiegen, mit denen sich leben lässt: diese sind das Erhabene als die künstlerische Bändigung des Entsetzlichen und das Komische als die künstlerische Entladung vom Ekel des Absurden.“
Yes. Und das ist es, was ich oft bei dem vermisse, was sich im mich herum so als Kunst enfaltet. Oft nur noch Design und Projektionsflächen für die Kopfkinematografien der Betrachter*innen.
So viel muss gesagt werden an diesem 1. Januar.
Ach, es ist noch gar nicht erster Januar?
Sondern 25. Dezember.
Egal.
Ich denke grade über neue Formen nach. Und über Dinge, die man sich früher so getraut hat. Und die niemanden interessiert haben. Die einen aber freier gemacht haben. Ich hatte zum Beispiel mal die Idee, für ein paar Wochen lang Sonntag morgens so um 6 Uhr rum an der Konzertmuschel im Deutsch-französischen-Garten in Saarbrücken ein Klarinettenstück zu spielen. Dinge, die sich ereignen, die aber kaum jemand mitbekommt. Die sich aber trotzdem ereignet und folglich die Welt verändert haben. Auch wenn sie, diese Welt, das nicht bemerkt hat. Heute lasse ich mich vom Alltag auffressen. Die tagessätze, mit denen ich mich gegen die Vereinnahmung wehre, schreibe ich viel zu selten. Meine Beobachtungen sind meine Beobachtungen und meine Sprache, die ich der Welt entgegensetze, verhindern, dass ich überrollt und aufgefressen werde. Ich schreibe sie viel zu selten, diese Sätze. Ich zeichne viel zu selten die Blätter, die mich am Leben halten. Auch wenn sie keiner sieht, existieren sie und verändern die Welt. Auch wenn sie es nicht merkt. Sprich wenigstens mit dir selbst. Leise reicht völlig. Viel zu viele sind laut genug.
Der 1. November. 1984. Also heute vor 41 Jahren. Ein Herbst der Niederlagen. Nach meinem Praktikum in der Druckerei damals und der anregenden Tätigkeit dort, wo ich viel gelernt hatte, dem Erwerb meines ersten Plattenspielers, und zwei Ablehnungen für ein Studium der Kunsterziehung (für Bewerbungen um ein freies Kunststudium fehlte mir damals noch der Mut), war ich am Ende und wusste nicht, wie es weitergehen sollte. Ein Herbst extremer Einsamkeiten und extrem langer abendlicher Spaziergänge von Wiebelskirchen nach Neunkirchen, teilweise bis Wellesweiler und wieder zurück, am besten mit Sturm und Gegenwind, hab ich mich am 1.11.1984 hingesetzt und nochmal neu angefangen: Mir Gegenstände vor die Nase gesetzt und versucht, sie auf eine ganz neue, ganz unbefangene Art zu sehen und zu zeichnen. In der Hoffnung, dass mich dies weiterbringe. Mich nicht niederringen zu lassen von Absagen und Ablehungen.
41 Jahre. Anfang Dezember 1984 hab ich mit dem Zivildienst begonnen. Neues Umfeld, neue Gesichter, bin ins Wohnheim des Krankenhauses gezogen. „Raus aus der Komfortzone“, wie man heute dazu sagen würde. Hab währenddessen die Initialzündung vom 1.11.84 weitergetrieben und gezeichnet und aquarelliert mit dem Ziel, mich nach dem Zivildienst nochmal um ein Kunststudium zu bewerben (kein Kunsterzieher-Studium). War dann doch nochmal ein bisschen anders. Aber das ist hier nicht so ding.
Mittlerweile hatte ich das Glück, dass ich doch in diesem Bereich ein paar schöne Dinge machen durfte.
Trotzdem kämpfe ich immer noch mit Ablehnung und Nichtbeachtung. Natürlich sind das tief sitzende persönliche Deformationen. Und natürlich sollte man sich davon frei machen.
Wenn man sein künstlerisches Tun upunkt-apunkt als eine persönliche Freiheitsbewegung versteht, nicht nur als Bewegung, diesen ganzen Quatsch, der uns umgibt, und der auch in einem selbst drin steckt, halbwegs verstehen zu können, allein um ihn auch aushalten zu können, allein um dieses Dasein irgendwie halbwegs würdevoll zu überstehen und zu Ende zu bringen, dann ist es natürlich ein wenig grotesk, wenn man von denen Anerkennung heischt, mit denen man aber im Grunde seines Herzens gar nicht spielen will.
Da bleibt also noch ein wenig zu tun auf dem Weg der Erkenntnis.
1.11.2025
letztens hatten wir eine komplette schraube im rechten vorderrad. wir blieben cool und fanden ein ersatzrad unter dem gepäckraum. montags dann mit dem rad mit der schraube zum autoschrauber-onkel. ja, kann man reparieren. schraube raus, loch gestopft, vulkanisiert, was man halt alles so macht. tags darauf reifen abgeholt und dann ging’s wieder los: politikschelte. die bürokratie, die den umsatz frisst. die ausländerfamilie, die mit ihrem bus in die werkstatt kommt, „den ich mir nie leisten könnte“ und die dreieinhalbtausend euro im monat haben – „die habe ich nicht“. und die gehören alle standrechtlich erschossen. wer? na die da oben. alle. und der meinte das ernst. und man würde am liebsten hingehen und sagen: stopf die schraube wieder rein. gib den reifen wieder her. knausgaard schreibt, im dritten reich war das unmenschliche die norm, an der sich auch die kleine frau orientierte. gegen die schraube kann man was tun. aber irgendwann wird es keine ersatzreifen mehr geben.
10.6. 25 9uhr42 unterbrochen gegen 10 urh,
pfingsten. Das fest, wo sie alle und alles sprechen und sich alle verstehen. Zuerst allerdings hatte ich es dann doch eher mir sprechlosen zu tun, die mir den weg vermittels zeichensprachen kund taten. Eine verkündungs-tat. Die funktioniert hat. Früh am tag sprechen die menschen mehr oder weniger? Weniger oder mehr? Später am tag, allerdings nur an feiertagen, stürzen sich junge, mehr oder weniger bärtige, früh- und mittdreißiger ins tal oder zu berg. Je nach gusto und innerer uhr. Die sich ins tal stürzenden irritieren uns am meisten. Wie soll man da noch die kurve kriegen, wenn man ins rutschen kommt? Bei den nach oben stürzenden denkt man eher an den eigenen herzschlag und den herzschlag im allgemeinen. An durchhaltevermögen und herzinfarkt. An einer stelle am wegesrand, man sieht rechts vor sich in der kurve eine christliche kapelle, findet sich links ein arrangement aus kleinen figürchen buddhistischer mönche. Liebevoll in einem alten baumstamm drapiert, leicht versteckt, so dass man es nicht auf anhieb entdecken muss. Plastik? Keramik? Aber egal. Irgendjemand hat das arrangement mit einer zwergenfigur ergänzt. Erkennst du buddha, töte buddha. Jetzt stellen sich natürlich verschiedene fragen: war es dieselbe person, die den zwerg dazu gestellt hat? Und mit welcher absicht? War das jemand anderes? Und mit welcher absicht hier?
22.6.25 12Uhr11 Fotsetzung bis 12UHR23
war es dieselbe person, dann hat sie entweder ZEN verstanden oder ZEN nicht verstanden interessant ist auch der blick auf die kapelle am berg quasi gleichzeitig zwerg plus ZEN plus christendings war es jemand anderes sollte der ZEN-gedanke wohl verballhornt werden aber ZEN hält das aus ob das christendings den gartenzwerg aushält wer weiß wer weiß es nicht wie auch immer pfingsten wir sollten es nicht vergessen berganstieg blick über die weite der gegend und ich stehe am wegrand und über mir ein flugzeug und ich denke noch altes flugzeug und sehen die mich jetzt wie ich hier pipi mache und eigentlich nein und wenn eigentlich doch dann sowieso egal bescheuerter gedanke die natur bleibt grün vorne links mäht jemand mit motorgebrüll sein gras am steilhang mit entsprechendem gerät und schert sich null um pfingstendings abstieg leichter als gedacht genuss und gehen und froh dass die stunde noch nicht geschlagen hat die mutter ist weit entfernt und plötzlich die erinnerung an die motorradspur an unerwarteter stelle oben auf der ebene am pass denn jetzt kommen zwei mehr oder minder jugendliche motorradfaher:innen und man frau alle ertrappen sich bei dem gedanken macht das jetzt nicht alles kaputt mein schönes kleines wanderidyll darf man das überhaupt in der schweiz und hier fahren doch noch nicht mal mountainbiker geschweige e-beiker oder sonstige radpfarrer in der schweiz scheint pfingsten kein tag der stille sondern ein tag des motormähens und motor-radpfarrens und man wünscht ja keinem dass er (oder sie, aber es waren tatsächlich nur männer) ausrutscht und den abhang fallend durchwirkt oder wünscht man es insgeheim dann doch und müsste man sich eigentlich dieses gedankens schämen noch lang riechen die abgase und ZEN meint dass nicht nur stille zwerge sondern auch motorradpfarrer:innen im wald auszuhalten seien ach ZEN meinst du das wirklich und meinst du das gerade auch an pfingsen?
„Die Menschen sind unglücklich, weil sie nicht wissen, dass sie glücklich sind.“
–
Die Menschen sind glücklich, weil sie nicht wissen, dass sie unglücklich sind.
im moment weiß ich kaum noch, wie ich bei all dem chaos, das um mich herum zu managen ist, irgendwie ein ganzes bleiben soll. am freitag bin ich in der arztpraxis sauwütend geworden, aus verzweiflung, dem gefühl des ausgeliefertseins und hilflosigkeit. die ärzte sind doch die profis, denkt man. die machen das doch täglich und wissen, wie das system funktioniert. gedankenlosigkeit, routine und ein bisschen mir-doch-egal sind aber die dinge, die mir grade so begegnen. und wenn man sich mit anderen unterhält, hört man immer wieder vergleichbare dinge. wie auch immer: durch zufall in die hände gespielt, lese ich zum erstenmal in meinem leben „im westen nichts neues“. dagegen ist das, was ich grade denke, aushalten zu müssen, natürlich ein witz.
aber trotzdem wahr.
ein traumrest von heute nacht: es gab eine ausstellung, wo topflappenähnlich-gehäkeltes aussagekräftig an den wänden hing, mit der aufforderung, sich den gedanken zu merken, dass dinge, sobald sie an der wand hängen, zu anderen dingen werden. ist natürlich der klassischer Duchamps, klar. aber noch nie war mir das so klar, wie in dieser traumsequenz. und dass die meisten ja einfach ihre bilder in ausstellungen hängen, ohne sich darüber klar zu sein, dass sie, wenn sie dort hängen, etwas anderes werden, als sie zuhause im atelier waren. und daran schließt sich die frage: sind es gute bilder, wenn sie bleiben, was sie zuhause waren, oder sind es nur dann gute bilder, wenn sie etwas anderes werden? was mich grade dran erinnert, dass ich bei einer ausstellung im treppenhaus des kunsthistorischen instituts mal eine sequenz von fotokopien aufgehängt habe, wo nix drauf war als die wörter G U T E B I L D E R G U T E B I L D E R G U T E B I L D E R etc. das war 1994 oder so. und dass ich das so schlecht gemacht habe, dass sie nach meiner abreise nach ultraschneller bildmontage (ich war noch im thermalbad in wiesbaden verabredet, dessen eintritt ich mir eigentlich gar nicht leisten konnte) sofort wieder von der wand fielen und von freunden, die noch bei der montage ihrer bilder waren, aufgehängt wurden, und zwar so, dass sie stabil an der wand blieben, was sie mir tage darauf erzählten, während ich zu lange im wiesbadener bleiwasser blieb und nachts kotzte und kotzte und deshalb jahrelang keinen spargel mehr aß, weil ich dachte, es käme davon.

Ist Plump jetzt der kleine böse Bruder von Plakativ? Das schwarze Schaf der Familie? Mit Plakativ kann man noch einen netten Nachmittag verbringen, mit Plump nicht unbedingt. Ich lade Euch alle ein zum Plump-Pudding. Sind die beiden überhaupt verwandt? Manche meinen dies, manche jenes. Plump betritt das Zimmer, setzt sich auf den Stuhl und betrachtet die leere Wand. Plakativ lächelt Dich an, als gäbe es was zu sehn. Ich sehne mich stattdessen und wende mich ab. Frieden und Fritten. Mein linkes Ohr hört immer schlechter.
das jahr ist neu – die leute sind dieselben wie gestern.
sie fahren auto wie gestern, gehen wie gestern, keiner zappelt anders mit den armen als sonst.
luftholen, ausatmen, weiter so.
wir müssen kinder in die welt setzen, damit sie eine chance hat, besser zu werden:
eine idee, die seit mehreren tausend jahren nicht funktioniert.
du sollst nie ohne fallen gehen. Geh ohne hände, aber nie ohne fallen. Warte bis du ausrutschst und in die tiefe stürzt. Dich nicht mehr bewegen kannst, denn bewegung bringt den tod. Die krönung eines missglückten tags
Hier in München wimmelt es von Zahnärzten. Zahnarzt werden kann jeder, ist leicht verdientes Geld. Und offensichtlich gibt es hier auch ausreichend Bedarf. Wir blicken aus dem Hotelzimmer auf die Landshuter Allee. Schon früh morgens sind die Straßen voll von Zahnärzten in ihren großen Autos und Patienten in ihren kleineren Autos und öffentlichen Verkehrsmitteln auf dem Weg in ihre Praxen und auf die Behandlungsstühle. Implantate allerorten. Abends fahren alle wieder zurück. In ihre überteuerten Wohnungen mit ihrem überteuerten Abendbrot. Nachts ist es eher ruhig und dunkel. Vermutlich übernehmen diese Zahnärzte auch Aufgaben der Geburtshilfe und Buchhandlungen. Wir werden das gleich nachher noch nachprüfen.
