aus: 3 minuten gehirnwäsche, 3. juley 2026, 20uhr46 piss 20UHR52

nichts geh. nichts geht. rien ne vas plus und minus. es tromeelt auf mein ohr. ein tromeldar. und tromeldort. what you see is what you get. praph, noch prapher, prapho und prapha. superbraph. supergraf. weg. weg. weck. superbrav statt supergraf. weg. weg. weg. das beste ist das doppel-weg. warum muss das sein bloß sein. gestern haben wir ein foto gemacht, das fast aussah wie das foto, das wir vor 24 jahren gemacht haben. ist wirklich nix passiert? was ist wirklich sofort passiert? guck ich noch genauso blöt? ich bin weltmeiser in weiterentwicklung, automatischer rechtschreibung und zigarettenstummelbetrachtung. warum sagen die nix: es sind stummeln und keine murmeln, so in etwa. orthogeographie. wo wohne ich, wenn ich nicht bin? warum denken alle, dass ich zumülle, wenn ich alleine auf der welt bin? und das sagen menschen, die über andere sagen, dass sie keiner kenntete. kenntete und knetete. wie ging alles los: ein haus, ein hauch, ein dromedar.

samstag/fieber

auf dem heißen parkplatz sitzt im schatten des supermarktes ein junger mann im meditativen schneidersitz – er meditiert allerdings nicht, sondern unterhält sich mit einer jungen frau, die ihm, nicht im schneidersitz, aber interessiert gegenüber sitzt. autos fahren vorbei. menschen schieben ihre einkaufswagen. es könnte eine kritik sein. an uns allen und unserem lebensstil. neben ihm steht u.a. eine plastikflasche mit cola. flasche und falsche. die falsche flasche. es gibt nur falsches leben im falschen.

und es gab noch eine beobachtung heute morgen, die gut dazu gepasst hätte.

vielleicht fällt sie mir ja wieder ein.

korrektur:

EINUNDVIWERZIG KOMMA DREI GRAD WAR ES GESTERN HEISS, NICHT EINUNDVIERZIG KOMMA SECHS – WER MERKT DA NOCH EINEN UNTERSCHIED. (UND VIELE DENKEN, BEI DER afd GÄB’S SOWAS NICHT).

26.6.26 23uHR17 bis 23uhr32

sitze eben auf unserer kleinen terasse, es ist freitagabend, 23uhr11, immer noch sehr warm (heute war der heißeste tag mit 41,6° C oder so um den dreh), und ich hab eben ein honorar ausgerechnet und hab das laptop vor meiner nase und bin in einer dieser freitagabend-talkshows hängen geblieben und das hat meine erinnerung an meine mainzer nachtportier-zeit getriggert. das war 1994 – 96, auch da gab es oft warme, fast heiße sommerabende, an denen ich das hotel hüten musste und irgendwann den fernseher anschalten konnte und so zeug wegguckte, während ich auf der schreibmaschine vorher die rechnung getippt hatte und freitag abends glücklicherweise kaum menschen irgendein getränk oder noch schlimmer: gespräche aus der hotelbar wollten. das musste ich dann nämlich auch liefern. es war ruhiger an diesen hotelabenden. hier, wo ich 32 jahre später wohne, erkennt man den freitagabend am autoverkehr. es könnte eine ruhige nacht sein, was es lustigerweise unter der woche oft auch ist, aber freitags (und natürlich samstags) ist die landjugend unterwegs und muss ihre kraft durch geschwindigkeit ausdrücken. wohin man hier auch immer so schnell gelangen muss. ohne jetzt sentimental zu werden: an wochenenden, insbesondere auch samstags war es schön in unserem hotel. wir hatten unter der woche überwiegend geschäftsgäste und am wochenende ab und zu mal eine familie, die in den zdf fernsehgarten wollte. oder was anderes. da konnte man viel zeitung lesen. und notizen machen. und zwischendrin den frühstücksraum eindecken. das frühstück gehörte mit zur bezahlung. 100,- Mark die nacht für 10 stunden. irre. trotzdem kam man dann je nachdem manchmal auf 1600,- Mark im monat. Und damit und einem anderen job ließ es sich ganz gut leben. ich war ja spät dran mit allem: spät mit dem studium angefangen, mit 30 dann immer noch in diesem nachtportier job, und in der totalen krise, weil noch nix erreicht. wie sagte max ernst: ich bin froh, mich nie gefunden zu haben. und immer noch schwebt dieses ding über mir: aus dir darf nix werden. obwohl ich mich von so vielem befreit habe. es ist so interessant, aus welchem umfeld man kommt. was in der eigenen familie vorstellbar war und was nicht. welches selbstbild man von zuhause mitbekommen hat. und sich nicht davon lösen konnte, weil man sich noch nicht mal darüber im klaren war. heute mache ich so viele sachen, die in meiner familie undenkbar waren. die sich meine mutter immer noch nicht vorstellen kann. aber wäre anderes denkbar gewesen, dann wäre anderes denkbar gewesen. war es aber nicht.

früher hatte ich als ein lebensziel für mich immer definiert: nicht mit 70 irgendwo zu sitzen und gelegenheiten nachzutrauern, sondern das gefühl zu haben, alles probiert zu haben. und nicht über vertane chancen zu jammern.

aktuell weiß ich nicht, ob mir das gelingt.

bis 70 sind’s auch noch ein paar jahre.

weiß übrigens jemand, wo ich das buch: „Warten auf die Barbaren“ abgelegt habe?

 

PS: heute ist übrigens der 26.6.26

PPS: irgendjemand ist wahrscheinlich auch am 26.6.62 geboren …

PPPS: ich nicht.

3 minuten gehirnwäsche

hab ich mir doch vor jahren schon einen stempel gemacht: den humor verlieren. vor vielen vielen vielen jahren. in weisheitlicher voraussicht. denn schien es mir doch lange nicht so wirklich vorstellbar, so ertappe ich mich immer öfter dabei, ebensolches zu tun. aber einmal verloren, wo wiederfinden? es ist gar nicht so einfach weiterzumachen. sinn zu finden in einem tun, das einem jahrzehntelang das überleben gesichert hat. anarchischen überlebenswillen auszugraben, auszupacken und der welt entgegen zu halten. humor hat was mit intelligenz zu tun. aber man wird selbst auch immer dümmer. hineingezogen in den sog des allgemeinen abwärts. es gibt nur ein falsches leben im falschen? ich trete wasser, um die hitze zu überstehen. ich sprühe schilder gegen die anrollende scheiße. man sollte sich sisyphos als glücklichen menschen vorstellen? echt, ey, der hatte es wirklich einfach. nur der stein und ich. klar war der glücklich.

30.4.26 wal-purgis-nacht 23ur37 bis 23UUR41

letzte woche hab ich die garage geöffnet. keller sind in filmen ja der ausdruck des unbewussten. hier ist das aber gar kein film, sondern das richtige leben und auch nicht der keller, sondern die garage (was nicht heißt, das es im keller gut ausgesehen hat), aber die garage hat es getoppt: irgendwo dort drin sollte sich eine kleine pferdekutsche befinden. sie ist allerdings überhaupt nicht zu sehen. du machst das garagentor auf und du siehst einfach nur müll. ich weiß gar nicht mehr, wie lange mein bruder und seine frau das obere stockwerk des hauses bewohnt haben. neun jahre oder sowas könnten es gewesen sein. und dann ein plötzlicher auszug. wobei das wort auszug ja oft mit dem wort besenrein verknüpft ist. hier allerdings nicht. der auszug war bereits im dezember 2024. jetzt bin ich nach all den dingen im letzten jahr so langsam in der lage, ein wenig klar schiff zu machen. mein bruder macht es nämlich nicht. und was hat man denn schon für möglichkeiten? ich werde ein foto machen von der garage. ich hatte die idee, dieses foto auf leinwand drucken zu lassen. einmal für mich als kunstwerk, und einmal für meinen bruder und seine frau als weihnachtsgeschenk. jetzt sehe ich heute aber eine werbung für foto-ausdrucke u.a. auch auf kissen, decken etc. und jetzt weiß ich:  2 kissenbezüge, vielleicht sogar mit den jeweiligen namen drauf (könnte ich ja als namensschilder mit in den müll stellen und mitfotografieren) als weihnachtsgeschenke. und für mich eins als kunstwerk.

7.4.26

      1. 23uhr09 23UHR38

im vergleich, so erinnere ich mich an meinen kunst-professor in den früher neunzigern, sei Tapiès im gegensatz zu Arnulf Rainer ja ein richtger intellektueller. Ein interessanter vergleich, weil für mich die beiden so gänzlich was anderes waren in meiner wahrnehmung und empfindung. Aber ich musste daran denken letztens: im vergleich mit Merz war Helmut Kohl tatsächlich ein intellektueller. Zumindest ein kanzler. Obwohl wir Helmut Kohl, angeführt von den poeten der titanic, ja als „Birne“ gesehen haben, als intellektuell minderbemittelten, der in der schule „gut in Hölderlin“ war, wie er das zu formulieren pflegte. Jetzt haben wir hier einen Black-Rock-gebildeten Schnösel ohne jeglichen horizont. Von den franzosen hieß es früher, dort könne niemand staatsmann werden, der nicht ein homme-de-lettre sei. Auch dort hat sich das verändert. Die erste potentielle staatspräsidentin, die jetzt doch erstmal keine werden wird, ist auch alles andere als femme-de-lettre. Aber immerhin scheint sie einen horizont zu haben, wenn auch keinen, der mir sypathisch ist. Können einem horizonte sympathisch oder unsympathisch sein? Here is your princess, and this is the horizon. Merz ist nicht verschrien als minderbemittelt wie es Helmut Kohl damals war. Aber er ist komplett horizontfrei. Und das ist das schreckliche. Er weigert sich rassist zu sein, obwohl er einer ist. Einfach, weil er die definition nicht kennt. Fragen sie ihre töchter. In den ideen des merz. In den iden des merz. Reimt sich vieles auf schmerz. Und auf kommMErz.

Krisenzeit ist gute Zeit. Schwer auszuhalten, manchmal. Aber, auch manchmal, kommt etwas Interessantes dabei heraus. In Zeiten, wo man das Gefühl hat, außer einem selbst interessiert sich niemand für das, was man da so tut, wie weitermachen? Interessieren ich mich selbst noch, für das, was ich da so tue? Es gibt da verschiedene Stadien der Zweifels-Eskalation. Und immer wieder die Frage: Lässt sich die Form dann doch so zuspitzen, dass es vielleicht doch die richtigen Köpfe erreicht? Eine Idee war 2020 mein Jahrbuch. Eine Form, Texte, Zeichnungen, Notizen zusammenzubringen und vielleicht zum miteinander funktionieren zu bringen. Geht. Und geht nicht. Und geht. Und geht nicht. Na was jetzt? Die Tage fiel mir ein Konzept wieder ein, dass mir vor Jahren bereits im Kopf rumspuktete: INFORMATION – DEFORMATION. Auch hier war es als ein Miteinander von Texten, Ideen und Gedanken, vor allem als Ausdrucke der „tagessätze“  gedacht im Zusammenhang mit Ausdrucken von Zeichnungen und Bildern. Die tagessätze waren als Beitrag von wadiwadi 2021 in Kaiserslautern zu sehen, als Beklebung eines Schaufensters eines im Laufe der Ausstellung dem Abriss freigegebenen Nachbarhauses des Theodor-Zink-Museums. Datt war cool. Und die letzten Tage schwebt mir sowas vor als Ausstellungskonzept (ich muss es nur noch ein wenig besser formulieren): Texte und Zeichnungen und vielleicht auch im Zusammenhang mit Lesung/Projektion was auch immer. Hach, während ich das so schreibe, macht mir das sogar fast wieder ein bisschen Mut.

By the way: Vielleicht war das auch ein kleiner Brandbeschleuniger dieser Idee: die alljährliche Walpoden-Visionen der Walpodenakademie in Mainz: Wer will schickt ein bis drei aktuelle Arbeiten, von denen dann eine ausgesucht und auf A3 ausgedruckt wird. Datt janze wird dann nebeneinander ins Schaufenster geklebt. Und ich finde das einfach eine schlichte und einfache und famose Idee, wie man dem Ding der Kunst, wenn es das denn gibt, auf andere Art wieder näher kömmt. Ich fahr demnächst mal hin und mach n Foto.

31.1.26

      1. 17Uhr22 bis 17Uhr35

In der Süddeutschen gestern ein Artikel über den Begriff der Kulturschaffenden, der immer mehr um sich greift und, wie der Artikel nachweist, nachweislich aus dem Nazi-Jargon stammt. Das ist interessant. Mein Lieblingssatz aus dem Artikel: „Wer Kultur schafft, hat einen Plan und erfüllt seine Pflicht. All das Überflüssige und Überschüssige, das Nutzlose, Luxuriöse, das Zufällige, Emergente, Explosive, das die Kunst braucht, geht in dem Begriff nicht auf. Und schon gar nicht die seltsame Erkenntnis, dass es oft die Werke sind, die den Künstler formen und nicht umgekehrt.“ Ok, das war mehr als ein Satz. Aber: Wer Kunst schafft, erfüllt seine Pflicht. Kunstsschaffende kommt bei mir fast in einem Atemzug mit „Kreativwirtschaft“. Und vielleicht sind auch hier die Gründe zu suchen, warum mich kaum noch was hinter dem Ofen hervorlockt. Alles funktioniert irgendwie. Passt sich ein. Ist ein Teil der Unterhaltungsindustrie: Jetzt Tickets lösen für die Art Karlsruhe! Die Leute vom Saarbrücker Künstlerhaus bieten seit Jahren Fahrten zur Art Karlsruhe. Dabei war Joseph Beuys, den laut Matthias Winzen diese Woche im Saarbrücker Zeitung Interview kaum noch 5% der aktuellen Kunststudenten kennen, bereits klar: die Mysterien finden am Hauptbahnhof statt. Mit Sicherheit nicht auf der Art Karlsruhe. Dort findet man das, was auf dem Markt funktioniert. Ach, wär ich doch nur ein wirklicher Epikuräer. Kann man das lernen? Ich halt mich da raus, muss mich dann aber auch nicht drüber aufregen? Ich spiele nicht mit, spiele dann aber auch nicht mit? Konsequenz ist was für Anfänger. Belegen wir einen Fernkurs in Misanthropie. Vielleicht macht es das besser. Und: Ich sollte endlich, endlich mal Lutger Lüdekehaus‘ Buch über NICHTS lesen. Das liegt seit 21 Jahren auf meinem Nachttisch. Vielleicht ist langsam Zeit dafür.

3 minuten gehirnwäsche

24.1.26     23uHr20 bis 23UHR24

die kauende schwester zaubert einen ball. Betrachtet ihn. Betrachtet ihn noch länger. Doch sie will und kann es nicht erklären. Oder sollte man nicht besser sagen: sie will und darf es nicht erklären? Nicht über alle dinge darf man sprechen, nämlich. Insbesondere nicht über namenlose bälle. Und endliche bälle. Und namenlose, endliche bälle. Hin und zurück. Schwester hin. Und schwester her. Wir gehen in ihre küche und lesen ein buch. Danach messen wir ihren blutdruck. Es gibt kein zurück. Wir ziehen uns warm an, denn man sollte sich auf alle fälle immer warm anziehen. Alle felle. Aber nicht zu warm. Zu warm kann dann wieder doch gefährlich werden. Die schwester kaut. Aber sie schweigt nicht. Sie hat einen blutdruck und keinerlei gefühl für ihren puls. Was für ende. Was für ein beginn.

3 minuten gehirnmwäsche 4.1.26 4.1.26 9uhr23 bis 9uhR27

am 1. januar flog eine amsel hier gegen die scheibe, so heftig, dass sie verstarb. Amseln sind vögel, die uns glücklich machen. Vor jahren grub ich im garten eine wurzel aus und eine noch recht junge amsel flog immer wieder in meine nähe und beobachtete mich und den aufgegrabenen boden. Ich machte also immer mal wieder eine pause, kletterte aus dem loch und ließ die amsel würmer finden. Danach haben wir wieder gewechselt. Ich buddele weiter, die amsel sitzt und guckt. Etwas später im jahr damals kam immer wieder eine junge amsel in meine nähe geflogen und beobachtete mich beim lesen oder den anderen dingen, die ich im garten tat. Und natürlich war ich der meinung, dass es genau dieselbe amsel gewesen sein muss. Der tod anderer vögel geht uns nicht so nahe. Wenn es sich beispielsweise um hühner handelt, wenn auch aus kontrolliertem anbau. Aber amseln: ja! Sich am ersten januar in den tod fliegen, weil man eine scheibe nicht erkennt: nehmen wir uns kein beispiel!

3 minuten gehirnwäsche, 4.1.26 4.1.26 8uhr31 bis 8uhr36

einer der träume, die mich immer wieder verfolgen: in einer stadt, in der ich früher mal gelebt habe, gibt es noch eine wohnung, die ich nie gekündigt habe, die ich selten aufsuche, in der sich noch eine menge dinge befinden und die ich endlich einmal auflösen müsste. Manchmal kostet mich diese wohnung noch unnötig miete, meist spielt das aber keine rolle. Wichtiger ist, dass die dinge dort verkommen und vorkommen, dass ich es nicht schaffe, das endlich mal zu sortieren und in ordung zu bringen. Manchmal verstecke ich mich vor den nachforschungen der wohnungsgesellschaft, die mir auf die schliche gekommen ist. Auf alle fälle bin ich immer froh, wenn ich merke, dass das nur ein traum ist und es einen ausweg gibt. Das ist von der deutung jetzt auch nicht sonderlich tiefgründig. Aber trotzdem sehr beunruhigend.

5895. Beitrag in diesem seit 2009 bestehenden Blog

Eben bin ich beim Spülen des Geschirrs. Der Reste unserer weihnachtlichen Einladung. Keine Familie diesmal. Sondern Freunde. Ich höre dabei eine alte Schallplatte, die mir einmal zugetragen wurde mit den Worten: Kannst du gerne haben, ich kann nichts damit anfangen. Ich konnte damals schon sehr viel damit anfangen: Keith Jarrett „Invocations“. Er spielt an der Orgel und dazu gibt es ab und an Saxophon. Wobei ich nie herausbekommen habe, wer hier Saxophon spielt, das steht nirgends auf der Platte und im Internet hab ich es bisher auch nicht rausbekommen. Eine teils, für viele Ohren wohl, schräge und radikale Aufnahme. Mich berührt diese Musik immer sehr. Gerade an den Stellen, wo es sehr radikal wird. So radikal ist er in seinen Klavierimpros eher nie gewesen. Das hab ich bei seinem Bruder gefunden, Chris Jarrett, aber bis auf dieser Platte Invocations nie bei ihm.

Das sollte Kunst können: Das Leben in all seinem Schmerz und Unaushaltbaren ausdrücken. Und auch in dem Aushaltbaren.

Ich versuche mich zu erinnern, von wem dieses Zitat war. Und warum ich es nie irgendwo notiert habe, außer in Tagebüchern.

Glenn Gould wird es in den Mund gelegt im Buch von Jonathan Cott: „Telefongespräche mit Glenn Gould“.

Seite 20, Gould zitiert wiederum Nietzsche:

„Sie (die Kunst) allein vermag jene Ekelgedanken über das Entsetzliche und Absurde des Daseins in Vorstellungen umzubiegen, mit denen sich leben lässt: diese sind das Erhabene als die künstlerische Bändigung des Entsetzlichen und das Komische als die künstlerische Entladung vom Ekel des Absurden.“

Yes. Und das ist es, was ich oft bei dem vermisse, was sich im mich herum so als Kunst enfaltet. Oft nur noch Design und Projektionsflächen für die Kopfkinematografien der Betrachter*innen.

So viel muss gesagt werden an diesem 1. Januar.

Ach, es ist noch gar nicht erster Januar?

Sondern 25. Dezember.

Egal.

 

3 minuten gehirnwäsche, 17.12.25 23uhR44 bis 23UHR51

Ich denke grade über neue Formen nach. Und über Dinge, die man sich früher so getraut hat. Und die niemanden interessiert haben. Die einen aber freier gemacht haben. Ich hatte zum Beispiel mal die Idee, für ein paar Wochen lang Sonntag morgens so um 6 Uhr rum an der Konzertmuschel im Deutsch-französischen-Garten in Saarbrücken ein Klarinettenstück zu spielen. Dinge, die sich ereignen, die aber kaum jemand mitbekommt. Die sich aber trotzdem ereignet und folglich die Welt verändert haben. Auch wenn sie, diese Welt, das nicht bemerkt hat. Heute lasse ich mich vom Alltag auffressen. Die tagessätze, mit denen ich mich gegen die Vereinnahmung wehre, schreibe ich viel zu selten. Meine Beobachtungen sind meine Beobachtungen und meine Sprache, die ich der Welt entgegensetze, verhindern, dass ich überrollt und aufgefressen werde. Ich schreibe sie viel zu selten, diese Sätze. Ich zeichne viel zu selten die Blätter, die mich am Leben halten. Auch wenn sie keiner sieht, existieren sie und verändern die Welt. Auch wenn sie es nicht merkt. Sprich wenigstens mit dir selbst. Leise reicht völlig. Viel zu viele sind laut genug.

1984

Der 1. November. 1984. Also heute vor 41 Jahren. Ein Herbst der Niederlagen. Nach meinem Praktikum in der Druckerei damals und der anregenden Tätigkeit dort, wo ich viel gelernt hatte, dem Erwerb meines ersten Plattenspielers, und zwei Ablehnungen für ein Studium der Kunsterziehung (für Bewerbungen um ein freies Kunststudium fehlte mir damals noch der Mut), war ich am Ende und wusste nicht, wie es weitergehen sollte. Ein Herbst extremer Einsamkeiten und extrem langer abendlicher Spaziergänge von Wiebelskirchen nach Neunkirchen, teilweise bis Wellesweiler und wieder zurück, am besten mit Sturm und Gegenwind, hab ich mich am 1.11.1984 hingesetzt und nochmal neu angefangen: Mir Gegenstände vor die Nase gesetzt und versucht, sie auf eine ganz neue, ganz unbefangene Art zu sehen und zu zeichnen. In der Hoffnung, dass mich dies weiterbringe. Mich nicht niederringen zu lassen von Absagen und Ablehungen.
41 Jahre. Anfang Dezember 1984 hab ich mit dem Zivildienst begonnen. Neues Umfeld, neue Gesichter, bin ins Wohnheim des Krankenhauses gezogen. „Raus aus der Komfortzone“, wie man heute dazu sagen würde. Hab währenddessen die Initialzündung vom 1.11.84 weitergetrieben und gezeichnet und aquarelliert mit dem Ziel, mich nach dem Zivildienst nochmal um ein Kunststudium zu bewerben (kein Kunsterzieher-Studium). War dann doch nochmal ein bisschen anders. Aber das ist hier nicht so ding.
Mittlerweile hatte ich das Glück, dass ich doch in diesem Bereich ein paar schöne Dinge machen durfte.
Trotzdem kämpfe ich immer noch mit Ablehnung und Nichtbeachtung. Natürlich sind das tief sitzende persönliche Deformationen. Und natürlich sollte man sich davon frei machen.
Wenn man sein künstlerisches Tun upunkt-apunkt als eine persönliche Freiheitsbewegung versteht, nicht nur als Bewegung, diesen ganzen Quatsch, der uns umgibt, und der auch in einem selbst drin steckt, halbwegs verstehen zu können, allein um ihn auch aushalten zu können, allein um dieses Dasein irgendwie halbwegs würdevoll zu überstehen und zu Ende zu bringen, dann ist es natürlich ein wenig grotesk, wenn man von denen Anerkennung heischt, mit denen man aber im Grunde seines Herzens gar nicht spielen will.
Da bleibt also noch ein wenig zu tun auf dem Weg der Erkenntnis.
1.11.2025

hannah arendt fährt kein auto (14.7.25 22UHR04 bis 22Uhr12)

letztens hatten wir eine komplette schraube im rechten vorderrad. wir blieben cool und fanden ein ersatzrad unter dem gepäckraum. montags dann mit dem rad mit der schraube zum autoschrauber-onkel. ja, kann man reparieren. schraube raus, loch gestopft, vulkanisiert, was man halt alles so macht. tags darauf reifen abgeholt und dann ging’s wieder los: politikschelte. die bürokratie, die den umsatz frisst. die ausländerfamilie, die mit ihrem bus in die werkstatt kommt, „den ich mir nie leisten könnte“ und die dreieinhalbtausend euro im monat haben – „die habe ich nicht“. und die gehören alle standrechtlich erschossen. wer? na die da oben. alle. und der meinte das ernst. und man würde am liebsten hingehen und sagen: stopf die schraube wieder rein. gib den reifen wieder her.  knausgaard schreibt, im dritten reich war das unmenschliche die norm, an der sich auch die kleine frau orientierte. gegen die schraube kann man was tun. aber irgendwann wird es keine ersatzreifen mehr geben.

2×3 minuten gehirnwäsche

10.6. 25   9uhr42 unterbrochen gegen 10 urh,

pfingsten. Das fest, wo sie alle und alles sprechen und sich alle verstehen. Zuerst allerdings hatte ich es dann doch eher mir sprechlosen zu tun, die mir den weg vermittels zeichensprachen kund taten. Eine verkündungs-tat. Die funktioniert hat. Früh am tag sprechen die menschen mehr oder weniger? Weniger oder mehr? Später am tag, allerdings nur an feiertagen, stürzen sich junge, mehr oder weniger bärtige, früh- und mittdreißiger ins tal oder zu berg. Je nach gusto und innerer uhr. Die sich ins tal stürzenden irritieren uns am meisten. Wie soll man da noch die kurve kriegen, wenn man ins rutschen kommt? Bei den nach oben stürzenden denkt man eher an den eigenen herzschlag und den herzschlag im allgemeinen. An durchhaltevermögen und herzinfarkt. An einer stelle am wegesrand, man sieht rechts vor sich in der kurve eine christliche kapelle, findet sich links ein arrangement aus kleinen figürchen buddhistischer mönche. Liebevoll in einem alten baumstamm drapiert, leicht versteckt, so dass man es nicht auf anhieb entdecken muss. Plastik? Keramik? Aber egal. Irgendjemand hat das arrangement mit einer zwergenfigur ergänzt. Erkennst du buddha, töte buddha. Jetzt stellen sich natürlich verschiedene fragen: war es dieselbe person, die den zwerg dazu gestellt hat? Und mit welcher absicht? War das jemand anderes? Und mit welcher absicht hier?

22.6.25   12Uhr11 Fotsetzung bis 12UHR23

war es dieselbe person, dann hat sie entweder ZEN verstanden oder ZEN nicht verstanden interessant ist auch der blick auf die kapelle am berg quasi gleichzeitig zwerg plus ZEN plus christendings war es jemand anderes sollte der ZEN-gedanke wohl verballhornt werden aber ZEN hält das aus ob das christendings den gartenzwerg aushält wer weiß wer weiß es nicht wie auch immer pfingsten wir sollten es nicht vergessen berganstieg blick über die weite der gegend und ich stehe am wegrand und über mir ein flugzeug und ich denke noch altes flugzeug und sehen die mich jetzt wie ich hier pipi mache und eigentlich nein und wenn eigentlich doch dann sowieso egal bescheuerter gedanke die natur bleibt grün vorne links mäht jemand mit motorgebrüll sein gras am steilhang mit entsprechendem gerät und schert sich null um pfingstendings abstieg leichter als gedacht genuss und gehen und froh dass die stunde noch nicht geschlagen hat die mutter ist weit entfernt und plötzlich die erinnerung an die motorradspur an unerwarteter stelle oben auf der ebene am pass denn jetzt kommen zwei mehr oder minder jugendliche motorradfaher:innen und man frau alle ertrappen sich bei dem gedanken macht das jetzt nicht alles kaputt mein schönes kleines wanderidyll darf man das überhaupt in der schweiz und hier fahren doch noch nicht mal mountainbiker geschweige e-beiker oder sonstige radpfarrer in der schweiz scheint pfingsten kein tag der stille sondern ein tag des motormähens und motor-radpfarrens und man wünscht ja keinem dass er (oder sie, aber es waren tatsächlich nur männer) ausrutscht und den abhang fallend durchwirkt oder wünscht man es insgeheim dann doch und müsste man sich eigentlich dieses gedankens schämen noch lang riechen die abgase und ZEN meint dass nicht nur stille zwerge sondern auch motorradpfarrer:innen im wald auszuhalten seien ach ZEN meinst du das wirklich und meinst du das gerade auch an pfingsen?

dostojewski und vice versa

„Die Menschen sind unglücklich, weil sie nicht wissen, dass sie glücklich sind.“

Die Menschen sind glücklich, weil sie nicht wissen, dass sie unglücklich sind.