Zitatewitsch

Doris Dörrie schreibt in ihrem Büchlein „LEBEN-SCHREIBEN-ATMEN – eine Einladung zum Schreiben“ ein paar Dinge, die natürlich auch auf`s Zeichnen zutreffen können:

„Zu schreiben bedeutet, sich jeden Tag wieder aus dem kleinen, ordentlichen Garten mit gemähtem Rasen und Blumenrabatten herauszuwagen in den Dschungel. Dorthin, wo wilde Pflanzen wachsen und gefährliche Tiere umherstreifen. Dorthin, wo die Geschichten nicht mehr hübsch und ordentlich sind, sondern schillernd, giftig, schmerzhaft und wüst. Interessant ist nie die Beschreibung unseres schönsten Ferientags, sondern die des schlimmsten. Wir verbinden uns über die schlimmen Geschichten miteinander, nicht die hübschen. Über die, in denen wir nicht gut dastehen, nicht moralisch gehandelt haben, versagt haben, verletzt worden sind, gescheitert sind.“

beitrag

mein bescheidener Mail-Art-Beitrag für Norditalien wäre dann obiges Kärtchen, das vielleicht sogar schon angekommen ist…

hände nach caravaggio

ich bin ja kein so großer caravaggio-fan (ist mir ne nummer zu dramatisch…aber der finger in der wunde beim ungläubigen thomas ist schon cool (präzisere studie am karl freitag) – die gesichterer kann man ja weglassen. die hände oben stammen von c`s maria-magdalena. auch besser ohne kopf. obwohl die in sich gekrümmt-gebeugte maria-magdalena finde ich als komposition auch ganz interessant. heute wär caravaggio bestimmt filmemacher geworden, aber eher ein zeffirelli denn ein pasolini. und jetzt könnt ihr raten, wen ich lieber mag.

am sonntag im garten

am sonntag halbwegs friedfertig stimmung im garten. einige skizzen nach wachsendem gemüse. gesessen und gelesen. muss an solchen stellen immer ein wenig an die illustration von walter trier zu erich kästners fliegendem klassenzimmer denken: wo der autor sommers auf der wiese sitzt und eine kuh sich nähert. habe immer den autor sitzend im sommer vorm inneren auge, seit ich das buch als kind mehrfach inhaliert habe (darf man das sagen in zeiten, wo eine atemwegsarkrankung alles lahmlegt – und auch ich mich eines merkwürdigen hustenreizes heute kaum erwehren kann?). allerdings denke ich nie an die kuh. und stelle mir das bild in erinnerung auch ganz anders vor. der saar-tatort abends, den ich mir ausnahmsweise auch mal angetan habe, war zwar auch anders, aber auch nicht mehr als das. man hat es mal mit ernst probiert. es reicht aber eben nicht, die kommissare auszutauschen, wenn der drehbuchautor bleiben darf. bisschen bei den haaren beigezogene story. und wenn die alte dame wirklich schon in den 40er jahren als zwangsarbeiterin schlimmes erleben durfte, dann dürfte sie jetzt flott mal 90 jahre alt sein – – – so sah sie aber nicht aus und war für dieses alter denn aber mal ebenso flott am zerschlagen des jugendlich dynamischen enkels. mittags dann auch im vierten versuch roger willemsens „knacks“ abgebrochen. ich breche selten bücher vor der letzten seite ab. fing teilweise gar nicht soooo schlecht an. aber irgendwann wusste ich eigentlich überhaupt nicht, was er mir da so wichtiges sagen wollte. nur, dass er es besonders schlau tun will. wollte er ja aber auch eigentlich immer. ich hab mir echt mühe gegeben und dachte, es ginge irgendwie um irgendwas…wenn ich dann aber das gefühl habe, ich gebe mir mühe, der autor sich aber nicht, dann brauche ich zwar etwas überwindung, aber dann war`s das dann auch. man wird älter und die zeit knapper. ein jahr im parlament habe ich übrigens gar nicht ungern gelesen. da war er am weitesten von einem formulierungsgewixe entfernt. mich macht der fucking virus übrigens nicht locker und entspannt, wie man merkt. auch wenn ich mal im garten sitze (oder dort sogar arbeite) und mehr fahrrad fahre 🙂