… Als die ersten Klänge den Raum erfüllten, verstand ich endlich, was er meinte. Ich hörte mir alle seine Songs an. Jeder von ihnen klang gut, es gab kein einziges schlechtes Lied. Die Kritik wäre sicher wohlwollend ausgefallen. Aber es war auch nichts dabei, was einen umhaute. Dafür, dass Beck seit acht Jahren daran arbeitete, dafür, dass es sein Leben total ändern sollte, war es zu wenig. Irgendetwas fehlte. Eine einzelne besondere Melodie, ein Hauch von Genialität, den er nicht hatte. Ein Hit.

Ich sagte ihm, was ich dachte. Er hörte gelassen zu. „Du sagst also, meine Songs sind einfach nur solides, gehobenes Mittelmaß?“

„So hab ich das nicht gemeint.“ Natürlich hatte ich es so gemeint. Ich seufzte: „Das Problem ist einfach: Sie haben alles reingesteckt, was Sie gefühlt und gelitten haben. Diese Songs sind sicher Ihr Ein und Alles, und sie sind auch ganz gut, aber Sie haben nicht ein Lied, eine Melodie, die wirklich heraussticht. Sie haben keine Speerspitze, und deshalb fällt alles in sich zusammen.“

Und das war der Punkt.

Beck … hatte nichts. Er würde ein paar gute Besprechungen kriegen, ein paar CDs verkaufen, und das war es dann. Und er wusste das.

 

(Seite 413)

 

die öffentliche Meinung


Es gibt in dem Stück eine weibliche Figur, die auf den Namen „die öffentliche Meinung“ hört. Orpheus ist eigentlich nicht unglücklich, als er vom Tod Eurydices hört, aber dann taucht sie auf, die öffentliche Meinung und meint, das tue seiner Reputation nicht so gut, wenn das publik wird, er müsse auf alle Fälle zu Jupiter und intervenieren, auf dass er seine Gattin zurückbekommt.
Für mich eine der interessantesten Figuren, gerade auch in unserer Zeit. Deshalb war es für mich klar, dass es eine Person sein muss, die eine populäre Meinung vertritt, sprich, durchaus ein wenig populistisch auftritt, und nach einigem Hin- und Her kam mir unbedingt Sarah Wagenknecht in den Sinn. Und so gab des die ein oder andere Skizze und dann ein Blatt, wo das Gesicht aber wieder verschmiert wurde. Manchmal passiert einem das so aus einem Instinkt heraus. Die Hand weigert sich, das gewollte Gesicht lesbar wiederzugeben, ein innerer Widerspruch bricht sich Bahn und man muss zugeben: die verschmierte und nicht so deutlich wahrnehmbare Figur: that’s it. Als kleine Reminiszenz bleibt bei mir das rosa Kostümchen, bzw. am Ende noch ein rosa Blüschen.

Es gab eine Zeichnung mit Beinen und Schuhen, einem Modeprospekt entnommen, die mir geeignet erschienen und eine aus einem Skizzenblatt ausgeschnittene Form eines Rocks.

All das wurde fotografiert und grob ausgeschnitten und der Hintergrund in einem Bildbearbeitungsprogramm schwarz eingefärbt, da ich die Projektionsdateien für die Aufführung auf schwarze Hintergründe montiere.

Und dann, ebenfalls im Bildbearbeitungsprogramm, wurden facebook-, Bildzeitungs- und Instagram-Logo montiert und die Beine in einer in der Größe variierenden Dreier-Kombi druntermontiert. Fertig meine „Öffentliche Meinung“. Die Rolle wird in der Inszenierung gesungen von Lisa Stroeckens, die das alles wunderbar ergänzt, indem sie Orpheus erstmal mit ihrem Smartphone ablichtet, Selfies macht etc. ppp. Was natürlich super schön zusammengeht.

und so sieht’s dann in der fertigen Bühnenprojektion aus.

Dazu muss man sich nun vorstellen (besser aber: man kommt in die Vorstellung): Hinter der Projektion stehen Sängerin und Sänger und sind beleuchtet, folglich durch den Vorhang hindurch zu sehen und stehen quasi hinter und inmitten meiner Zeichnung.

venus

Venus taucht als Bild in der Projektion nur ein einziges Mal auf: wenn sie als dritte Göttin nach Cupido und Mars von ihren nächtlichen Liebesabenteuern in den Olymp zurückkehrt, um sich in die Reihe der Schlafenden einzureihen. Wie stelle ich mir nun eine Venus vor, wenn ich mich nicht aus der klassischen Klischeekiste bedienen will? Anfang des Jahres haben wir den Film „POOR THINGS“ mit Emma Stone gesehen. Gleich zweimal hintereinander. Weil das einfach eine umwerfende Geschichte ist, für die der Regisseur auch sehr phantasievolle Bilder gefunden hat. Phantasievoll heißt in diesem Fall auch einprägsame. Emma Stone spielt die Hauptrolle. Eine weibliche Figur, die eine Evolutionsgeschichte durchlebt und dabei u.a. auch eine sehr selbstbestimmte Sexualität jenseits irgendwelcher Vorprägungen entwickelt und auch lebt. Und sich auch ansonsten zu einer sehr originär denkenden und eigenständigen Persönlichkeit entwickelt. Und es schien mir auf einmal sinnig, Emma Stone in dieser Rolle als Vorbild für meine Venus zu nehmen. Die Zeichnung basiert auf einer Filmszene (natürlich hätte ich auch andere nehmen können), aber dieses Foto schien mir dann für die Situation, in der es funktionieren soll, doch irgendwie am passendsten. Es spielt weiterhin mit einem bestimmten Klischee, zeigt aber, hoffentlich, gleichzeitig einen darüber hinausgehenden Ausdruck.

letztens abends ein rumpelnder mann im zug: packt seine sachen aus, macht sich breit, atmet laut und schwer und unkontrolliert, der vierer-platz, den er einnimmt, bietet immer noch zu wenig raum – glatze, rote trainingsjacke, unangenehme gesamtausstrahlung (wohlgemerkt: ich sehe ihn kaum, da wir durch die Sitzreihe getrennt sind, dafür spüre ich seine anwesenheit, die andere zu verdrängen trachtet, umso mehr); später putzt er geräuschvoll seine lesebrille, beugt sich über ein buch, vorerst immer noch nervös, zwischendurch am smartphone dinge suchend, dann ruhiger werdend und lesend – sobald der zug an bahnhöfen anfährt, bremst er, ohne den blick vom buch abzuwenden, fast schon zärtlich sein dosenbier mit der linken hand, damit es ihm nicht vom tisch rutscht.

ORPHEUS‘ UNTERWELT

Wer’s einmal gesehen hat, möchte es sowieso noch ein zweites mal sehen.
(Ich sitze da hinten in der Technik, fahre meine Bilder und hab jedesmal meinen Spaß: tut es mir nach!(also: das mit dem Spaß, nicht das mit der Technik))

mit Elizabeth Wiles @lisadreskad
& Lisa Ströckens (Sopran),
Ralf Peter (Tenor)
am Klavier: Thomas Layes
Bühnenzeichnungen: Klaus Harth @klaus_harth
Inszenierung: Ralf Peter

5. April 2025, 19.30 Uhr (Premiere)
6./12./13.04., jeweils 19.30 Uhr
Theater im Viertel,
Saarbrücken

Weitere Infos unter https://dastiv.de/2025-04-05_orpheus-unterwelt/

Tickets (normal 15 €, ermäßigt 10 €, Kinder bis 12 Jahre 6,50 €)

unter https://dastiv.de/karten-orpheus-unterwelt/
oder 0681-390462

#TheaterimViertel #Saarbrücken #Operette #Offenbach

Orpheus‘ Unterwelt

komme eben von der Generalprobe. Und muss sagen: das ist eine sehr schöne und freche, Jaques Offenbach gemäße Inszenierung geworden. Vor einer Woche war ich noch total verzweifelt, wie ich das alles hinbekommen soll. und jetzt ist alles auf der Bühne und ergibt eine hübsche und unterhaltsame Symbiose aus Musik, Spiel- und Bildfreude!
4 Aufführungen! Wer es nicht gesehen hat, hat es definitiv verpasst.
Got it!
Kommt alle, die Ihr zu leicht seid: Wir werden Euch beladen. Oder so ähnlich! 😉