kaiserschmarren:

 

hier sitze ich

und forme kaiser

nach meinem bilde

kleine, über-

und durchschaubare

was ziehe ich ihnen bloß an

wenn es draußen dunkel wird?

17.1.2021

      1. 23UhR10 bis 23uHr22

in diesem jahr der hundetrend im schnee: pinkeln auf schneehaufen. Überall kleine berge mit gelb gefärbten gipfeln. In diesem jahr der menschentrend im schnee: soviele schneemänner (keine frauen, warum eigentlich nicht?) habe ich schon seit jahren nicht mehr gesehen. Auf allen befahrbaren abhängen schlitten, kinder, snowboards. Der mensch ist ein spielendes tier und dies könnte einen fast sogar froh stimmen. Es könnte so schön sein. So niedlich und frei. Hängt das mit der nicht mehr gewohnten dauer des wintermärchens zusammen? Mehr als vier tage am stück? mit weißestem himmel und blauesten sonnenscheinen? Und/oder mit den ganzen pandemie-maßnahmen, so dass der mensch sich freut, wenn er mal draußen halbwegs regelkonform spaß haben kann? An einer stelle parken mehrere autos, pick-up, suv und transporter direkt auf dem acker, relativ weitab von straße und feldweg. Mittdreißiger würde ich mal schätzen. Wieso sollte man auch noch zu Fuß zum Gipfel laufen, wenn man auch direkt aus dem Auto raus auf den Schnee steigen kann? Hinten links hält ein roter kleiner Transporter, ein junger mann mit gepflegtem hund und bart steigt aus und begibt sich auf direktem weg zu der gruppe auf dem hügel. Er ist in die geheimnisse der punktgenauen landung auf dem hügel wohl noch nicht eingeweiht worden.

Es stellt sich die frage, ob man hunde überhaupt noch auf dem acker ausführen muss, oder ob es für die tiere auch interessant und befriedigend genug sein könnte, einfach nur spazieren gefahren zu werden.

Ich habe noch kurz überlegt, ob ich schaufel und besen, die auf der ladefläche liegen geblieben waren, klaue und irgenwo verstecke, oder sogar klaue und nichtwiederauffindbar verstecke. Hab es aber dann doch sein gelassen. Warum eigentlich?

gegend (nk)

incredibile: die hand lässt sich langsam wieder etwas sensibler steuern: dieses blatt wurde vor dem unfall angefangen und jetzt dann doch fertig gemacht. eine komplette faust kann ich aber immer noch keine machen.

ANGEBOT

jetzt ist es endlich da! Hai Q = Zeichnungen und ein paar Wörter aus dem Jahr 2020. Enthält auch Aquarelle aus gegend(nk)! Für 10,- € im Buchhandel unter ISBN 9783752689259. Oder bei mir, solange meine Exemplare reichen. e-Mail an mich (klaus_harth@web.de) genügt , alles weitere dann.

Wer noch einen 10er drauflegt, bekommt auch noch ZUM TEE BEI DUBUFFET – eine Collaboration mit Brandstifter. Gemeinsame Zeichnungen plus CD mit dem Mitschnitt unserer Performance von 2018 bei PAFF THE MAGIC. Lang Tsu!

14.1.21

      1. 19UhR46 bis 19uHr 54was soll es sein? Durch den schnee zu stapfen und dabei durch den schnee zu stapfen? Glücklich zu sein, wenn alle in grau verschwinden und es von unten leuchtet. Was ist das schöne daran? Dass alles so ruhig scheint? Obwohl man ja weiß, dass es das nicht ist? Die scheinbare begrenztheit der welt? Die kälte des atems? Ich sitze inzwischen ja auch im sommer gerne lange draußen und empfinde dann auch manchmal so etwas wie glück. Oder konnte, 1983 war das, in den weiher steigen und bin drei bis vier stunden geschwommen. Ohne boden unter den füßen, ganz für mich alleine. Ich war voller akne und eiterpickel und war froh, wenn mich niemand sah. Schwimmbad kam also nicht in frage. Viele jahre lang nicht. Also: Weiher. Zu zeiten, wo da nicht zu viele waren. An einsamer stelle ab ins wasser und dann – wie gesagt – drei bis vier stunden nur der kopf als sichtbares zeichen an die welt. Eben komme ich vom arzt. Es liegt schnee und es ist schon 17 uhr und entsprechend dunkel und es freut mich. Und ich habe lust, nicht auf direktem weg nachhause. Ich hätte noch stundenlang so laufen können. Mit festem schnee unter den füßen. Barfuß im schnee ist übrigens auch schön.

13. januar 2021

      1. 18UhR33 bis 18uHr38

des kaisers neues kleid ist des kaisers neues kleid. Was geht mich der kaiser an? Des kaisers neues kleid ist wie der gesunde menschenverstand: von allen benutzbar. Dehnbar. Es erklärt immer den eigenen geschmack. Verklärt die eigene meinung zur allgemeinen meinung. Der hut von beuys kann des kaisers neuer hut sein. Darunter bleibt er nackt und alle sehen es und keiner sagt es. Fett bleibt fett und kein mensch ist ein künstler. Was bleibt ist der schnee von heute. Schnee wird selten. Zumindest hier bei uns. Nur ich allein kann seine weißheit erkennen.

11.1.21 – 19UHr34 bis 19UHr 39

Was, wenn ein tag in einem kopf keinerlei spuren hinterlassen hat? Trotzdem es ein schöner tag hätte gewesen sein können?: Man hat einen schönen spaziergang gemacht. Schöne luft geschnappt. Alles. Was bleibt von alledem? Draußen springen die menschen umher und sind verrückt. Wenn ich etwas gelernt habe: der mensch kann per se alles gut oder schlecht finden. Man kann morgen das gegenteil von heute begründen mit denselben argumenten. Ich sitze als kind am fenster des hauses meiner großeltern und zeichne vögel mit einem kugelschreiber in meinen dreiähren-block. Ich sehe heute im wald ein von einem specht angenagtes vogelhaus. Woher soll der specht das wissen?

3 minuten gehirnwäsche

keine neue idee, aber eine interessante und gute: täglich für ein paar minuten die gedanken kreisen lassen und mitschreiben. Ein paar minuten, damit es eine regel hat. Regel und kontinuität. Arbeit und struktur. gehirn-wäsche im positiven sinn. wir nehmen die gedanken raus, waschen die ein wenig und tun den rest wieder rein. kann ja nix schaden. 🙂

 

10.1.21, 11uHR22 bis 11uHR28

Wie man dem toten Rasen das Leben erklärt. Wie sich die Himmel ähneln. Hier ein Blau, dort ein Grau. Wir wünschen uns dasselbe Essen wie gestern. Einfach, weil es uns geschmeckt hat. Abwechslung ist etwas für Anfänger. Vom dunkelsten Grau (nein: Schwarz gibt es keines) über Rosatöne, Rosa-Grau vor hellstem Blau. Der Horizont alleine macht nicht satt. Ohne ihn wollen wir aber auch nicht leben. Nur er trennt das Feste von der Luft. Und ohne Luft geht garnix. Ein leuchtendes und festes Weiß unten, ein Trennungsstrich, der uns Luft verschafft, und dann darüber alles andere. Strahlen. Unten ein Grün mit viel Rot-Anteil. Könnte man es etwas heller drehen, könnte es auch mitten am Tag sein. So wie gestern. Aber so, genau so, hatten wir es noch nie! An meinen Füßen wachsen krumme Finger.

textkritik

Einer der faselhaft verschwurbelten Kunstwissenschaftler Texte erschien auf dem BREGENZ – Faltblatt der Ausstellung von Peter Fischli im Kunsthaus Bregenz. Eine schöne Ausstellung, eigentlich. Mit „schön“ meine ich: interessante, fordernde, witzige, ernste, herausfordernde. Vier Stockwerke, unterschiedlichst bespielt, aber halt: oben steht: TEXTKRITIK, nicht Ausstellungskritik.

Peter Fischli schreibt zu den großen Papierarbeiten im obersten Stockwerk übrigens einen herzerfrischend ehrlich und unkomplizierten Text. So geht`s dann nämlich auch: klar und unprätentiös und frei von interpretatorischem Nonsense, der die zwischen Wolken und großen Löchern anmutig hin und her schwebenden angekokelten Papiere nur sofort zu Fall brächte.

Anders Arthur Fink, der die Schwurbelsprache wohl studiert und in jahrelangem Training eingeübt hat. Doktor blablabla wahrscheinlich.

It goes like this:

Peter Fischlis Boxen befinden sich an der Schnittstelle zwischen Museumswand, wo Objekte der Kontemplation hängen, und dem pragmatisch strukturierten Innenraum des Museums (falls es im Kunsthaus Bregenz einen solchen gibt). Derlei Boxen kennen wir als Bestandteil der Museumsarchitektur und deren Informationssystems. Sie sind ein Überbleibsel der prädigitalen Kunstvermittlung und als solche Teil des diskursiven Apparats und der traditionellen Rahmung der ästhtetischen Erfahrung. Sie sind Teil des real space und des metaphysischen Raums der Kunsterfahrung zugleich. …

…Phänotypisch gesehen, sind sie – mitunter auch durch die Serialität – minimalistische Skulpturen und als solche Teil des kunsthistorischen Narrativs über die Öffnung der Skulptur hin zum real space, der in den 1960er Jahren vollzogen wurde. Die mininmalistische Skulptur wird so definiert, dass sie mit der Vorstellung eines gesonderten Raums der ästhetischen Erfahrung, der durch Sockel oder Rahmung definiert wird, gebrochen hat und keine Grenzziehung zum unmittelbaren Erfahrungsraum der Betrachters vornimmt. Die Box stellt dabei die Urszene der minimalistischen Dekontruktion der Skulptur dar.

Die Bregenzer Boxen entsprechen allerdings nur bedingt den minimalistischen Lehrsätzen, sind sie doch kunsthandwerklich und nicht industriell hergestellt und aus einem Werkstoff, der mit der Bildhauertradition konnotiert ist. Man könnte von einem manirierten Minimalismus sprechen. Zugleich sind die Arbeiten – dies der zweite kunsthistorische Allgemeinplatz – einem institutionskritischen Erbe zuzuordnen, das die institutionelle Rahmung von ästhetischer Erfahrung zum Ausgangspunkt machte und sich bekanntlich aus dem Minimalismus entwickelte. Die vermeintlich neutrale Museumsarchitektur wird reflektiert.

… Der Werkstatus der Box ist prekär – als einzelnes Werk ist sie kaum als solches erkennbar und zudem Behälter des Deutungsschlüssels für sich selbst. Die Boxen sind stumm – sie sind weder abstrakte Skulpturen noch Gebrauchsgegenstände, sie können als Kunstwerke betrachtet und mit spezifischen Diskursen befrachtet werden und zugleich sind sie Platzhalter, dekonstruktive Gesten, die sowohl den Museumsraum an sich als auch die Werkerfahrung profanieren. Sie sind materialisierte Anti-Transzendenz, richten sich gegen phänomenologischen Kitsch und sind wiederum minimalistische Arbeiten im klassischen Sinn: anti-illusionistisch und anti-idealistisch.

 

Klar, recht hat er, der Herr Fink. Inhaltlich würde ich das 100% unterschreiben. Aber geht es auch ein wenig schöner? Bzw.: was will er uns eigentlich gesagt haben wollen?

 

Peter Fischli betreibt schon immer gerne ein Spiel mit Abbild und Wirklichkeit, mit Materialitäten und Formen, die unterschiedlich wahrgenommen werden können und das hat er auch schon zusammen mit David Weiss getan. (Man erinnere sich nur an den Raum unter einer Treppe im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt/Main:  Durch ein Fenster ist ein Sammelsurium abgestellter Farbeimer zu sehen, Reste von getaner handwerklicher Arbeit. Allerdings sind auch all diese wahllos abgestellten Gegenstände keine wahllos abgestellten Gegenstände, sondern aus anderen Materialien Eimern etc. nachgebildete Objekte).  Und so finden sich in einem Stockwerk der Bregenzer Ausstellung ein ganzer Saal voller Skulpturen, die scheinbar aus Verpackungen und Dosen etc. hergestellt sind. Man hat sein Vergnügen an diesen Objekten, guckt, wie da mit alten Dosen und Schachteln und den Vorstellungen, was ein Objekt, eine Skulptur sein kann, phantasievoll gespielt wird. Um dann im Klappentext zu erfahren, dass hier z.B. keine einzige alte Farbdose verwendet und angemalt wurde: alles, sogar die Sockel, auf denen die Skulpturen stehen, ist aus Pappe hergestellt und täuscht etwas anderes vor, als es ist. Man denkt es sich einfacher, und es ist dann doch wieder komplizierter.

Und so finden sich auf allen Stockwerken nun auch diese Boxen, wie man sie immer wieder in Museen findet: an die Wand montierte kleine Kästen, denen man meist A4-Zettel mit Informationen zu den gezeigten Arbeiten entnehmen kann. In dieser Bregenzer Ausstellung hat man zu diesem Zweck ein faltbares Poster drucken lassen, das, zusammengefaltet und in die Box gestellt, einem das Wort BREGENZ entgegenwirft.

Peter Fischli hat die Boxen nun aber nicht einfach so übernommen (falls sie vorher bereits montiert gewesen sein sollten), sondern hat sie aus Bronze gießen lassen. Einem banalen Ausstelluns-Architektur-Gegenstand wird ein Materialwert zugesprochen, der aus der Box wieder was anderes macht. Einen an der Wand hängenden Kunstgegenstand nämlich, der als solches auf den ersten (und vielleicht auch auf den zweiten) Blick nicht direkt zu erkennen ist. Diese Boxen werden quasi zu seriellen Skulpturen/Objekten, verbleiben aber als Träger der gefalteten Poster weiterhin benutzbare Objekte. Und mit dem uns entgegenspringenden Schriftzug BREGENZ wird da durchaus auch in der Kombination wieder eine Art Schriftbild-Objekt an der Wand, von dem ich mir sogar einen Teil mit nachhause nehmen darf. Boxen, die ich sonst übersehe, oder auch nur als notwendiges optisches Übel wahrnehme, dürfen und sollen als Teil der Ausstellung, als Teil des Gesamten wahr- und ernstgenommen werden. Ausstellungs-Architektur und Werk zugleich.

Und nun spielen die Boxen natürlich auch mit den seit den 60 Jahren bekannten Erzählformen der sogenannen Minimal-Art. Einfache Dinge (etwa Bodenplatten) werden in einer bestimmten Anordnung wiederholt, um eine bestimmte ästhetische Erfahrung zu erzeugen. Oft handelte es sich dabei auch um einfache Materialien, meist aus industrieller Herstellung. Peter Fischli kehrt das nun wieder um und lässt die Boxen in einem klassischen bildhauerschen Verfahren herstellen (Bronze) und unterläuft so scheinbar die Idee des minimalistischen Ansatzes. Trotzdem wird aber genau dadurch die klassische Minimal-Art-Idee wiederbelebt: hier wird kein künstlicher Inhalt hergestellt oder behauptet, keine Transzendenz und keine Illusion. Eine Box bleibt eine Box bleibt keine Box.