hugo zwingli beuys (eine momentaufnahme aus dem atelier von petra jung)

Foto: Petra Jung.
Werbung:
Einladung:
Nahrhaftes PoiPoiDrome/
Eternal Network/
Fête Permanente/
Immerwährendes Ereignis /
Soziale Skulptur
im KunstRaumBrebach
ab 17.17 Uhr
am Dienstag, 17. Januar 2017
zu Ehren von Robert Filliou
Dali
Schon immer eines meiner Lieblingszitate:
“ …Und doch ist all dies nicht so wichtig, wie es scheinen mag, denn einer der wichtigsten Gründe für meinen Erfolg ist noch einfacher als der meiner mannigfachen Magie: Er liegt darin, dass ich wahrscheinlich der am härtesten arbeitende Künstler der Gegenwart bin. Nachdem ich mich für vier Monate in das Bergland von New Hampshire, nahe der kanadischen Grenze, zurückgezogen und dort täglich vierzehn unerbittliche Stunden lang geschrieben hatte, so das `Hidden Faces`planmäßig fertig wurde – allerdings ohne dass ich mir eine Ruhepause gegönnt hätte -, kam ich nach New York zurück und traf mich wieder im El Marocco mit ein paar Freunden. Ihr Leben war genau am delben Punkt stehengeblieben, so als hätte ich sie erst tags zuvor verlassen. Am nächsten Vormittag kam ich in die Ateliers, in denen Künstler vier Monate lang geduldig auf den Augenblick der Inspiration gewartet hatten…Ein neues Bild war eben angefangen worden. Was alles hatte sich in diesem Zeitraum in meinem Gehirn abgespielt! … Inspiration oder Kraft ist etwas, das man durch Ungestüm und die harte, bittere tägliche Arbeit besitzt.“
SOLA

Meine Lieblingszeichnung aus der heutigen Morgen-Probe. Bei dem ganzen Stück geht es um`s Übersetzen. Zum Beispiel um`s Übersetzen von Geräuschen, die beim Zeichnen entstehen, ohne dass die Musiker und die Sprecherin den Zeichenprozess optisch verfolgen können. Die Zeichengeräusche sind als eine Art Sprache zu sehen, deren Statements in anderen Sprachen beantwortet, vervollständigt, in Frage gestellt werden. Bestenfalls entspinnt sich tatsächlich ein Gespräch.
Heute auch gelernt: Räson schreibt sich laut Duden heutzutage genau so. Ich hätte es immer noch Raison geschrieben (und werde das auch weiterhin tun, gefällt mir einfach besser, obwohl ich auch die ä und ö und ü-Pünktchen gerne leiden mag). Es gibt auch das Verb resonieren, was von Resonanz abgeleitet ist, also eine Art von Schwingen bezeichnet. Aber nicht die von Adlern oder Schwänen, sondern das von akustischen Wellen par exemple.
Interessant ist also, dass es Resonanzräume gibt, bei manchen Menschen vielleicht auch Räsonanzräume. Bei manchen vielleicht auch nur Räsonanzträume.
für alle, die in der Nähe von Mainz sind! (drei Vogelbilder wird es dort auch geben):

neue Ausstellung „GRAU“ im Museum der VG Eich im Gimbsheimer Storchenschulhaus
Passend zur grauen Jahreszeit wird die neue Jahresausstellung 2017 mit dem Thema „GRAU“ am 15.1. um 14 Uhr im Museum der VG Eich eröffnet.
GRAU ist alles alles andere als langweilig, mehr als 160 TeilnehmerInnen zeigen mit fast 300 Exponaten, was GRAU an Malerei, Fotografie, Zeichnung und Skulptur zu bieten hat. Ungefähr die Hälfte der TeilnehmerInnen kommt aus der VG Eich und der näheren Umgebung bis Mainz, diesmal gibt es eine hohe Beteiligung aus dem Saarland , der Pfalz und der Bergstrasse. Internationales Flair bringen Werke aus England, Frankreich, Südamerika und Jordanien und nicht zuletzt die Arbeiten einiger Flüchtlinge, die uns Eindrücke aus ihrer alten Heimat vermitteln, denn GRAU ist überall. Neben sehr ästhetischen und experimentellen Fotografien und Zeichnungen gibt es auch ungewöhnliche Exponate, wie das „Trocknertierchen“, das einer zoologischen Sammlung entlaufen zu sein scheint. Wie auch bei den Vorgängerjahreausstellungen möchte die Organisatorin der Ausstellung Christine Hach eine möglichst große Bandbreite zum Thema und ein unproblematisches Nebeneinander von berühmten und etablierten Künstlern und Laien aller Altersstufen zeigen. Wenn „Heimat ohne Kitsch“ im Vorjahr die bislang politischste Ausstellung des Museums war, bietet GRAU jetzt die Möglichkeit zum direkten Handeln. Diverse Benefizaktionen gehen zu Gunsten von Huda Asfour, einer jungen Frau aus Syrien , die seit zweieinhalb Jahren in einem Therapiezentrum in Jordanien lebt, eine Beinprothese braucht und ihr Studium beenden möchte. Unter anderem werden viele Werke ganz oder anteilig für Huda verkauft, auch von ihr selbst werden Gemälde und Schmuck angeboten. Durch die Benefízaktion können Kunstwerke zum Teil sehr günstig erworben werden.
Wie gewohnt gibt es ein spannendes Rahmenprogramm mit Kinoabenden im Museumscafé , Puppentheater und Konzerten.
Jeden Sonntag um 15 Uhr gibt es eine Führung mit Christine Hach durch die Ausstellung GRAU, die sich über alle Museumsräume erstreckt. Jede Woche wird dabei ein wechselndes Highlight „die graue Maus der Woche“ vorgestellt. Die Ausstellung ist bis zum 26.3. immer sonntags von 14-18 Uhr sowie nach Vereinbahrung geöffnet.
Tagelöhnerhaus in der Uhlandstraße geöffnet
Ebenfalls am Sonntag, 15. Januar 2017 ist das Tagelöhnerhaus in der Gimbsheimer Uhlandstraße von 15-17 Uhr geöffnet. In der Außenstelle des VG-Museums können vergangene Lebenswelten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts nachempfunden werden
IB
Die Saarbrücker Zeitung druckt heute morgen einen Beitrag ihres, wie es heißt, „Berliner Korrespondenten“ Werner Kolhoff ab. Darin ein Abschnitt, den ich eigentlich für einen Skandal halte. Generell geht es um die Frage Verschleierungsverbot für muslimische Frauen generell ja oder nein oder wie auch immer. Dazu kann man stehen wie man will, das spielt für die Aussage dieses Abschnittes keine Rolle.
Kolhoff schreibt:
„Man sagt, ein totales Burka-Verbot sei möglicherweise grundgesetzwidrig, wegen der Religionsfreiheit und der Freiheit des Individuums. Ist das so eindeutig? Im Grundgesetz steht: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Das setzt voraus, dass der Mensch als einzigartiges Wesen überhaupt identifizierbar ist, als Individuum. Und das geht nur über das Gesicht. Das Grundgesetz schützt nicht die Würde einer anonymen Körpermasse.“ (sic!)
Alle Tiere sind gleich. Manche sind gleicher. Und manche Menschen sind Schweine. Und natürlich darf geschossen werden.
Im Grundgesetz steht „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Ohne jede Einschränkung. Da ist nicht von anonymen Körpermassen die Rede. Da gibt es keinen Interpretationsspielraum. Mein lieber Schwan: Was für eine menschenverachtende Formulierung. Wenn ich also jemandem eine Kapuze überziehe, dann darf ich ihn foltern, quälen, mißhandeln? Motorradfahrer und Skiabfahrtsläuferinnen sind anonyme Körpermassen?? Unfallopfer, durch Krebs entstellte Menschen: Keine Individuen mehr, nur noch anonyme Körpermassen, bar jeglicher Unantastbarkeit ihrer Menschenwürde, Freiwild, vom Grundgesetz nicht geschützt? Blinde müssen sich nicht an die Menschenrechte halten, weil die Identifizierbarkeit des Individuums nur über das Gesicht läuft??
Was ist denn das für ein Nonsense? Im weiteren Verlauf des Textes wird es übrigens auch nicht besser. Der durch ein abgedrucktes Portraitfoto aus den Körpermassen herausgehobene und als menschliches Individuum erkennbar gemachte Meister Kolhoff entscheidet also darüber, wessen Würde antastbar ist und wessen nicht??
Sowas druckt die Saarbrücker Zeitung auf Seite 2 im politischen Teil. Setzen. Ungenügend. Mehr als ungenügend!
frankfurter allgemeine sonntagszeitung vom 8. januar 2017
In einem Artikel von Niklas Maak heißt es dort u.a.:
„…Andy Rappaport, ein Risikokapitalgeber und Kunstförderer aus dem Silicon Valley, erklärte in einem Interview, dass ,Künstler die gleichen Qualitäten haben wie Unternehmer: Selbstmotivation, a sense of drive, die Fähigkeit, an seine Sache zu glauben, selbst wenn einen alle für verrückt halten, die Begabung, allein oder mit kleinem Team in einem Raum zu arbeiten, und die Fähigkeit, die Leute zu dem, was man erfunden hat, zu bekehren…Wenn ich an die Fähigkeiten großer Unternehmer denke, dann sind es die Qualitäten, die auch große Künstler besitzen.` Klarer ist selten behauptet worden, dass Künstler auch nur Start-ups mit veralteten Geräten seien; im Künstler sieht der Unternehmer sein schmeichelhaft-abenteuerliches Spiegelbild. …“
2016
soso ihr Menschlein da draußen im Walde, oder wo es Euch sonst so gefällt, 2016 war ein ausgesprochen interessantes jahr: ** geprägt von beruflichen Umstellungen, daraus resultierenden geldnöthen, getoppt durch flotte steuernachzahlungen. und was man daraus so alles macht: nämlich erstens: unnötige Versicherungen und Abos kündigen, dinge, die man seit jahren bereits vor sich hergeschoben hat. versuchen, mit möglichst wenig Geld auszukommen.
desweiteren: Skrupel verlieren. dinge anleiern, die ebenso seit jahren vor sich hinbrodeln, wo man aber immer denkt: naja, das wird ja sowieso nix, einfach los damit und weg und fort.
desweiteren: drei wettbewerbe beschickt, bei keinem genommen, geschweige denn in der nähe eines geldsegens, ABER: bei der Abholung eines Werkes im Saale der abgelehnten Bilder (mal ganz zu schweigen von den zur Ausstellung ausgewählten Arbeiten) sofort das eigene Bild wie mit fremden Augen wahrgenommen mit dem Gefühl: das ist wirklich das beste Bild hier. (Dann erst gemerkt, das es das eigene ist. Interessante Erfahrung!)
desweiteren: dinge aus dem hut zaubern, die wider erwarten sogar besser funktionieren, als man sich hätte vorstellen können.
alles in allem, eins: es macht mir fast gar nichts mehr aus, auch zum zweitenmal hintereinander nicht der landeskunstausstellung für wert befunden worden zu sein (nur ein ganz ganz kleiner klitzekleiner stich gestern, das war’s aber bisher). das heißt: dies halte ich für eine meiner größten leistungen in diesem jahr:
ich bin auf dem richtigen weg, mich von dieser anerkennungsdingkacke frei zu machen, frei zu machen von einer Definition von außen, frei zu machen von allemallem kunstscheiß –
alles in allem, zwei: die schönsten glücksmomente: trotz aller enge, die tessin-reise als geschenk antreten zu können. unser schönster aufenthalt dort bisher. die einladung, eine komposition für hors du cadre als graphische notation zu erarbeiten und deren berührende uraufführung in der schinkelkirche in bischmisheim. der auftritt mit stephan in kaiserslautern. der dada-abend im kuba. albert herbig und seine idee, die schönen bösen bilder im sali e tabacchi zu zeigen. und anschließend mir eine einzelausstellung dort auszurichten. und die pinguine, die einen gerichtszeichner gebraucht haben. und alle alle alle, ganz herzlich und nochmals ausdrücklich erwähnt, die mich in diesem jahr bei meiner aktion „i like finanzamt“ unterstützt haben!
alles in allem, drei: die dinge sortieren sich um. langsam.
ach, und noch ein glück: langsam und stetig an meiner serie der schriftstellerportraits weitergearbeitet. dröpje für dröpje.
kritik
Uwe Loebens „FRESSEN“ im Saarländischen Künstlerhaus.
Uwe Loebens ist einer der wenigen saarländischen Künstler, die sich was trauen. Im Vergleich stimmt das sogar. Allerdings sieht Uwe Loebens schlecht. In der Tat. Das heißt: Wenn er einem auf der Straße begegnet, dann macht er meist ein ausgesprochen verdrießliches Gesicht, um das mal potitiv auszudrücken. Er zieht eine Fresse, so könnte man das etwas weniger freundlich ausdrücken. Viele fürchten ihn wegen dieser Äußerlichkeiten und ob seiner Kommentare zu Ausstellungen von Kolleginnen und Kollegen. Und der Titel FRESSEN bezieht sich nicht auf die Tätigkeit der Nahrungsaufnahme. Das schlechte Sehen führt dann, ebenso wie FRESSEN als Nahrungsaufnahme zu den Kernproblemen dieser Ausstellung. Hier hat jemand ein festgefügtes Bild von der Welt (kein nettes und freundliches, was ja auch im Anbetracht der Welt durchaus nachvollziehbar ist), das er vor uns ausbreitet: Sehet her wie schlecht doch alles ist! Alles Arschlöcher und FRESSEN! Und DU auch! Nur ist dieses Weltbild bei Uwe Loebens seit vielen Jahren unverändert dasselbe. Und dabei völlig ungetrübt von durch Beobachtung der Wirklichkeit abgeleiteter Erkenntnisse. Das erinnert einerseits ein bisschen an Stammtisch. Und andererseits gehe ich aus der Ausstellung und bin nachher so klug als wie zuvor. Hier kotzt einer sein Weltbild raus. Immer wieder und immer wieder. Vomitismus. Und: Kennst du ein Bild, kennst Du alle. Wenig interessante Erfindungen, viel fast einfallslos zu nennende Wiederholungen. Klar: Es ist ja auch immer dieselbe Kotze einer einmal vor Jahren gefressenen Weltverachtung. Wenn ich aber jemandem beim Kotzen zugucke und immer nur dieselben Brocken kommen, dann ist das tatsächlich nur mäßig beglückend. Man will dann schon jemand wirklich leiden sehen. Und auch das passiert hier in keinstem Fall. Das wär wenigstens was: wirkliches Rausgekotze! Extase! Wut! Das Rausgewürge kommt dann doch alles in allem ästhetisch ein wenig zu geleckt. Gedankliche Bewegung? Fehlanzeige (wer denkt schon beim Kotzen?). Wirklicher Hass und wirkliche Wut? Fehlanzeige. Dafür ist die Haltung des Anklagenden, der sowieso schon vorher weiß, wie die Welt funktioniert, allzu wohlfeil. Dann vielleicht doch nur Illustrationen einer unverbrüchlichen Weltsicht? Uwe leidet an uns, das wird klar, aber was jetzt?
Ich muss an die Bemerkung von Horst Janssen denken, der Goyas „Desastres de la Guerra“ heraushebt, weil sie, wenn ich das halbwegs recht verstanden habe, eben nicht plakative Antikriegspropaganda sind, sondern von der Beobachtung leben, vom Gesehenen, das mit zeichnerischen Mitteln dargestellt und verarbeitet werden muss. Ein eher absichtsloses Tun, das die Schrecken tatsächlich zeigt und keine absichtsvolle Zurschaustellung.
FRESSEN begegnen einem tatsächlich jeden Tag eine Menge auf der Gasse. Aber allein schon der Titel der Ausstellung zeigt die Überheblichkeit des festgefügten Feind- und Weltbildes.
Blatt 22 fand ich übrigens interessant. Hier passiert formal etwas mit dem Gesicht, das den Blick ein wenig festhakt und bannt.
Uwe Loebens traut sich was. Indeed. Aber vielleicht will er dann doch, alles in allem, zuviel Kunst machen. Und er denkt zu wenig.
Und er guckt nicht hin. Er will nicht die Welt verstehen, sondern sie uns erklären.
aus unserer diesjährigen Weihnachtskarten-Edition

roll over a postcard by Lisa Borscheid
Luft Luft

eins meiner Lieblingsdetails aus der Wandzeichnung zur DADA-Soirée am 10.12.16
sto lavorando

Gestern und vorgestern insgesamt 40 Zeichnungen rausgehauen als Material für SOLA. Was das ist? You will see. Demnächst in diesem Theater. Erst aber mal noch nicht, erst einmal muss gezeichnet und geprobt werden. Heute morgen dann Druckerei und danach Probentag. Morgen dann Druckerei bis etwas länger und dann Probentag. Und heute abend noch scannen von ein paar Zeichnungen. Damit es nicht so langweilig wird.
aus dem Kringelmuseum

jahresrückblick 2
Was ich auch in diesem Jahr nachgeholt und tatsächlich noch nie in meinem Leben gemacht habe: Springen vom 3-Meter-Brett. Und das im Freibad meines Heimatortes, wo ich vor vielen Jahren auch Schwimmen gelernt habe. Zwei abendliche und zwei samstagliche Schwimmrunden im Freibad meiner Kindheit waren mein Sommer.
jahresrückblick – 1
Das mit Abstand unmotivierteste und uninspirierteste Buch, das mir (in diesem Jahr auch eine Neuerung: ich bin nämlich seit diesem Jahr zum erstenmal in meinem Leben mangels ökonomischer Mittel zum Bibliotheksleser geworden) in diesem Jahr in die Hände gefallen ist: Unruhezone von Jonathan Franzen. Die einzig interessante Passage darin ist die, wo er sich über die Cartoons von Charles M. Schulz auslässt. Das ist wirklich interessant und teilweise erhellend. Der Rest ist Schweigen. Da stelle ich mir einen sehr amerikanischen Durchschnittsmenschen vor, der eine sehr amerikanische Durchschnittsjugend verlebt hat und ziemliche Durchschnittsdinge getan hat. Vielleicht fängt man manchmal auch einfach mit dem falschen Buch an.
titel-bild-kritik
Heute morgen auf der ersten Seite der Saarbrücker Zeitung das Foto eines niederländischen sogenannten Supermodels, das am Strand Müll aufsammelt und obdessen gelobt wird. Dieses Foto zu betrachten ist recht lohnenswert, denn es zeigt den Lug- und Trughudeleicharakter der abgebildeten Wirklichkeit. Das Model lächelt uns an, hat eine kleine Papiertüte mit etwas farbigem Abfall darin. Das ganze wirkt so niedlich, dass man sich kaum vorstellen kann, das man mit so einer Tüte mehr als fünf gedankenlos hingeworfene Banananschalen aufsammeln kann. Außerdem wäre das Papier auch ratzfatz durchgeweicht (man bedenke: Strand). Zweitens: Das Model lächelt den Betrachter an und hat die rechte Hand am Boden, als wäre da was zum Aufsammeln: isabernicht! Da ist nix! Guck hin!! Absolut niente!!! Da ist nur eine Hand am Boden. Und die greift noch nicht mal nach irgendwas. Hängt da nur so rum. Drittens: Der ganze Strand ist komplett abfallfrei. Entweder hat die Gute schon mehrere Stunden fleißg gearbeitet (siehe aber auch: kleine Papiertüte) oder das ist jetzt wirklich eine Stelle, wo man fix fertig ist. Viertes: In diesen Schuhen und in diesem Kostümchen würde ich noch nicht mal bei schönem Wetter am Strand spazieren. Fünftens: Verarschen können wir uns selbst.
Wie hat mal ein höherer technischer Abteilungsleiter der Mainzer Allgemeinen Zeitung (für die ich mal knapp über ein Jahr als Reprofotograf gearbeitet habe) zu mir gesagt: Bei größeren und guten Zeitungen gibt es so etwas wie Bildredakteure.
Muss ja nicht jeder haben, aber ein wenig gedankenvoll bei der Arbeit sein und nicht auf der ersten Seite Müll-Fotos verkaufen, das wäre schon auch mal was. Lustig war`s auf jedenfall anzuschauen. So engagiert sich ein bekanntes niederländisches Model für den Umweltschutz.
Und jetzt Computer ausgeschaltet, in den SUV gesprungen und in den Bio-Markt zum Einkaufen! Schließlich ist Samstag.
kritik
Andrea Neumann in Neunkirchen. Was hab ich mich so schwer getan mit dieser Präsentation. Zwiegespalten. Einerseits geht man da durch und denkt: was für eine geile Malerei, Auflösung der Formen und und und. Und andererseits bleibt es schal und macht mich fast wütend: um was geht es hier eigentlich? Du gehst durch und nichts bleibt haften. Ich für meinen Teil werde sogar fast wütend, weil die Bilder dich anlügen, sie tun so, als ginge es um etwas, aber es geht eigentlich um nichts, außer um malerische Effekte. Cathrin Elß-Seringhaus von der Saarbrücker Zeitung lobhudelt bis zum Umfallen. Sie mag das: Projektionsflächen für den Betrachter, die Dich optisch umschmeicheln und somit nicht den Hauch eines Gedankens fordern oder sogar dich als Betrachter fordern. (Vielleicht ist das auch falsch beobachtet: Vielleicht sucht sie ja auch Bilder, die es ermöglichen, sich weiter an den eigenen,sowieso bereits vorhandenen Gedanken und Beobachtungen aufzugeilen, sich bestätigt zu fühlen, anstatt vielleicht auch mal ein wenig aus dem Gleichgewicht gebracht zu werden…) Vielleicht ist das der ideale Ausdruck unserer Zeit? Ich bekenne mich zu gar nichts, alles ist mir Mittel zum eigenen Spiel, aber eigentlich nehme ich die Dinge nicht ernst. Musik als Klang-Design. Kunst als Kunstdesign. Dabei funktioniert es sogar teilweise, wenn man sich ein beliebiges Bild herauspickt und sich den Rest der Ausstellung wegdenkt. Ein einzelnes Bild, sich vorgestellt in einem Museumskonzext mit anderen Werken anderer Menschen: da kann ich mir sogar denken, dass dann das einzelne Bild funktioniert. Aber wenn sie alle zusammen hängen, dann nehmen sie sich gegenseitig was, sie eliminieren sich, die Masche wird deutlich und alles ist an der selben Nadel gestrickt. Kein Wagnis, keine existientielle Wucht, kein Mut zum Bruch: alles ordentlich gemalt und ohne Risiko. Meine Begleiterin hat es schön auf den Punkt gebracht, wo ich wochenlang mit Worten und Sinnsuche hadere: „Eine tolle Malerin, aber sie traut sich nix. Soviel vergeudetes Talent.“
So ein bisschen die Xavier Naidoo der saarländischen Malerei.
(Und dann hat man hier so Leute wie Kurt Emser zum Beispiel, die malen, weil es ihnen um etwas geht, und die bei allen Ausstellungshäusern gnadenlos abblitzen.)
Lang lebe die Kreativwirtschaft!
eben in der Leibibliotheke

(mir war eigentlich überhaupt nicht klar, welches hoffnungslose Gedicht ich durch meine Buchauswahl auf dem Ausleihzettel provoziere)
DADA Soirée im KUBA am 10.12.16



Das Bühnenbild. Einmarsch der Protagonisten. Veränderung des Bühnenbilds vor lebendem Publikum kurz vor Beginn.
Katharina Bihler. Nikola Dimitrov. Jörg W. Gronius. Klaus Harth. Petra Jung. Wolfgang Korb. Armin Schmitt. Et voilà: eine neue Ebène! Unglaubliche Publikumsmassen, Begeisterung aller Orten und Menschen, die nie wieder nachhause wollten. Wie konnte das passieren? In nur vier Proben? Lag es am Frack? An der Musik? Am T-Shirt von Jörg W. Gronius? An Armins Klage oder Katharinas rotem Schlankarm? An Petras Gemurmel?
Wer dabei war, wird es nie vergessen. Wer nicht dabei war hat natürlich mal wieder keine Ahnung davon, was er verpasst hat, und warum sich die Welt plötzlich ganz anders dreht als noch am Samstagnachmittag.