am samstag in karlsruhe

cool in der crise
ich stehe vor dem hauptbahnhof in karlruhe.
es ist samstagmorgen, kurz vor halb 11.
es hat mich kaum etwas gekostet, um hierher zu gelangen
kaum geld, kaum schmerz, kaum mühe
ich warte und beobachte das ruhige hin- und her
der menschen und straßenbahnen
gerade die sich gleichmäßig bewegenden bahnen
erwecken den eindruck einer ewigen und ausgeglichenen pendelbewegung
ittersbach hin
und neureut kirchfeld her
der mann hält seinen becher
und streichelt aufmerksam und von der außenwelt fast unbemerkt den unterarm seiner frau
dazu trinkt er einen süßen tee
alles bleibt auf einer fixen ebene
nichts schwappt über
ist das alles nur die ruhe vor dem endgültigen zusammenbruch?

22.8.22

bewegt sich das kind hinter seiner mutter
bewegt sich das kind neben seiner mutter
bewegt sich das kind überhaupt
bewegt sich die mutter
überhaupt
steht die mutter
neben dem kind
neben der ampel
neben sich selbst
schwarz ist keine farbe
und überhaupt
gelingt das einfache
nur im komplizierten

18.8.22 28uhr39 bis 18uhr47

musik kann man auch ohne fragen ertragen. Schwimmen allerdings will gelernt sein. Atemzüge können gemacht werden, auch ohne, dass man sinkt. Ohne wunderlampe geht gar nichts (allerdings und die…). Auf keiner wiese herrscht ruhe, gebräunt wird nicht lautlos. Wir reiben uns an der einzig brennenden straßenlaterne und sehen die philosophen hinter den startlöchern. Wir wollen nichts mehr hören. Großes ohr und kleines ohr sind sich einzig einig. Man traut sich nicht ins wasser. Man steht an der kasse, vor der kasse, hinter der kasse. Der eintritt ist ein gedanke geworden. ein gedanke ist das gegenteil von gedankenlos? Wir wissen es nicht. Der freund fragt und die mutter sagt: natürlich darf er mit ins schwimmbad. Hauptsache er bleibt dumm und trinkt nachher brav seinen pfefferminztee mit chlorgeschmack. Wir stehen an der hecke und sind enttäuscht. Die katzen werden im see ertränkt. Ihre musik kann man nur mit fragen ertragen.

3 minuten gehirnwäsche vom 21.6.22

21.6.22 19uhr13 bis 19uhr17

die zwölf baustellen des klaus h. Mein vater bringt mich mit dem auto dorthin, wo ich gebracht werden möchte. Das heißt: eigentlich will er mich hier noch nicht herauslassen. Ich sage aber: ich will hier heraus. Von hier aus ist es nicht mehr weit. Eine schmale straße, wenig verkehr, links alte etwas heruntergekommene mietshäuser, so drei bis vier stockwerke. Keine frische farbe dran. Ich steige aus. Und trage zwei große, etwas bröselige kastenförmige kuchen vor mir her. Sie sehen ein bisschen aus wie große schwämme. Ich will in die kleine wohnung, die ich hier immer noch angemietet habe, wo ich aber kaum noch bin. Ich habe keinen schlüssel dabei. Die haustür steht glücklicherweise offen und ich denke noch: drin bin ich schon mal, jetzt muss ich nur noch sehen, wie ich in meine wohnung komme. Treppe hoch und alle wohnungstüren stehen offen. Hier wird scheint`s frisch renoviert. Meine nachbarin (und so eine art hausmamsell) kommt auf mich zu, ich falle auf der letzten treppenstufe vorwärts und mein kuchen fällt und bröselt ihr entgegen und ich sage noch: gell, so kennen sie mich. Und sie sagt: hätte es mir nicht anders vorstellen können. Wo waren sie all die jahre? In meiner wohnung kleben frische tapeten. Keine möbel.

letzte woche/diese woche

laotse weiß, wovon er spricht.
Heute 3 ameisen nicht getötet!
„je mehr scharfe waffen im volk,
um so wirrer der staat“ (57)
darüber nachgedacht:
in der „dunklen hütte“ bei twin peaks
wird deutsch gesprochen.
darüber nachgedacht:
ob die wahl des 11. september
für die anschläge u.a. auf die twin towers
ein perverser reflex auf die notfallnummer
der amerikander war: 911?
laotse:
„wer weiß spricht nicht,
wer spricht, weiß nicht“ (56).
wäre laotse als mitglied eines amerikanischen parlaments
denkbar?

negativer enzensberger: ÜBERall

 

die nacht zeigt eine kleine schwäche

sie ist schon fast dem boden nah

die wirtin stellt die gläser weg

so leise sie das kann: man hört fast nichts!

die bräute rutschen sanft zu boden

an leitern, brav und schwach

die hüte kleben fest am kopf

(wer immer heute hüte trägt)

die bienen summen lohnlos frei

(und sind nicht träge, gerne)

am boden kauern, stimmenlos: arbeiter

und angestellt´, freiberufler sowieso,

ohne plan.

hinter den festverschlossenen rollläden:

fest verstummte katholikerinnen

ohrfromm und mundlos

anarchie aus ungerührtheit, unterwurf

und depression.

kein geldschein mehr enthält 1 segelschiff

kein flugzeug lässt sich falten

am schluss kommt keine null heraus

(hat man sich denn daran schön gewöhnt?)

ein ganz normaler alltagswähler wählt

1 münze aus der mütze des vorangestellten

der vorgestellten bank.

der hass wird ohne polizei verboten,

die lügner werden in den knast gesteckt.

die brötchenwarter machen ein geschäft: verkaufen

all ihr mehl (zum stimmen) an all die hörer all

der dudelfunkstationen dieser welt (morgens)

kein pferd erhält ein kreuz aus blei.

das unglück wird erbeutet wie eine katze eine maus erspielt.

Dauersparer, dauerflüssig, führen wurzeln und apfelkerne mit sich.

Im sand verebben sie trockenzwang und verunstalten parkplätze.

nirgends fallen uns die dünnen selbstversager vom himmel.

unlustig sehen wir uns, gedämpft in allen gassen.

verlacht das schiff, verlasst die bahn, all ihr wirtInnen,

allein- und vorgestellten.

Ohnmacht in die pflicht!

Kraftlos liegt die nacht.

wörter

hermann hesse:
was ist das gegenteil von stufen?
eine rutschbahn?
ein abhang?

3 minuten gehirnwäsche

15.6.22 11uhr10 bis 11uhr15
papageien sind die besseren maler! Sie tragen die farben bereits mit sich! Schweine können alles. Finden ihren weg in die zeitung, wenn man ihnen einen pinsel zwischen maul und zunge klebt. Nicht so der papagei! Er findet zwar auch den weg in die zeitung, aber aus eigener kraft! Das kann man ja mal machen! Das kann man ja einfach mal probieren! Wir löschen eine figur und schon toben die menschen vor begeisterung. Extrabunt. Papageien haben einen vorteil: selten passen sie in einen käfig, die einfach selten groß genug wären. Sie sitzen auf einer stange. Dürfen zwar nicht frei fliegen, kennen sich aber aus. Schön gefärbt ist halb gewonnen. Und den termin bei der substanzlehrerin haben wir schon vor jahren bedenkenlos abgesagt. Dem papagei geht’s gut, und er will auch, dass es dir gut geht. Eigentlich könnte man dagegen gar nichts einwenden. Ein wenig bunter lebt sichs besser. Schnell weg mit dem schwarz-weiß-denken! Abgesagt wird nie was. Und wir tragen das zwei-euro-stück unter unsrer vogelzunge.

wörterer IV

für elke erb

haferweh
sonnenmilch
lasterferner LKW
straßenpfund
butterpfand
wolkenstück
autopfarrer
wiesenrand
predigtweich
leicht erhitzt
und abgebrannt

wörterer III

in dieser reihenfolge (von drinnen nach draussen):

ich (mein vorsichtiges ich)
das fenster
die fliege
ein fliegengitter
ein falke
der unhintergründige himmel
vom kopf bis zu den füßen

l´eternité

eine wespe hält in der luft kurz inne,
direkt neben meinem kopf,
fliegt weiter,
sie ist bei weitem nicht so alt wie ich,
trotzdem fliegt sie seit jahrtausenden
in derselben spur,
hält neben köpfen inne,
während ich hier liege
und sehen muss wie und wo ich bleibe

wörterer II

glück und unglück:
ein stück transparentpapier zum pausen lebensnaher vorlagen
dinge, in die man sich verstrickt,
bevor es keinen ausgang gibt:
ich kann nicht, also bin ich

wörterer

gro teske go!
selbstverständlich hat der mond uns nichts zu sagen
ungelogen klebt der dreck am tor
keine leiter wird es jemals wagen
keiner zieht uns jetzt am ohr

empor

go! go! go!
to go? go? go? (?)

4.6.22 – beobachtung kurz vor 12

parkplatz unterhalb des friedhofs
1 junge frau
hinten bei den glascontainern
ausklopfen der fußmatten
wegwerfen von altglas
sommerlich
aus dem autoradio
1 coverversion von „imagine“
ich brauche lange, bis ich es erkenne
ja: alles könnte auch ganz anders sein!

26. mai 2022 – 3 minuten gehirnwäsche

26.5.22 18Uhr35 bis 18uhr41
gestern gehe ich irgendwohin und die menschen kennen mich. Wir sagen du zueinander. Andere sagen auch du zueinander, liegen sich aber auch in den armen und erhoffen sich förderung. Mir ist das zuwider. Wer plaudert plaudert. Wer fördert fördert. Es fördert also einiges zu tage, was ich lieber nicht gewusst hätte, aber sowieso schon gewusst habe. Blöd jetzt. Ich bin kein menschenfreund, bin aber zu den menschen freundlich*. Keiner weiß, was sie denken, keiner weiß, was ich denke. Alle wollen das kleinere buch haben, in dem sie ihre gedanken notieren. Ich notiere immer meine gedanken. Ständig pausenlos. Ohne zu wissen was daraus wird. Ja das tue ich auch! Siehe hier: mein buch trage ich sogar hier in der hand. Mein buch ist aber kleiner! Alle wollen etwas kleineres sein. Alle sehen etwas in mir. Der sieht das in mir. Die sieht jenes in mir. Nur ich sehe nichts in mir. Manches sieht man auch besser nicht. Manches fragt man besser nicht. Ohren zu im straßenverkehr! Eine liste machen: zehn fragen, die sie besser nicht gestellt hätten.
(*langsam frage ich mich aber: wie lange noch?)

1 gedicht zu ann cotten, nachdem mir daniela daub letztens „das pferd“ geschenkt hat

ann cotten!
knapp an dem, was greifbar ist, vorbeigreifen,
vorbeistreifen,
entlanggreifen,
wegstreiten
oberhalb und unterhalb
der flächen
und des flachen
flachsen
sich darüber verstecken
und verstehen,
was es heißt,
fortan stehen zu bleiben
statt hinzuschauen
wegzuducken
statt wegzugucken
fortschreiben
was fortschreiten heißen könnte
(ist das das, was man einen deckel nennt?)
(oder eine decke, die man nach oben
greifend
nicht begreift?)

don`t cry – work!

ich langweile mich über leute die sagen die kunst ist frei
ich langweile mich über leute die sagen die kunst sei frei
die kunst ist frei aber keine freude
die kunst sei frei aber keine freude
die kunst ist eine freude aber nicht frei
die kunst sei eine freude aber nicht frei
freiheit sei eine freude
ich habe die freiheit studiert und deshalb sollst du mich lieb haben
man liebt aber nur das was einen nicht langweilt
ergo: alle machen kunst und keiner freut sich

kleines postzynisches postscriptum:
es gibt in deutschland mehr autos als künstlerInnen (vermutlich)
aber immer noch mehr künstlerInnen als tankstellen (sehr wahrscheinlich).

kleines postzynisches postscriptum II:
das kann sich in kriegszeiten fix ändern.