was oft fehlt ist einfach mal ein bisschen muße, ein bisschen einfach nur auf den blöden weiher starren, und dann kein selfie machen, oder doch ein selfie machen, was natürlich blöd ist, denn man sitzt ja mit dem rücken zum ufer, vom weiher also nix zu sehn außer ich selbst mal wieder

eine art des zeichnens

… wäre etwas zu tun, von dem man noch nicht weiß, was dabei herauskommt: kann natürlich auch in die vielzitierte hose gehen. aber es ist spannend und interessant, dinge zu tun, die man so vielleicht noch nicht getan hat, sich selbst zu provozieren, sich einen strich durch die rechnung zu machen, um noch einen anderen strich in die andere richtung zu machen und es dann scheiße zu finden. etwas zu tun, um es weniger scheiße zu finden. aber so bekomme ich etwas heraus. erkenne dich selbst. das blattgegenüber als spiegel dessen, was man aushält und erträgt an scheuslichkeit und kitschigkeit. süßlickes und salzlickes. manchmal ist das auch natürlich nur schwer auszuhalten. und es scheint kaum verbesserung in sicht. wegwerfen ist die letzte option. like in the richtiges leben.

es gibt aber auch andere arten des zeichnens und malens.

knetegard hilf!

aus: 3 minuten gehirnwäsche, 3. juley 2026, 20uhr46 piss 20UHR52

nichts geh. nichts geht. rien ne vas plus und minus. es tromeelt auf mein ohr. ein tromeldar. und tromeldort. what you see is what you get. praph, noch prapher, prapho und prapha. superbraph. supergraf. weg. weg. weck. superbrav statt supergraf. weg. weg. weg. das beste ist das doppel-weg. warum muss das sein bloß sein. gestern haben wir ein foto gemacht, das fast aussah wie das foto, das wir vor 24 jahren gemacht haben. ist wirklich nix passiert? was ist wirklich sofort passiert? guck ich noch genauso blöt? ich bin weltmeiser in weiterentwicklung, automatischer rechtschreibung und zigarettenstummelbetrachtung. warum sagen die nix: es sind stummeln und keine murmeln, so in etwa. orthogeographie. wo wohne ich, wenn ich nicht bin? warum denken alle, dass ich zumülle, wenn ich alleine auf der welt bin? und das sagen menschen, die über andere sagen, dass sie keiner kenntete. kenntete und knetete. wie ging alles los: ein haus, ein hauch, ein dromedar.

Blättere eben in einem Baselitz-Interview in einem älteren Lettre International. An der Rand habe ich mir am 16.10.2024 die Notiz geschrieben:

Kunst als Werkverweigerung -> schält sich das nicht als mein Thema heraus?

Je älter ich werde, desto mehr scheint es mir, als sei das eines meiner grundlegenden Themen. Ich war ja eh schon immer davon überzeugt, dass das, was man „Thema“ nennen sollte, die in einem tiefer verborgenen Dinge sind. Der Umgang mit Ordnung und Chaos etwa. Eine gewisse Unbehaustheit in der Welt. Das Vereinen unterschiedlichster und teils widersprüchlichster Elemente zu einem Ganzen. Oder halt die Werkverweigerung.

Ob ich ein Portrait zeichne oder eine Landschaft oder eine Zeichnung zu einem Musikstück mache: Die tiefer liegenden Theman transportieren sich durch Anordnung und Verwendung des Materials, durch die Art und Weise etwas zu sehen und zu sagen.

Das ist natürlich ein Problem. Denn damit vereinzelt man sich. Die meisten brauchen wiedererkennbare Spuren. Bei wiedererkennbaren und sich wiederholenden Spuren kann fast jeder eine Fährte lesen. Einen Kontext erschließen.

Ich habe in meinem Leben zwei Komplimente für meine Zeichnungen etc. bekommen, die sich mir tief eingegraben haben:

Eines lautete (über eine postkartengroße Zeichnung): „Die ganze Welt in ein paar Strichen“.

Das andere: „Egal, was Du malst und zeichnest und wie Du das tust, man erkennt doch immer, dass das von Dir stammen muss.“

„Die Welt in ein paar Strichen“ tröstet mich immer, wenn wieder diese ganzen wohlfeilen Selbstdarstellungsstrategien gerühmt werden, Bildprodukte gelobt werden, weil sie das „Kopfkino“ befeuern u.ä. Ich mache diese Dinge in erster Linie für mich, es geht um Beobachten, Verstehen, Verstoffwechseln, Umdeuten, den DIngen auf den Grund gehen. Die Welt aushalten. Die eigene Sicht der Dinge verstehen und zeigen. Dem mag und kann nicht jede*r folgen.

Das „Egal“-Zitat tröstet mich immer, wenn ich denke, ich hätte mir alle Chancen selbst verbaut, indem ich nicht anders kann, als die Dinge von den unterschiedlichsten Seiten aus zu beleuchten. Und dass dann die Sachen nicht alle den gleichen Stil pflegen. Früher gab es dann noch ellenlange Serien über größere Zeiträume hinweg. Mittlerweile gibt es immer noch Serien, die laufen aber anderen Dingen parallel und verquer und versuchen alles zu greifen. Und natürlich sehen die wenigsten den Zusammenhang und das habe ich mir nicht nur selbst eingebrockt, nein, das ist zutiefst in mir angelegt.

Die Werkverweigerung als künstlerische Strategie. Weil das Werk suspekt ist.

Vielleicht.

 

samstag/fieber

auf dem heißen parkplatz sitzt im schatten des supermarktes ein junger mann im meditativen schneidersitz – er meditiert allerdings nicht, sondern unterhält sich mit einer jungen frau, die ihm, nicht im schneidersitz, aber interessiert gegenüber sitzt. autos fahren vorbei. menschen schieben ihre einkaufswagen. es könnte eine kritik sein. an uns allen und unserem lebensstil. neben ihm steht u.a. eine plastikflasche mit cola. flasche und falsche. die falsche flasche. es gibt nur falsches leben im falschen.

und es gab noch eine beobachtung heute morgen, die gut dazu gepasst hätte.

vielleicht fällt sie mir ja wieder ein.

korrektur:

EINUNDVIWERZIG KOMMA DREI GRAD WAR ES GESTERN HEISS, NICHT EINUNDVIERZIG KOMMA SECHS – WER MERKT DA NOCH EINEN UNTERSCHIED. (UND VIELE DENKEN, BEI DER afd GÄB’S SOWAS NICHT).

26.6.26 23uHR17 bis 23uhr32

sitze eben auf unserer kleinen terasse, es ist freitagabend, 23uhr11, immer noch sehr warm (heute war der heißeste tag mit 41,6° C oder so um den dreh), und ich hab eben ein honorar ausgerechnet und hab das laptop vor meiner nase und bin in einer dieser freitagabend-talkshows hängen geblieben und das hat meine erinnerung an meine mainzer nachtportier-zeit getriggert. das war 1994 – 96, auch da gab es oft warme, fast heiße sommerabende, an denen ich das hotel hüten musste und irgendwann den fernseher anschalten konnte und so zeug wegguckte, während ich auf der schreibmaschine vorher die rechnung getippt hatte und freitag abends glücklicherweise kaum menschen irgendein getränk oder noch schlimmer: gespräche aus der hotelbar wollten. das musste ich dann nämlich auch liefern. es war ruhiger an diesen hotelabenden. hier, wo ich 32 jahre später wohne, erkennt man den freitagabend am autoverkehr. es könnte eine ruhige nacht sein, was es lustigerweise unter der woche oft auch ist, aber freitags (und natürlich samstags) ist die landjugend unterwegs und muss ihre kraft durch geschwindigkeit ausdrücken. wohin man hier auch immer so schnell gelangen muss. ohne jetzt sentimental zu werden: an wochenenden, insbesondere auch samstags war es schön in unserem hotel. wir hatten unter der woche überwiegend geschäftsgäste und am wochenende ab und zu mal eine familie, die in den zdf fernsehgarten wollte. oder was anderes. da konnte man viel zeitung lesen. und notizen machen. und zwischendrin den frühstücksraum eindecken. das frühstück gehörte mit zur bezahlung. 100,- Mark die nacht für 10 stunden. irre. trotzdem kam man dann je nachdem manchmal auf 1600,- Mark im monat. Und damit und einem anderen job ließ es sich ganz gut leben. ich war ja spät dran mit allem: spät mit dem studium angefangen, mit 30 dann immer noch in diesem nachtportier job, und in der totalen krise, weil noch nix erreicht. wie sagte max ernst: ich bin froh, mich nie gefunden zu haben. und immer noch schwebt dieses ding über mir: aus dir darf nix werden. obwohl ich mich von so vielem befreit habe. es ist so interessant, aus welchem umfeld man kommt. was in der eigenen familie vorstellbar war und was nicht. welches selbstbild man von zuhause mitbekommen hat. und sich nicht davon lösen konnte, weil man sich noch nicht mal darüber im klaren war. heute mache ich so viele sachen, die in meiner familie undenkbar waren. die sich meine mutter immer noch nicht vorstellen kann. aber wäre anderes denkbar gewesen, dann wäre anderes denkbar gewesen. war es aber nicht.

früher hatte ich als ein lebensziel für mich immer definiert: nicht mit 70 irgendwo zu sitzen und gelegenheiten nachzutrauern, sondern das gefühl zu haben, alles probiert zu haben. und nicht über vertane chancen zu jammern.

aktuell weiß ich nicht, ob mir das gelingt.

bis 70 sind’s auch noch ein paar jahre.

weiß übrigens jemand, wo ich das buch: „Warten auf die Barbaren“ abgelegt habe?

 

PS: heute ist übrigens der 26.6.26

PPS: irgendjemand ist wahrscheinlich auch am 26.6.62 geboren …

PPPS: ich nicht.

3 minuten gehirnwäsche

hab ich mir doch vor jahren schon einen stempel gemacht: den humor verlieren. vor vielen vielen vielen jahren. in weisheitlicher voraussicht. denn schien es mir doch lange nicht so wirklich vorstellbar, so ertappe ich mich immer öfter dabei, ebensolches zu tun. aber einmal verloren, wo wiederfinden? es ist gar nicht so einfach weiterzumachen. sinn zu finden in einem tun, das einem jahrzehntelang das überleben gesichert hat. anarchischen überlebenswillen auszugraben, auszupacken und der welt entgegen zu halten. humor hat was mit intelligenz zu tun. aber man wird selbst auch immer dümmer. hineingezogen in den sog des allgemeinen abwärts. es gibt nur ein falsches leben im falschen? ich trete wasser, um die hitze zu überstehen. ich sprühe schilder gegen die anrollende scheiße. man sollte sich sisyphos als glücklichen menschen vorstellen? echt, ey, der hatte es wirklich einfach. nur der stein und ich. klar war der glücklich.

die lehrerin, die ihre schülerin, die gerade eine seerose gepflückt hat, zurechtstutzt, das mache man nicht, die blume gehöre doch nicht ihr (was die schülerin zurecht kontert mir: gehört sie vielleicht ihnen?), sie ihr aus der hand reißt und wieder in den teich zurückwirft, als wäre es unnützer müll: eine kleine, aber interessante szene, anstatt zu sagen: steht unter naturschutz, darf man eigentlich nicht und der schülerin die freude an der blüte zu lassen trotz des ungewussten verstoßes und zu sagen: das nächste mal weißt du das, hat auch die lehrerin keinen gedanken daran, keine idee und vorstellung und wirft die blume als müll zurück, als wäre dadurch alles wieder heil: situation gerettet, nein, nix gerettet, heul, eigentlich und blüte unnütz zerstört in zweifachem sinn.

Jetzt sterben sie alle. Marjane Satrapi am 4. Juni. Und jetzt David Hockney. Hockney habe ich relativ früh entdeckt. 1987 war ich zum erstenmal im Centre Pompidou in Paris und hab mir dort ein Katalogbüchlein über David Hockney gekauft.Ich war angetan insbesondere von den Portraitzeichnungen in Blei-, Farbstift und Feder in Tusche. Sehr klare und konzentrierte Zeichnungen, die ich, insbesondere die Farbstift-Varianten, nachzuahmen suchte. Es würde mich reizen, die Tage mal auf den Speicher zu krabbeln und die alten Mappen rauszusuchen, ob ich da noch was finde … Hockney hat mich immer wieder beschäftigt, wahrscheinlich ist er der Einzelkünstler, von dem ich die meisten Ausstellungen gesehen habe: Die Retrospektive 2001 in Bonn, 1998 die Photoworks in Köln, 2013 The bigger Picture, ebenso im Ludwig in Köln. Auf Schloss Moyland gab es eine kleine Show mit seinen Radierungen zu den Gebrüdern Grimm 2016. Das war eher Zufall, ich war natürlich wegen Beuys dort. Was mich beeidruckt hat, waren immer die Freiheiten, die er sich genommen hat. Die Experimentierfreude. Er hatte ein schönes und langes Leben.

Weshalb mich der Tod von Marjane Satrapi letzte Woche dann allerdings doch mehr erschüttert und berührt hat. Ihr „Persepolis“ habe ich erst 2018 entdeckt. Zuerst als Buch. Und dann auch als Film. Ich habe das Buch letzte Woche nochmal aus dem Regal geholt und noch einmal gelesen. Ein völlig anderes Leben. Eine völlig andere Welt. Ich weiß mit diesem Tod gar nichts anzufangen. Eben stolpere ich über einen France Inter – Beitrag zu ihrem Tod, wo sie auf die Frage, ob sie manchmal an den Tod denke, antwortet: Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute. Was bleibt übrig, als ihre anderen Bücher auch endlich mal zu lesen.

Vermisst man jemanden, von dem es so viel gegeben hat, weniger, als jemanden, von dem noch so viel hätte kommen können? Ist das eine blöde Frage, vielleicht sogar eine ungehörige und ungebührliche?

Ich hege ja die Vermutung, dass irgendwann der Punkt erreicht ist, wo man von der Welt dermaßen genug hat, dass man gehen kann.
Zwei sehr unterschiedliche Leben.

Nachtrag: Alle wissen, was sie am 9. September 2001 getan haben. Ich höchstselbst war in der Hockney-Retrospektive in Bonn. Müde im Zug noch insbesondere über Bilder nachsinnend, bei denen ich mir die Frage stellte „darf der das?“ (diese Ansicht vom Fuji mit Blumen davor z.B.), schlief ich, um an dem ein oder anderen Bahnhof leicht das Auge zu öffnen, eine merkwürdige Stimmung unter den Leuten spürend, ohne zu wissen, dass inzwischen die Welt eine andere war.

Es kann wunderbar sein, nicht zu denken. Naja, sagen wir mal: anders zu denken. Wenn man die Sachen nicht zu greifen bekommt, dann kann man in angedachten Formlierungen schwelgen, sie wieder abbrechen lassen, durch etwas anderes ergänzen. In dieser Zeit, in der einen so vieles bedrückt, kann es zwar keine Lösung sein, aber die Verknotungen etwas lösen, wenn man undurchdacht vor sich hin formuliert. Das ist eine Art des Zeichnens, die etwas Befreiendes haben kann. Dort, wo wir nix greifen und begreifen können, entstehen Gedichte. Sprache, die ausspricht, in dem Wissen, dass sie eigentlich nichts konkret benennen kann, weil es mit Sprache eben nicht konkret zu benennen ist. Oder eben solche Zeichnungen.

Derzeit (entstanden aus dem Zusammentreffen mehrerer Zufälle: die Benutzung von Sprühfarbe wegen der plötzlichen Einbeziehung in die Organisation der PRÜF-Demos, das Geschenk einer schön dickflüssigen Farben, die mir Sita aus Kamerun mitgebracht hat, dem Wunsch Peter Tiefenbrunners nach einer Steam-Punk-Maschinen-Zeichnung im Rahmen der Bühnenbild-Projektions-Zeichnungen für das Lebenshilfe Musical) kritzele ich an 63x44cm großen Blättern, die ich gar (noch) gar nicht näher benennen kann. Obwohl ich heute mittag dachte, dass sie meinen Zeichnungen zu Ann-Cotten-Gedichten doch recht nahe kommen, die ich anfang 2021 gemacht habe. Damals mit Kugelschreiber und Haarspray vor allem.

Auch entstehen wieder Vogelbilder. Und auch das ist interessant und hat befreienden Charakter: Die mir allzu vertraute Serie, das mir allzu vertraute Motiv, in Szene gesetzt, um dieses Allzu-Vertraute immer wieder aufzubrechen und über einen längeren Zeitraum und vermittels großem Durchhaltevermögen auf die Probe zu stellen. In wie weit trägt das? In wie weit taugt das? Und auch hier: das Experimentieren mit Sprühfarbe (u.a.) für die Hintergründe und die Verwendung von wasserlöslicher Ölfarbe führen zu unbedachten Setzungen, die sich aber immer wieder am Motiv und dessen Ausdrucksmöglichkeiten orientieren und dabei Freiheiten freisetzen. Verknotungen lösen. In Vertrautem neues entdecken.

Und dann entstehen parallel größere Aquarelle (in denen auch der ein oder andere gesprühte Part ins Spiel kommt) nach Fotos von Autofahrten. Sie sind eine Ergänzung zu der (auch weiterhin entstehenden) Serie: menschen ohne parkplatz. Und eine Weiterführung der gegenden aus den „botanischen Gärten“ Burbach und Völklingen. Und den „gegenden-nk“. Hier macht die Größe den Unterschied zu den Dingen, die bisher so passiert sind.

Und wenn alles gut geht, arbeite ich an all diesen Dingen parallel: An den Aquarellen und den Vogelbildern an zwei improvisierten Tischen im Garten, wo man auch wunderhübsch rumsprühen kann. Und an den Zeichnungen an einem kleinen Tisch im Zwischenbereich unserer Wohnung.

Atelier ist immer und überall.

Klingt doch eigentlich alles ganz in Ordnung. Aber es übertüncht nur schwer die Fratzen unserer Zeit, die man grade fast überhaupt nicht los werden kann. So viel kann ich gar nicht zeichnen und malen und schreien.

Hannah Arendt schreibt in „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ (S. 679 der Piper-Taschenbuch-Ausgabe):

„Diese Menschen konnte man nicht mehr zu politischen oder revolutionären Aktionen bewegen, indem man ihnen sagte, daß sie nichts zu verlieren hätten als ihre Ketten; sie hatten bereits sehr viel mehr verloren als die Kette des Elends und der Ausbeutung, als das Interesse an sich selbst ihnen aus der Hand geschlagen wurde. Ihr materielles Elend war zumeist durchaus erträglich dank der Sozialversicherung moderner Staaten, aber das gab ihnen die verlorene Beziehung zu einer gemeinsamen Welt nicht wieder.“

Hannah Arendt kommt immer wieder auf diesen Verlust der gemeinsamen Welt.

„Das Hauptmerkmal der Individuen in einer Massengesellschaft ist nicht Brutalität oder Dummheit oder Unbildung, sondern Kontaktlosigkeit und Entwurzelt sein.“ (S. 682).

Jetzt kann man sich heute natürlich fragen: Leben wir in einer Massengesellschaft, wo diese Annahmen gelten? Ich kann in der mir eigenen und selbsteinschließenden Arroganz nicht ganz davon ab, Dummheit zu konstatieren: Die Massenmedien, die sich heute soziale Netzwerke nennen, machen den Menschen nicht klüger. „Informiere dich in den alternativen Medien“ heißt dich in der Regel nix anderes: Such so lange, bis das bestätigt wird, was Du sowieso schon denkst. Und dort, wo wir keine gemeinsame Welt mehr teilen, weil wir in sozialen Medien alles in tausenderlei parallel existierende Anschauungen und Meinungen zersplittern, können wir uns auch nicht mehr über eine gemeinsame Welt streiten.

Das Verbindende, das dann bleibt, wäre ein dumpfer Nationalismus als Verbundenheitsgefühl. Irgendwas muss einen ja verbinden. Hmm.

zu: menschen ohne parkplatz (überarbeitet, Version 14.5.26)

der mensch wird nicht hübscher, wenn er auto fährt, aber er tut es natürlich trotzdem. tagaus und tagein. ohne unterbrechung, vorwärts, rückwärts, meist vorwärts. manche haben vorfahrt und ampeln gibt es. der faradaysche käfig schützt nicht nur vor blitzeinschlag. ist straßenverkehr so etwas wie der alltag? hier bin ich mensch, hier darf ich sein? manche sitzen auch zu viert. wir müssen als erstes an der ampel sein, dann sind wir ein spermium. oder sonstwo. zeit ist leid. hier ist jetzt. welches bild habe ich von der welt, wenn ich immer nur auf grüne ampeln treffe? oder immer nur auf rote? die afd will ampeln nur noch mit blauem licht. was wäre, wenn es nur noch philosophen am lenkrad gäbe? nirgends darf ich aussteigen, denn nirgends gibt es einen halt. parkverbot heißt, dass niemand je ins grüne darf. halteverbot, dass alle rastlos leben müssen. oder rastlos rasen. ich halte mich am lenkrad. ich beiße hinein und es schmeckt kein bisschen nach advent. ich bin nicht gern, wo ich herkomme. ich bin nicht gern, wo ich hinfahre. und weißt du: das geht allen so!

tagessatz (letztens abends)

15.5.26 ein hündchen im dino-kostüm, eine frau am müllcontainer, deutlich dem hund zugehörend und die das alles auch schön findet, ein monotoner mäh-roboter, im dino kostüm, ebenso (das wäre ja auch vorstellbar (wieso ist noch nie jemand auf die idee gekommen, seinem mähroboter ein dinokostüm???)) = falsche atavismen im zeitalter falscher gefühle (war das nicht die definition von „kitsch“ das mit den falschen gefühlen (?), aber laut milan kundera ist kitsch ja die „verleugnung der scheiße“), im zeitalter falscher zukunftsvorstellungen also, auf dem trainingsplatz nebenan mehr bälle als spieler, wie zeichnet man das geräusch von torschüssen (?) – – – und jetzt, jetzt erst fällt es auf: kein einziger torwart weit und breit!

stöbere eben ein wenig in meinen „tagessätzen“. entdecke den vom 30.11.2016:

wenn es niemanden interessiert, was du tust, existierst du dann – wenn es nur ein paar interessiert, was du tust, existierst du dann ein wenig mehr – wenn es alle interessiert, was du tust, was dann???

aus: tagessätze

  • 12.5.26 die mähroboter des kunstgeschehens, sie mähen am abend und sie mähen am morgen, sie rasen und sie singen ihre bunten mähgesänge, solange bis wir zerfallen, so lange bis wir zerfallen vor erschöpfung, erschöpftem widerspruchsgeist, vor hirnverknebelung, vor farbverdruss, die nichtexistierende existenz, die scheinbar scheinbare scheinwelt, scheinweilt, es wird alles niedergerollt mit den vier zarten rädern des mäh-robotschiks, o kommet her: ich nehm euch eure last, ich nehm euch eure laster ebenso, ihr braucht auch nicht zu sprießen, ich halte euch klein, denkt nicht nach und singt mit mir das allerschönste lied vom allerbesten künstler.

kaum geh ich vor die tür,

mache ich mich schuldig

die nachbarin rettet den vogel

aber die luft, die wir atmen,

atmet sonst jemand anderes

3.5.26

ich esse kuchen und könnte genauso gut tot sein, kuchen essen und tot sein sind in solchen momenten identisch, sind ein und dasselbe, während sie in der kirche silbrig aufgeblasene kreuze als luftballons in die luft halten, man kann keine nägel reinhauen, genauso wenig, wie man sie reinhauen kann in einen solchen tag