Gestern und heute 2,5 Tonnen Holz verräumt. Irgendwie nicht vorstellbar. Von Schüttholzmeter-Unordnung in gestapelte Form gebracht. In Unordnung eine Form bringen. Früher dachte ich, das sei eigentlich auch die Arbeit als Zeichner, Maler, Musiker etc. Denke ich das immer noch? Dinge ordnen, in Form bringen. Sich informieren heißt ja auch nichts anderes, als seine Gedanken zu ordnen auf eine außer einem selbst liegende Methode, die man annimmt, um sie in eine andere Form zu bringen als gewohnt. Ist es nicht? Körperlich bin ich durch die zweieinhalb Tonnen ein wenig, aber wirklich nur ein wenig, außer Form gebracht. Müdigkeit in den Knochen, wo ansonsten vor allem meine Augen müde sind. Die Arbeit mit Holz ist an genehm. Ab morgen steht dort, wo heute das Holz in einem Netz unordentlich aufgeschüttet war, ein 7 Kubikmeter Container für Entrümpelungs-Müll. Arbeit mit brüderlich hinterlassener Hinterlassenschaft macht weniger Freude. Wahrscheinlich. Damit beschäftige ich mich ab morgen und Freitag und Samstag und vielleicht auch noch Montag. Dazwischen pinsele ich Aquarelle. Nach fast 14 Tagen, an denen ich überhaupt nicht zum Malen gekommen bin, kaum zum Skizzieren kostet es fast schon wieder so was wie Überwindung. Befreit mich aber sofort. Weltvergessen nur auf die Pinselbewegungen und Farbkleckse konzentriert sein. Musik hören dazu. Eine alte Platte von Tom Waits. Wurzeln sind wichtig. Am Sonntag Abend sogar ein wenig Fahrrad gefahren. Nicht um irgendwo hinzukommen, sondern um Fahrrad zu fahren. Am Wald gewesen, wo es letzens gebrannt hat. Vorne am Weg die Schneise, die die Feuerwehr geschlagen hat. Alles vertraut und anders. Ein Waldstück, wo wir nicht so oft waren. Der Weg vorne in dunkler Erinnerung. Erinnerung verloren. Nicht wieder auszugraben. Wie die dunkle Erinnerung an einen Abstecher während einer Reise. Erinnerung an enge Straße mit kleinem Dorf, dessen Häuser überwiegend als Ferienhäuser genutzt werden. Will ich tot sein? Heute abend grad nicht. Bin auch ein wenig weniger müde als sonst. Verbranntes Holz. Ich habe bei einer Ausschreibung gewonnen. Das dritte Mal in meinem Leben, wo ich was gewonnen habe. Es hat mich gefreut, auch wenn ich diese Arbeit jetzt auch noch an der Backe habe. Trotzdem: Wettbewerbe gehören abgeschafft. Preise gehören abgeschafft. Generell. Überhaupt. Konsequent. Jurys gehören abgeschafft. Die Studiengänge Kuratieren gehören abgeschafft. Und Kunsthistoriker*innen sind die natürlichen Feinde des Künstlers. Aber das ist ein  ganz anderes Thema. 😉 Die Mysterien finden am Hauptbahnhof statt. Oder im Badesee.

Wir fällen schon mal vorsichtshalber die Bäume, bevor sie dem nächsten Waldbrand zum Opfer fallen.

  • 14.8.26 heute morgen, auf der suche nach 1 briefkasten: 3 postkarten, 2 auf dem fahrrad fahrende singende menschen, unabhängig voneinander, in mehrminütigem abstand, aber dieselbe richtung (irgendwann & irgendwo, somewhere, sometimes, finde ich 1 briefkasten, in den ich die 3 karten in 1 schwung 1-händig 1-werfe), danach: ein grauhaariger mann, der mit nacktem oberkörper die unzähligen blumen auf seinem balkon gießt, mit 1 gießkanne, will man das wissen (gierkanne wär auch 1 schönes wort)?

kleiner abendzynismus: die bäume werden gefällt, damit sie nicht irgendwann einem waldbrand zum opfer fallen

  • 13.8.26 die von wasservögeln zugeschissene plattform mit der skulptur drauf vor dem ostasiatischen museum in köln: lässt man das so, weil man eh keine chance hat gegen die vogelkacke und/oder lässt man das absichtlich, ist es vielleicht sogar ein gestaltungsprinzip, gibt man sich dem zufall hin, gibt es einen gestalterischen bezug zu den unzähligen punkten auf manchen keramiken, die ebenso zufällig wie absichtsvoll wirken?

Gestern in meinem Lieblingsmuseum KOLUMBA in Köln: Im letzten Raum (Raum 21) finden sich nur drei konzentriert aufeinander bezogene Werke: Das Künstlerbuch „Ein Jahrhundert der verletzten Männer“ von Bernhard Cella von 2022, „Die gefiederte Schlange“ von Paul Thek, 1969, und ein Ecce homo, lebensgroß aus Lindenholz aus Köln, 1460 – 1500. Für solche Kombinationen liebe ich dieses Museum. Aber noch besser: Mit uns zur selben Zeit angekommen: Ein junger Mann mit Kleinkind. Die ganze Zeit schon fällt er mir auf, wie er seinem Kind wie einem lebenden Hasen die Bilder erklärt. Nun komme ich in die Nähe eben dieses Raums 21 und eben dieser Mann steht, das Kind im Umwickeltuch vor die Brust haltend, Auge in Auge vor dem hölzernen Christus. Leider konnte ich nicht schnell genug das Skizzenbuch zücken, um diese Begegnung festzuhalten. Es hätte wahrscheinlich auch gestört. Ein Moment der Stille und der angehaltenen Zeit. Der geschundene Lindenholzchristus und eine männliche Madonna mit Kind aus Fleisch und Blut. Ebenso bewegungslos wie sein Gegenüber. Auge in Auge. Form in Form. Ebenso lebendig.

Ein Saarbrücker Künstlerkollege, der manchmal erwähnt, dass ihn die Leute fragen, warum er immer so düster und dunkel male, und er dann immer antworte: guck dir die Lage der Welt doch an …

Nachvollziehbar. Aber ob das wirklich stimmt?

Kommt das Grauen (sic!) nicht in Farbe?

3 minuten gehirnwäsche

nicht alle ostdeutsche sind ja ostdeutsche. und nicht alle wessis wählen afd. manche aber doch. sowohl. und als ob. tun so als ob. 17% aller deutschen trauen der regierung keine entscheidende gestaltende kraft mehr zu. oder so ähnlich. hab ich das geträumt, wie letztens das mit meinen psychologischen altresten? oder stimmt das wirklich? und wenn ja, dann sage ich es auch: es geht wirklich abwärts mit diesem land, wenn die dummheit so pandemisch zunimmt! geht es uns denn allen viel zu gut, so dass wir gar nicht mehr wissen, wie gut es uns geht?  in deutschland funktioniert nichts mehr? ich bin heute aus spaß mit dem deutschland-ticket (das es tatsächlich gibt, es ist real existent, wir wissen zwar nicht wie lange noch, aber noch, und es ist bezahlbar, und es existiert) zum spaß ein bisschen zug gefahren, dort ist es kühl, es läuft die klimaanlage und ich kann unterwegs ungestört lesen, schlafen und sinnieren, ohne an andere arbeiten denken zu müssen. herumfahren und nirgendwo hin müssen. was ich sagen will: die züge waren fast pünktlich, alle anschlüsse haben geklappt. keine messerstecher unterwegs. zumindest heute nicht. und auch letztes jahr im wald, wo ich eine gestürzte radlerin aufgefunden habe, morgens, kurz vor 7, anruf beim notdienst, und keine 10 minuten stand der rettungswagen neben uns: MITTEN IM WALD! nix mehr funktioniert in deutschland. nur die köpfe der menschen funktionieren nicht mehr. WIR GEGEN DIE. DIE GEGEN UNS. eben ein post auf facebook: WIR füttern SIE und SIE bringen UNS um. ernstlich. schreiben die leute. DIE gegen UNS. Hier fängt der Fehler nicht an. Hier ist er schon ein fortgeschrittener Fehler. ich frage mich ernstlich, was in den köpfen der menschen passiert. warum sie sich dermaßen machtlos und zurückgesetzt fühlen. weiß das jemand? klar gibt es gesellschaftfliche verwerfungen, klar haben wir einen kanzler am werk, der weder ein homme de lettre ist, noch ausreichend spiegelneuronen gefressen hat. kann man das nicht nachträglich einwerfen, so wie vitamin D? diese woche war der erdüberlastungstag. abends ein telefonat mit einer bekannten, die gerade mit mann und kind aus dem urlaub in griechenland kam. pool am meer. (ist das nicht schon ein unhaltbarer non-sense). und natürlich sind sie da auch nicht hingeschwommen. und wenn man von hier aus fliegt, ist das ganze 2000,- € teurer als von stuttgart aus, aber der verkehr auf dem rückweg … ich selbst, der ich als klassischer autofahrer bis zum nächsten briefkasten meine internationale fortbewegungskarriere begonnen habe, fand trotzdem schon in den 80ern den aufkleber „baby on board“ pervers und gedankenlos. kind haben und autofahren ging für mich null. geht es auch heute eigentlich nicht. aber heute machen ja auch die fridays for future leute keine kompromisse mit ihren smartphones. auch hier eine lüge in die eigene tasche. (und ich schreiben hier auch meine texte nicht auf ein wölkchen, sondern in einen stromfressenden und irgendwie aufwändig gekühlten server). (immerhin höre ich parallel schallplatte und streame nix aus dem internetz). DIE MENSCHHEIT HAT ES VERDIENT, DASS SIE UNTERGEHT. ich war die woche bei der angiologin. keinerlei ablagerungen. scheiße. keine aussicht auf ein frühes dahinscheiden.

eben auf facebook entdeckt: ein gewisser Marc Hase postet oben stehenden Satz. Spontan möchte ich ihm antworten: Und die Schwimmer in diesen Jahren findest Du unter den Nicht-Schwimmern.

das internet ist ja lug und trug. wie elena ferrante schrieb: sieht sauber aus, ist es aber nicht. gestern abend hat ein zug auf der strecke zwischen st. ingbert und homburg einen brand ausgelöst. 8500 m² haben gebrannt laut SR. dabei sind auch neben der bahnstrecke verlegte kabel der bahn und auch von vodafone zu schaden gekommen.

seit gestern gab es in einem großteil des saarlandes bei allen vodafone kunden, so am I, kein internetz mehr.

und da haben wir es, und wir sollten es uns wie immer faustdick hinter die ohren malen:

all das wunderhübsche blablablubb von wegen: alles in der cloud, alles ständig und überall leicht und easy erreichbar, alles sofort und überall und sowieso nur ein leichter gedanke: lüg und trüg: alles superhandfestes material. und wenn man den stecker zieht, geht sowieso nix mehr.

ein lob also der digitalen patientenakte, die im falle eines falles … droff geschiss

I have a dream

Einer meiner Lieblingsalpträume geht ja so: plötzlich mitten in der Nacht fällt mir ein, dass ich in Mainz ja noch eine Wohnung gemietet habe. Ich habe es nur völlig vergessen. Ich bezahle die ganze Zeit unnötig die Miete und wer weiß, wie die Wohnung inzwischen aussieht. Ich war ja schon ewig nicht mehr dort. Und was der Vermieter dazu sagt.

Schon eine ganze Weile nicht mehr geträumt, diesen Traum.

Heute Nacht dann wieder, aber mit etwas anderem Schwerpunkt. War es bisher oft so real (und wegen des Zustands der Wohnung auch beschämend), dass ich manchmal zwischen Noch-Schlaf und Wirklichem-Aufwachen tatsächlich dachte, ich müsse gleich mal nach dem Kontoauszug sehen, so war es heute Nacht in dem Traum nicht der Geldaspekt, der einen Teil des Geschehens bestimmte. Im Gegenteil: ich kam in die Wohnung und es war zwar alles voll mit altem und vergessenem Material, aber nicht dreckig oder versifft. Es wuchs zwar überall kleinteiliges Grünmaterial, und an der Eingangstür war durch diesen Wildwuchs und die damit einhergehende Feuchtigkeit auch der Bereich des Türschlosses aufgedunsen und verbeult, aber ich fand sogar eine alte Hose, die mir noch passte und in derer linken Hosentasche noch 8 Euro in Münzen drin waren. Freude. Die Wohnung habe ich mir im Übrigen hell und freundlich erträumt. Und es gab eine Kiste, die wohlsortiert gefüllt war mit alten Eddings und massenweise kleinen und vollen Tuschefläschchen. Ich wollte gerade damit beginnen, das alles runterzubringen und zu verladen, als mir vor der Tür eine Mann und eine Frau entgegenkamen: Schön, dass wir sie endlich einmal antreffen, wir arbeiten für die Hausverwaltung: Sie scheinen ja schon länger nicht mehr hier gewesen zu sein! Die Nachbarn haben sich schon beschwert, dass es aus der Wohnung nicht ganz so gut riecht. Wir schnüffelten (auch ich), hielten unsere Nasen in die Luft, in Richtung Wohnung und auch in andere Richtungen: ich roch nichts. Die anderen behaupteten das Gegenteil. Auffallend auch: der Hausflur war voller Menschen, fast wie auf einem belebten Bürgersteig.

gestern am bahnhof in neunkirchen: ein vollverkleideter spiderman am bahnsteig. gewisse körperliche merkmale ließen darauf schließen, dass darunter allerdings ein spider-woman gesteckt haben könnte. auf alle fälle war das gesicht nicht zu erkennen wegen einer komplett-spiderman-maske. und das war irritierend. weil ich mich dabei ertappe, dass meine gedanken abschweifen in richtung: ist das jetzt lustig oder steckt darunter vielleicht ein potentieller attentäter/attentäterin? und massakriert uns selenruhig mit messer und maske? kann man sich wehren, wenn man es vorher ahnt? ein nicht erkennbares gesicht, dazu mit diesen großen augenlöchern macht unruhig. und ich denke sogar darüber nach, ob ich in denselben zug steigen soll, ob ich nicht übertreibe mit meiner übertriebenen reaktion und ob sie nicht vielleicht übertrieben ist. ich war dann etwas beruhigt, als eine junge frau den spiderman-woman um ein selfie gebeten und er/sie es nicht verweigert hat. lassen attentäter vorher noch selfies zu?

so weit sind wir schon, dass wir mit allem rechnen. und das, obwohl ich nicht ständig lanz und precht und noch schlimmeres an mich ranlasse.

lieber brecht als precht übrigens.

BEWEGUNG

Die Nazis nannten ihre Bewegung ja Bewegung. Mir war nie so richtig klar, wie wörtlich man das eigentlich verstehen sollte.
Und es ist, wie es oft ist: Da gibt es ein Buch schon länger, als es einen selbst gibt, was so ziemlich auf die meisten Bücher zutreffen dürfte, und dann liest man es irgendwann, in diesem Falle sogar relativ spät in seinem Leben, und dann entdeckt man Sätze, die einem quietschvergnügt eine Erkenntnis an die Hand geben, die einem die Augen und Gedanken öffnet, und die für andere schon seit 75 Jahren zwischen diesen Buchdeckeln zu entdecken war.
Wieso hat dies nur nie jemand erwähnt?
„Vergleicht man den totalen Herrschaftsapparat mit einem der vielen aus der Geschichte bekannten Staatsapparate, dann kann man ihn nur als strukturlos bezeichnen. Dabei vergißt man, daß nur ein Gebäude eine Struktur haben kann, daß aber eine Bewegung, nimmt man dies Wort so buchstäblich ernst, wie die Nazis es genommen haben, nur eine Richtung haben kann und daß jegliche gesetzliche oder staatliche Struktur für eine immer schneller in eine bestimmte Richtung sich bewegende Bewegung nur ein Hindernis ist. Die totalitären Beweungen repräsentieren bereits vor der Machtergreifung diejenigen Massen, welche in einem staatlichen Gebäude gleich welcher Natur nicht mehr zu leben bereit sind. …“ (S. 832)
Die totale Macht über jemanden erreichst du nur, wenn du ihm keine Ruhe gibst. Sobald sich die Bewegung in irgendwelchen Formen verlangsamt, festfährt, dann ist es wortwörtlich vorbei mit der Bewegung, es kehrt Ruhe ein – und Ruhe ist der Feind der Bewegung, ist Stillstand, ist Machtverlust. Denn in der Ruhe kommt der Mensch wieder zu sich. Beruhigt sich. Lässt sich nicht mehr total kontrollieren und bemächtigen.

Der totalitäre Staat (eigentlich wäre das schon ein Widerspruch an sich, da alleine schon die Idee des Staates dem Chaos der Bewegung entgegenläuft) muss also an der permanenten Wiederherstellung der Strukturlosigkeit arbeiten. Nur dann ist die Macht total.

Das ist interessant und lässt uns natürlich sofort auf unseren amerikanischen Freund Trump schauen. Was macht er mit uns? Eben tritt er den Iran-Krieg los, dann droht er wieder mal damit, Grönland zu annektieren, dann führt er Selensky im amerikanischen Fernseher vor, danach empfängt er ihn wieder ernsthaft, um dann wieder eine Rot-Sperre bei der Fußball-WM zurücknehmen zu lassen. Die zwischen Staaten geltenden diplomatischen Regeln werden außer Kraft gesetz (Arschloch J.D. Vance mischt sich in die Innenpolitik von Großbritannien und der Bundesrepublik Deuzschland ein, um die rechten Kräfte zu stärken, wer weiß, was da noch kommt, wenn Trump weg ist).
Eine permanente Unberechenbar- und scheinbare Strukturlosigkeit.
Yeah.
Keine weiß, wie man damit umgehen kann. Keiner weiß, was noch kommt.
So übt man Macht aus. So wird die Macht über die Welt totaler.

Und geht es uns im täglichen Klein-Klein nicht auch so?
So fern wir es zulassen, werden wir zugeballert mit Infos und noch mehr Infos.
Noch ne Mail. Noch eine Aufplopp-Nachricht.
Keine Zeit für Muße und Nachdenken und klare Sicht.

An anderer Stelle heißt es (S. 695): „Für den totalen Herrscher stehen die beiden Tätigkeiten des Schachspielens und der Kunst auf durchaus gleichem Niveau; in beiden ist der Mensch völlig von einer Sache absorbiert und gerade darum nicht vollkommen beherrschbar. Himmler hat nicht zu Unrecht den SS-Mann als den neuen Typus definiert, der unter keinen Umständen ‚je eine Sache um ihrer Selbst willen‘ tun wird.“

Sätze

Stolpere eben über einen Satz, den ich letztes Jahr zum „König ?“ geschrieben habe:

Der reale Kontrollverlust wird vermeintlich durch alternative Wahrheiten aufgelöst.

Ich nagel den hier nochmal ans Bord. Dieser Satz gehört unbedingt auch nach Friedrichsthal.

was oft fehlt ist einfach mal ein bisschen muße, ein bisschen einfach nur auf den blöden weiher starren, und dann kein selfie machen, oder doch ein selfie machen, was natürlich blöd ist, denn man sitzt ja mit dem rücken zum ufer, vom weiher also nix zu sehn außer ich selbst mal wieder

aus: 3 minuten gehirnwäsche, 3. juley 2026, 20uhr46 piss 20UHR52

nichts geh. nichts geht. rien ne vas plus und minus. es tromeelt auf mein ohr. ein tromeldar. und tromeldort. what you see is what you get. praph, noch prapher, prapho und prapha. superbraph. supergraf. weg. weg. weck. superbrav statt supergraf. weg. weg. weg. das beste ist das doppel-weg. warum muss das sein bloß sein. gestern haben wir ein foto gemacht, das fast aussah wie das foto, das wir vor 24 jahren gemacht haben. ist wirklich nix passiert? was ist wirklich sofort passiert? guck ich noch genauso blöt? ich bin weltmeiser in weiterentwicklung, automatischer rechtschreibung und zigarettenstummelbetrachtung. warum sagen die nix: es sind stummeln und keine murmeln, so in etwa. orthogeographie. wo wohne ich, wenn ich nicht bin? warum denken alle, dass ich zumülle, wenn ich alleine auf der welt bin? und das sagen menschen, die über andere sagen, dass sie keiner kenntete. kenntete und knetete. wie ging alles los: ein haus, ein hauch, ein dromedar.

samstag/fieber

auf dem heißen parkplatz sitzt im schatten des supermarktes ein junger mann im meditativen schneidersitz – er meditiert allerdings nicht, sondern unterhält sich mit einer jungen frau, die ihm, nicht im schneidersitz, aber interessiert gegenüber sitzt. autos fahren vorbei. menschen schieben ihre einkaufswagen. es könnte eine kritik sein. an uns allen und unserem lebensstil. neben ihm steht u.a. eine plastikflasche mit cola. flasche und falsche. die falsche flasche. es gibt nur falsches leben im falschen.

und es gab noch eine beobachtung heute morgen, die gut dazu gepasst hätte.

vielleicht fällt sie mir ja wieder ein.

korrektur:

EINUNDVIWERZIG KOMMA DREI GRAD WAR ES GESTERN HEISS, NICHT EINUNDVIERZIG KOMMA SECHS – WER MERKT DA NOCH EINEN UNTERSCHIED. (UND VIELE DENKEN, BEI DER afd GÄB’S SOWAS NICHT).

26.6.26 23uHR17 bis 23uhr32

sitze eben auf unserer kleinen terasse, es ist freitagabend, 23uhr11, immer noch sehr warm (heute war der heißeste tag mit 41,6° C oder so um den dreh), und ich hab eben ein honorar ausgerechnet und hab das laptop vor meiner nase und bin in einer dieser freitagabend-talkshows hängen geblieben und das hat meine erinnerung an meine mainzer nachtportier-zeit getriggert. das war 1994 – 96, auch da gab es oft warme, fast heiße sommerabende, an denen ich das hotel hüten musste und irgendwann den fernseher anschalten konnte und so zeug wegguckte, während ich auf der schreibmaschine vorher die rechnung getippt hatte und freitag abends glücklicherweise kaum menschen irgendein getränk oder noch schlimmer: gespräche aus der hotelbar wollten. das musste ich dann nämlich auch liefern. es war ruhiger an diesen hotelabenden. hier, wo ich 32 jahre später wohne, erkennt man den freitagabend am autoverkehr. es könnte eine ruhige nacht sein, was es lustigerweise unter der woche oft auch ist, aber freitags (und natürlich samstags) ist die landjugend unterwegs und muss ihre kraft durch geschwindigkeit ausdrücken. wohin man hier auch immer so schnell gelangen muss. ohne jetzt sentimental zu werden: an wochenenden, insbesondere auch samstags war es schön in unserem hotel. wir hatten unter der woche überwiegend geschäftsgäste und am wochenende ab und zu mal eine familie, die in den zdf fernsehgarten wollte. oder was anderes. da konnte man viel zeitung lesen. und notizen machen. und zwischendrin den frühstücksraum eindecken. das frühstück gehörte mit zur bezahlung. 100,- Mark die nacht für 10 stunden. irre. trotzdem kam man dann je nachdem manchmal auf 1600,- Mark im monat. Und damit und einem anderen job ließ es sich ganz gut leben. ich war ja spät dran mit allem: spät mit dem studium angefangen, mit 30 dann immer noch in diesem nachtportier job, und in der totalen krise, weil noch nix erreicht. wie sagte max ernst: ich bin froh, mich nie gefunden zu haben. und immer noch schwebt dieses ding über mir: aus dir darf nix werden. obwohl ich mich von so vielem befreit habe. es ist so interessant, aus welchem umfeld man kommt. was in der eigenen familie vorstellbar war und was nicht. welches selbstbild man von zuhause mitbekommen hat. und sich nicht davon lösen konnte, weil man sich noch nicht mal darüber im klaren war. heute mache ich so viele sachen, die in meiner familie undenkbar waren. die sich meine mutter immer noch nicht vorstellen kann. aber wäre anderes denkbar gewesen, dann wäre anderes denkbar gewesen. war es aber nicht.

früher hatte ich als ein lebensziel für mich immer definiert: nicht mit 70 irgendwo zu sitzen und gelegenheiten nachzutrauern, sondern das gefühl zu haben, alles probiert zu haben. und nicht über vertane chancen zu jammern.

aktuell weiß ich nicht, ob mir das gelingt.

bis 70 sind’s auch noch ein paar jahre.

weiß übrigens jemand, wo ich das buch: „Warten auf die Barbaren“ abgelegt habe?

 

PS: heute ist übrigens der 26.6.26

PPS: irgendjemand ist wahrscheinlich auch am 26.6.62 geboren …

PPPS: ich nicht.

3 minuten gehirnwäsche

hab ich mir doch vor jahren schon einen stempel gemacht: den humor verlieren. vor vielen vielen vielen jahren. in weisheitlicher voraussicht. denn schien es mir doch lange nicht so wirklich vorstellbar, so ertappe ich mich immer öfter dabei, ebensolches zu tun. aber einmal verloren, wo wiederfinden? es ist gar nicht so einfach weiterzumachen. sinn zu finden in einem tun, das einem jahrzehntelang das überleben gesichert hat. anarchischen überlebenswillen auszugraben, auszupacken und der welt entgegen zu halten. humor hat was mit intelligenz zu tun. aber man wird selbst auch immer dümmer. hineingezogen in den sog des allgemeinen abwärts. es gibt nur ein falsches leben im falschen? ich trete wasser, um die hitze zu überstehen. ich sprühe schilder gegen die anrollende scheiße. man sollte sich sisyphos als glücklichen menschen vorstellen? echt, ey, der hatte es wirklich einfach. nur der stein und ich. klar war der glücklich.