Letztens wurde es mir zugetragen: Sigurd Rompza, dem das Saarland-Museum gerade eine Ausstellung widmet, konnte mit Picasso nicht so viel anfangen: zu viele verschiedene Ansätze, keine wirkliche Kontinuität in der Arbeit. Nundenn. Aber interessant. Aber stimmt das denn überhaupt mit dieser Zutragerei? Spielt das eine Rolle, ob es mir richtig zugetragen wurde oder nicht? Wie auch immer, irgendjemand konnte Picasso aus dem Grunde der Nichtkontinuität nicht leiden. Mir fallen eine Menge anderer Gründe ein. Und man sollte vielleicht auch Mensch und Kunst unterscheiden? Was wiederum ein anderes großes Thema ist. Ob das geht, wenn jemand ein Ekelpaket ist. Kann man dann seine (oder ihre) Kunst gut finden. Zumindest teilweise? Ein weiteres weites ausgedehntes, nicht geklärtes und vielleicht auch nicht klärbares Feld.
Jetzt aber retour, da capo al fine, quasi, denn, wenn ich mich recht erinnere, war es mal wieder Canetti (bei mir ist es immer irgendwie Canetti, auch wenn ich das Zitat niemals wieder gefunden habe), der gemeint hat, es gäbe in der Kunst vor allem – und noch blöder: jetzt weiß ich noch nicht mal mehr, welche Begriffe er genau gebracht hat – es gäbe in der Kunst vor allem zwei Sorten Künstler*innen: die Eindampfer (so will ich das mal nennen), diejenigen, die also ein Thema, bestenfalls ihr Thema, formal ein Leben lang dermaßen eindampfen, dermaßen reduzieren und zuspitzen, dass sie zu einer Essenz gelangen. Zumindest scheint das ihr Wunsch, Ziel und Begehr. Die Kunst des Bogenschießens, wie es die Japaner lehren. Oder Tai Chi oder oder. Konzentration, Kontemplation. Selbstvergessenheit im Einköcheln des Themas und seiner interessant erscheinenden Form. Und es gibt die Chaotiker, Synthetiker, Beobachter, die die Welt wahr- und aufnehmen und alles auf unterschiedlichste Art und Weise wieder neu zusammensetzen. Die ihr Thema (von mir aus auch im Plural) auf immer wieder neue Art und Weise umkreisen und umzingeln, um es sich greifbar und dingfest zu machen. Die Welt auf diese Art zu begreifen versuchen. Dasselbe auf immer wieder neue Art sagen. Und vielleicht bleibt es dann ja auch nicht „dasselbe“. Dies kann dann formal unkonsequent erscheinen, gleichzeitig aber nicht weniger konsequent sein, als das formale Eindampfen. Und nicht zu vergessen, die ganzen Formen dazwischen. Was ist mit jemandem wie Gerhard Richter? Geht es hier nicht in letzter Konequenz um die Fragen, was alles ein Bild sein kann und was alles auf diese Weise sagbar ist? Ach.
Und ist Eindampfen vielleicht doch ein blödes Wort für das, um was es hier eigentlich geht? Wer weiß ein besseres?
(Ich für meine Person finde viele Picasso-Werke famos, insbesondere viele aus dem zeichnerischen Bereich. Und auch einige plastische Arbeiten sowieso. Es gibt aber auch viele Werke, die finde ich unglaublich unerträglich, unerträglich misslungen, redundant und überflüssig. Ich hätte mich mit ihm menschlich wahrscheinlich null verstanden, weil ich ihn wahrscheinlich einfach zu testosteronlastig empfunden und ihn alleine körperlich unerträglich gefunden hätte. Und natürlich ist seine Haltung Frauen gegenüber ein absolutes No-Go. Viele Arbeiten von Sigurd Rompza finde ich unglaublich interessant und pfiffig als Position der Kunstrichtung, die er hauptsächlich vertritt. Das nur so als kleinliche Ergänzung dieses kleinen Einwurfs auf einen Zuwurf, ob er nun inhaltlich gestimmt hat oder nicht.)