ORLOG

Orlog ist das niederländische Wort für Krieg. Es wird fast ausgesprochen wie das deutsche Ohrloch. Was natürlich etwas völlig anderes ist. Arschlöcher führen Kriege, Ohrlöcher eher nicht. Im Vergleich sind Ohrlöcher also fast etwas friedliches. Ich hab keins. Ich weiß nicht, in wie weit es schmerzt, wenn man sich eines stechen lässt. Den Schmerz eines Krieges können wir Friedensgeneration uns auch kaum vorstellen. Und wollen das auch nicht erleben.

Der Zeichnung ORLOG READYMADE geht eine kleine Diskussion voraus. Vielleicht nennen wir es auch einfach Briefwechsel. Wenn es auch auf einem elektronischen Messenger-Dienst stattgefunden hat (nicht WhatsApp) statt auf Papier. Und dieser kleine Gedankenaustausch (noch ein besseres Wort) versuchte ein wenig, die ein oder andere Angst oder Nicht-Angst zu beschreiben und die politischen Dinge, die uns so umgeben, einzuordnen.

Was natürlich immer schwer ist, wenn man in einer historischen Situation drinsteckt, was man natürlich immer tut, manchmal mehr, manchmal weniger bedrohlich. Was nun richtige politische Einschätzungen und Entscheidungen sind, wie sich bestimmte Situationen weiterentwickeln oder überhaupt entwickeln: Es ist nur selten wirklich vorherzusagen.

Wie auch immer: Das Gegenüber dieses kleinen Gedankenaustauschs will diese nun bildnerisch umsetzen. Eine Landschaft, in deren Vordergrund eine durch Panzerspuren aufgewühlte und zerstörte Landschaft zu sehen ist. Ein guter Plan, wie ich finde.

Ich habe am Montagabend dann um das Schmierblatt gebeten, auf dem die Farben (vulgo: Grautöne) angemischt und ausprobiert wurden, weil ich dachte: Da ist schon eine ganze Menge von dieser Stimmung drin. Ein Readymade quasi. Wobei ich spontan zwei kräftigere Farbablagerungen mit einem Stück Karton von rechts nach links verwischt habe. Und dann war’s für mich fertig.

Ein Krieg. Bereits fast fertig. Und das würde in etwa die Argumentation meines Gegenübers treffen. Nicht meine. Aber ich habe sie mir bildnerisch zu eigen gemacht. Um die Blickrichtung einzunehmen. Um selbst den Standpunkt etwas zu verschieben. Um anders auf die Dinge zu schauen.

 

aus dem Kontext gerissen:

Gestern in der ZEIT vom 8.10. folgendes gelesen in einem Artikel, in dem sich die Autorin einem Selbstversuch ausgesetzt hat, ohne Smartphone auszukommen.

„Tatsächlich konnten die Wolfs zeigen, dass die Gehirnstruktur von Menschen, die ihr Smartphone exzessiv nutzen, denjenigen von Alkoholikern ähnelt. In der linken anterioren Insula, im inferioren Temporallappen und im parahippocampalen Kortex – Regionen, die unter anderem mit Selbstwahrnehmung, Emotionsverarbeitung und dem Gedächtnis zu tun haben – fehlt es den Betroffenen an grauer Hirnsubstanz. …“ (Hervorhebung von mir).

Liegt hier die Crux des ganzen Soziale Medien Wahnsinns? Die ganze menschliche Dummheit steigert sich einfach nicht nur durch die Blubber-Wahrnehmungsblasen, in denen sich alle bewegen, sondern es gibt auch einen physischen Verblödungsmove?

Die Menschheit hat es verdient, dass sie endlich untergeht.

 

Gestern ein wunderbares Interview geführt. Und das Gefühl gehabt, tatsächlich ab und an auch eine gar nicht mal so dumme Antwort gehabt zu haben. Meist denkt man ja nachher: das hätte man besser sagen können.

Ein Interview zu führen ist eine gute Schule, sich nicht fremd zu schämen. Man kann sich direkt, unverblümt und ohne Umwege direkt für sich selbst schämen.

Vielleicht wäre das ja ein Ansatz für eine kleine Verbesserung der Welt.

Kritik

Da hatte doch letztens während unseres Freistil_Festivals in der Völklinger Hütte mein Kollege Sebastian Müller-Bech eine Wiederauferstehung von Joseph Beuys gefeiert. Ich war gespannt, weiß ich doch, dass Sebastians Einschätzung der aktuellen innenpolitischen Lage eine andere ist als meine. Und ich fand es schwierig, diese seine Performance. Das Kostüm von Beuys stand ihm gut. Das kam sehr glaubwürdig rüber. Aber wenn der erste Satz bereits schon lautet, Beuys in den Mund gelegt, aber zutiefst Sebastians Überzeugung entsprechend: „Wir wissen alle, dass wir nicht in einer Demokratie leben“, dann schließt sich bei mir bereits eine Tür. Natürlich leben wir in einer Demokratie. Wir leben nicht in einer Diktatur, wir leben nicht in einer Tyrannei und nicht in einer Anarchie. Es zeigt sich allein daran, dass jedem, der diese Last auf sich nehmen will und der die entsprechenden Opfer zu bringen bereit ist, der Weg in politische Entscheidungsgremien offen steht. Prinzipiell. Die Frage ist: Ist das eine Form der Demokratie, die mir gefällt? Funktioniert das nach so vielen Jahren weiterhin, dass ich alle paar Jahre meine Stimme abgebe und mich dann kaum noch einmische oder denke, mich kaum noch einmischen zu können? Gäbe es auch andere Möglichkeiten? Ja, die gibt es natürlich, zum Beispiel das ostbelgische Modell, wo zusätzlich zu dem gewählten Parlament ein Bürgerrat bestimmt wird, der zyklisch Bürgerversammlungen einberuft, um über eine vom Bürgerrat festgelegte Fragestellung zu beraten und politische Empfehlungen zu formulieren. Das ist interessant, wird getestet und wissenschaftlich begleitet. Wenn man den Demokratiebegriff bemüht, dann weiß man auch, dass im alten Griechenland das Stimmrecht auch auf wenige beschränkt war. Generell ist es ein guter Plan, über Veränderungen des bestehenden Systems nachzudenken. Sebastian alias Joseph stellt die Frage in den Raum: Wer von Euch wäre für direkte Demokratie, direkte Volksabstimmungen wie in der Schweiz, beispielsweise? Als wäre das das Super-Duper-Allerheilmittel. Natürlich hat Joseph Beuys damals die Organisation für direkte Demokratie durch Volksabstimmung mitbegründet. Er war dann später aber auch Mitbegründer der Grünen Partei, die ihren Weg in die traditionelle Parteien-Demokratie finden sollte. In der oft ein wenig populistisch geforderten direkten Demokratie durch Volksabstimmung steckt in meinen Augen aber ein gehöriger Anteil an Naivität. Oft werden diese Forderungen aktuell vorgetragen von Mitmenschen, die in der Corona-Zeit an den getroffenen Maßnahmen gelittet, sie nicht gut gefunden und unter ihnen gelitten haben. Die Naivität beruht in meinen Augen nun darin, dass von der Annahme ausgegangen wird, dass, hätte man nun die direkte Volksabstimmung zu bestimmten Themen, dies immer so ausgehe, wie man selbst abstimmen würde. Denn an der menschlichen Vernunft gibt es ja keinen Zweifel. Und das meine Meinung zu dem Thema ja die vernünftigste ist, auch nicht. In einer Zeit, wo, aktuell auf den Tag, 30% der bundesdeutschen Wähler bei einer Bundestagswahl die AfD wählen würden, ich hoffe, doch wenigstens überwiegend aus Protest und in Unkenntnis oder Ignoranz dessen, was diese Partei eigentlich will, was es allerdings nicht besser macht, dann habe ich doch allerherzlich wenig Vetrauen in Urteilsvermögen und Vernunft meiner Mitmensch*innen. Und darüber hinaus, in einer Zeit, wo die Einflussnahme durch die sogenannten sozialen Medien größer ist als je und alles und jedes behauptet und geglaubt wird, dann wird es mir bei kollektiven Abstimmungen mehr als angst und bange. Und natürlich kommt es immer auch auf die Fragestellung an, über die abgestimmt wird.

Ich persönlich wäre für andere Lösungen. Was alles in Richtung Bürgergremien geht, was ja auch getestet wird. Was aber auch entsprechendes Engagement der ausgelosten Bürger*innen voraussetzt und irgendwann auch mehr, als nur Empfehlungen aussprechen zu dürfen.

Wollt Ihr die Todesstrafe für Kinderschänder?

Wollt Ihr weiterhin Verbrenner-Autos fahren?

Wollen wir weg von fossiler Energie?

Wollen wir wieder billiges Gas aus Russland?

Es wird ja immer gerne die Schweiz als Beispiel genannt. Es gibt in der Schweiz durchaus Gesetze, auch in Bezug auf geflüchtete Menschen, für die sich auch in der Schweiz manche schämen. Klar kann man sagen, wenn die SVP jetzt dies oder jenes will, dann muss darüber vor einer Abstimmung entsprechend auch argumentiert werden. Kein schlechtes Ding, eigentlich. Und das Verhalten der Schweiz ggü. schutzsuchenden Menschen aus Deutschland z.B. während der Nazi-Diktatur war auch nicht ganz so rühmlich. (Gab es über diese Politik Volksabstimmungen?)

Also: Wollt Ihr die Todesstrafe für Kinderschänder?

Ich kenne einige, die hier für JA stimmen würden.

Jetzt nochmal zurück zu Sebastian Müller-Bech und seiner Beuys-Wiederbelebung. Ich fand den Abend fast unerträglich. War ständig hin- jund hergerissen, mich einzumischen, auf die Fragen, die ans Publlikum gestellt waren, zu antworten, mich aufzuregen und schlimmstenfalls den Abend platzen zu lassen. Ich saß dann aber da und habe mich entschieden, dies alles nicht zu tun, sondern diese Meinung anzuhören und auszuhalten. Für mich war es vor allem eine Meinung, vorgegeben als Meinung eines verstorbenen und zu Lebzeiten streitbaren Künstlers, in sofern war es für mich ein postumer Mißbrauch dieser Figur. Es geht nicht um Beuys, sondern es geht um meine Meinung als Sebastian Müller-Bech. Und damit es glaubwürdiger wird, lege ich sie Beuys in den Mund. Ich kann die wahrscheinlich grundlegende Idee dahinter durchaus verstehen: Damit es glaubwürdiger wird, hole ich mir Meinungsverstärkung durch eine bekannte streitbare Figur. Aber es so hinzustellen, als würde Beuys heute genau das sagen und denken, was SMB heute sagt und denkt: no way.

“ Nicht die Dinge verwirren den Menschen, sondern die Ansichten über die Dinge.“ (Epiktet)

„Wir müssen alle viel mehr lachen.“ (Joseph Beuys) – JA, an diesem Punkt stimme ich überein!

Und noch ein Beuys-Zitat (angeblich an einen seiner zahlreichen Schüler gerichtet): „Jeder Mensch ist ein Künstler. Nur du nicht.“ 😉

HEUTE KÖNNT IHR EUCH WIEDER DIE MENSCHEN OHNE PARKPLATZ ANGUCKEN STOP IM SALI E TABACCHI FELDMANNSTRASSE 144 STOP SAARBRÜCKEN STOP ICH SELBST BIN DORT UND MACHE AUFSICHTSPERSON STOP AUCH ERKLÄRPERSON STOP ICH WERDE AUCH GARANTIERT NIEMANDEN ERQUICKEN STOP

time runs dabber oder: mühsam nährt sich das eichhörnch’n

mittwochabend: probe in der erzhalle in völklingen – STOP – donnerstagabend: probe im TIV in saarbrücken – STOP – freitagabend: aufführung im TIV in saarbrücken – STOP – heute: parking day und eröffnung der ausstellung „menschen ohne parkplatz“ in saarbrücken, galerie sali e tabacchi, 16 uhr, felmanstraße 144 – STOP – sonntag, 20 uhr, erzhalle: aufführung „orpheus‘ unterwelt“ in der erzhalle der völklinger hütte – STOP – dazwischen noch all die anderen sachen – STOP – am 29. fahr ich nach köln, um ein vogelbild zu signieren – STOP –

ps: das buch „unendliche postkarte“ von daniela daub ist auch jetzt offiziell erschienen, könnt ihr kaufen, edition federleicht, und am 25.9. gibts dazu die vernissage in der büchergilde in wiesbaden (da bin ich aber nicht, da ich keinen klon gefrühstückt habe), aber bei der finissage am 14.11. bin ich dort vor ort

aus gegebenen zwei Anlässen:

Es hat mich gestern beschäftigt. Und heute morgen lese ich eine Antwort auf einen Einwurf von mir auf facebook. Gestern war der Tenor: „Ich weiß gar nicht mehr, wen ich wählen soll, zwischen der Nachfolgepartei der Nazis und den Kriegstreiber-Parteien gibt es ja keine wirkliche Wahl.“ Ich muss sagen, dass ich über diese Aussage zutiefst erschüttert war.

Mir geht es anders. Die AfD zeigt hat mich umso mehr sicher gemacht, wen ich wählen kann und wen nicht. Und ich sehe hier auch keine Kriegstreiberei. Deshalb hier kurz meine Antwort aus facebook von heute morgen:

Es gibt in meinen Augen eigentlich vor allem zwei Kriegstreiber. Der eine sitzt in Washington und der andere in Moskau. Auch keiner von denen zieht selbst in den Krieg. Das machen die nie, kein Hitler, keiner von den Hamas-Bossen etc. ppp. Auch die ganzen Napoleons standen halbwegs sicher am Rande des Geschehens, auch wenn die anderen sterben mussten. Ich denke, das was vielen bei uns im Land derzeit aufstößt bei den ganzen Militärausgaben, sind zu allererst diese Ausgaben natürlich. Aber ich sehe das auch im Zusammenhang damit, dass wir bisher ganz gut damit und davon gelebt haben, dass wir uns darauf verlassen konnten, dass im Falle eines Falles, die USA ihren Kopf und ihre Leute für uns hingehalten hätte. Da haben wir aber jetzt den kriegstreiberischen Wackelkandidaten (und vermutlich auch seine Nachfolger, falls Vance und Co. ihm nachfolgen sollten, die ich auch nicht für wirklich besser halte), der das nicht mehr will. Das heißt: was tun? Sich darauf vorbereiten, dass man sich vielleicht tatsächlich irgendwann verteidigen muss? Oder es lassen? Falls man es lässt und es zum Ernstfall kommen sollte, wird das Geschrei noch größer sein. So ähnlich wie mit den ungeliebten Corona-Maßnahmen. Ich stelle mir immer noch vor, wie es gewesen wäre, die Regierung hätte die Maßnahmen damals nicht so rigoros beschlossen und die Leute wären bei uns weggestorben wie die Atzeln wie das in Norditalien am Anfang der Fall war. Was wäre das ein Aufschrei gewesen. Es sind klassische Lose-lose-Situationen. Was du machst ist falsch. Und natürlich wirst du Fehler machen, denn die Situation ist neu und unüberschaubar. Ob es uns oder mir gefällt: ein Verteidigungsminister, der seine Aufgabe ernst nimmt, muss eigentlich so reagieren und handeln, sonst handelt er verantwortungslos. Was wäre die Alternative? Ich bin auch in der Zeit aufgewachsen von atomarer Hochrüstung, NATO-Doppelbeschluss etc. ppp. Das hat mich damals auch sehr bewegt und beschäftigt. Aber es gab 1982 den Falkland-Krieg, anfang der 90er die Balkankriege und alles das, was nach dem September 2001 folgte. Das was damals begonnen hat und für mich unverständlich war: Dass beim Falkland-Krieg ein mitteleuropäisches zivilisiertes Land einen Krieg führt, war plötzlich Tatsache. Die Machtverhältnisse haben sich extrem verändert. Und ich wundere mich (ich hatte gestern ein vergleichbares Gespräch), dass unsere Leute, die sich ihrer Verantwortung stellen, als Kriegstreiber empfunden werden, während es immer noch Leute gibt, die behaupten, Putin habe sich doch nur verteidigt. Bei allem, was hier bei uns in die Bundeswehr gesteckt wird (was man jahrelang genauso wie Straßenbau, Eisenbahnnetz, Schulen, Infrastruktur verabsäumt hat), sehe ich bei uns keine Kriegstreiberei. Eher mal ein Wahrnehmen einer Situation einer möglichen Bedrohung, vor der man jahrelang die Augen verschlossen hat. Wollte man nicht sehen, hat man nicht gesehen. Will man immer noch nicht sehen. Wie gesagt: mir gefällt das auch nicht. Aber es ist keine deutsche Kriegstreiberei aus Lust an der Kriegstreiberei, sondern eine ungeliebte Reaktion auf eine Scheiß-Weltlage. Und ein Arschloch in Moskau. LG

Gestern in meinem Lieblingsmuseum KOLUMBA in Köln: Im letzten Raum (Raum 21) finden sich nur drei konzentriert aufeinander bezogene Werke: Das Künstlerbuch „Ein Jahrhundert der verletzten Männer“ von Bernhard Cella von 2022, „Die gefiederte Schlange“ von Paul Thek, 1969, und ein Ecce homo, lebensgroß aus Lindenholz aus Köln, 1460 – 1500. Für solche Kombinationen liebe ich dieses Museum. Aber noch besser: Mit uns zur selben Zeit angekommen: Ein junger Mann mit Kleinkind. Die ganze Zeit schon fällt er mir auf, wie er seinem Kind wie einem lebenden Hasen die Bilder erklärt. Nun komme ich in die Nähe eben dieses Raums 21 und eben dieser Mann steht, das Kind im Umwickeltuch vor die Brust haltend, Auge in Auge vor dem hölzernen Christus. Leider konnte ich nicht schnell genug das Skizzenbuch zücken, um diese Begegnung festzuhalten. Es hätte wahrscheinlich auch gestört. Ein Moment der Stille und der angehaltenen Zeit. Der geschundene Lindenholzchristus und eine männliche Madonna mit Kind aus Fleisch und Blut. Ebenso bewegungslos wie sein Gegenüber. Auge in Auge. Form in Form. Ebenso lebendig.

Ein Saarbrücker Künstlerkollege, der manchmal erwähnt, dass ihn die Leute fragen, warum er immer so düster und dunkel male, und er dann immer antworte: guck dir die Lage der Welt doch an …

Nachvollziehbar. Aber ob das wirklich stimmt?

Kommt das Grauen (sic!) nicht in Farbe?

Ilko-Sascha Kowalczuk

eben in der wochentaz das Interview mit Ilko-Sascha Kowalcuk gelesen.

Wir haben es mit einer Bewegung zu tun, deren Ziel ein faschistischer Staat ist. Gleichzeitig leben wir in einer Gesellschaft, in der es historisch betrachtet noch nie so viel Wohlstand und Freiheitsrechte für alle gab,

…

Die Vorstellung traf ein völlig anderes Staats- und Gesellschaftsverständnis im Westen, als es im Osten eintrainiert wurde. Die Bundesrepublik war nach dem Bruch von 1945 allmählich liberal geworden – die DDR blieb von 1949 bis 1989 diktatorisch und extrem autoritär. Die Einzelnen und die Gesellschaft sahen sich im Westen als Korrektiv staatlicher Maßnahmen. Man musste sich einbringen und teilhaben. Etwas, das im Osten von Anfang an nicht ging.

…

Das Leben in einer Diktatur scheint so vielen rückblickend tausendmal einfacher als in der Demokratie. Hier musst du dich um vieles kümmern, während in der Diktatur alles für dich geplant und geregelt wurde. Die meisten meiner Altersgenossen im Osten haben überhaupt nicht mitbekommen, dass sie in einer Diktatur lebten. Sie liefen einfach mit. … Und wenn du nichts mitbekommst, ist die Vergangenheit ein schöner Ort. Anders als die chaotische Gegenwart.

 

…

 

Wie gesagt, die meisten haben die DDR nicht als Diktatur wahrgenommen, auch nicht als Homunculus des Kremls. Das zeigt sich bis heute in der ignoranten Haltung gegenüber der überfallenen Ukraine. Der westliche Liberalismus bleibt der Feind, der Kreml der natürliche Verbündete.

 

…

… aber auch Demagoginnen wie Wagenknecht verbreiten unentwegt schlechte Nachrichten. Eine Katastrophe jagt die andere. Immer ist Weltuntergang. … Positive Nachrichten entziehen Faschisten die Geschäftsgrundlage.

eben auf facebook entdeckt: ein gewisser Marc Hase postet oben stehenden Satz. Spontan möchte ich ihm antworten: Und die Schwimmer in diesen Jahren findest Du unter den Nicht-Schwimmern.

das internet ist ja lug und trug. wie elena ferrante schrieb: sieht sauber aus, ist es aber nicht. gestern abend hat ein zug auf der strecke zwischen st. ingbert und homburg einen brand ausgelöst. 8500 m² haben gebrannt laut SR. dabei sind auch neben der bahnstrecke verlegte kabel der bahn und auch von vodafone zu schaden gekommen.

seit gestern gab es in einem großteil des saarlandes bei allen vodafone kunden, so am I, kein internetz mehr.

und da haben wir es, und wir sollten es uns wie immer faustdick hinter die ohren malen:

all das wunderhübsche blablablubb von wegen: alles in der cloud, alles ständig und überall leicht und easy erreichbar, alles sofort und überall und sowieso nur ein leichter gedanke: lüg und trüg: alles superhandfestes material. und wenn man den stecker zieht, geht sowieso nix mehr.

ein lob also der digitalen patientenakte, die im falle eines falles … droff geschiss

nachtrag

falls sich eine sz-leser*in auf diese seite verirren sollte nach dem heute erschienenen artikel: die vogel-serie ist nicht so wichtig, wie es in dem bericht vielleicht rüberkommen mag. und wenn man auf den von mir auf dem foto präsentierten vogel schaut, dann sieht man dort die wörter: je doute de tout.

ja, so isses. das motto eines alten fluxus-artisten, das ich sehr schätze.

und epiktet natürlich: nicht die dinge verwirren den menschen, sondern die ansichten von den dingen.

farewell.

(heute werden es wieder 40°.)

Celsius!

 

 

 

gestern am bahnhof in neunkirchen: ein vollverkleideter spiderman am bahnsteig. gewisse körperliche merkmale ließen darauf schließen, dass darunter allerdings ein spider-woman gesteckt haben könnte. auf alle fälle war das gesicht nicht zu erkennen wegen einer komplett-spiderman-maske. und das war irritierend. weil ich mich dabei ertappe, dass meine gedanken abschweifen in richtung: ist das jetzt lustig oder steckt darunter vielleicht ein potentieller attentäter/attentäterin? und massakriert uns selenruhig mit messer und maske? kann man sich wehren, wenn man es vorher ahnt? ein nicht erkennbares gesicht, dazu mit diesen großen augenlöchern macht unruhig. und ich denke sogar darüber nach, ob ich in denselben zug steigen soll, ob ich nicht übertreibe mit meiner übertriebenen reaktion und ob sie nicht vielleicht übertrieben ist. ich war dann etwas beruhigt, als eine junge frau den spiderman-woman um ein selfie gebeten und er/sie es nicht verweigert hat. lassen attentäter vorher noch selfies zu?

so weit sind wir schon, dass wir mit allem rechnen. und das, obwohl ich nicht ständig lanz und precht und noch schlimmeres an mich ranlasse.

lieber brecht als precht übrigens.

Ich denke da oft dran, aber ich erwähne es selten, weil es irgendwie so selbstverständlich die Mainzer Schule ist, die ich durchlaufen habe: Kein Strich ohne Bedeutung.
Alles, was auf dem Papier ist, erfüllt seinen Zweck und ist Teil des Inhalts und des Ausdrucks.

Je älter man wird und je mehr Zeichnungen man gemacht hat, desto näher kommt man dem vielleicht.
Das wär cool.
Und dann hätte das alles doch ein bisschen einen Sinn ergeben.

vorankündigung

ES erscheint am 14.9.26. Gestern kam das Layout vom Verlagsprospekt.

Ich finde das immer irre, wie sich die Sachen von einem entfernen:
Ich sehe das Cover und kapiere erst im dritten Schritt, dass das Bild von mir ist.
Als wäre es jemand Fremdes, aber unendlich vertraut und sympathisch.

bevor ich’s vergesse:

Als Möglichkeit der Illustration könnte man auch einzelne Sätze aus dem Buch nehmen und von Hand schreiben und quasi nochmal explizit aus dem Text rausnehmen. Wäre auch was für Hannah Arendt.

Oder auch für Friedrichsthal.

so wie hier bei diesem unabhängig entstanden Blatt in etwa:

oder wie hier: