• 14.8.26 heute morgen, auf der suche nach 1 briefkasten: 3 postkarten, 2 auf dem fahrrad fahrende singende menschen, unabhängig voneinander, in mehrminütigem abstand, aber dieselbe richtung (irgendwann & irgendwo, somewhere, sometimes, finde ich 1 briefkasten, in den ich die 3 karten in 1 schwung 1-händig 1-werfe), danach: ein grauhaariger mann, der mit nacktem oberkörper die unzähligen blumen auf seinem balkon gießt, mit 1 gießkanne, will man das wissen (gierkanne wär auch 1 schönes wort)?

kleiner abendzynismus: die bäume werden gefällt, damit sie nicht irgendwann einem waldbrand zum opfer fallen

  • 13.8.26 die von wasservögeln zugeschissene plattform mit der skulptur drauf vor dem ostasiatischen museum in köln: lässt man das so, weil man eh keine chance hat gegen die vogelkacke und/oder lässt man das absichtlich, ist es vielleicht sogar ein gestaltungsprinzip, gibt man sich dem zufall hin, gibt es einen gestalterischen bezug zu den unzähligen punkten auf manchen keramiken, die ebenso zufällig wie absichtsvoll wirken?

typen

gestern dachte ich: es gibt auch den typus des feldherren: das menschenmaterial spielt keine rolle, richtig und falsch spielen keine rolle, hauptsache das ziel wird erreicht

tagessätze

erschreckender gedanke: wenn man alice-weidel-portraits machen will, um sie aus sich rauszukotzen, dann heißt das im umkehrschluss auch, dass sie in einem drin ist – sie sind alle in einem drin, sie okkupieren uns alle

die lehrerin, die ihre schülerin, die gerade eine seerose gepflückt hat, zurechtstutzt, das mache man nicht, die blume gehöre doch nicht ihr (was die schülerin zurecht kontert mir: gehört sie vielleicht ihnen?), sie ihr aus der hand reißt und wieder in den teich zurückwirft, als wäre es unnützer müll: eine kleine, aber interessante szene, anstatt zu sagen: steht unter naturschutz, darf man eigentlich nicht und der schülerin die freude an der blüte zu lassen trotz des ungewussten verstoßes und zu sagen: das nächste mal weißt du das, hat auch die lehrerin keinen gedanken daran, keine idee und vorstellung und wirft die blume als müll zurück, als wäre dadurch alles wieder heil: situation gerettet, nein, nix gerettet, heul, eigentlich und blüte unnütz zerstört in zweifachem sinn.

tagessatz (letztens abends)

15.5.26 ein hündchen im dino-kostüm, eine frau am müllcontainer, deutlich dem hund zugehörend und die das alles auch schön findet, ein monotoner mäh-roboter, im dino kostüm, ebenso (das wäre ja auch vorstellbar (wieso ist noch nie jemand auf die idee gekommen, seinem mähroboter ein dinokostüm???)) = falsche atavismen im zeitalter falscher gefühle (war das nicht die definition von „kitsch“ das mit den falschen gefühlen (?), aber laut milan kundera ist kitsch ja die „verleugnung der scheiße“), im zeitalter falscher zukunftsvorstellungen also, auf dem trainingsplatz nebenan mehr bälle als spieler, wie zeichnet man das geräusch von torschüssen (?) – – – und jetzt, jetzt erst fällt es auf: kein einziger torwart weit und breit!

stöbere eben ein wenig in meinen „tagessätzen“. entdecke den vom 30.11.2016:

wenn es niemanden interessiert, was du tust, existierst du dann – wenn es nur ein paar interessiert, was du tust, existierst du dann ein wenig mehr – wenn es alle interessiert, was du tust, was dann???

aus: tagessätze

  • 12.5.26 die mähroboter des kunstgeschehens, sie mähen am abend und sie mähen am morgen, sie rasen und sie singen ihre bunten mähgesänge, solange bis wir zerfallen, so lange bis wir zerfallen vor erschöpfung, erschöpftem widerspruchsgeist, vor hirnverknebelung, vor farbverdruss, die nichtexistierende existenz, die scheinbar scheinbare scheinwelt, scheinweilt, es wird alles niedergerollt mit den vier zarten rädern des mäh-robotschiks, o kommet her: ich nehm euch eure last, ich nehm euch eure laster ebenso, ihr braucht auch nicht zu sprießen, ich halte euch klein, denkt nicht nach und singt mit mir das allerschönste lied vom allerbesten künstler.

kaum geh ich vor die tür,

mache ich mich schuldig

die nachbarin rettet den vogel

aber die luft, die wir atmen,

atmet sonst jemand anderes

3.5.26

ich esse kuchen und könnte genauso gut tot sein, kuchen essen und tot sein sind in solchen momenten identisch, sind ein und dasselbe, während sie in der kirche silbrig aufgeblasene kreuze als luftballons in die luft halten, man kann keine nägel reinhauen, genauso wenig, wie man sie reinhauen kann in einen solchen tag

biographie: er fertigte seine ersten zeichnungen bereits kurz vor seiner geburt, die gar keine war, allzeit bereits, machte anfang 60 einen schub ins alter & schrieb mit 85 sein erstes gedicht & wurde unheilbarer millionär mit 90 – er hätte einfach noch ein wenig zeit gebraucht