spaßbremse

Gestern war die Stadt schön ruhig. Überall Schnee und weniger Autos und Menschen als sonst. Die Gelegenheit genutzt und mir noch kurz vor Ende die aktuelle Ausstellung von Carina Linge „Allerseelen“ in den Neunkircher Ausstellungshallen angeschaut. Fotografien, die angepriesen werden als „tiefsinnig, rätselhaft und berührend“. Und wie so oft, so dass ich mich natürlich frage, in wie weit das an meiner eigenen inneren Verfasstheit liegt, was es natürlich tut, und darüber sollte man sich bei Kritiken natürlich immer im Klaren sein, finde ich diejenigen Arbeiten besser, die aus einer Art Beobachtung heraus entstanden sind. Arbeiten, die einen gesehenen Moment festhalten, der aber in der Lage ist, über sich und das Abgebildete hinauszuweisen. Solche Fotos gibt es in dieser Ausstellung, wenn auch nur sehr wenige. Es gibt beispielsweise ein Foto, wo, der Kleidung und dem Habitus nach, eine Malerin in einer Rauchpause aus dem geöffneten Atelierfenster in die Weite schaut. Es gibt eines, wo sich jemand die Fingernägel rot lackiert und an dem einen Arm ein Tatoo erkennbar wird, ebenso leise ein fehlender Finger. Ein anderes, eine sehr ausschnitthaft gehaltene Aktaufnahme, wo ebenfalls ein Tatoo eine aufmerksamkeitsheischende Rolle spielt. Diese Fotos erzählen Dir etwas. Eine weitere recht spannende Bildfindung: Auf dem Bild sieht man eine Wand, an der ein Foto festgepinnt wurde. Es zeigt einen Mann mit rotem Pullover, der ein Kind auf den Armen hält. Hinter diesem Foto kommt einen rote Schnur hervor, die in leichtem Bogen in den Vordergrund führt, dort sehr groß und unscharf wird: Es gibt also eine Verbindung von der Betrachterin zum Foto zum Pulli des Mannes (über die Farbe rot und über den Bogen, den die Schnur von Dir zu dem roten Pulli des Mannes spannt). Und das auf sehr unaufgeregte Art und Weise. Und dann gibt es leiderleider eine ganze Menge Fotos, die denken, dass sie über eine ausgeprägte Symbolik etwas erreichen. Im für mich schlimmsten Fall sieht man einen von der Decke baumelnden Strick und darunter einen umgestürzten Hocker am Boden. Desweiteren gibt es Schädel in unterschiedlichem Kontext. Es gibt z.B. ein klassisches memento mori mit Schädel und Kerze, die sich nochmals spiegelt. (Ganz spontan denke ich, dass mir Gerhard Richters gemalte Versionen hier tiefgründiger erscheinen). Es gibt einen weiblichen Rückenakt, der ergänzt wird durch einen Fisch (?), der kreisförmig zusammengerollt am Boden liegt. Es gibt einen weiteren Rückanakt, der mir heimlich hinter dem Rücken ein Steinchen entgegenhält, es mir quasi heimlich zeigt, und das auf den ersten Blick vielleicht wie ein Würfel sein könnte (alea iacta est). Es gibt zwei nackte Frauenbeine, die von einem herabgehaltenen Lot ergänzt werden, quasi als dritte Senkrechte im Bild. Alles in allem wird mir hier einfach ein bisschen zu viel gewollt. Das funktioniert für meinen Geschmack zu wenig über das bildnerische Denken und verlässt sich zuviel auf die Erzählung, die aber auch nicht immer funktioniert. Die manchmal einfach einen Tick zu plump und einfach gestrickt scheint. (Das Problem haben wir ja auch mit vergleichbarer Malerei aus vergangegen Jahrhunderten: Man muss die Anspielungen kennen, um sie verstehen zu können. Aber kann es heute überhaupt noch um solche Formen des Verstehens gehen? In jener alten Malerei kann man sich immerhin an der „Leckerheit“ des Malerischen selbst ergötzen, wenn sich einem die Symbolik schon nicht erschließt. Offensichtlich scheint das hier auch eine gewisse Rolle zu spielen, denn an irgendetwas muss die Betrachterin hier ja ihre Freude haben, sonst würde die Ausstellung ja nicht, wie in Neunkirchen üblich, über den grünen Klee gelobhudelt. In diesen heiligen Hallen frage ich mich ja fast in jeder Ausstellung, welchem Kunstanspruch überhaupt nachgeeifert wird.) Eine immerhin interessante Bildfindung ist eine ältere, am Boden sitzende Frau. Sie trägt ein schwarzes Top und ist gerade dabei, sich eine Beinbekleidung zu stricken. Zum Teil ist sie damit schon fertig, die Füße und Unterschenkel sind bereits verhüllt. Wenn man genau hinschaut, ist dieses Beinkleid dann später aber unten geschlossen wie eine Art Sack, sie strickt sich keine Hose, keinen Rock. Wenn sie fertig ist, wird sie sich damit nicht bewegen können. Aber auch hier beschleicht mich hier sofort der Gedanke: Was wäre, wenn dieses Motiv jetzt gemalt wäre? Sprich: warum ist Fotografie hier das gewählte Medium?

Aus einer Ausstellung sollte man anders rausgehen, als man reingegangen ist. Kunst sollte einen verändern. Auch wenn es nur an einen  klitzekleinen Punkt meines Bewusstseins passiert. Ich habe den Verdacht, dass die Symbolismus-Strategie, die hier gefahren wird, aber weder etwas verändert oder in irgendwelche Tiefen vordringt, auch gar nix verändern will, dass sie, in den meisten Fällen zumindest, Symbole wählt, die wohlfeil sind, an denen sich das Betrachter*innen-Hirn beruhigen und ergötzen kann. Die Wahrnehmung wird bestätigt. Ähnlich wie früher in Familienfotos oder in unserer Zeit in tausendfach reproduzierten Selfies und anderen Smartphone-Fotos: Die Reproduktion als die Versicherung, dass alles in Ordnung ist in dieser Welt. Das kenne ich, das kann ich verstehen und bin als Individuum genau wie alle anderen. Und diese wohlfeilen Symbolismen in dieser Ausstellung funktionieren als intellektuelle Befriedung derjenigen, die nicht weiter denken wollen, denen sich das Rätsel ganz schnell löst (die verschüttete Milch in einem der Stillebenkompositionen, das memento mori (ah! ja klar, die Vergänglichkeit!), der Strick (ah, klar, Suizid!), und wenn es sich nicht ganz schnell löst, wie bei dem zum Kreis gefügten Fisch: tiefgründig!

Nein, Leute: Die Welt erschließt sich nicht so schnell. Kommt zu mir, wenn ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch beruhigen. Die Menschheit hat es verdient, dass sie untergeht. Und auch das Neunkircher Publikum bekommt immer wieder die Shows, die es verdient hat. Neunkirchen: die Musical-Stadt. All is pretty.

 

für alle Nicht-Abonnenten der Saarbrücker Zeitung: Diese Schlagzeile vom 14.2. ist durch ihre profunde Erkenntnis kaum zu übertreffen, fand ich, weshalb ich sie kurzum hier der weiteren Öffentlichkeit zur Begutachtung anheim gegeben haben möchte. Sattsein scheitert oft an mangelndem Essen. Wär auch noch ne Möglichkeit. Come on, Saarbrücker Zeitung, da geht noch was!

trump schreibt, selenskyj sei ein diktator, ohne gewählt zu sein. sieht er da einen bezug zu sich? ein diktator, der gewählt wurde?  da wird man ständig und beabsichtigt mit irgendwelchem gedankenmüll zugeknallt, nur damit die inzwischen ungestört was anderes anstellen können: synapsenschädlinge. trump ist ein gewählter synapsenschädling.

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Hier ist es, früher als sonst. Und etwas teurer als sonst. Dafür mit schwarzem Cover aus der Serie harth-of-gold. Was will ich hier und halte ich das aus? 17,99 @. Im Buchhandel unter der ISBN 9783769319194. Oder per Mail an mich.

am 22.9.24 um 14 Uhr im Citymanagement in Völklingen.
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Total schön – Irgendwie
Im ersten Teil unseres Workshops beschäftigen wir uns mit der Sprache der bildenden Kunst. Ohne es groß zu bemerken, erschaffen wir neue gemeinsame Formen der Verständigung. Wie kann das gelingen,
obwohl wir ganz unterschiedliche bildnerische Vorstellungen haben, also erst einmal nicht dieselbe Sprache sprechen?

Dialogue
Im zweiten Teil des Workshops beschäftigen wir uns mit der Körpersprache. Wie trete ich, ohne Sprache, in Kontakt mit meinem Gegenüber? Welche Signale sende ich? Wie entsteht der Dialog mit meiner*m Partner*in? Mithilfe von Improvisation treten wir miteinander in Kontakt und es entsteht ein Dialog, ausschließlich über die Körpersprache.

Das gesammelte Material (Bilder/tänzerische Elemente) wird anschließend für die gemeinsame Abschlussperformance aller Workshopteilnehmerinnen und Künstlerinnen verwendet. Der Workshop ist zweisprachig (Französisch/ Deutsch) und inklusiv, jede*r kann teilnehmen, mit und ohne Tanzerfahrung, unabhängig von körperlichen Einschränkungen jeder Art.

Absolument beau – en quelque sorte
Dans la première partie de notre atelier, nous nous penchons sur le langage des arts visuels. Sans nous
en rendre compte, nous créons de nouvelles formes communes de communication. Comment y parvenir alors que nous avons des idées très différentes en matière d’art visuel et que nous ne parlons donc pas
la même langue ?

Dialogue
Dans la deuxième partie de l’atelier, nous nous penchons sur le langage corporel. Comment puis-je entrer en contact avec mon interlocuteur sans utiliser le langage verbal ? Quels sont les signaux que j’envoie ? Comment le dialogue s’établit-il avec mon/ma partenaire ? À l’aide de l’improvisation, nous entrons en contact les uns avec les autres et un dialogue s’instaure, exclusivement par le biais du langage corporel.
Le matériel collecté (images/mouvements) est ensuite utilisé pour la performance finale commune de tous les participant.e.s et artistes de l’atelier.

L’atelier est bilingue (français/allemand) et inclusif, chacun.e peut y participer, avec ou sans expérience de la danse, indépendamment de tout handicap physique, quel qu’il soit.

KONTAKT / CONTACT:
→ b.brulebois@freieszenesaar.de.com

beobachtung

wenn man den fehler macht, und auf instagramm so runterscrollt: es wird unglaublich viel gemalt. und unglaublich viel zeugs halt. aber vielleicht sollte man ja eigentlich froh sein, dass die leute was tun. was mich daran erinnert, dass ich 2005 oder so das buch über NICHTS von ludger lütkehaus gekauft habe. vielleicht wäre es zeit, es nochmal rauszukramen.

GRUFTWÄCHTER

EINE WUNDERBARE GELEGENHEIT – UND AUF LÄNGERE SICHT DIE ÜBRIGENS EINZIGE SOLCHE – RALF PETERS INSZENIERUNG DES EINZIGEN DRAMENFRAGMENTS VON FRANZ KAFKA ZU OHR UND AUGE ZU BRINGEN. AM 8. JUNI UM 20 UHR IM THEATER IM VIERTEL IN SAARBRÜCKEN. MUSIK VON DANIEL OSORIO UND ZEICHNUNGEN VON MEINER WENIGKEIT: 4-KANAL RUNDUM-BESCHALLUNG. LETZTE AUSFAHRT GRUFTWÄCHTER!

Dreilandtheater

#mittelstadtgeschichten
Premiere: 05.04.2024 um 17.00 Uhr
Vorstellungen: 06. & 07.04.2024 jeweils um 17.00 Uhr
Treffpunkt: Neues Rathaus Völklingen
Info & Anmeldung: post@corinnapreisberg.de

Liebe Freund*innen!

Das FREISTIL_FESTIVAL ist das Festival der freien darstellenden Szene im Saarland. Es wurde 2021 – zu Pandemiezeiten – aus der Taufe gehoben. Weil die Zeiten für freie Künstler*innen damals mehr als hart waren, entschieden wir uns, zu handeln: Wir wollten den Künstler*innen Auftrittsmöglichkeiten verschaffen und die Potenziale der freien Szene im Saarland bündeln. Das Festival wurde ein voller Erfolg: Zum ersten Mal in der Geschichte der freien Szene im Saarland taten sich über 50 freie Künstler*innen und Ensembles zusammen und stemmten ein absolutes Low-Budget-Event. Und direkt war klar: Dieses Festival darf keine Eintagsfliege werden!

Geboren aus dem Gedanken der Solidarität und der Gemeinschaft findet in diesem Jahr schon die dritte Ausgabe des FREISTIL_FESTIVALs im Weltkulturerbe Völklinger Hütte statt: Vom 2. bis 13. Oktober zeigen wir Theaterstücke, Stückentwicklungen, Tanz- und Klangperformances, Kindertheater, Konzerte, musikalische Improvisationen u.v.m. Mit dabei sind saarländische Künstler*innen, aber auch Ensembles und Kollektive aus der Großregion SaarLorLux und von befreundeten Landesverbänden.

Was uns zu unserem Glück aber leider noch fehlt, ist Geld: Weil das Festival immer beliebter wird und immer mehr Künstler*innen Teil sein möchten, erhöht sich der Finanzbedarf von Jahr zu Jahr. Allein aus öffentlichen Zuschüssen können wir das leider nicht mehr stemmen.

Deswegen sind wir auf Unterstützung angewiesen! Hiermit rufen wir dazu auf, das FREISTIL_FESTIVAL mittels Crowdfunding zu unterstützen, damit die saarländische freie Szene weiter blühen kann! Wir haben schon viel erreicht, aber mit Hilfe der Community ist noch viel mehr möglich!

Und natürlich gibt es auch ein Dankeschön:

Ab 20 Euro: 1 Freikarte für 1 Festival-Veranstaltung
Ab 50 Euro: 2 Freikarten für 2 Festival-Veranstaltungen
Ab 200 Euro: Kostenloser Festivalpass
Ab 500 Euro: Kostenloser Festivalpass und exklusive Einladung zur Eröffnungsveranstaltung

Link zur Kampagne: https://gofund.me/1f7a37ac
Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie diese Informationen und den Spendenaufruf in Ihren Medien veröffentlichen würden!
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Mirka Borchardt
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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