alle tage sind gezählt

peterweber
Peter war ein Traueranzeigen-Leser. Gäbe es eine überregionale Zeitung nur mit Traueranzeigen, dann hätte er sie abonniert. Gestern bei der Trauerfeier in der evangelischen Kirche in Wiebelskirchen, direkt neben dem Haus, in dem er gewohnt hat (nicht nur das: das Licht, das die Kirche abends beleuchtet hat, war zum Teil auf seinem Hausdach montiert), stand ein Foto auf dem Altar: so konnte er alle nochmal mit seiner nicht unterzukriegenden Lebensfreude, die sich trotz aller Widrigkeiten nicht brechen ließ, anstrahlen. Und die Tatsache, dass er es (bisher) tatsächlich auf drei (in Worten: 3!) Traueranzeigen gebracht hat, hätte ihn sicher zum Lachen gebracht. Zumindest diebisch gefreut.
Im Jahre 2005 hat er mir für das Honecker-Museum zwei Geschichten erzählt. Hört zu. Und die, die Ihr nicht das Glück hattet, ihn zu kennen, trauert darum, dass Euch in Eurem Leben etwas Wichtiges entgangen ist.


Die Zeichnung oben stammt von Peter selbst. Sie ist wohl das ultimative Selbstportrait…

STILLE.

Die letzten Tage der Kunststoffe-Woche waren derart anstrenend, dass die täglichen Werkstattberichte dem Kraftverbrauch zum Opfer gefallen sind. Gerade haben wir uns nochmals den BLOW UP-Film im Kino 8 1/2 angesehen, die Räume sind geräumt und wir haben heute morgen eine schöne Lesung aufgeführt. Zum erstenmal absolut frei improvisiert, wie eine öffentliche Generalprobe. Jetzt wollte ich mich hinsetzen und die letzten Tage hier Revue passieren lassen, als mich die Nachricht erreicht, dass Peter Weber am Freitag überraschend verstorben ist. Das verbietet erst einmal alles Weitere.

im wesen nichts neues

An den im Radio immer öfter auftauchenden Ausdruck „Außenminister Westerwelle“ muss ich mich erst noch ein wenig gewöhnen. Trotz allem hat dies vom Rhythmus her fast schon dichterische Qualitäten.
Außenminister Westerwelle.
Außenwestministerwelle.
Ein Geschäft ist ein Geschäft ist ein Geschäft ist ein Geschäft.

notizen

notizen
„Der Streit um die Kunst von Geisteskranken geht nicht mehr so sehr darum, ob ihre Werke Kunst sein können, sondern eher darum, ob ihre Verfasser krank sein dürfen.“ (Helmut Gollner, „Über Ernst Herbeck“ in Ernst Herbeck „Die Vergangenheit ist klar vorbei“, Wien, 2002)

Veranstaltungshinweise

1. Stadtgalerie SB -> Kennzeichen SB -> Künstlergespräch -> Mittwoch, 18.11., 18 Uhr (leider ohne Dirk).

2. Bardenbach Ortsmitte, 90-Tage-Galerie, -> LUMPEN KLUMPEN UND BLÜTEN
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mit einer kurzen Lesung zur Eröffnung. Bardenbach liegt unterhalb Waderns, neben Büschfeld (so ungefähr…)

AUFRUF

An alle Leser dieser Kolumne: Zwischen dem 30.11. und dem 6.12.09 dieses Jahres werden im Nauwieser Neunzehn die sogenannten KUNSTSTOFFE stattfinden. Näheres in lockerer Folge demnächst auch hier vor Ort.

Unter anderem wird es nebst ausgestellten Arbeiten auch Lesungen, Musik, Ess- und Trinkbares geben.
Einer der Themenstränge, der sich in den Vorbereitungen herausgeschält hat: Abbild und Wahrheit, was ist Wahrnehmung etc. ppp.
Nicht zuletzt wird es auch eine Lesung im Dunklen geben, gehalten von Frau Christa Rupp, die im Blindenverband aktiv, die sehenden Zuhörer in einen anders hörenden Zustand versetzen wird.

Wir, die Veranstalter der KUNSTSTOFFE, bitte alle Menschen, die dies hier nun lesen (und auch andere) um eine Beschreibung ihres (oder eines ihrer) Lieblingsbilder. Zwölf Zeilen in etwa. Nicht zu ausführlich, aber dennoch möglichst präzise. Diese Beschreibungen werden Bestandteil einer Lesung (oder mehrerer Lesungen), auf Wunsch mit Namensnennung des Autoren oder der Autorin, auf Wunsch anonym. Was auf jedenfall nicht genannt werden wird: Titel des Bildes und dessen Autor, bzw. Autorin.
Geplant ist auch, die Texte während der Ausstellung im Schaufenster auszuhängen, resp. in einer kleinen Publikation zu veröffentlichen. Je nachdem. Die Veröffentlichung können wir allerdings nicht versprechen, falls zuviele Texte eingehen sollten, muss wohl oder übel ausgewählt (oder gelost) werden…
Wer nicht schreiben mag, darf uns auch eine kleine Skizze (wenn möglich mit Filzschreiber, einfarbig schwarz) des entsprechenden Werkes zuschicken. Entweder per Post (die Postadresse kann man sich per E-mail klaus_harth@web.de erfragen) oder per jpeg-Datei, mindestens 300dpi aufgelöst.
Texte per E-mail oder wer möchte auch als Kommentar auf diesen Eintrag.
Wir bedanken uns bereits jetzt sehr herzlich und sind sehr gespannt!
Lisa Borscheid
Klaus Harth

damit niemand was verpasst…

einlkennokpf
Eröffnung am 9.10. um 19 Uhr in der Stadtgalerie SB. Jetzt kann man endlich gucken, was das mit den SB-Zeichnungen und den entsprechenden Fotos von Dirk Gebhardt auf sich hat, oder auch nicht…

sinn

Als Kind musste ich auch immer mit nach Saarbrücken zum Einkaufen: Sinn, C&A, PEKA, alle. Auch für mich war das furchtbar. Zur Belohnung ging es dann anschließend runter zur Saar, wo die großen Schiffe vor Anker lagen. Sowas gab es ja in Neunkirchen nicht. Später hab ich dann immer wieder versucht zu rekonstruieren, wo denn das nun gewesen sein könnte mit den großen Schiffen.
Die sinnvolle Aktion gestern war wirklich ziemlich irre: Von 12 Uhr mittags bis abends gegen halb acht wurden etwas über 400 Ausweise ausgestellt. An meiner Seite zeichneten noch Christoph Rammacher und Elodie Brochier. Macht im Schnitt ca. 135-140 Zeichnungen für jeden. Zweimal Pause von jeweils einer halben Stunde. Das letzte Set fast drei Stunden am Stück. Voilà. Die Hand blieb locker, aber bei den letzten 15-20 Zeichnungen dann doch leichte Konzentrationsprobleme. Immer mal wieder Gesichter, die sehr gut zu zeichnen waren, einige, die weniger gut gelingen wollten, Filzschreiber auf glanzlackierter Postkarte. Zwei Zeichnungen hab ich weggeworfen und neu gezeichnet. Die Menschen, die ich portraitiert habe, habe ich beim Spaziergang in den Pausen draußen wiedererkannt. Die Leute standen immer wieder Schlange, gegen Ende dann Zeichnungen fast im Minutentakt. War das noch Sport?
Aber schlussendlich unglaublich spannend: wie wird man den hoffnungsvollen Menschen auf der anderen Seite des Tisches gerecht? Wodurch unterscheiden sich die Gesichter? Sieht man ab einem gewissen Zeitpunkt überhaupt noch Unterschiede? Zeichnet man eigentlich nicht doch immer nur sich selbst?
Alle Ausweise und mit ihnen alle Zeichnungen wanderten mit den Menschen davon. Es bleibt das, was im Kopf bleibt.
Für alle, denen ich in den Kurzportraits nicht gerecht wurde, bleibt der Trost, dass auch die Pixy-Automaten (zumindest der am Neunkircher Bahnhof) nicht immer jedem Kopf gerecht werden. Zumindest letztens nicht meinem.
Und es bleibt der Dank an Beate Garmer, die mich dem liquid penguin ensemble empfohlen hat, an das liquid penguin ensemble selbst, die ihr geglaubt haben, und all den Ideen- und Geldgebern zur Unterstützung der Großregion!

3xklingeln

stempelbildsitaskinder-2stempelbildsitaskinder-1
überraschender freudiger später Besuch am ersten Tag von 3xklingeln. Dabei entstehen u.a. die beden Stempelblätter oben. Zinzi, Nani, Joshua und Helene N’Goumou.

zeichnung im wolfsbräu, karlsruhe

zeichnungimwolfsbraeu-ka_19-09
Graphit auf Papier, 20,5×30,5
Die unstoffelige Bedienung (Laura) meinte: „Was malstn da? Sieht aus wie ne Palme, oder auch ne Wiese. Mal doch nochn Pferd dazu, hab ich früher auch immer gemacht.“ Hab dann weitergekritzelt und einen Esel dazugezeichnet, was wohl mit den Tapiren zusammenhängt und den schreienden nächtlichen und täglichen Eseln hier in der Nachbarschaft, wo ich immer denken muss: Herz Esulein, wenn ich dran vorbeiradel. Beim Bezahlen dann: „Hast Dus fertig? Darf ich mal sehn? Was hastn da drangeschrieben: Herz Esulein? Mal mir auch eins. Das gefällt mir. Mal mir ein Pferd und schreib dann Herz Pferdelein dran.“ Das Christentum ist halt auch nicht mehr das, was es mal war. …