
Skizzenbuch und permanenter Ausstellungsraum von Klaus Harth




Am Samstag wird er stattfinden. Fast auf den Tag ein Jahr später als unser erster Salon im letzten Jahr (vielleicht wird’s jetzt eine Art „April-Salon“?).
Was wird uns erwarten?
1. Eine Performance der Gruppe Jetztzeit.
2. Eine Lesung mit Karin Klee.
3. Eine Bärlauchsuppe.
4. Ein angeregtes Gespräch über das Gesehene und zu Sehende.
5. Nicht zu vergessen die Fotos von Mechthild Schneider.
(Es wurde zwar um eine vorherige Anmeldung bis zum 18.4. gebeten, falls jemand dies aber erst heute liest und auch auf das Süppchen evtl. verzichten kann, geht auch sicher ein spontaner Besuch…)
Bei der Gruppe Jetztzeit handelt es sich um Astrid Hensler, Maria Kowalski, Karin Maria Zimmer und Natalie Kolaric. Im Rahmen der Saarbrücker Sommermusik werden sie in diesem Jahr auch in der sog. Landeshauptstadt zu sehen sein. Sie schreiben selbst zu Ihrer Aufführung:
Wir haben uns getroffen und ausgewählt, was wir aus dem momentanen Repertoir unserer Arbeit zum Thema HEIMAT zeigen werden.Die Aktion bei dir werden wir HEIMAT SKIZZEN nennen. (Also ein Ausschnitt unserer momentanen Arbeit)
Wir werden einen Text, den wir passend zum Thema Heimat ausgewählt haben, stimmlich und performantiv variieren. Dabei werden bestimmte Passagen und Worte willkürlich aufgegriffen. Der gewohnte Fluss des Textes wird neu zusammengesetzt. Daraus ergibt sich ein neuer Inhalt, eine neue Aussage, die daraus folgend stimmlich neue aufgegriffen und betont wird.
Ein ungewohnter Klangteppich mit vielen stimmlichen Varianten und Stimmungen entsteht.
Soweit zu unserer Darbietung. Wir werden sie am Stück präsentieren und es dauert etwa 20 min.
Karin Klee schreibt über sich und ihre Lesung folgendes: karin klee wohnt seit 26 jahren in oberlöstern und ist noch immer am leben. dies ist deshalb so erstaunlich, weil sie hier in olö – das schicksal teilt sie inzwischen mit mehr als einer handvoll anderer menschen – eine zugezogene ist. ein zustand, der sich niemals ändern wird. nicht in oberlöstern.
so ist es mehr als erklärlich, dass karin aus teils notwendigen, teils unnötigen gründen heraus vor etwa 10 jahren mit der schriftstellerischen schreiben begann. obwohl sie von berufs wegen als redakteurin an einer tageszeitung nicht weit davon entfernt gewesen ist. sie verfasst gedichte, kurze und längere geschichten, krimis und kann auch aus allem ein schriftstellerisches drama machen. heute ein stück kurzkrimi passend zum ort dieses geschehens.
In der Spätvorstellung wurden Fotos von Julia Baur gezeigt. Daneben einige Texte gelesen. U.a. eine Übersetzung eines Gedichtes von Jaques Prévert und viele Texte von Stephan Flommersfeld. U.a. die folgende Wiederentdeckung. Trägt den Titel: FABEL. Und geht wie dies:
ernährt die auster den bär? entbehrt der biber die echse? was ist los mit dem fisch? die fledermaus findet den weg. nicht so die fliege. die flugente überflügelt die gemse. das wiederum gefällt dem habicht nicht. die heuschrecke bleibt indifferent. kritisch beargwöhnt das huhn den hund. ein käfer ist kein ersatz für eine katze. der krebs ändert beim kochen die farbe des panzers. die kröte ist glücklich entkommen. der kuckuck findet eine languste und zeigt sie der lerche. diese ist nur interessiert an der made. das maultier mißbilligt den maulwurf. die muschel schenkt der natter ihr herz. der rabe ist ein wenig nervös. warum verheimlicht die ratte der raupe das rind? der salamander befeuert das schaf. das schwein beweint den tod der spinne. der stier wird das stinktier nicht los. taube, wanze und wolf finden keinen gemeinsamen nenner. der ziege darf die zecke nicht egal sein. denn in der ziege steckt die zecke, und mit tücke saugt die zecke blut.Und weil es ein wunderschöner Morgen zum Lesen ist, auch noch kurz meine Prévert-Übersetzung:
Im Blumenladen.
Ein Mann betritt einen Blumenladen
er sucht sich Blumen aus
die Blumenhändlerin wickelt sie ein, die Blumen
der Mann bewegt seine Hand zu seiner Jackentasche
um dort, dort in der Jackentasche,
das nötige Kleingeld herauszusuchen
das Kleingeld für die Blumen
doch plötzlich
plötzlich
bewegt sich die Hand des Mannes zu seinem Herzen
und er fällt.
Im selben Augenblick, in dem er fällt,
rollt das Geld auf den Boden
und danach fallen die Blumen
im selben Augenblick wie der Mann
im selben Augenblick wie das Geld
und die Blumenhändlerin steht so da
mit dem Geld, das rollt
mit den Blumen, die fallen
mit dem Mann, der stirbt
wirklich: das alles ist unendlich traurig und erschütternd
und die Blumenhändlerin denkt,
sie müsse doch irgendetwas tun,
aber was?
undwas zuerst?
Man müsste ihnen doch helfen
diesem Mann, der stirbt
diesen Blumen, die fallen
und diesem Geld,
diesem Geld, das rollt und rollt
und damit nicht mehr aufzuhören scheint.




In der Ausstellung habe ich einige Zeichnungen gemacht von der Anordnung der Bilder und Zeichnungen an den Wänden. Gemischt waren ja nicht nur Dinge aus eigenen älteren und neueren Sachen von mir (zwei getippte Blätter aus „gesellschaftsfähig sein ist prima“ z.Bsp.), sondern auch unser aller Arbeiten untereinander, was z.T. hübsche Kombinationen ergab. Dieses Abzeichnen von Ausstellungsanordnungen und diese dann wieder selbst ausstellen (das alte Thema vom Abbild des Abbildes der Wirklichkeit o.s.ä.) taucht da wieder oder auch die Idee vom Bild des Sofas über’m Sofa. Etwas was mir auch generell für eine größere Ausstellung gefallen könnte: Im ersten Raum, wo man sonst von der restlichen Ausstellung noch nix sieht, Zeichnungen, die Ausschnitte aus den restlichen Räumen zeigen, was man dort natürlich noch nicht ahnt. Und dann geht man weiter und: aha. Und dann entdeckt man eine Gruppe von Bildern, die man in einem der letzten Räume fast gleich, auch wieder entdeckt. (Thema: „Die unbeantwortete Frage“)…
















Es ist keine Kunst, Performance zu machen, wenn viele Leute zuschauen, samt Presse und Fernsehn und so.
Die wahre Kunst: Performance machen, wo keiner zuschaut.
Das schreibt Sibylle Blaumann, am linken Ufer sitzend und damit hat sie recht. Vielleicht wäre sie mit diesen Gedanken auch eine begabte Tapirimitatorin? Die Welt braucht mehr Tapirimitatoren! Und man sollte diese Bewegung auch im schwäbisch-badisch-württembergischen Raum wiederfinden!

Öl auf Pappe, 12.4.10, 30x40cm

Öl auf Pappe, 9.4.10, 30x24cm

Öl auf Pappe, 6.4. und 12.4.10, 24x30cm

Öl auf Pappe, 30x40cm, 12.4.10







Eine Ausstellung zusammen mit Petra Jung, Vera Kattler, Philipp Strobel und Stephan Flommersfeld. In der 90-Tage-Galerie in Bardenbach (bei Wadern). Im nördlichen Saarland, dort wo nur noch vereinzelt Menschen anzutreffen sind. Erfreulich viele haben zur Eröffnung trotzdem den Weg aus den zivilisierten Bereichen hierher gefunden, trotz umfangreicher Vollsperrungen der A1 Richtung Norden (da war wohl die Saarbrücker Kunstkartell-Mafia mit ihrem stark vernetzten Beziehungswerk am Start). Das war schön. Geplant wurde zur Finissage spontan eine zwölfstündige Tapirimitation von Vera Kattler, parallel dazu liest Klaus Harth die komplette Autobiographie von Erich Honecker und Petra Jung tanzt ein sozialistisches Tanzimitat. Oder so was Vergleichbares. Ebenfalls wurden die ersten Wöllsteiner Tapirimitatorentage geplant, der Termin steht noch nicht fest. Wir suchen noch einen Verlag für unser Buch: Anleitung zum Tapirimitieren. Es gibt noch zuviele Tapitimitatorenamateure. Dies muss geändert werden. -> für vorbereitetende Studien und Beiträge.
PS: Eine Zeitungsnotiz in der Saarbrücker Zeitung vermeldet: Im gerade sich im Dreh befindlichen neuen Saar-Tatort wird (in Marpingen?) eine Performance-Künstlerin ermordet! Yeah! Wieder mal voll aus dem Leben gegriffen! Darauf haben wir schon lange gewartet. Aber interessant, wie dann doch so langsam die Kunsthochschule die Vorstellungsweilten im gesamtgesellschaftlichen Kontext beeinflusst. Interessant finde ich auch, wenn man sich vorstellt, wie man sich jetzt den Prototypen der Performancekünstlerin vorstellt. (Und wieso gibt es in dieser Vorstellungswelt nie Performancekünstler, wieso ist dies ein typischer Frauenberuf? Weil man da so gut Familie und Beruf miteinander vereinbaren kann? Fragen über Fragen. Vielleicht hat ja mal jemand ne Antwort. Vielleicht liest das ja auch mal n verantworlicher Redakteur vom SR. Falls es sowas geben sollte…)
aus einem Interview mit Wolf Haas aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung von gestern (es ging um Schreiben und um Sport):
Vielleicht liegt die Haupterkenntnis darin, dass sich die besten Effekte nicht planen lassen, sondern im Moment entstehen. Bei den ganzen Fußballdiskussionen wird immer behauptet, es gäbe eine Richtigkeit und ein System, und in mancher Hinsicht stimmt das ja auch. Aber wenn dann der Messi links abbiegt statt rechts, dann ist das eben doch besser, dann entscheidet nicht die Richtigkeit des Systems, sondern der einzelne geniale Schachzug. Im Sport gibt es den Mythos der Ideallinie. Aber man kann langsam auf der Ideallinie fahren – und schnell daneben.
Was heißt das, auf das Schreiben übertragen?
Dass man nicht zu brav sein darf. Es gibt beim Schreiben Regeln, wie ein Plot zu funktionieren hat, Gesetze der Dramaturgie. Das ist alles hilfreich. Auch ich mache mir vorher ein Konzept, ein System, aber richtig gut wird es nur, wenn ich mich nicht dran halte, wenn ich weiß, jetzt müsste ich links abbiegen, damit die Dramaturgie stimmt, aber es ist viel lustiger, rechts abzubiegen. Ich entscheide mich im Zweifel immer für den Moment, für den Übermut und gegen die Richtigkeit. Dadurch werden die Dinge interessant, auch im Sport.

Öl auf Pappe, 9.4.10


beide Öl auf Pappe, 9.4.10

Öl auf Pappe, 24x30cm, 6.4.10

Graphit auf Papier, 7.4.10, abends

Tusche auf Foto, 6.4.10
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Eröffnung um 16 Uhr, Am Fels 1 in Bardenbach. zusammen mit Petra Jung, Vera Kattler und Stephan Flommersfeld und Philipp Strobel.
aus dem Einladungstext:
„Ebelin“ nennt Petra Jung ihre aus Wattestäbchen gefertigten Objekte. Sie verwendet dieses Material, weil es sie an Kokons erinnert. Kokons symbolisieren für Jung Verpuppung, Verwandlung und Weiterentwicklung. Kokonartige Objekte tauchen auch immer wieder in ihrer Malerei auf, die geprägt ist von Zartheit, Leichtigkeit, aber auch von der Flüchtigkeit des Augenblicks erzählt.
Fühle ich mich beobachtet? Beobachte ich selbst? Fühle ich mich gar ertappt? Vera Kattler beschäftigt sich in ihrer Malerei mit Tieraugen, die mal verspielt, mal weise, mal bedrohlich scheinen. Dabei spielt der Betrachter selbst eine wesentliche Rolle, denn seine Reaktion auf die Blicke verrät ihm viel über sich selbst. Über das Motiv „Auge“ findet Kattler zu Formulierungen, die sich auch auf abstrakter Ebene lesen lassen.
Philipp Strobel erfindet in seinen Objekten die Geometrie der Pflanze. Trotz kubischer Anordnung der Vierkantstahlstreben entsteht der Eindruck einer nach oben wachsenden Form. Die knotigen Verdickungen erwecken den Eindruck organischer Wachstumsprozesse.

Graphit, Tusche, Tuschereste, Papier, 21×30,6, 6.4.10

Öl auf Malpappe, oval, 30x40cm, 3.4.10