denk
Gestern abend in der Aufführung des Schauspielclubs des Saarl. Staatstheaters. Felicia Zeller: „deutsches hysterisches museum“. Premiere in der Inszenierung des Schaupielclubs.
Wie immer bei Laienspielgruppen: Man hat Lust am Spielen, aber nur die wenigsten können es. Das hat im letzten Jahr besser geklappt, in diesem Jahr zeigen sich die Wahrnehmung des Stückes beeinflussende Mängel. Es gibt einige wenige, die ihrer Rolle eine Gestalt geben, ihr Leben einhauchen, wo man das Gefühl hat, hier geht es um etwas. Andere kämpfen leider sehr mit ihrem Text, und man fragt sich, was sollte mir dieser Dialog, diese Szene hier jetzt eigentlich mitteilen. Das fragt man sich übrigens bei dem ganzen Stück. Soviel verschenktes Potential, kein einziger Gedanke wird vertieft, alles nur angeschnitten und sprachlich gibt das auch nur in den allerwenigsten Fällen etwas her. Eine Menge unzusammenhängender Szenen, die einem ernsten Thema, das man durchaus auch hätte klamaukhaft auf die Spitze treiben können, was das Stück aber nicht tut, so dass alles ziemlich wischiwaschi bleibt. Was in der Erinnerung bleibt, sind zwei bis drei doch berührend gespielte Einzelszenen und ein einziger Regieeinfall: wie Claudius (hieß er so?) und Klaus nach jeder ihrer Szenen zusammen auf dem Skatebord wieder zu ihren Sitzplätzen fahren, verquer stehend und die Arme wie ein Engel ausbreitend.
Letztes Jahr war ich zweimal hintereinander in der Aufführung des Schauspielclubs, weil es so mitreißend war. Nächstes Jahr bitte wieder ein besseres Stück!
veranstaltungstipp
Bereits im letzten Jahr hat mich eine Einladung zu einer Aufführung des Theaterclubs erreicht. Und dann war ich gleich zweimal hintereinander in der Vorstellung. Die sind gut. Am Freitagabend bin ich auf jedenfall auch dort zu finden und bin gespannt, was in diesem Jahr auf die Bühne gezaubert wird.
Theateraufführungen des Schauspielclubs
vom Saarländischen Staatstheater Saarbrücken
Deutsches Hysterisches Museum
Von Felicia Zeller
Wir sterben aus. Wer kennt sie nicht, die unheilvollen Prognosen, die vom unumkehrbaren
Ungleichgewicht zwischen jung und alt künden. Pro Frau werden nur noch 1,35 Kinder geboren,
während wir dank modernster Gesundheitsforschung immer älter werden. Wie sieht unsere Zukunft
aus? Felicia Zeller bietet in „Deutsches Hysterisches Museum“ einen amüsanten Einblick in das
Deutschland von morgen: Jugendwahn wird von Alterstollheit abgelöst, rüstige
Pflegeheimbewohner betreiben einen boomenden Versandhandel für Kunstbärte und Runzelstifte.
Männer fühlen sich aufgrund der vielen künstlichen Befruchtungen überflüssig, während Frauen die
Fortpflanzung sichern, Geld verdienen und ihre Eltern pflegen müssen. Dennoch bemüht sich die
Familie einer Reality Show darum, ihr Ideal einer glücklichen Familie zu verbreiten. Jeder sehnt
sich nach Anerkennung, um die eigene Vergänglichkeit zu besiegen, auch wenn dazu das erste Ein-
Personen-Museum der Welt errichtet werden muss.
Augenzwinkernd karikiert Felicia Zeller unseren Hang zur Hysterie und beruhigt: Auch in der
Zukunft gibt es eine Zukunft. Ihr fragmentarisches Szenario ist ein unterhaltsames Plädoyer für die
Notwendigkeit von Nächstenliebe statt Egoismus in einer endlichen Welt. (Quelle der
Inhaltsangabe: http://theaterblauerstern.de/index.php/produktionen/dhm) !
Wann?
Freitag, 19. Juni und Sonntag, 21. Juni 2015, jeweils um 20:00 Uhr
Wo?
Neue Probebühne I, Eschberger Weg 65
Anfahrt: Saarbahn-Haltestelle „Römerkastell“. Von dort aus geht man
den Eschberger Weg bergauf. Auf der linken Seite kommt dann
irgendwann eine Hofeinfahrt. Unten im Hof befindet sich ein Parkplatz
und dahinter rechts in der Ecke der Theaterraum (siehe Fotos unten).
Der EINTRITT ist frei!
!!!
gross und klein
Seit ein, zwei Wochen arbeite ich an sogenannten Heften, u.a. einem Heft mit dem Titel NEUBAU, collagiert und überzeichnet mit Fotos aus einem Neubaugebiet hier im Nachbarort. Die Fotos ausgedruckt auf Transparentpapier. Auch die Hefte selbst sind aus dünnem Transparentpapier.
Parallel dazu entstehen größere Zeichnungen, ca. 72×105 cm, Öl und Graphit ebenfalls auf dieses Papier.



ornette coleman
neubau
se
wenn du weißt, wo du bist, kannst du sein, wo du willst
raumkonzepte, studie für eine skulptur
beobachtungen und schlüsse
Diese Woche in der Saarbrücker Zeitung ein Foto von einem Kindergartenkind, dem die Eltern ein Schild um den Hals gehängt haben, auf dem man lesen konnte, dass auf des Kindes Rücken der Streik der Kita-Angestellten ausgetragen werde. Erster Gedanke: Das ist falsch: Die Eltern meinen ja wohl eher, dass auf ihrem eigenen Rücken der Streik der Kita-Angestellten ausgetragen wird. Also müssten sie sich doch eher selbst das Schild um den Hals binden und nicht ihr Kind als Transporter politischer Botschaften missbrauchen, das sie selbst wiederum als Opfer des Streiks sehen.
Eine ältere Bewohnerin der ehemaligen Residenzstadt Ottweiler, die vor ihrem Haus irgendetwas in ihr Auto räumt, und dabei eine glitzernde Bluse trägt mit der Aufschrift: HEAT. Erster Gedanke: Ob die Menschen wissen, was sie sich da auf die Bluse schreiben? Zweiter Gedanke: Was wäre, wenn da muttersprachlich korrekt HITZE stünde? Wäre das nicht igendwie lustiger, tiefgreifender, erhellender? Dritter Gedanke (wenn auch etwas albern vielleicht): Ausdruck hitzewallender Erfahrungen in der Menopause?
Barbara Schöneberger zum 0-Punkte-Erfolg von Ann-Sophie beim ESC: „Wieso hat das nicht geklappt? Das Lied war toll und sie sah doch gut aus?“ Erster Gedanke: Eben, genau dort liegt das Problem. Mühe allein genügt nicht, das wusste schon Frau Sommer aus der Jacobs-Kaffee-Werbung aus eigener leidvoller Erfahrung.
Erstaunlich überhaupt dieser gesamte Wettbewerb, der ja doch einige Menschen bewegt. Diese Kraftmeierei, dieser zähe, durchgestylte Bombast in jedem Stück, man fühlt sich doch an Eiskunstlaufwettbewerbe erinnert, wird die nächste Sängerin den dreifachen Toe-Lop stehen oder bringt sie dann doch nur die Biellmann-Pirouette? Man sollte vielleicht A und B Noten verteilen für technischen Anspruch und Kostüm. Einheitsbrei, Bombast, 100% sensibilitätsfrei: ein absoluter Ausdruck unserer Zeit.
hopfnung
21.5.15 der politische jamertyp, in der lokalpolitik engagiert seit mindestens 30 jahren, wenn nicht länger, ein parteisoldat, der alles mitträgt, wenn es nur die eigene partei beschließt, und der dasselbe scheiße finden würde, wenn es die gegenpartei beschlösse, phatansie- und humorlos bis auf’s mark, alles besserwissend, weil er ja – zumindest nach eigenem dafürhalten – mit allen wassern gewaschen, alle boshaftigkeiten der anderen kennt und weiß von welchen Intrigen begleitet die entscheidungen gefällt werden: Ihr werdet noch sehen, was Ihr davon habt, denn Ihr habt die ja gewählt, die jetzt dies und das wollen; nur gut, dass die eigene partei alles anders gemacht hätte, wenn man sie denn gelassen hätte: das alles ist nur noch deformation, nicht der geringste krümel an information oder geistiger bewegung.
clUDSLD
cLAUDIUS sEIDL SCHREIBT IN DER fRANKFURTER aLLGEMEINEN sONNTAGSZEITUNG VON DIESEM wOCHENENDE EINEN aRTIKEL ZU kULKTU UND tTIP-aBKOMMEN, DEN ICH FÜR ABSOLUT BEMERKENS- UND NACHDENKENSWERT HALTE: eR ENDET MIT FOLGENDER sENTENZ.
„…Kultur ist das Wort, das wir an jede Scheune nageln, die für die Landwirtschaft nicht mehr zu gebrauchen ist, an jede Brauerei, aus der die Bierproduktion ausgelagert wurde. Kultur ist der Nenner, auf welchen sich die Gremien, die Räte, die Jurys einigen können, der Dämmstoff, welcher den Lärm und die Kälte tatsächlicher Konflikte draußen hält, wenn deutsche Funktionäre die Fördermittel vergeben. Sie ist also das Gegenteil dessen, was uns die Kunst sein müsste: Anspruch und Zumutung, Gipfel und Abgrund, eine Herausforderung und vielleicht der Vorschein eines besseren Lebens.
Und schon deshalb haben die Proteste der „Kulturschaffenden, Kultureinrichtungen und Kulturverbände“ mit den tatsächlichen Gefahren des Freihandelsabkommens kaum etwas zu tun. Die Gefahr, um die es hier geht, wäre die, dass wir, die Gesellschaft uns bewusst würden, wie brav, niedlich und obrigkeitshörig unsere Kultur geworden ist:“
eisern
Der Mainzer Kunstverein Eisenturm, der sich immer wieder mit fragwürdigen Ausschreibungen hervortut, lobt seinen 26. Mainzer Kunstpreis Eisenturm zum Thema „Kollaps der Moderne“ aus.
Ich zitiere:
„Kollaps der Moderne. Eine Epoche auf dem künstlerischen Prüfstand. Technik: Malerei.
Steht der Begriff der Moderne immer noch für Innovation, Aufbruch, Zeitgeist, Fortschritt, Erneuerung – Avantgarde? Oder ist er zum eineingenden Korsett und Dogma erstarrt und reflektiert den Pluralismus unserer Gesellschaft nicht mehr? Wie sehen Künstler die momentane Diskussion, die mittlerweile einen Großteil der gestalterischen Erzeugnisse der Zeit nach 1045 erfasst hat? …“
Häh????
Ich erinnere mich, dass zu Beginn der 80er Jahre mit dem Aufkommen der sogenannten Neuen Wilden und der Transavangardia plötzlich die Rede war von der sogenannten Postmoderne in der Bildenden Kunst. Das deckt sich zeitlich nicht unbedingt mit vergleichbaren Phänomenen in anderen Bereichen, wo dieser Begriff auch verwendet worden ist. Das war ungefähr ziemlich genau vor 33 Jahren oder so.
Das Ende der Moderne wurde damals bereits postuliert und die Beliebigkeit der Postmoderne war ein beliebter Diskussionsgegenstand während meines Studiums, und das ist jetz auch schon wieder 20 – 25 Jahre her (und ich habe spät damit angefangen).
Also kann eigentlich nicht davon gesprochen werden, dass heute jemand sich „in der Moderne“ bewegt und artikuliert und wenn man sich die Bienalen anguckt oder regelmäßig mal ins Kunstforum guckt, dann wird dort der Pluralismus der Gesellschaft auff’s Schönste und wunderbar Unübersichtlichste abgebildet.
Gucken die in Mainz nur ZDF oder was?
Wie sehen Künstler die momentane Diskussion, die mittlerweile einen Großteil der gestalterischen Erzeugnisse der Zeit nach 1045 erfasst hat? -> Ehrlich gesagt, diesen Satz verstehe ich überhaupt nicht, welche Produktion seit 1945 ist hier gemeint, zwischen Informel, Zero, Pop, Fluxus, Konzept und und und und? Und von welcher „momentanen Diskussion“ ist hier die Rede? Hab‘ ich da was verpasst?
Au backe.
Wie sagte schon Konfuzius: Es geht um die Richtigstellung der Begriffe.
IDA
Angucken, wo immer man die Chance dazu hat.
Klares Ver Huntzen
Klares Ver Huntzen am 2.5.2015 bei der nichtöffentlichen Performance „Raumkonzepte – ich baue mir mein eigenes Gefängnis part.1 – drei Tage in Vorteils-Haft“ in Wemmetsweiler/Saar. Für die Besucher dieses blogs einige Fotos mehr, als man auf facebook oder twitter sehen kann. Man hat also schon was davon, wenn man HIER ab und an mal reinguckt. Alle Fotos by Lisa B.
vogel-tv
düsseldorf EPHEMER – ein Flug durch die Ausstellung
Ein Flug durch die gemeinsame Ausstellung EPHEMER im plan.d in Düsseldorf Ende letzten Jahres (15.11. – 7.12.). Stephan Flommersfeld, Susann Gassen, Klaus Harth, Ute Thiel und Martin Wilhelm zeigten ihre bildnerischen Arbeiten. Dem Film unterlegt sind Tonaufnahmen, die als spontane Improvisationen teilweise vor Ort, bzw. bei einem Nachtreffen im Januar eingespielt wurden.
veranstaltungstipps (stücker 2, beide in mainz)
1. Neubrunnenstraße 8, Eröffnung um 20 Uhr:
Die Ausstellung HORTUS von Barbara Bux, Stephan Flommersfeld und Hans-Jürgen Herrmann holt nicht die Landesgartenschau in die Walpoden-akademie, inszeniert aber das kunstgeschichtlich bekannte Sujet des Paradies-gärtleins in dem Geviert des Ausstellungsraumes neu. Vom 10. bis 30. April kann der Besucher eine Auslese der besonderen Art in Augenschein nehmen: Bleistift-verwobenes, Laub-gesägtes und digital manipulierte Blütenträume.
2. 11. und 12. April. Am 11.4. von 17 bis 21 Uhr, Am Judensand 76:
Am zweiten Aprilwochenende nach Ostern starten wir mit einer Ausstellung den Beginn der Künstlerinnen-Plattform „NOUS–Platform for African Female Artists“.
10 Künstlerinnen präsentieren ihre Arbeiten und gewähren Einblicke in ihre Schaffenskraft.
Das Projekt ist aus einer Zusammenarbeit von Studierenden des Fachbereich Gestaltung – Hochschule Mainz und des Fachbereich Wirtschaft unter der Projektleitung von Jacqueline Nyalwal entstanden.
An zwei Tagen wollen wir allen unseren Gästen zeigen, was einige aktuelle afrikanische Künstlerinnen in Deutschland hervorbringen und gemeinsam mit allen ein tolles Wochenend-Festival genießen!
Freier Eintritt!
(unter anderem zeigt hier Sita Ngoumou einige ihrer Arbeiten).
fugendichtung
Hinweis -> vor einigen Jahren hatte ich mir mal ein twitter-Account eingerichtet und ihn jetzt endlich aktiviert. Wer da immer folgsam sein möchte, der findet meine täglichen Sätze und Worte unter @fugenpoet
Das Wort stammt noch aus der heißen Renovierungsphase hier im Haus, als ich ständig mit Fugendichtung zu tun hatte…
time runs dabber





Beim Aufräumen über eine alte Daten-CD gestolpert (als es noch keine externen Festplatten für mich gab). Hier ein paar Signale aus der Vergangenheit.
zwischendurch






Im September 2012 durfte ich ein Konzept zur bildnerischen Ausgestaltung zweier Stockwerke der Nebenstelle Heidenkopferdell des Saarbrücker Amtsgerichtes vorlegen. Ende 2013 erhielt ich dann den Zuschlag für diesen Auftrag, dessen Realisierung, umfassend der detaillierteren Ausarbeitung des Konzeptes und Erstellung bis Montage der fertigen Arbeiten sich bis zum 13. Dezember 2014 erstreckt hat. Oben einige Abbildungen auch zur Situation vor Ort.
Im Folgenden einige Gedanken aus meinem überarbeiteten Bildkonzept aus dem Frühjahr 2014, aktualisiert und textlich angepasst für harthbasel im Februar 2015.
Soviele Gedanken, damit am Schluß der Weg frei ist für ein paar locker gepinselte Bilder…
Gedanken zum Bildkonzept:
Bereits nach der ersten Besichtigung der zu bespielenden Räumlichkeiten im September 2012 stand für mich folgende Frage als erstes im Raum:
Was machen nun also Bilder im Gerichtsgebäude?
Wenn man nun davon ausgehen soll, dass sie die dort wartenden Menschen nicht agressiv
stimmen sollen, es aber auch nicht Aufgabe der Kunst sein kann, Dinge zu beschönigen,
so muss die Kunst einen anderen Weg finden.
Wenn man nun davon ausgehen soll, dass man die dort wartenden Menschen nicht
intellektuell überfordert oder sie gar unmutig stimmt, man aber andererseits mehr erwarten
sollte, als dass jemand Pril-Blumen an die Wand klebt, so muss die Kunst einen anderen
Weg finden.
Für die dort arbeitenden Richter und anderweitig beschäftigten Menschen dagegen ergibt
sich die Aufgabe, sie auch auf einen längeren Zeitraum gesehen nicht zu unterfordern und
zu langweilen. Also dann doch einen gewissen intellektuellen
und optischen Reiz zu bieten.
Ich stricke also ein T-Shirt, dass gleichzeitig ein Norwegerpullover ist, der die einen wärmt
und das die anderen auch den Sommer über tragen können.
Was die Textilbranche mit Bestimmtheit nicht vermag, das vermag die Kunst.
Wie im Gerichtssaal, so wird in der Kunst Wahrheit verhandelt.
Was ist wahr und was ist recht.
Was ist wahr und was ist Recht?
Was ist der Fall?
Was ist die Welt?
Ist die Welt der Fall?
Ist der Fall die Welt?
Was ich mir vorstelle, sind eine Anzahl Bilder aus zwei unterschiedlichen
Themenbereichen, die jedoch eines zumindest gemeinsam haben:
Sie sind auf mehreren Ebenen zu lesen und vermögen den Betrachter, so er will,
anzusprechen und zu beschäftigen.
Was mir bei meinen Ortsterminen ebenso aufgefallen ist: der extrem zerfasernde optische Eindruck
der Situation. Nicht nur die üblichen Wartestühle sind zu finden, jetzt gibt es auch auf den
Etagen selbst eine Reihe von cafeteria-ähnlichem Mobiliar. Zusätzlich an den Wänden
montiert Hinweisschilder nach allerei Art, was bei der Art der vorzuschlagenden bildnerischen
Eingriffe und Ergänzungen zu berücksichtigen ist.
Komplett klare Linie, sprich am besten monochrome Blöcke, die die optische Unruhe
ausbalancieren, oder, und das wäre eher „mein Ding“, Bilder, die mit der gegebenen räumlichen
(und inhaltichen) Situation spielerisch umgehen und auf mehreren Ebenen gelesen
werden können.
Ich dachte mir als bestmögliche Variante, die Räumlichkeiten optisch zu beruhigen eine
fries-artig Gestaltung.
Die Signalkästen mit den Lautsprechern und den Hinweisen „öffentlich“ oder „nicht-öffentlich“
sind 50cm hoch. Sie waren der Maßstab für die Anbringung langer Bilder, die sich von
Tür zu Tür ziehen und sich sowohl im 1. OG als auch im 2. OG möglichst an identischer
Stelle wiederfinden.
An einer Stelle im 1.OG wird dieser Fries aber auch formal gebrochen, um auf die beiden großen Bilder im EG Eingangsbereich
bezug zu nehmen. Dies sollte aber den Eindruck einer bildnerischen Vereinheitlichung
nicht wesentlich schmälern, vielleicht sogar eher betonen.
Ein weiterer grundlegender Gedanke wäre, 1.OG und 2. OG zusätzlich zu verbinden,
indem sich die gleichen Bilder auf den unterschiedlichen Stockwerken ab gleicher Stelle
wiederholen. Bis auf die Stelle der beiden größeren Bilder und an der Stirnwand im Treppenbereich
(hier findet sich im 1.OG ein Heizkörper, wo im 2. OG ein breiteres Bild passen
würde) schien dies sehr gut möglich.
Dies ist eine bildnerische Konzeption, die mich schon länger beschäftigt, die aber bisher
noch nirgends realisiert werden konnte:
Die Idee der Dopplung (oder annähernden Dopplung) der gleichen Bilder in unterschiedlichen
Räumen.
Dies wäre vor allem für diejenigen interessant, die sich öfter in dem Gebäude aufhalten
und auch die Stockwerke wechseln müssen; das scheinbar Gleiche in unterschiedlichem
Kontext und dadurch natürlich auch den Kontext wieder anders wahrzunehmen.
Welche Motivgruppen fänden Verwendung?:
1. Sitzgelegenheiten als individuelle, vergleichbare Formen
Wie z.B. beim Arzt oder in mittlerweile so genannten Arbeitsagenturen, wo man inzwischen
weder Kranker noch Arbeitssuchender mehr sein darf, sondern zum „Kunden“ degradiert
wurde, so vermitteln einem Warteräume öffentlicher Gebäude generell oft das Gefühl von
Identitätsverlust. Ich bin nur eine Nummer, bzw. ein Fall unter vielen. Man sitzt auf Stühlen
und wartet auf das wie auch immer geartete Schicksal, auf das man keinen Einfluss zu
haben scheint. Ebenso trist wie das entstehende Gefühl sind meist auch die Stühle, auf
denen man sitzt. Hat man Glück, sind sie wenigstens bequem.
Eine Bildidee, die mich umtreibt, wäre also das Portraitieren erst einmal einer ausgewählten
Sitzgelegenheit, wie man sie im Amtsgericht vorfindet, gepaart möglicherweise mit ein
oder zwei anderen Stühlen von außerhalb, damit das ansonsten eher unbeachtete Möbel
an Aufmerksamkeit gewinnt und in seiner Unterschiedlichkeit und Individualität wahrgenommen
werden kann. Diese Sensibilisierung für Unterschiede im scheinbar Gleichen
kann der Betrachter natürlich auch wieder auf sich selbst beziehen und dadurch ein Stück
Identität und Gleichgewicht zurückgewinnen.
Die vorhandenen Sitze im Amtsgericht kontrastieren sowieso bereits sehr hübsch mit dem
cafeteria-ähnlichen Mobiliar, das, wie berichtet wurde, vom Publikum ausgesprochen gerne
angenommen wird. Man sitzt also bequem und könnte sich in die Betrachtung der Stuhlformen
auf Bild und in Realität entspannt widmen. Das Aufgreifen von Formen, die einem
später in Sitzungssälen oder anderen Räumen begegnen können, wäre zusätzlich interessant.
Möglich sind hierbei auch direkte Dopplungen von Wirklichkeit und Abbild in nächster
Nähe, was den Raum zusätzlich optisch beruhigen könnte.
2. Ampelbilder
Neben dem Motiv-Konzept der Stühle möchte ich als zweites auf das Konzept der Ampelbilder
zurückgreifen:
In den Jahren 2004 und 2005 gab es eine Reihe von vielleicht etwas naiv gemalt anmutenden
sogenannten „Ampelbildern“. Von einem verballhornt-philosophisch angehauchten
Gedanken angeregt: „Wie fühlt sich jemand, der, egal wohin er kommt und zu welcher Zeit,
von Kindesbeinen an bis ins hohe Alter nur auf Ampeln trifft, die „rot“ zeigen? Was macht
das mit Selbst- und Weltbild?“, könnte man eine mutige Brücke schlagen zu der Frage:
Was macht eigentlich die Justiz?
Sie schafft Interpretationen von Wirklichkeit, ordnet ein, spricht Recht, stellt Ampeln für
die betroffenen Parteien auf Grün, Gelb oder Rot. Deshalb fände ich als zweiten bildnerischen
Ansatz weitergedachte Ampelbilder durchaus geeignet. Mit etwas hoffnungsvollem
Blau am oberen Bildrand, darunter ein Wald aus Bäumen und Ampeln. Für den außenstehenden
Nichtjuristen sind die Bewertungs- und Einordnungskriterien der Juristen oft ein
undurchdringlicher und unverständlicher Dschungel. Bäume und Ampeln, wild gemischt,
geschaltet auf Grün, Gelb oder Rot.
Vielleicht ein etwas gewagter Symbolismus, aber man muss die Bilder ja nicht auf dieser
Ebene lesen.
Zwei große Ampelbilder fänden sich im 1. OG. Darüberhinaus werden sich die Motivstränge
auch auf unterschiedlichste Art und Weise mischen.
Diese Idee der beiden großen Ampel-Wälder ließ sich aber gerade bei den Juristen inhaltlich nicht durchsetzen. Vielleicht war der Symbolismus dann doch etwas zu gewagt. Es wurde ergänzt und geändert in zwei große Landschaften, die das Gerichtsgebäude in einer landschaftlich gebrochenen “Gegend” darstellen, die Ampeln tauchen immer wieder in den anderen Bildern und Motivgruppen auf.
Der Vorteil dieser großen, das Gebäude selbst aufgreifenden, Landschaften ist denn ein anderer: Wir haben zusätzlich in dem Gesamtbildkonzept einen Blick von Außen ins Innere des Gebäudes und gehen bis hin zu den Stuhl-Motiven immer mehr ins Detail und auf’s Einelne, und wenn man die Stühle als symbolisch für “das Individuelle” sehen will, sogar hin zum Einzelnen. Dies war ein gedanklicher Vorschlag aus einer Besprechungsrunde Ende März 2014, die ich interessant fand und gerne aufgegriffen habe.
Das Arbeiten in und für Situationen, die dafür scheinbar erst einmal nicht geeignet scheinen,
ist etwas, was mich von jeher sehr interessiert hat. Auch das Konzipieren von Bildern oder
Ausstellungskonzepten für Räume, die „man“ eigentlich nicht bespielt.
So fand bereits mein Vordiplom 1992 im Treppenhaus des Fachbereichs Bildende Kunst
der Johannes-Gutenberg-Universität statt und nicht in der Ausstellungshalle.
Und hier schließt sich der Kreis: Was machen eigentlich Bilder im Amtsgericht?
Alles in allem sind also Arbeiten entstanden, die sich inhaltlich und formal mit den gegebenen Räumlichkeiten
auseinandersetzen — wo man einfach nur „Stühle“, „Landschaft“ oder „Ampel“ sehen
kann, oder, sofern man kann und will, weiterführende Betrachtungen anzustellen vermag.
Alles ist so wie es ist. Aber es kann auch anders sein. Und darin liegt entscheidendes utopisches
Potential. Und ein bisschen utopisches Potential im Gerichtsgebäude, das kann ja
eigentlich nicht von Schaden sein.
“ohne Titel (Ikarus)” ist ein Titel für den gesamten Komplex, der sich beim Malprozess eingeschlichen hat. Die individuelle Katastrophe ist nicht sichtbar, aber sie findet statt. Irgendwas an der Welt stimmt dann doch nicht, obwohl doch alles so schön blau ist.







