
Skizzenbuch und permanenter Ausstellungsraum von Klaus Harth

was haben sie nur mit mir als kind gemacht: dass man sich mit freunden trifft ist ja durchaus nachvollziehbar, was die menschen aber an familienfeiern finden, wird mir auf ewig verschlossen bleiben: nie fühle ich mich einsamer, fehler am platz, ferner von dieser welt als an solchen tagen – ein gestohlener tag auf dem weg zum tod

Das Foto dieser beiden ist mir am Wochenende ins Auge gefallen. Was machen die? Die machen Werbung für AIDA-Kreuzfahrten. Was hat das zu bedeuten? Das Weib lehnt sich an den Mann, zeigt aber im Lächeln immerhin einen gewissen Biss. Der Mann lächelt in die Welt, sitzt voran, das Haar zerzaust, so wie man sich sonstwo modisch-delikate Löcher in die Jeans schneidet. Der Bart gepflegt, damit gesellschaftsfähig sein auch weiterhin prima bleibt. Haar und Bart grau, muss sein, denn man hat ja schon ein erfolgreiches Leben hinter sich. Das sagen auch die lebensgeprüften Falten im Gesicht. Dies ist jetzt und nicht früher. Aber früher war auf alle Fälle da. Interessanterweise ist das Gesicht des Männchens sonnengegerbt. Das Gesicht der Frau dagegen hellhäutig mit einem leichten Touch ins Rötliche. Früher machte man mit solchen Gesichtern allerhöchstens Werbung für selbstdrehende Zigaretten der Fa. Halfzwaare, heute sind es schon Kreuzfahrten. Morgen wahrscheinlich Bestattungsunternehmen.

gestern und heute im Kunstzetrum Bosener Mühle -> Kurs: Elementares Zeichnen und Skizzieren. Erster Tag gestern mit ziemlich guten Ergebnissen gegen Schluss. Heute um 7 Uhr durch die um den Bostal-See stattfindene Deutschland-Rallye sanft geweckt. Draußen fahren sie wohl irgendwelche Trainingsläufe. Morgens um 7 ist die Welt noch in WOrdnung. Das war auch früher schon nicht so.

von 1988: meine damalige Interpretation des Cranach`schen Jungbrunnens. Plaka-Farben auf Baumwolle, möglicherweise mein erster Versuch überhaupt, auf einen solchen Maluntergrund zu arbeiten, beim Räumen der Wiebelskircher Räume gefunden, fast vergessen, sofort erinnert, und jetzt hängt`s im Bad unten. 1988. 29 Jahre her.
Bei meinen Aufräum-Arbeiten entdecke ich auch anderes Material aus meiner Vergangenheit. Nicht nur alte Zeichnungen und Bilder, sondern z.B. auch eine Klassenzeitung, die die katholischen Schüler der 5d2 damals erstellt hatten.
In dieser Klassenzeitung wurden die beiden katholischen Religionslehrer interviewt, zu ihren Lieblingsspeisen und ihrem Freizeitverhalten, was man halt so fragen soll, wenn man grade mal zehn Jahre alt ist.
Es findet sich dort auch ein Interview mit unserem Klassenlehrer, den, ich denke nicht nur ich, sondern viele von uns, als ein ziemliches Arschloch in Erinnnerung haben. Er hat die Schüler im Sportunterricht getreten (sogenannter „Elfmeter“) und im Matheunterricht für die geringsten Verfehlungen (Geodreieck vergessen) mit Strafarbeiten belohnt. Wenn man grade mal knapp 1,45m groß und 10 Jahre alt ist, dann ist so jemand natürlich groß, alt und furchteinflößend. Jetzt gucke ich in diese Klassenzeitung und sehe: dieser Lehrer war damals gerade mal 34 Jahre alt. Von meinem selbst inzwischen erreichten Lebensalter aus gesehen ein Kickifax. Wie kann man mit 34 schon so ein Arschloch sein. Kann man natürlich, gar keine so schwierige Übung, dürfte es heute auch noch geben.
Was mir aber im Nachhinein auch noch auffällt: Das abgedruckte Interview mit ihm. Ich sehe dort Korrekturen in meiner Schrift, und ich erinnere mich tatsächlich, dass der Klassenlehrer mit dem, was da stand, nicht einverstanden war, und uns, der versammelten Klasse, seine Korrekturen in den Bleistift diktierte.
Nichts Gravierendes, nein, aber warum muss jemand seine Lieblingsspeisen und Sprachkenntnisse korrigieren (er isst keine chinesischen und indische Gerichte, er spricht kein Spanisch und Englisch). Nein, er spielt nicht Gitarre, Klavier und Klarinette, sondern nur Blockflöte.
Später war er dann in einer Bürgerinitiative intitiativ gegen ein Kohlekraftwerk, BUND-Mitglied (ich hoffe, das stimmt alles und ich muss das nachher nicht noch mit dem Bleistift hier am Bildschirm übermalen). Es ging das Gerücht, dass man ihn irgendwann aus dem Unterricht entfernt und irgendwo am Ministerium beschäftigt hat, wo er dann den Ministeriumskollegen einen Elfmeter treten konnte.
Wenn ich mich an diesen Morgen der Textkorrektur erinnere, dann erinnere mich an einen Akt großer Humorlosigkeit, was einem als Kind ja nicht auffällt, weil man einfach nur Angst hat.


Es gibt diesen alten Satz: nur wer sich ändert, bleibt sich treu, so oder so in verschiedenen Formulierungen und Zusammenhängen; heute lese ich dann in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung die umgekehrte Formulierung von Jean-Luc Godard: Verändere nichts, wenn es anders werden soll. Das finde ich jetzt mal einen schönen Arbeitsansatz und -titel für eine großformatige Zeichnung (und wehe, es kommt mir damit als Ausstellungstitel jemand zuvor…)
Unter www.utethiel.de findet sich unter dem Reiter „aktuell“ ein Projekt, das ich der näheren Betrachtung unbedingt anempfehlen möchte. (Was ich zum Start des Projektes aber, glaube ich, auch schon mal getan habe).
Parallel zur documenta in Athen und Kassel stellt Ute Thiel dort für jeden Tag ein Foto ein. Parallel dazu finden sich mit der Zeit auch Zitate und Texte.
schnell noch weiterarbeiten, den schwung nutzen, bis die nächste ablehnung ins haus steht



after the aufbau:

Schweinesonnen
– Tierdarstellungen in der zeitgenössischen Malerei
Wanderausstellung von Berlin nach Kaiserslautern..
Teilnehmende Künstler_innen in Lautern:
Jens Andres
Jörn Peter Budesheim
Klaus Harth
Vera Kattler
Oliver Kelm
Veronika Olma
Armin Rohr
Eröffnung am 15. Juli in der Eisenbahnstrasse 23 um 19 Uhr im Fuchsbau.
Öffnungszeiten: Do + Fr. 16-18 Uhr, Sam 11-14 Uhr.
Dauer der Ausstellung 15.7.-13.08.2017


Schweinesonnen
– Tierdarstellungen in der zeitgenössischen Malerei
Wanderausstellung von Berlin nach Kaiserslautern..
Teilnehmende Künstler_innen in Lautern:
Jens Andres
Jörn Peter Budesheim
Klaus Harth
Vera Kattler
Oliver Kelm
Veronika Olma
Armin Rohr
Eröffnung am 15. Juli in der Eisenbahnstrasse 23 um 19 Uhr im Fuchsbau.
Öffnungszeiten: Do + Fr. 16-18 Uhr, Sam 11-14 Uhr.
Dauer der Ausstellung 15.7.-13.08.2017

ANTIPODES CONGREAT
Donnerstag 29. Juni 2017
19:30 Uhr Walpodenakademie Mainz
Buffet, Film, Music,Performance, Sound Poetry und Chill-out im Anschluss an die Eröffnung der Mainzer Minipressenmesse (http://www.minipresse.de) mit Ausstellenden der Messe und Künstlern aus Brandstifter’s internationalem ANTIPODES Netzwerk.
Featuring ELISH (Brussels) & Luc Fierens (Werde, Belgium), Das Fröhliche Wohnzimmer (Ilse Kilic & Fritz Widhalm, Vienna), PASmusique (New York), Thorsten Fuhrmann (Weilheim), Stephan Flommersfeld (Wöllstein) & Klaus Harth (Merchweiler), Inox Kapell (Berlin) in the exhibition KUNST IST IM VEREIN AM SCHÖNSTEN VI.
Eintritt frei, Spenden für das Buffet erbeten.
http://walpodenakademie.de/


