monochrom, different/indifferent

12-09
11-09
Du kannst als unbesiegbar dastehen, wenn du dich in keinen Kampf einlässt, in dem der Sieg nicht von dir abhängt.
Wenn du jemanden siehst, der hochgeehrt, sehr mächtig oder sonst irgendwie groß dasteht, so lass dich nicht etwa von dem Schein hinreissen, ihn glücklich zu preisen. Denn wenn das Wesen des Guten in dem beruht, was in unserer Macht liegt, dann ist hier weder Neid noch Eifersucht angebracht; du selbst willst doch weder Feldherr noch Ratsherr oder Konsul sein, sondern frei.
Dazu aber führt nur ein Weg: Verachtung alles dessen, was nicht in unserer Macht steht.

Bedenke, dass dich nicht der verletzt, der dich beschimpft oder schlägt, sondern nur deine Meinung, dass jener dich verletzt. Wenn dich niemand reizt, so wisse, dass es nur deine Auffassung von der Sache ist, die dich gereizt hat. Deshalb strebe vor allem danach, dich nicht von deiner falschen Vorstellung fortreissen zu lassen. Hast du einmal Zeit zur Überlegung gewonnen, dann wirst du leichter deiner Herr werden.

Tod, Verbannung, überhaupt alles, was allgemein für schrecklich gilt, halte dir täglich vor Augen, vor allem aber den Tod! Dann wirst du niemals etwas Niedriges denken oder übermäßig nach etwas begehren.

monochrom, hellblaugrau

10-09
Wenn der Rabe krächzend Unheil verkündet, so darf dich die Vorstellung nicht hinreißen, sondern mache dir sogleich klar: solche Prophezeiungen gelten nicht mir, höchstens meinem Körper, meinem bisschen Habe oder meinem äußeren Ansehen, meinen Kindern oder meinem Weibe. Wenn ich es will, wird mir nur Glück verkündet.
Was auch von den Prophezeiungen eintreffen mag, an mir liegt es ja, davon Segen zu haben.

monochrom, plural II

09-09

08-09
Du musst dich im Leben benehmen wie bei einem Gastmahl: es wird herumgereicht, die Schüssel kommt an dich: du langst zu und nimmst dir bescheiden; die Schüssel wird weitergetragen: halte sie nicht zurück; ist sie noch nicht zu dir gekommen, so richte dein Verlangen nicht weiter darauf, sondern warte, bis die Reihe an dich kommt.
So denke auch über Kinder, Weib, äußere Stellung und Reichtum, dann wirst du ein würdiger Tischgenosse der Götter sein.
Wenn du aber gar von dem nicht nimmst, was dir vorgesetzt wird, sondern es vorbeigehen lässt, dann wirst du nicht bloß mit den Göttern am Tische sitzen, sondern sogar mit ihnen herrschen. So machten es Diogenes, Herakles und ihresgleichen, und deshalb wurden sie mit Recht göttlich genannt.

Wenn du jemanden trauern siehst, weil sein Kind weit fort ist oder weil er sein Vermögen verloren hat, so gib acht, dass dich nicht die Vorstellung fortreisst, als sei jener infolge der äußeren Dinge im Unglück, sondern halte dir sofort gegenwärtig, dass jenen nicht das Geschehene schmerzt, denn einen anderen würde das ja nicht betrüben, sondern nur seine Auffassung von dem Geschehenen. Solange es noch mit Worten geht, magst du ihm sein Leid tragen helfen und vielleicht auch mit ihm seufzen; nur hüte dich, auch innerlich zu seufzen.
Betrachte dich als einen Schauspieler in einem Drama: die Rolle gibt dir der Dichter, du musst sie spielen, ob sie kurz oder lang ist. Will er, dass du einen Bettler darstellen sollst, so musst du auch diese Rolle gut spielen, auch wenn du einen Krüppel, einen Fürsten oder einen gewöhnlichen Menschen darstellen sollst.
Deine Sache ist es nur, die dir gegebene Rolle gut zu spielen; sie auszuwählen ist Sache eines anderen.

monochrom, chrau

07-09
Ein Herr des anderen ist also, der die Macht hat, das, was der andere will oder nicht will, ihm zu geben oder zu nehmen.
Wer also frei sein will, der darf nicht etwas erstreben oder vermeiden wollen, was in der Macht eines anderen steht. Sonst wird er unweigerlich dessen Sklave.

monochrom, hellblau

05-09
Willst du Fortschritte machen, so musst du es ertragen können, wenn man dich wegen deines äußeren Verhaltens für närrisch und einfältig hält. Wolle auch nicht den Anschein erwecken, als verständest du etwas, und wenn andere es von dir glauben, misstraue dir selbst.
Denn wisse: es ist nicht leicht, seine Seelenverfassung so zu erhalten, wie die Natur es verlangt, und zugleich die äußeren Verhältnisse zu berücksichtigen, sondern es gibt nur ein Entweder-Oder: wer das eine bekümmert, der muss das andere vernachlässigen.

monochrom, Samstag II

04-09
Wenn du Fortschritte machen willst, so musst du Gedanken wie die folgenden abwerfen: wenn ich mich nicht um mein Vermögen kümmere, so werde ich nichts zu essen haben, oder: wenn ich meinen Diener nicht strafe, so wird er ein Taugenichts, denn es ist besser, Hungers zu sterben, aber ohne Furcht und Sorge gelebt zu haben, als in Überfluss und steter Aufregung zu leben; es ist besser, dass dein Diener ein Taugenichts, als dass du selber unglücklich wirst.
Darum musst du schon mit geringfügigen Dingen anfangen: wird dir ein bisschen Öl vergossen oder der letzte Rest Wein gestohlen, so sage dir: dafür kauft man Gleichmut, dafür innere Ruhe. Umsonst erhält man nichts.

Wenn du einen Diener rufst, so denke, er kann dich vielleicht nicht hören, und wenn er dich gehört hat, so ist er vielleicht nicht imstande, das zu tun, was du haben willst.
Aber das ist für jenen kein Glück, wenn es von ihm abhängt, dass du dich nicht aufgregst.

monochrom, schmal

03-09
Bei allem, was dir begegnet, gehe in dich und frage dann: Was für eine Fähigkeit hast du dem gegenüber? Siehst du zum Beispiel einen schönen Knaben oder ein schönes Mädchen, so wirst du als Kraft dagegen in dir die Selbstbeherrschung finden; tritt eine schwere Arbeit an dich heran, so wirst du als Gegenmittel die Ausdauer finden, wird eine Schmähung auf dich geschleudert, dann wirst du Langmut finden. Wenn du dich so gewöhnt hast, dann werden dich die falschen Vorstellungen nicht mehr fortreissen.

Sage nie von einer Sache: ich habe sie verloren, sondern: ich habe sie zurückgegeben. Ein Kind ist dir gestorben: du hast es zurückgegeben. Dein Weib ist dir gestorben: es ward zurückgegeben. Dein Grundstück wurde dir genommen: auch das ward nur zurückgegeben. Aber der ist doch ein Bösewicht, der es mir nahm? Was geht das dich an, durch wen es der zurückforderte, der es dir einst gab? So lange er es dir überlässt, behandle es als fremdes Gut wie ein Wanderer die Herberge.

monochrom, plural II

02-09
01-09
Verlange nicht, dass alles so geschieht, wie du es wünschest, sondern wolle, dass alles so geschieht, wie es geschehe, und es wird dir gut gehen.
Die Krankheit ist ein Hindernis des Körpers, aber nicht des Willens, falls er nicht selbst will. Eine Lähmung ist ein Hindernis des Schenkels, aber nicht des Willens. Und das sage dir bei allem, was dich trifft. Dann wirst du finden, dass es wohl für andere Dinge ein Hindernis sein kann, aber nicht für dich.

monochrom, plural

31-08
30-08
Wenn auf einer Seefahrt das Fahrzeug vor Anker geht und du aussteigst, um frisches Wasser zu holen, dann magst du wohl unterwegs noch etwas nebenher tun, etwa eine Muschel oder eine Meereszwiebel aufheben, aber deine Aufmerksamkeit muss auf das Fahrzeug gerichtet bleiben, du musst es beständig im Auge behalten, ob nicht etwa der Steuermann ruft. Und wenn er ruft, dann musst du alles andere liegen lassen, damit man dich nicht gebunden aufs Schiff wirft, wie man es mit den Schafen macht.
So ist es auch im Leben: Ist dir Weib und Kind beschert, wie dort eine Muschel oder eine Meereszwiebel, so darf das kein Hindernis bilden. Wenn aber der Steuermann ruft, dann eile zu dem Schiffe, lass alles liegen und sieh dich nicht um. Bist du aber alt geworden, so entferne dich nicht zu weit vom Schiffe, damit du nicht etwa ausbleibst, wenn da gerufen wird.

kurze Werbeunterbrechung

kik
T. Sarrnazi schreibt in seinem Buch, von unten werde das Volk immer dümmer, weil sich nur noch die Dummen vermehren. Oder mehr vermehren als wie die schlauen. Nungut. Kik ist jetzt ein Laden für die dummen oder lieber für die schlauen, weiß nicht, jedenfalls für die mit weniger Geld, also jedenfalls die, die für wenig Geld dort die Verantwortung für die Werbung tragen, wissen, dass sie besser sind, als wie man glaubt. Bitteschön. Warum vermehren sich die Verantwortungsträger nicht auch weniger in Zukunft.
Ich trage meine Verantwortung gerne auch alleine.
Tschüß!

monochrom, Sonntag

29-08
Sei nicht stolz auf fremde Vorzüge. Wenn ein Pferd stolz wäre und sagen würde: Ich bin schön, so wäre das noch erträglich. Wenn du aber mit Stolz sagen würdest: ich habe ein schönes Pferd, dann bedenke, dass du nur auf einen Vorzug deines Pferdes stolz bist.
Was ist also dein eigen?
Der Gebrauch deiner Vorstellungen. Also, wenn du dich bei dem Gebrauch deiner Vorstellungen gemäß der Natur verhältst, dann magst du mit Recht stolz sein; denn dann bist du auf einen Vorzug von dir stolz,

fast monochrom, Samstag

28-07
Es verrät einen Ungebildeten, wenn man anderen Vorwürfe darüber macht, dass es einem selber schlecht geht; als ein Anfänger in der philosophischen Bildung erweist sich der, der sich selber Vorwürfe macht. Der wahrhaft Gebildete schiebt die Schuld weder auf andere noch auf sich selbst.

monochrom polyblau

27-08
Wenn du irgendetwas beginnen willst, so mache dir klar, welcher Art die Sache ist. Wenn du nun zum Beispiel baden gehst, so stelle dir vor, wie es im Badehaus zugeht: wie sie mit Wasser spritzen, wie sie sich stoßen und schimpfen und andere gar stehlen. Deshalb wirst du mit größerer Sicherheit hingehen, wenn du dir von vornherein sagst: ich will baden gehen und meine Gemütsverfassung in dem Zustand erhalten, wie er naturgemäß ist. So mache es bei allen Dingen. Denn kommt wirklich etwas beim Baden vor, so kannst du dir zur Beruhigung sagen: ich bin ja doch nicht bloß des Badens hingegangen, sondern um meine Gemütsverfassung der Natur entsprechend zu erhalten, und das tue ich nicht, wenn ich mich über derlei Vorkommnisse ärgere.

Nicht die Dinge beunruhigen die Menschen, sondern ihre Meinungen über die Dinge.

So ist zum Beispiel der Tod an sich nichts Furchtbares -, sonst hätte er auch dem Sokrates furchtbar erscheinen müssen – sondern nur die Meinug, er sei schrecklich, ist das Schreckhafte.
Wenn wir also auf Schwierigkeiten stoßen, in Unruhe und Kümmernis geraten, dann wollen wir die Schuld niemals auf einen anderen schieben, sondern nur auf uns selbst, das heisst auf unsere Meinung von den Dingen.

monochrom dunkelblau, windig

26-08

Bei allem, was deine Seele erfreut oder dir einen Nutzen gewährt oder was du lieb hast, vergiss nicht, dir zu sagen: was es eigentlich ist. Fange dabei an den unscheinbarsten Dingen an, wenn dir zum Beispiel ein Topf teuer ist, so denke dir: ein Topf ist es, der mir teuer ist; dann wirst du dich auch nicht aufregen, wenn er zerbricht. Wenn du dein Weib und Kind küssest, so denke dir: du küssest einen Menschen; und du wirst nicht außer Fassung kommen, wenn er stirbt.

polychrom hellgrau

25-08
Merke dir: Die Begierde verheißt die Erreichung dessen, was man begiert; die Abneigung verheißt, nicht auf das zu stoßen, was man vermeiden will. Wer den Gegenstand seines Begehrens nicht erreicht, ist unglücklich; ein anderer ist unglücklich, weil ihm das widerfährt, was er ganz vermeiden will.
Wenn du also nur dem auszuweichen suchst, was unter den Dingen, die in deiner Gewalt stehen, naturwidrig ist, dann wird dir nichts zustoßen, was du zu vermeiden wünschest. Wenn du aber Krankheit, Tod oder Armut zu entgehen suchst, dann wirst du freilich unglücklich werden.
Fort also mit jedem Widerwillen gegen alles, was nicht in unserer Gewalt steht; nicht nur das meide, was naturwidrig ist unter dem, was in deiner Gewalt ist.
Dein Begehren gib vorläufig ganz auf.
Denn du begehrst etwas, was nicht in unserer Macht steht, und was du wohl begehren könntest, davon weißt du noch nichts. Beschränke dich auf das Wollen und auf das Nichtwollen, aber verfahre dabei obenhin, mit Vorbedacht und Gelassenheit.

monochrom glücklich

24-08

Wenn du nach solch hohem Ziele strebst, dann darfst du nicht denken, du brauchtest dich nicht allzusehr anzustrengen, sondern du musst auf manches ganz verzichten, manches einstweilen beiseite stellen.
Wenn du aber danach strebst und zugleich hohen Ämtern und Reichtum nachjagst, so wirst du vielleicht nicht einmal diese Dinge erreichen, weil du zugleich nach jenem strebst.
Jedenfalls dürftest du ganz sicher das nicht erreichen, woher allein Freiheit und Glück kommen.
Bemühe dich daher, jedem uanangenehmen Gedanken sofort zu begegnen, indem du sagst: „Du bist nicht das, was du zu sein scheinst, du bist bloß eine Einbildung.“ Dann prüfe und beurteile ihn nach den Regeln, die du gelernt hast, besonders aber nach der ersten: ob er zu dem gehört, worüber wir frei verfügen können, oder nicht. Und wenn er zu den Dingen gehört, die nicht in unserer Gewalt stehen, dann sage dir sofort: Es geht mich nichts an.

monochrom grau

grau
Was in unserer Gewalt steht, ist von Natur frei, kann nicht gehindert oder gehemmt werden! was aber nicht in unserer Gewalt steht, ist hinfällig, unfrei, kann gehindert werden, steht unter dem Einfluss anderer. Sei dir also darüber klar: wenn du das von der Natur Unfreie für frei, das Fremde dagegen für dein Eigentum hältst, dann wirst du nur Unannehmlichkeiten haben, wirst klagen, wirst dich aufregen, wirst mit Gott und der Welt hadern; hältst du aber nur das für dein Eigentum, was wirklich dein ist, das Fremde dagegen für fremd, dann kann kein Mensch einen Zwang auf dich ausüben, niemand dir etwas in den Weg legen, du wirst niemandem Vorwürfe machen, niemandem die Schuld geben, wirst nichts gegen deinen Willen tun, niemand kann dir dann schaden, du wirst keinen Feind haben, denn du wirst überhaupt keinen Schaden erleiden.

monochrom blau

monochromblau
Das, was für mich an Christoph Schlingensief am überraschendsten war, war eine Fernsehsendung, wo er sich mit Helge Schneider getroffen hat, und die beiden zusammen im Straßencafé sitzend ein Bier getrunken haben. Oder war es am überraschendsten, dass Helge Schneider mit Christoph Schlingensief ein Bier getrunken hat? Anschließend, oder vorher, haben beide zusammen die Mutter des einen oder die Mutter des anderen besucht. So genau habe ich das nicht mehr in der Erinnerung.
Die Kirche der Angst.
Christoph Schlingensief ist tot. Seit gestern. Toter als Sigmar Polke zum Beispiel. Toter als andere allemal.

Von den Dingen stehen die einen in unserer Gewalt, die anderen nicht. In unserer Gewalt steht: unsere Meinung unser Handeln, unser Begehren und Meiden – kurz: all unser Tun, das von uns ausgeht.
Nicht in unserer Gewalt stehen: unser Leib, unser Besitz, Ansehen, äußere Stellung – mit einem Worte: alles, was nicht unser Tun ist.
Epiktet.

Wir werden den Himmel beobachten!