ein windhund namens köllerbach
man hört dinge die man noch nie gehört hat
riecht einen fluss
geht man dann hin
dann kommt es einem doch total bekannt vor
ein windhund namens köllerbach
autsch
aua
utsch

14.1.21
kaiserschmarren:

hier sitze ich
und forme kaiser
nach meinem bilde
kleine, über-
und durchschaubare
was ziehe ich ihnen bloß an
wenn es draußen dunkel wird?

o tannembaun
o tammembaun
null urvertraum
null uhrvertraum

hannah arendt fährt kein auto (14.7.25 22UHR04 bis 22Uhr12)

letztens hatten wir eine komplette schraube im rechten vorderrad. wir blieben cool und fanden ein ersatzrad unter dem gepäckraum. montags dann mit dem rad mit der schraube zum autoschrauber-onkel. ja, kann man reparieren. schraube raus, loch gestopft, vulkanisiert, was man halt alles so macht. tags darauf reifen abgeholt und dann ging’s wieder los: politikschelte. die bürokratie, die den umsatz frisst. die ausländerfamilie, die mit ihrem bus in die werkstatt kommt, „den ich mir nie leisten könnte“ und die dreieinhalbtausend euro im monat haben – „die habe ich nicht“. und die gehören alle standrechtlich erschossen. wer? na die da oben. alle. und der meinte das ernst. und man würde am liebsten hingehen und sagen: stopf die schraube wieder rein. gib den reifen wieder her.  knausgaard schreibt, im dritten reich war das unmenschliche die norm, an der sich auch die kleine frau orientierte. gegen die schraube kann man was tun. aber irgendwann wird es keine ersatzreifen mehr geben.

27.12.24
geh niemals mit leerer hand,
denn sonst könntest du etwas ergreifen,
die flucht zum beispiel
oder 1 gelegenheit
halt dich fest an untragbaren dingen
damit du vergisst,
was dich eigentlich glücklich macht

menschen ohne parkplatz

wenn die menschen tot sind
stehen die autos vor der tür

es wird nur gelebt
wenn alle neben der garage parken

parkverbot heißt:
niemand darf ins grüne

halteverbot

dass wir alle rastlos leben müssen

oder rastlos rasen

mein vetrauen ist nicht so groß wie die tiefe der verletzung

2×3 minuten gehirnwäsche

10.6. 25   9uhr42 unterbrochen gegen 10 urh,

pfingsten. Das fest, wo sie alle und alles sprechen und sich alle verstehen. Zuerst allerdings hatte ich es dann doch eher mir sprechlosen zu tun, die mir den weg vermittels zeichensprachen kund taten. Eine verkündungs-tat. Die funktioniert hat. Früh am tag sprechen die menschen mehr oder weniger? Weniger oder mehr? Später am tag, allerdings nur an feiertagen, stürzen sich junge, mehr oder weniger bärtige, früh- und mittdreißiger ins tal oder zu berg. Je nach gusto und innerer uhr. Die sich ins tal stürzenden irritieren uns am meisten. Wie soll man da noch die kurve kriegen, wenn man ins rutschen kommt? Bei den nach oben stürzenden denkt man eher an den eigenen herzschlag und den herzschlag im allgemeinen. An durchhaltevermögen und herzinfarkt. An einer stelle am wegesrand, man sieht rechts vor sich in der kurve eine christliche kapelle, findet sich links ein arrangement aus kleinen figürchen buddhistischer mönche. Liebevoll in einem alten baumstamm drapiert, leicht versteckt, so dass man es nicht auf anhieb entdecken muss. Plastik? Keramik? Aber egal. Irgendjemand hat das arrangement mit einer zwergenfigur ergänzt. Erkennst du buddha, töte buddha. Jetzt stellen sich natürlich verschiedene fragen: war es dieselbe person, die den zwerg dazu gestellt hat? Und mit welcher absicht? War das jemand anderes? Und mit welcher absicht hier?

22.6.25   12Uhr11 Fotsetzung bis 12UHR23

war es dieselbe person, dann hat sie entweder ZEN verstanden oder ZEN nicht verstanden interessant ist auch der blick auf die kapelle am berg quasi gleichzeitig zwerg plus ZEN plus christendings war es jemand anderes sollte der ZEN-gedanke wohl verballhornt werden aber ZEN hält das aus ob das christendings den gartenzwerg aushält wer weiß wer weiß es nicht wie auch immer pfingsten wir sollten es nicht vergessen berganstieg blick über die weite der gegend und ich stehe am wegrand und über mir ein flugzeug und ich denke noch altes flugzeug und sehen die mich jetzt wie ich hier pipi mache und eigentlich nein und wenn eigentlich doch dann sowieso egal bescheuerter gedanke die natur bleibt grün vorne links mäht jemand mit motorgebrüll sein gras am steilhang mit entsprechendem gerät und schert sich null um pfingstendings abstieg leichter als gedacht genuss und gehen und froh dass die stunde noch nicht geschlagen hat die mutter ist weit entfernt und plötzlich die erinnerung an die motorradspur an unerwarteter stelle oben auf der ebene am pass denn jetzt kommen zwei mehr oder minder jugendliche motorradfaher:innen und man frau alle ertrappen sich bei dem gedanken macht das jetzt nicht alles kaputt mein schönes kleines wanderidyll darf man das überhaupt in der schweiz und hier fahren doch noch nicht mal mountainbiker geschweige e-beiker oder sonstige radpfarrer in der schweiz scheint pfingsten kein tag der stille sondern ein tag des motormähens und motor-radpfarrens und man wünscht ja keinem dass er (oder sie, aber es waren tatsächlich nur männer) ausrutscht und den abhang fallend durchwirkt oder wünscht man es insgeheim dann doch und müsste man sich eigentlich dieses gedankens schämen noch lang riechen die abgase und ZEN meint dass nicht nur stille zwerge sondern auch motorradpfarrer:innen im wald auszuhalten seien ach ZEN meinst du das wirklich und meinst du das gerade auch an pfingsen?

dostojewski und vice versa

„Die Menschen sind unglücklich, weil sie nicht wissen, dass sie glücklich sind.“

Die Menschen sind glücklich, weil sie nicht wissen, dass sie unglücklich sind.

manchmal sollte man nachsehen, ob es einen noch gibt

Drama

personen: mann und frau, souffleuse

Szene 1.

mann (zum Publikum sprechend):

Von nun an wird sich unser aller Leben ändern! Ich habe unseren Kindern unendlich Schreckliches angetan! Aber ich habe mir verziehen.

Pause.

zur Frau sprechend: Und das kann ich auch Dir nur raten.

Szene 2:

mann (zur Frau sprechend):

Von nun an wird sich unser aller Leben ändern! Ich habe unseren Kindern unendlich Schreckliches angetan!

zum publikum:

Aber ich habe mir …

souffleuse (leise): verziehen … verziehen

mann (zum publikum, laut und klar):

Verziehen!

Und das kann ich auch Euch allen nur raten.

Szene 3:

mann (zur Frau sprechend):

Von nun an wird sich unser aller Leben ändern! Ich habe unseren Kindern unendlich Schreckliches angetan!

zum publikum (laut und klar):

Aber ich habe mir verziehen.

Verziehen!

Und das kann ich auch Euch allen nur raten.

letztens abends ein rumpelnder mann im zug: packt seine sachen aus, macht sich breit, atmet laut und schwer und unkontrolliert, der vierer-platz, den er einnimmt, bietet immer noch zu wenig raum – glatze, rote trainingsjacke, unangenehme gesamtausstrahlung (wohlgemerkt: ich sehe ihn kaum, da wir durch die Sitzreihe getrennt sind, dafür spüre ich seine anwesenheit, die andere zu verdrängen trachtet, umso mehr); später putzt er geräuschvoll seine lesebrille, beugt sich über ein buch, vorerst immer noch nervös, zwischendurch am smartphone dinge suchend, dann ruhiger werdend und lesend – sobald der zug an bahnhöfen anfährt, bremst er, ohne den blick vom buch abzuwenden, fast schon zärtlich sein dosenbier mit der linken hand, damit es ihm nicht vom tisch rutscht.

spaziergang, eben

der Duft hält ziemlich lange:
12 m, 13 Sekunden, noch länger?
Bratkartoffeln, die man aus Pulver anrühren kann.
Sonntagmorgen.
Ich erinnere mich noch an mein Gesicht, als ich das
erste mal in meinem Leben Kartoffelbrei zum Anrühren
gesehen habe.
Fremde Welt. Anderer Planet.
Ein Apfel verwest auf dem Schotter eines falsch verstandenen ZEN-Vorgartens.
Ein Mann (es kann nur ein Mann gewesen sein) hat ein Vogelhäuschen geschnitzt mit einem Eulen-Motiv auf der Vorderseite.
Das eine Auge ist das Loch zum Reinfliegen.
Ohne Faust durch’s Auge in die innere Sicherheit.

warum kann ich mir die geburtstage anfang januar einfach so schlecht merken? Weil ich noch nicht richtig da bin, obwohl alles schon wieder da ist und eigentlich noch nicht mal riichtig weg war? Die demütigung des neuen jahres, dass alles einfach so weitergeht, als gäbe es kein dazwischen? Und dabei fängt der januar mit einem „ja“ an – nein, nein, nein: ich will monate, die mit einem „nein“ anfangen!

(wie geht das euch, ihr januar-geborenen: schon wieder muss ich weiterleben? oder freut ihr euch, dass weihnachten endlich vorbei ist und ihr jetzt endlich wieder zum zug kommt?)

eclectic field

Hach, dachte ich, was für eine Gelegenheit, das Kino 8 1/2 zeigt den Gewinnerfilm des Ophüls-Festivals aus dem letzten Jahr. „Electric fields“ von Lisa Gertsch. Es fallen einem zwei Sachen ein. Zum einen das Diktum von Billy Wilder: Du darfst alles, nur nicht langweilen. Und zum zweiten, wie Jurys so funktionieren. Menschen, die aus welchen Gründen, zusammen in einer Jury gefangen sind, um, wie hier nach einer Woche, einen Gewinnerfilm küren zu müssen. Man kennt sich nicht, ist ein Individuum, versteht sich besser oder schlechter und muss sich auf einen Film einigen. Man fand vielleicht einen anderen Film besser, hat sich mit seinen Argumenten aber nicht durchsetzen können. Und nun ist es also das, auf was man sich einigen konnte.
Und ich finde es schon schlimm, wenn sich nach einem Film erstmal solche Gedanken aufdrängen.
Lisa Gertsch traut sich was. Kleine Episoden, die immer irgendwie im Unerwarteten enden, wobei, und das ist das Problem, dieses Unerwartete oft ein wenig belanglos daherkommt, wenig existentielle Tiefe hat, und alles in allem reichlich konstruiert wirkt. Die zweite Szene, wo eine Frau in einen Elektroladen kommt mit einer Glühlampe, die scheinbar so eine Art ewiges Licht darstellt. Sie leuchtet ohne Strom, leuchtet und leuchtet und dem Elektriker ist es unerklärlich, warum er die Lösung nicht findet. Keine Spannung drauf. Ja, sagt die Kundin. Aber sie leuchtet trotzdem. Das alles wird ins Unendliche gedehnt, so dass man sich zwischendurch bei dem Gedanken ertappt: hau doch einfach mit dem Hammer drauf! Und wie endet die Szene: Der Elektriker schlägt vor, die Lampe zu zerschlagen, und tut es, in dem er sie auf den Boden fallen lässt. Die Kundin bezahlt und nimmt die Scherben mit nachhause.
Mir ging es schon mal so mit den Erzählungen von Felicitas Hoppe. (Picknick der Friseure). Die erste Erzählung in dem Bändchen hat durchaus noch einen gewissen sprachlichen und intellektuellen Pfiff. Danach läuft aber alles wieder und wieder nach demselben Schema. Auch hier, für mein Empfinden, ohne ausreichende existentielle Tiefe.
Zwischendurch denke ich – natürlich – auch an die Filme von Roy Andersson. Auch hier unerwartete Wendungen. Absurditäten. Aber auch: die Abgründe des menschlichen Daseins. Und Bilder, die dies zu greifen vermögen.
Lisa Gertschs Film vertraut zu viel auf die ein oder andere fixe Idee oder schnelle Pointe. Man wartet und wartet. Es werden Andeutungen gemacht, die nicht eingehalten werden. Und vor allem: das alles funktioniert nicht über interessante Bilder, die sich einprägen.
Mit einer einzige Ausnahme: Der Mann, der, plötzlich, um Jahre gealtert, an der Brücke in den See steigt, unter- und nicht mehr auftaucht. Ganz langsam dramatisiert sich das Bild, der Wellengang nimmt zu, der Geräuschpegel nimmt zu, die Boote im Hintergrund werden absurd hin und her bewegt und es beschleicht einen die Ahnung, dass die Wellen und alles auch über einen selbst zusammenschlagen könnten. Das war der einzig wirklich berührende Moment des ganzen Films.
Am wirklich unnötigsten die Szene des Liebespaars, das sich in einem Hotelzimmer trifft. Keine Idee, was hier gesagt werden sollte.
Und was mich hier interessieren sollte. Ich war ja selbst früher ein glühender Verfechter der Ansicht, dass, wenn es bohrende Langeweile vermitteln soll, selbst auch bohrend langweilig inszeniert sein muss. Aber dann versehe ich wenigstens, dass es hier um das Thema bohrender Langeweile geht.
Ich denke auch an unzählige Video-Arbeiten aus dem Kunst-Bereich. Die meisten banaler Zeitdiebstahl.
Und wo ist der Film entstanden: Kunsthochschule Zürich. Bitteschön. Dankeschön.
Kann ja sein, dass die Jury gelangweilt war von unendlich konventionellen Erzählfilmen, aufwändig co-produziert von arte, ZDF etc. und dann dachte: wow, hier kommt eine neue mutige Erzählform.
Nee. Leider. Kommt sie nicht.