gerade hatte ich die idee, gedichte von einem schriftsteller auswendig zu lernen, dessen namen ich mir noch nicht einmal merken kann
Skizzenbuch und permanenter Ausstellungsraum von Klaus Harth
gerade hatte ich die idee, gedichte von einem schriftsteller auswendig zu lernen, dessen namen ich mir noch nicht einmal merken kann
die dinge absolut richtig tun aber in der asbsolut falschesten reihenfolge
wenn überall dummheit, wie sich wichtig nehmen können &sollen?

wir lieben es, wenn es aufgeräumt ist. die forstindustrie kam, sah und fällte als da eine menge entscheidungen und – nicht zuletzt: sie schaffte wieder ordnung im wald. wo vorgestern noch wild die bäume sprossen, liegen sie nun fein säuberlich aufgereiht am lebensrand. wie ist das mit all den jahren, an deren ende die menschen sagen: oh schon wieder weihnachten, oh schon wieder ein jahr vorbei, die zeit sie rast, eben noch war es fünf vor zwölf, jetzt sind die kinder schon achtundreißig? ist es nicht so, dass wir ein jahr um so länger empfinden, je mehr darin unvorhergesehene und überhaupt bisher ungesehene dinge passiert sind? dort was spannendes, hier was neues? und dass wir nicht einfach nur von black friday zu black friday leben? von einer serie zur nächsten, von einem samstag auf den anderen? urlaub und wochenende als die einzigen höhenpunkte? und dass unser garten voll ist mit wucherndem material, so dass wir kaum durchkommen und wir ihn deshalb als groß und ausufernd empfinden, wo wie wir die fläche des nun ordentlich abgeholzten waldes plötzlich als überraschend klein und überschaubar sehen? c’est la vie, werden die einen sagen. und die anderen wahrscheinlich auch.
und dass sich alle so auf die neuwahlen für den bundestag freuen, als hätte es die letzten landtagswahlergebnisse nicht gegeben. olaf scholz wird von der breiten masse als der schlechteste bundeskanzler der schlechtesten bundesregierung seit menschen gedenken wahrgenommen. und er kandidiert erneut, als wäre das eine auszeichnung, die hoffnung und mut macht auf und für die zukunft. die spd findet das gut, wen gäbe es auch sonst, der freiwillig den kopf hinhielte, oder sogar noch besser: ideen und charisma versprühte? robert habeck ditissimo. fehlt nur noch, dass sich auch lindner für die fdp als kanzlerkandidat*in aufstellen ließe. ja, warum denn auch nicht? weltbester finanzinister ever, zumindest in der selbsteinschätzung. schätze ich denn jetzt mal einfach so fremd. nicht, dass ich die meinung über olaf scholz etc. so pauschal teilen würde. aber: welche selbstwahrnehmung steckt hinter scholz und habeck etc.? wie weit weg sind sie von den sorgen, die die sogenannten „menschen im lande“ umtreiben. und das ist das daran eigentlich beunruhigende. keine erkenntnis, kein innehalten, keine selbstkritik, kein zeichen, eine idee zu haben, einfach ein weiter so. vielleicht ein bisschen anders, aber im grunde unverändert. und dann wundert man sich, dass afd und bsw zulegen. und wer will schon einen merz oder söder? und die neuwahl ist die große hoffnung? mir bibbert’s und schaudert’s. und wir können wahrscheinlich froh sein, wenn es für eine große koalition reichen sollte.
die selbstdarstellung von robert habeck im wahlkampf, der ja schließlich auch mal philosoph gelernt hat, erscheint mir dabei so wichtig wie der wahlkampf der grauen panther, falls es die überhaupt noch geben sollte. gewaltarbeiter im wald. gewaltwirte aller orten.
das was ihn am meisten interessiert ist sein müll. (ist dir eigentlich
aufgefallen, dass kafka bei seinen relativsätzen nie ein komma setzt?)
müll gehört in die tonnen. Tonnen gehören versteckt oder, wenn
es dann an der zeit ist, sichtbar an den straßenrand. Das unsichtbare sichtbar machen, das war paul klees inzwischen etwas abgelutschte definition von künstlerischem tun. Das unsichtbare sichtbar machen, wenn es an der zeit ist, wenn klar ist: heute kommen die müllwerker*innen. Nein: morgen kommen die müllwerker*innen.
Das hat sich so eingebürgert bei uns in der straße: morgen ist restmüll, gelbe tonne, biomüll oder sogar papier, dann stehen bereits am
vorabend die mülltonnen am wegesrand. Stille zeugen der entsorgungsmentalität. Stille zeugen, die trotzdem beredt darüber auskunft geben, dass sich allem ordnungsgemäß entledigt wird. Bei manchen reicht inzwischen sogar der vorabend kaum noch aus. Es sollte gesetze geben, dass vor 16 uhr am vortag des entsorgungsgeschehens keine tonnen am wegesrand … Ich habe übrigens eure mülltonne rausgestellt: sie war voll. Merkwürdige interessen: früher hatten wir eine nachbarin, rentnerin, am stock mühsam gehend, die sich jeden tag in der frühe auf die reise zu ihrer neben dem haus geparkten mülltonne machte, um, mit ebendiesem stock, das innewohnende material ebendieser tonne ordnungsgemäß zu verdichten. Eine poetin von fülle und leere, von fülle und abfuhr, von etwas und nichts.
Sorge und entsorge. Ora et labora. Das leben als eine abfolge von
dingen, die es zu erledigen gilt. Man sollte auch unbedingt nochmal
über die anale phase nachdenken. (zu meiner kindheit gab es bei
uns im ort tatsächlich eine müllhalde. Im ort ist falsch: am rande
des ortes. Dort lagerte und verrottete alles. Man konnte es sehen
und riechen. Haben wir in den 70ern weniger müll gemacht? Kaum
vorstellbar.) Mehr als 40 gramm zucker pro tag sind ungesund – und
kommas sind kein müll. Nur ein schriftsteller der seine relativsätze
ordnungsgemäß mit kommata versieht ist ein guter schriftsteller. Die
dinge sichtbar machen und dann ganz ganz schnell wieder vergessen. Ma il treno dei desideri, nei miei pensieri all‘incontrario va.
21.8.24 ergänzung:
wir stellen unsere tonne jetzt azyklisch raus. dienstags früh, wenn
übernächste woche der papiermüll kommt. dinge sichtbar machen, die zwecklos sind.
15. november, morgens, auf dem weg zum zug:
ein kleiner gefüllter gelber sack
achtlos an der hauswand
halb sieben, dunkel
keine gedanken
kein schützendes dach aus sonne
an den vollmond von gestern abend
erinnert sich auch keiner mehr
nur wenn ich weiß, wo ich bin,
kann ich mir merken,
wer ich bin


wir stellen unsere tonne jetzt azyklisch raus. dienstags früh, wenn übernächste woche der papiermüll kommt.

tage entspannter verzweiflung
das was ihn am meisten interessiert ist sein müll. (ist dir eigentlich aufgefallen, dass kafka bei seinen relativsätzen nie ein komma setzt?) müll gehört in die tonnen. Tonnen gehören versteckt oder, wenn es dann an der zeit ist, sichtbar an den straßenrand. Das unsichtbare sichtbar machen, das war paul klees inzwischen etwas abgelutschte definition von künstlerischem tun. Das unsichtbare sichtbar machen, wenn es an der zeit ist, wenn klar ist: heute kommen die müllwerker*innen. Nein: morgen kommen die müllwerker*innen. Das hat sich so eingebürgert bei uns in der straße: morgen ist restmüll, gelbe tonne, biomüll oder sogar papier, dann stehen bereits am vorabend die mülltonnen am wegesrand. Stille zeugen der entsorgungsmentalität. Stille zeugen, die trotzdem beredt darüber auskunft geben, dass sich allem ordnungsgemäß entledigt wird. Bei manchen reicht inzwischen sogar der vorabend kaum noch aus. Es sollte gesetze geben, dass vor 16 uhr am vortag des entsorgungsgeschehens keine tonnen am wegesrand… Ich habe übrigens eure mülltonne rausgestellt: sie war voll. Merkwürdige interessen: früher hatten wir eine nachbarin, rentnerin, am stock mühsam gehend, die sich jeden tag in der frühe auf die reise zu ihrer neben dem haus geparkten mülltonne machte, um, mit ebendiesem stock, das innewohnende material ebendieser tonne ordnungsgemäß zu verdichten. Eine poetin von fülle und leere, von fülle und abfuhr, von etwas und nichts. Sorge und entsorge. Ora et labora. Das leben als eine abfolge von dingen, die es zu erledigen gilt. Man sollte auch unbedingt nochmal über die anale phase nachdenken. (zu meiner kindheit gab es bei uns im ort tatsächlich eine müllhalde. Im ort ist falsch: am rande des ortes. Dort lagerte und verrottete alles. Man konnte es sehen und riechen. Haben wir in den 70ern weniger müll gemacht? Kaum vorstellbar). Mehr als 40g Zucker pro Tag sind ungesund – und Kommas sind kein Müll. Nur ein schriftsteller der seine raltivsätze ordnungsgemäß mit kommata versieht ist ein guter schriftsteller. Die dinge sichtbar machen und dann ganz ganz schnell wieder vergessen. Ma il treno dei desideri, nei miei pensieri all’incontrario va.
lass es
ich benutze mich selbst
benutze dich selbst
auch und ebenso
benutzt nichts!
benutz-nichts-tag
und – nachts

heute mittag habe ich die zukunft gesehen: sie saß vor ihrem haus auf einer bank im schatten, war mindestens 75 oder vielleicht auch noch nicht und atmete durch ein tatoo auf ihrem linken oberarm.
Hier in München wimmelt es von Zahnärzten. Zahnarzt werden kann jeder, ist leicht verdientes Geld. Und offensichtlich gibt es hier auch ausreichend Bedarf. Wir blicken aus dem Hotelzimmer auf die Landshuter Allee. Schon früh morgens sind die Straßen voll von Zahnärzten in ihren großen Autos und Patienten in ihren kleineren Autos und öffentlichen Verkehrsmitteln auf dem Weg in ihre Praxen und auf die Behandlungsstühle. Implantate allerorten. Abends fahren alle wieder zurück. In ihre überteuerten Wohnungen mit ihrem überteuerten Abendbrot. Nachts ist es eher ruhig und dunkel. Vermutlich übernehmen diese Zahnärzte auch Aufgaben der Geburtshilfe und Buchhandlungen. Wir werden das gleich nachher noch nachprüfen.

der klare kante-zeiger betont, dass er klare kante zeigt und merkt nicht, dass die klare kante teil des problems ist: klare kante können auch netanjahu und alle anderen seines klare-kante-kalibers, und damit ist gar nix gelöst, aber rein gar nix, getöse als klare kante, pöbelei als klare kante, worum geht es, um die sache oder um das zeigen des klare-kanten-zeigers?
heute zum ersten mal seit des ersten corona-lockdowns wieder im hallenbad in neunkirchen. zwischenzeitlich im freibad, in diesem sommer sogar ganz oft. aber die vor corona regelmäßigen hallenbad-besuche wurden heute wieder offiziell aufgenommen. war schön. 59 bahnen (25m) quasi aus dem fast nichts in knapp 40 minuten. immer so viele bahnen, wie ich alt bin. ab märz dann eine mehr. soll ja auch kein sport sein.
Heute nacht vom Wald meiner Kindheit geträumt. Zum wiederholten Male. Und zum wiederholten Male war es nicht der Wald meiner Kindheit. Er hat Wege, die es in meiner Kindheit nicht gab. Ich habe seit Jahren Lust, diesen einen Weg wieder mit dem Fahrrad abzufahren, der dann überraschend nach einigen Kilometern die Kehrtwende an einem Nachbarort vorbei macht. Jedesmal ist man überrascht, dass man auf diesem Weg diesen Ort erreicht. Und heute morgen werde ich dann wach (es war kurz nach 4) und muss mir eingestehen, dass es diesen Weg, dieses Leben, diesen Wald gar nicht gibt, obwohl er mir so unendlich vertraut scheint. Ein Mangel. Eine Lücke. Es gibt keinen Ersatz für das, was es nicht gibt.