-> wenn’s deinen eltern gefällt, dann taugt’s nix.
Skizzenbuch und permanenter Ausstellungsraum von Klaus Harth
-> wenn’s deinen eltern gefällt, dann taugt’s nix.
Gehen bei der Saarbrücker Zeitung grad alle Maßstäbe verloren? In dem heutigen Portrait von Meret-Sophie Preis und ihrer zeichnerischen Arbeit wird am Anfang vor Superlativen nur so gestrotzt: „… der heißeste Scheiß von morgen“ etc. Ich will jetzt gar nicht näher darauf eingehen: Aber ist es sinnvoll, nein: ist es verantwortbar, eine 24-Jährige, die noch nicht mal ihr Studium abgeschlossen hat, derart öffentlich hochzujazzen, sie schon jetzt auf das festzulegen, was sie grade für sich gefunden zu haben glaubt? Ich versteh’s halt einfach nicht. Lasst die Leute sich doch einfach mal in Ruhe entwickeln!
Kunst ist Widerstand. Nicht Anpassung. Und schon gar nicht „der heißeste Scheiß“, denn der kann übermorgen schon ganz schön erkaltet sein.
Blättere eben in einem Baselitz-Interview in einem älteren Lettre International. An der Rand habe ich mir am 16.10.2024 die Notiz geschrieben:
Kunst als Werkverweigerung -> schält sich das nicht als mein Thema heraus?
Je älter ich werde, desto mehr scheint es mir, als sei das eines meiner grundlegenden Themen. Ich war ja eh schon immer davon überzeugt, dass das, was man „Thema“ nennen sollte, die in einem tiefer verborgenen Dinge sind. Der Umgang mit Ordnung und Chaos etwa. Eine gewisse Unbehaustheit in der Welt. Das Vereinen unterschiedlichster und teils widersprüchlichster Elemente zu einem Ganzen. Oder halt die Werkverweigerung.
Ob ich ein Portrait zeichne oder eine Landschaft oder eine Zeichnung zu einem Musikstück mache: Die tiefer liegenden Theman transportieren sich durch Anordnung und Verwendung des Materials, durch die Art und Weise etwas zu sehen und zu sagen.
Das ist natürlich ein Problem. Denn damit vereinzelt man sich. Die meisten brauchen wiedererkennbare Spuren. Bei wiedererkennbaren und sich wiederholenden Spuren kann fast jeder eine Fährte lesen. Einen Kontext erschließen.
Ich habe in meinem Leben zwei Komplimente für meine Zeichnungen etc. bekommen, die sich mir tief eingegraben haben:
Eines lautete (über eine postkartengroße Zeichnung): „Die ganze Welt in ein paar Strichen“.
Das andere: „Egal, was Du malst und zeichnest und wie Du das tust, man erkennt doch immer, dass das von Dir stammen muss.“
„Die Welt in ein paar Strichen“ tröstet mich immer, wenn wieder diese ganzen wohlfeilen Selbstdarstellungsstrategien gerühmt werden, Bildprodukte gelobt werden, weil sie das „Kopfkino“ befeuern u.ä. Ich mache diese Dinge in erster Linie für mich, es geht um Beobachten, Verstehen, Verstoffwechseln, Umdeuten, den DIngen auf den Grund gehen. Die Welt aushalten. Die eigene Sicht der Dinge verstehen und zeigen. Dem mag und kann nicht jede*r folgen.
Das „Egal“-Zitat tröstet mich immer, wenn ich denke, ich hätte mir alle Chancen selbst verbaut, indem ich nicht anders kann, als die Dinge von den unterschiedlichsten Seiten aus zu beleuchten. Und dass dann die Sachen nicht alle den gleichen Stil pflegen. Früher gab es dann noch ellenlange Serien über größere Zeiträume hinweg. Mittlerweile gibt es immer noch Serien, die laufen aber anderen Dingen parallel und verquer und versuchen alles zu greifen. Und natürlich sehen die wenigsten den Zusammenhang und das habe ich mir nicht nur selbst eingebrockt, nein, das ist zutiefst in mir angelegt.
Die Werkverweigerung als künstlerische Strategie. Weil das Werk suspekt ist.
Vielleicht.
Einlassbild

im Büro der Bürgermeisterin

Ulla

Sam und die Windmühlen (WIndräder)

Schluss-Szene

Ein Jahr lang war ich damit beschäftigt. Auf Einladung Peter Tiefenbrunners, der für Regie und Dramaturgie des Stücks verantwortlich war und der meine Bühnenbild-Projektionen für Ralf Peters Orpheus, Kafka und Ulmann kannte, habe ich an 13 Freitagen (sic!) zwischen Proberaum und Musikraum gesessen und mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern gemalt und gezeichnet. Und auch einige Mütter waren immer wieder dabei und haben Häuser, Bäume und andere Dinge beigesteuert, mit denen ich dann die einzelnen Szenen am Rechner zusammenmontierte. Das ein oder andere stammte natürlich auch von mir: der ein oder andere Stuhl und Bilderrahmen und Kronleuchter im Büro der Bürgermeisterin zum Beispiel. Die Idee, dass die Räumlichkeiten der Bürgermeisterin eigentlich auch etwas königlicher und feudaler daherkommen dürfen, entstand bereits ganz ganz am Anfang im Gespräch beim gemeinsamen Malen. Schließlich basiert das Janze auf einem Märchen der Gebrüder Grimm. Und da war es keine Bürgermeisterin, sondern ein König. Von Anfang an dabei und ganz viele Blätter beigesteuert hat Lena Müller. Und gestern abend nach der Aufführung hat mir Fines Mutter noch kurz mitgeteilt, dass Fine total aus dem Häuschen war (ich denke, ich darf das so formulieren), als sie in fast jeder Szene irgendwo die Katze wiederentdeckt hat, die sie auf einem Blatt gezeichnet hatte.
Eins hätte ich anders gemacht: es gab die Szene, wo im Vordergrund der Grauburger Chor das Loblied auf die Grauheit der Stadt schmettert und meine Häuser schon ziemlich festlich bunt waren.
Da hätte ich ein bisschen genauer nachhaken müssen, wie sich die Szene eigentlich und im Besonderen gestaltet.
Hoffentlich haben das nicht zu viele bemerkt.
Aber ansonsten hat es sehr schön funktioniert. Auch die unterschiedlichen „Wälder“ für die verschiedenen Draußen-Szenen. Das war dann immer etwas anders und hat dem immer einen etwas anderen Anstrich gegeben.
Und natürlich die Windräder, die mir auch beim Zeichnen ziemlich viel Spaß gemacht haben.
Für die Szene mit dem Wettrennen war ein Film geplant. Nicht damit gerechnet habe ich allerdings, dass man dafür eine Zeichnung von mir genommen und per KI „beschleunigt“ hat. Und dahinein dann die beiden Läufer montiert. Ich hab noch nicht rausbekommen, wer das gemacht hat, aber das war ziemlich cool und flott.
Am Anfang war ich dann doch ziemlich skeptisch, ob ich das wirklich machen soll. Hatte man doch immer wieder das Gefühl, dass es aus den verschiedensten Gründen nicht wirklich voran geht.
Aber gegen Ende ist dann wirklich nochmal eine ganze Menge passiert.

heute ein bisschen rumgesprüht. das garten-atelier ist wieder benutzbar.
heute konnte ich es nicht vermeiden, die augen nicht schnell genug geschlossen, um auf facebook einem post zu entgehen. normalerweise schreib ich da ja keine kommentare mehr und bemühe mich immer um die einhaltung der regel: erstmal eine nacht drüber schlafen. aber eine meiner lieblingskolleginnen, eine ältere dame, die sich als künstlerin begreift, für mich aber nur eine weitere person ist, die katzen liebt und bei dem ansteigen der benzinpreise sich nicht entbödet hat, regelmäßig zum wochenende hin die preisanzeige einer saarlouiser tankstelle zu posten mit der bildunterschrift: „schönes wochenende!“, was das auch immer zwischen und über den zeilen transportieren sollte. wie auch immer, der kommentar einer ihr wohl bekannten person, der ungefähr so ging: „…aber die Blauen nicht wählen wollen“ blieb leider unkommentiert. ach so, ach was. jedenfalls ging es heute im die unsäglichen staus auf der autobahn saarbrücken stadtauswärts richtung völklingen und saarlouis. die politik, die die menschen gängelt und zu blöd ist, die baustellen zu managen und was dann an diesen sermonen zum armen ausgebeuteten volk noch so hinterherkömmt. ich habs früher schon gedacht, auch und gerade dann, wenn ich selbst mit dem auto im stau stehe und gestanden habe: WER IM STAU STEHT IST TEIL DES PROBLEMS. Das Problem sind nur second hand die baustellen, die den verkehr lahmlegen. das problem ist der massenhafte verkehr. ich kann nicht im stau stehen und über den verkehr schimpfen. ich kann nicht im stau stehen und über den stau schimpfen. ich bin teil der veranstaltung. und komm mir keiner mit: aber ohne auto komme ich nicht zur arbeitsstelle und und und. ich gehe an unserer bäckerei vorbei und die wenigsten brötchen werden auch auf dem dorf (und gerade dort) zu fuß erworben. das hat nix mit „ich komme ohne auto nicht auf meine arbeitsstelle“ zu tun. natürlich kann ich ohne auto in dem öffentlich-rechtlichen-nahverkehr-schlecht-erschlossenen saarland nicht das landleben im nordsaarland genießen und in saarbrücken dem gutbezahlten job nachgehen. ich könnte aber in saarbrücken leben und dort arbeiten. aber das will eben keiner. ich will ich will und ich will und die anderen sollen.
jeder mensch ist ein künstler. nur du nicht. (angeblich auch von jesus maria beuys, einem seiner zahlreichen schüler*innen gegenüber).
jesus maria beuys ist übrigens die schwester von jesus maria rilke. glaub ich. oder doch?
Jetzt sterben sie alle. Marjane Satrapi am 4. Juni. Und jetzt David Hockney. Hockney habe ich relativ früh entdeckt. 1987 war ich zum erstenmal im Centre Pompidou in Paris und hab mir dort ein Katalogbüchlein über David Hockney gekauft.Ich war angetan insbesondere von den Portraitzeichnungen in Blei-, Farbstift und Feder in Tusche. Sehr klare und konzentrierte Zeichnungen, die ich, insbesondere die Farbstift-Varianten, nachzuahmen suchte. Es würde mich reizen, die Tage mal auf den Speicher zu krabbeln und die alten Mappen rauszusuchen, ob ich da noch was finde … Hockney hat mich immer wieder beschäftigt, wahrscheinlich ist er der Einzelkünstler, von dem ich die meisten Ausstellungen gesehen habe: Die Retrospektive 2001 in Bonn, 1998 die Photoworks in Köln, 2013 The bigger Picture, ebenso im Ludwig in Köln. Auf Schloss Moyland gab es eine kleine Show mit seinen Radierungen zu den Gebrüdern Grimm 2016. Das war eher Zufall, ich war natürlich wegen Beuys dort. Was mich beeidruckt hat, waren immer die Freiheiten, die er sich genommen hat. Die Experimentierfreude. Er hatte ein schönes und langes Leben.
Weshalb mich der Tod von Marjane Satrapi letzte Woche dann allerdings doch mehr erschüttert und berührt hat. Ihr „Persepolis“ habe ich erst 2018 entdeckt. Zuerst als Buch. Und dann auch als Film. Ich habe das Buch letzte Woche nochmal aus dem Regal geholt und noch einmal gelesen. Ein völlig anderes Leben. Eine völlig andere Welt. Ich weiß mit diesem Tod gar nichts anzufangen. Eben stolpere ich über einen France Inter – Beitrag zu ihrem Tod, wo sie auf die Frage, ob sie manchmal an den Tod denke, antwortet: Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute. Was bleibt übrig, als ihre anderen Bücher auch endlich mal zu lesen.
Vermisst man jemanden, von dem es so viel gegeben hat, weniger, als jemanden, von dem noch so viel hätte kommen können? Ist das eine blöde Frage, vielleicht sogar eine ungehörige und ungebührliche?
Ich hege ja die Vermutung, dass irgendwann der Punkt erreicht ist, wo man von der Welt dermaßen genug hat, dass man gehen kann.
Zwei sehr unterschiedliche Leben.
Nachtrag: Alle wissen, was sie am 9. September 2001 getan haben. Ich höchstselbst war in der Hockney-Retrospektive in Bonn. Müde im Zug noch insbesondere über Bilder nachsinnend, bei denen ich mir die Frage stellte „darf der das?“ (diese Ansicht vom Fuji mit Blumen davor z.B.), schlief ich, um an dem ein oder anderen Bahnhof leicht das Auge zu öffnen, eine merkwürdige Stimmung unter den Leuten spürend, ohne zu wissen, dass inzwischen die Welt eine andere war.


Es kann wunderbar sein, nicht zu denken. Naja, sagen wir mal: anders zu denken. Wenn man die Sachen nicht zu greifen bekommt, dann kann man in angedachten Formlierungen schwelgen, sie wieder abbrechen lassen, durch etwas anderes ergänzen. In dieser Zeit, in der einen so vieles bedrückt, kann es zwar keine Lösung sein, aber die Verknotungen etwas lösen, wenn man undurchdacht vor sich hin formuliert. Das ist eine Art des Zeichnens, die etwas Befreiendes haben kann. Dort, wo wir nix greifen und begreifen können, entstehen Gedichte. Sprache, die ausspricht, in dem Wissen, dass sie eigentlich nichts konkret benennen kann, weil es mit Sprache eben nicht konkret zu benennen ist. Oder eben solche Zeichnungen.
Derzeit (entstanden aus dem Zusammentreffen mehrerer Zufälle: die Benutzung von Sprühfarbe wegen der plötzlichen Einbeziehung in die Organisation der PRÜF-Demos, das Geschenk einer schön dickflüssigen Farben, die mir Sita aus Kamerun mitgebracht hat, dem Wunsch Peter Tiefenbrunners nach einer Steam-Punk-Maschinen-Zeichnung im Rahmen der Bühnenbild-Projektions-Zeichnungen für das Lebenshilfe Musical) kritzele ich an 63x44cm großen Blättern, die ich gar (noch) gar nicht näher benennen kann. Obwohl ich heute mittag dachte, dass sie meinen Zeichnungen zu Ann-Cotten-Gedichten doch recht nahe kommen, die ich anfang 2021 gemacht habe. Damals mit Kugelschreiber und Haarspray vor allem.
Auch entstehen wieder Vogelbilder. Und auch das ist interessant und hat befreienden Charakter: Die mir allzu vertraute Serie, das mir allzu vertraute Motiv, in Szene gesetzt, um dieses Allzu-Vertraute immer wieder aufzubrechen und über einen längeren Zeitraum und vermittels großem Durchhaltevermögen auf die Probe zu stellen. In wie weit trägt das? In wie weit taugt das? Und auch hier: das Experimentieren mit Sprühfarbe (u.a.) für die Hintergründe und die Verwendung von wasserlöslicher Ölfarbe führen zu unbedachten Setzungen, die sich aber immer wieder am Motiv und dessen Ausdrucksmöglichkeiten orientieren und dabei Freiheiten freisetzen. Verknotungen lösen. In Vertrautem neues entdecken.
Und dann entstehen parallel größere Aquarelle (in denen auch der ein oder andere gesprühte Part ins Spiel kommt) nach Fotos von Autofahrten. Sie sind eine Ergänzung zu der (auch weiterhin entstehenden) Serie: menschen ohne parkplatz. Und eine Weiterführung der gegenden aus den „botanischen Gärten“ Burbach und Völklingen. Und den „gegenden-nk“. Hier macht die Größe den Unterschied zu den Dingen, die bisher so passiert sind.
Und wenn alles gut geht, arbeite ich an all diesen Dingen parallel: An den Aquarellen und den Vogelbildern an zwei improvisierten Tischen im Garten, wo man auch wunderhübsch rumsprühen kann. Und an den Zeichnungen an einem kleinen Tisch im Zwischenbereich unserer Wohnung.
Atelier ist immer und überall.



Klingt doch eigentlich alles ganz in Ordnung. Aber es übertüncht nur schwer die Fratzen unserer Zeit, die man grade fast überhaupt nicht los werden kann. So viel kann ich gar nicht zeichnen und malen und schreien.
heute morgen ein einziger Leserbrief in der Saarbrücker Zeitung und der blockiert alle meine Gedanken – – –
Ein klitzekleines Foto in der Saarbrücker Zeitung vom 16./17.10. zur Bebilderung des Sinziger Raubüberfalls. Zwei behelmte Polizisten, ein Absperrband, der Großteil des Eingangs der Volksbank-Filiale von einem Auto verdeckt, das Volksbank-Logo ist zu sehen und ein sehr großes Kruzifix direkt rechts daneben. Beide Polizisten im Vordergrund, der linke davon bildnerisch in direkter Nähe zum Kruzifix. Links zwei zusammengefaltete grüne Sonnenschirme? Eine Komposition, wie man sie sich schöner nicht ausdenken könnte. Farblich und dramaturgisch auf dem Punkt. Auto, Krimi, Kapitalismus, Religion und Staatsgewalt. Dieses Foto enthält mehr Essenz als das Gesamtwerk mancher — ach lassen wir das. Gemalt wär’s natürlich doof .

foto: gerhard schaal
Es gibt einen kleinen Videoschnipsel wohl aus einem längerem Interview mit Ann Cotten. Sie wird dort gefragt, was denn Poesie eigentlich sei. Und sie macht einen Schlenker zu Vorgärten. Und wenn sich nun in einem Vorgarten etwas findet, was merkwürdig zugeschnitten ist oder wächst oder ein Gegendstand vielleicht und man es nicht so genau einordnern könne, der Gestaltungswille aber klar erkennbar sei, auch wenn sich mir der Sinn nicht erschließt, das Ding also unverstehbar bleibt, aber heischt, dass es vielleicht verstehbar sein könne – sofern ich sie halbwegs verstanden habe: dann sei das so, wie es sich auch mit einem guten Gedicht verhalte.
Das ist mir auf alle alle alle Fälle sehr viel sympathischer als die gestaltungswilligen Statements all der beflissenen Künstler*innen-Kolleger*innen, die immer so Dinge von sich geben: Ich beschäftige mich mit den Unwägbarkeiten von Blablablupp. All diese Erklärungen des gepflegten Kunstgewerbes.
Es gibt wahrscheinlich mehr Autos als Künstler*innen. Aber wahrscheinlich immer noch mehr Künstler*innen als Tankstellen. Was immer das auch heißt in Zeiten der Inflation.
Manchmal gibt es ja doch Sachen, die einen freuen. Der VHS-Kurs am Samstag zum Beispiel. Mit einigen unerwarteten „Durchbrüchen“. Und der Betrachtung der kontinuierlich entstehenden kleinen Pflanzenstudien und -skizzen einer Teilnehmerin. Kleinode der Zeichenkunst. Sie beinhalten all das, was Zeichnen (für mich) ausmacht: Einfachheit der Mittel, Sensibilität und Beobachtung. Eine Annäherung an das jeweilige Objekt mit Respekt und Freude. Klarheit der Auseinandersetzung.
Und auch am Freitag gab es ein wenig Glück, als meine Ansätze für die Bühnenbilder des Lebenshilfe-Musicals mit Freude aufgenommen worden sind. Jetzt kann die Arbeit weitergehen.
Und eine Einladung zu einer Ausstellung der Künstlerwerkgemeinschaft Kaiserslautern. Ein sympathischer Verein, der schöne Ausstellungen macht. Und bei der nächsten darf ich wieder dabei sein. Seit gestern die Überlegungen: Was möchte (und könnte) ich in dem Zusammenhang denn gerne zeigen wollen?
Heute morgen beim Treppab-Steigen fällt mir dann ein Portrait auf aus den Zeichnungen und Malereien zu Daniel Osorios „Herz im Gegenlicht“. Und da dachte ich: das isses. Diese genial vertonte, genial aufgeführte und verfilmte und genial geschnittene Geschichte aus der chilenisch-kolonialen Vergangenheit mit Gewalt, Habgier und Völkermord passt in unsere Zeit wie keine zweite – so wollte ich schreiben – aber: sie passt in unsere Zeit wie leider auch viele andere.
Hier der Linke zum Film. Eines der besten Projekte, bei denen ich mitwirken durfte.
Hier meine ausgesuchten Bilder.





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auf dem langsamen Weg der Besserung diese Woche am Mittwoch tatsächlich ein Tag halbwegs klarer Sicht.
Was hat mir heute den Tag gerettet? Zu allererst: Ein Zitat von David Polzin aus einem Interview in der Feb./März – Ausgabe der „Weltbühne“, die ich zum Geburtstag geschenkt bekommen habe.
Kunst ist Denken und Krise.
Für einen solchen Satz hat sich die Anschaffung dieser Weltbühnen-Ausgabe bereits gelohnt.
Ach ja, und heute abend:
Ich aquarelliere eine nicht ganz so gelungene Zeichnung von heute mittag von der Neubausiedlung hier, wo sich unsere Ferienwohnung befindet. Ich ziehe am Schluss noch einen Lila-Rahmen drum, als Lisa meint, heißt das jetzt, das sei im Rahmen des Möglichen?
Und genau das hatte gefehlt: Dieser Titel.
IM RAHMEN DES MÖGLICHEN.
Jetzt hatte es gepasst.
(Die Zeichnung gibt’s natürlich hier die Tage).
Krisenzeit ist gute Zeit. Schwer auszuhalten, manchmal. Aber, auch manchmal, kommt etwas Interessantes dabei heraus. In Zeiten, wo man das Gefühl hat, außer einem selbst interessiert sich niemand für das, was man da so tut, wie weitermachen? Interessieren ich mich selbst noch, für das, was ich da so tue? Es gibt da verschiedene Stadien der Zweifels-Eskalation. Und immer wieder die Frage: Lässt sich die Form dann doch so zuspitzen, dass es vielleicht doch die richtigen Köpfe erreicht? Eine Idee war 2020 mein Jahrbuch. Eine Form, Texte, Zeichnungen, Notizen zusammenzubringen und vielleicht zum miteinander funktionieren zu bringen. Geht. Und geht nicht. Und geht. Und geht nicht. Na was jetzt? Die Tage fiel mir ein Konzept wieder ein, dass mir vor Jahren bereits im Kopf rumspuktete: INFORMATION – DEFORMATION. Auch hier war es als ein Miteinander von Texten, Ideen und Gedanken, vor allem als Ausdrucke der „tagessätze“ gedacht im Zusammenhang mit Ausdrucken von Zeichnungen und Bildern. Die tagessätze waren als Beitrag von wadiwadi 2021 in Kaiserslautern zu sehen, als Beklebung eines Schaufensters eines im Laufe der Ausstellung dem Abriss freigegebenen Nachbarhauses des Theodor-Zink-Museums. Datt war cool. Und die letzten Tage schwebt mir sowas vor als Ausstellungskonzept (ich muss es nur noch ein wenig besser formulieren): Texte und Zeichnungen und vielleicht auch im Zusammenhang mit Lesung/Projektion was auch immer. Hach, während ich das so schreibe, macht mir das sogar fast wieder ein bisschen Mut.
By the way: Vielleicht war das auch ein kleiner Brandbeschleuniger dieser Idee: die alljährliche Walpoden-Visionen der Walpodenakademie in Mainz: Wer will schickt ein bis drei aktuelle Arbeiten, von denen dann eine ausgesucht und auf A3 ausgedruckt wird. Datt janze wird dann nebeneinander ins Schaufenster geklebt. Und ich finde das einfach eine schlichte und einfache und famose Idee, wie man dem Ding der Kunst, wenn es das denn gibt, auf andere Art wieder näher kömmt. Ich fahr demnächst mal hin und mach n Foto.

Hier isses. Weihnachten ist vorbei, die Geschenke verteilt. Das neue Jahr hat auch begonnen. So langsam kann man wieder dran denken, sich auch wieder was Schönes zu gönnen. Wie in den letzten Jahren meist zu Beginn des neuen Jahres: der Rückblick auf das vergangene. Zeichnungen und Texte von 2025. Fast noch frisch, kaum verwelkt und unglaublich: das sechste Jahrbuch, seit ich mit diesem Spaß angefangen habe. Wie immer im Verlag Books On Demand. Ihr könnt es also unter der oben genannten ISBN Nummer im Buchhandel bestellen. Oder direkt bei mir unter klaus_harth@web.de Oder eine SMS hinterlassen unter +49 151 144 90 59 6. Geht auch. Oder schreiben per Post. So kommt das dann auch, per Post nämlich. 17,50 € kostet das. Versandkosten übernehme ich.
Es trägt den Titel: „angebot ohne nachfrage – vom beobachten des beobachters beim beobachten = jahrbuch 2025“.
„Gibt es Entwicklung? Kann es überhaupt Entwicklung geben?“ Bestellt und seht selbst.
Diese Jahrbücher sind im Wesentlichen meine Ausstellungen. Ausstellungen werden wieder abgebaut, so wie man auch selbst immer wieder abbaut, diese Bücher aber bleiben. Bisschen was über 104 Seiten und mindestens ebensoviele Abbildungen.
Wie heißt es bereits bei Konfusius: LANGT TSU!
(Anmut – Unmut – Armut)