erster am morgen, 10.5.25 7uHr48 bis 7uHR56

ein traumrest von heute nacht: es gab eine ausstellung, wo topflappenähnlich-gehäkeltes aussagekräftig an den wänden hing, mit der aufforderung, sich den gedanken zu merken, dass dinge, sobald sie an der wand hängen, zu anderen dingen werden. ist natürlich der klassischer Duchamps, klar. aber noch nie war mir das so klar, wie in dieser traumsequenz. und dass die meisten ja einfach ihre bilder in ausstellungen hängen, ohne sich darüber klar zu sein, dass sie, wenn sie dort hängen, etwas anderes werden, als sie zuhause im atelier waren. und daran schließt sich die frage: sind es gute bilder, wenn sie bleiben, was sie zuhause waren, oder sind es nur dann gute bilder, wenn sie etwas anderes werden? was mich grade dran erinnert, dass ich bei einer ausstellung im treppenhaus des kunsthistorischen instituts mal eine sequenz von fotokopien aufgehängt habe, wo nix drauf war als die wörter G U T E B I L D E R G U T E B I L D E R G U T E B I L D E R etc. das war 1994 oder so. und dass ich das so schlecht gemacht habe, dass sie nach meiner abreise nach ultraschneller bildmontage (ich war noch im thermalbad in wiesbaden verabredet, dessen eintritt ich mir eigentlich gar nicht leisten konnte) sofort wieder von der wand fielen und von freunden, die noch bei der montage ihrer bilder waren, aufgehängt wurden, und zwar so, dass sie stabil an der wand blieben, was sie mir tage darauf erzählten, während ich zu lange im wiesbadener bleiwasser blieb und nachts kotzte und kotzte und deshalb jahrelang keinen spargel mehr aß, weil ich dachte, es käme davon.

Ist Plump jetzt der kleine böse Bruder von Plakativ? Das schwarze Schaf der Familie? Mit Plakativ kann man noch einen netten Nachmittag verbringen, mit Plump nicht unbedingt. Ich lade Euch alle ein zum Plump-Pudding. Sind die beiden überhaupt verwandt? Manche meinen dies, manche jenes. Plump betritt das Zimmer, setzt sich auf den Stuhl und betrachtet die leere Wand. Plakativ lächelt Dich an, als gäbe es was zu sehn. Ich sehne mich stattdessen und wende mich ab. Frieden und Fritten. Mein linkes Ohr hört immer schlechter.

nur so eine Beobachtung:

ich bewege mich ja auch zuweilen auf facebook und instagram. besonders auf letzterem portal fallen mir gerade die werbungen für die klima xl – ausstellkung im saarl. künstlerhaus auf, ausstellung teil 2.  viele kolleg*innen werben dafür. schön. sie werben aber eigentlich immer mit: hier meine arbeit als beitrag zur ausstellung. ich. ich. ich. bin dabei. hier mein werk und eine ausstellung mit anderen drumrum gibt’s auch noch. wie gesagt: nur ne beobachtung. niemand wirbt neutral für die ausstellung, sondern immer mit betonung auf dem eigenen beitrag. mir selbst wäre sowas ungeheuer peinlich. fällt ja auch keinem auf. da ich aber immer wieder mit musiker*innen zusammenarbeiten darf: da scheint mir das ein wenig anders. da sagt kaum jemand: ich spiele da und dort in diesem zusammenhang demnächst viele gelungene töne und ein paar andere machen auch noch mit. da wird sich auffallend oft gegenseitig gelobt und präsentiert. naja, bin halt oldschool und immer wieder empfindlich. 😉

NK – von jemandem, der einfach nicht mit dem Singen aufhören kann

So, jetzt hab ich es gestern endlich mal geschafft, mir die Ausstellung meines Kollegen Armin Rohr in Neunkirchen anzugucken. Sie hat einen für mich fast unerträglich prätentiösen Titel, was, von der in den letzten Wochen nicht vorhanden Zeit mal abgesehen, mich durchaus auch davon abgehalten hatte, einfach mal in einem vorhandenen Zwischendurch vorbeizuhüpfen. Mich schreckt sowas ab. Wie wenn jemand mit dem Messer auf dem Teller kratzt. (Wobei ich den Namen „KULT“ für dieses Zentrum Neunkircher Kulturgeschehens auch nicht gerade glücklich finde). Ich verstehe, was damit gesagt werden soll, ich verstehe auch die Motivation dahinter und die Haltung, die ja durchaus begrüßenswert ist, aber in meinem Ohren klingt das zu prätentiös. Sing a song. Jetzt hat es mich dann doch sehr erfreut, dass die Bilder (bis auf ein oder zwei Ausnahmen) eben alles andere als prätentiös daherkommen. Manches kannte ich ja bereits aus dem Netz, das ein oder andere war im Zuge der Berichterstattung in der Presse zu sehen. Die Kritik von Frau Elß-Seringhaus fand ich in ihrer Argumentation furchtbar, bei der beim Betrachten ein „Kopfkino“ losratterte und sie das als die ultimative Qualität erkannt hat. Dazu habe ich aber letztens bereits abgekotzt. Man braucht hier die Originale! Was, und das soll jetzt nicht überheblich klingen, IMMER für die Bilder spricht! Was Armin hier an Differenziertheit zaubert, erschließt sich weder im Netz noch im Katalog, der mir in so fern nicht gelungen scheint. In den Abbildungen erscheint zu plump, was im Original von einer unglaublichen Intensität und Differenziertheit der Farbgebung lebt. Chapeau! In den Abbildungen fand ich das Installieren dieser weißen Figuren einen billigen Trick, Aufmerksamkeit und einfache Projektionsflächen zu erzeugen. Im Original sind aber auch diese Figuren ausdifferenziert und eben doch lebendig und nicht nur einfache Projektionsflächen. Ich musste an eine Picasso-Aussage über Marc Chagall denken, der gesagt haben soll: Ich kann mit all seinen fliegenden Menschen und Tieren nix anfangen, aber er ist der einzige, der noch weiß, was Farbe ist. Hier entsteht Tiefe und Ausdruck durch Farbgebung. Armin ist der einzige, der weiß, was Farbe sein kann. Gefällt mir am besten von allem, was ich von ihm bisher gesehen habe. Hier hat sich die letzten Jahre scheint’s enorm was erarbeitet. (Was natürlich auch kein Qualitätskriterium ist, wenn MIR was gefällt, genauso wenig wie Kopfkino, schon klar) (Aber wenn ich bei Darja Linder z.B. weiterhin nur bunte Bilder sehe, sehe ich bei Armin tatsächlich inhaltliche Tiefe und Kompetenz).
Was meine ich jetzt mit aber mit „plump“? Das Autowrack in Natur etwa. Das ist motivisch-inhaltlich natürlich schon a bisserl simpel gestrickt. Das finde ich auch weiterhin eines der weniger gelungenen Bilder. Trotzdem, dass auch hier die Differenzierung noch ein bisschen was rausreißt. Aber das ist mir gedanklich zu simpel und beleidigt einen deswegen ein bisschen. (Ich finde unsere tägliche Autokultur viel empörender als ein verlassenes Wrack im Wald). (Obwohl die schief stehenden Räder natürlich geil in Szene gesetzt sind).
Das zentral gehängte Bild mit dem Maler in der Landschaft. Natürlich müsste ich sowas mögen, weil es sich was traut, das Motiv an die absolute Kitschgrenze führt und man nicht weiß, ob sogar drüber hinweg. Eigentlich mag ich solche Grenzgänger. Aber irgendwie mag ich es dann doch nicht. Kippt bei mir auch eher in die Richtung Prätention statt Ironie. Vielleicht nimmt es sich dann doch ernster, als es vorgibt? Ach, ich bin so ironisch, will dann aber doch ernst genommen werden? Für mich knapp vorbei. Aber andere sehen das natürlich anders.
Die in der Ausstellung angebrachten Textpassagen: Ich neige ja auch dazu, zu viel zu sprechen. Wozu ist das nötig? Ich war mal in meiner Studentenzeit in einer Podiumsdiskussion zu irgendeinem malerischen Thema im Hinterhof in Wiesbaden. Ein Mitstudent, ein paar Semester älter als ich, meldete sich zu Wort und sagte: Ich male, weil ich dumm bin und nix anderes kann. Oder so ähnlich. Er fand das schlau. Betretenes Schweigen im Publikum.
Nichtsdestodings: Wer etwas über Farbe lernen will, drehe seine Füße Richtung Neunkirchen und wackele los.

diana

Eine Figur, die relativ schnell klar war, war Diana, die in dem Stück eine nicht ganz so tragende Rolle spielt, aber zumindest in der Höllenszene am Schluss eine sehr schöne kleine Passage singt, die Lisa Ströckens wunderbar gesungen und vor allem auch spielerisch interpretiert hat. Dazu brauchte es von mir kein extra-Bild. Es gibt aber die etwas größere Szene im Olymp, wo sie enttäuscht von ihrem nächtlichen Ausflug zurückkommt, für die es eine bildnerische Umrahmung gebraucht hat.
Bei der ersten musikalischen Probe, bei der ich dabei war, hab ich ein paar kleine Skizzen gemacht, mit und ohne auf’s Papier zu schauen. Lisa hatte schon einen sehr langen Probentag hinter sich und hat zwischendurch immer wieder Dehnübungen gemacht, sich gestreckt, den Fuß hinter ihrem Körper in die Hand genommen etc., was ich sehr interessant fand.
Daher kam z.B. diese erste Skizze oben.
Es lag also nahe, darauf zurückzugreifen.
Jetzt haben die Götter alle ihre Attribute, an denen sie zu erkennen sind. Diana als Göttin der Jagd Pfeil und Bogen. Das war mir natürlich ein wenig zu klischeehaft und ich hatte auch sofort ein Musikvideo von Aldous Harding im Kopf. Nämlich das zu „Perfect Blend“. Also hab ich damit herumgespielt, ihr zwei Revolvertaschen anzudichten (wobei natürlich niemand mit dem Revolver auf die Jagd geht, genauso wenig wie mit Pfeil und Bogen). Feder am Kopf oder keine Feder am Kopf. Der verdrehte Fuß reißt es aber.
Zwei Zeichnungen haben gereicht. Eine davon war diese:

Datt janze musste dann wieder vor einen schwarzen Hintergrund. Also alles im Bildbearbeitungsprogramm (übrigens: sowohl Photoshop als auch GIMP, je nachdem an welchem Rechner ich gerade gearbeitet hab, bzw. was im Speziellen zu tun war) grob ausgeschnitten und vor einen schwarzen Hntergrund gesetzt:

Und als komplette Bühnenzeichnung ergänzt durch Jupiter, der links im Bild sitzt und guckt, was seine Tochter so bedrückt, und durch geschossenes Wild und Jagdhörner (also doch noch ein paar klischeehafte Contorni) ergänzt.
ton ton tontaine ton ton (=der Klang des Jagdhornes auf französisch verbalisiert).

jonathan_meese
DIE KUNST IST IMMER EIN TOTALSTER ANGRIFF AUF JEDES GESCHMÄCKLE! DIE KUNST IST KEINE MICKRIGSTHARMLOSE GESCHMACKSDEKO! DIE KUNST IST KEIN SCHÖNWETTERVEREIN! DIE KUNST IST KEIN VORAUSEILENDER GEHORSAM! DIE KUNST IST KEINERLEI ANGSTDEKO! DIE KUNST IST KEIN DEKOSTAAT! DIE KUNST IST KEINE GEFALLSUCHT! WER ALLEN ZU SCHNELL GEFÄLLT IST OHNMÄCHTIGSTES MITTELMASS! WER SPEZIELL ZU BEGINN VON ALLEN GELOBHUDELT WIRD, HAT DAS GEWÜRZ “DURCHSCHNITT” INTUS! “GEFALLSÜCHTIGE” RIECHEN IMMER NACH STINKANBIEDEREI!

die öffentliche Meinung


Es gibt in dem Stück eine weibliche Figur, die auf den Namen „die öffentliche Meinung“ hört. Orpheus ist eigentlich nicht unglücklich, als er vom Tod Eurydices hört, aber dann taucht sie auf, die öffentliche Meinung und meint, das tue seiner Reputation nicht so gut, wenn das publik wird, er müsse auf alle Fälle zu Jupiter und intervenieren, auf dass er seine Gattin zurückbekommt.
Für mich eine der interessantesten Figuren, gerade auch in unserer Zeit. Deshalb war es für mich klar, dass es eine Person sein muss, die eine populäre Meinung vertritt, sprich, durchaus ein wenig populistisch auftritt, und nach einigem Hin- und Her kam mir unbedingt Sarah Wagenknecht in den Sinn. Und so gab des die ein oder andere Skizze und dann ein Blatt, wo das Gesicht aber wieder verschmiert wurde. Manchmal passiert einem das so aus einem Instinkt heraus. Die Hand weigert sich, das gewollte Gesicht lesbar wiederzugeben, ein innerer Widerspruch bricht sich Bahn und man muss zugeben: die verschmierte und nicht so deutlich wahrnehmbare Figur: that’s it. Als kleine Reminiszenz bleibt bei mir das rosa Kostümchen, bzw. am Ende noch ein rosa Blüschen.

Es gab eine Zeichnung mit Beinen und Schuhen, einem Modeprospekt entnommen, die mir geeignet erschienen und eine aus einem Skizzenblatt ausgeschnittene Form eines Rocks.

All das wurde fotografiert und grob ausgeschnitten und der Hintergrund in einem Bildbearbeitungsprogramm schwarz eingefärbt, da ich die Projektionsdateien für die Aufführung auf schwarze Hintergründe montiere.

Und dann, ebenfalls im Bildbearbeitungsprogramm, wurden facebook-, Bildzeitungs- und Instagram-Logo montiert und die Beine in einer in der Größe variierenden Dreier-Kombi druntermontiert. Fertig meine „Öffentliche Meinung“. Die Rolle wird in der Inszenierung gesungen von Lisa Stroeckens, die das alles wunderbar ergänzt, indem sie Orpheus erstmal mit ihrem Smartphone ablichtet, Selfies macht etc. ppp. Was natürlich super schön zusammengeht.

und so sieht’s dann in der fertigen Bühnenprojektion aus.

Dazu muss man sich nun vorstellen (besser aber: man kommt in die Vorstellung): Hinter der Projektion stehen Sängerin und Sänger und sind beleuchtet, folglich durch den Vorhang hindurch zu sehen und stehen quasi hinter und inmitten meiner Zeichnung.

ojeojeoje, warum werde ich heute nicht müde. sind das die neune Bachblüten-Tropfen? Die Zeitumstellung? Auf alle Fälle heute morgen nach alter Zeit um kurz vor 5 Uhr aufgestanden, also kurz vor 6 uhr Sommerzeit. Bis mittag gearbeitet, gegen 8 mal kurz zur Bäckerei geradelt, des Radelns und der Pause wegen und weitergearbeitet. Zeichnungen für die Projektion der Ralf-Peter-Inszenierung „Orpheus‘ Unterwelt“. So knapp und eng und viel war es noch nie, so dass ich letzten Montag auch einen kompletten Nerven-Crash hatte. Heute abend, unterbrochen von ca. 1 Stunde Mittag und einer Fahrradtour zwischen 17 Uhr bis ca. 18Uhr20 bin ich eben (23Uhr20) so zu 95% durch, könnte man sagen. Morgen geht es um 15 Uhr mit der Probe im TiV weiter. Morgen früh vielleicht noch ein paar Korrekturen. Und um die Druckerei sollte ich mich auch noch ein bisschen kümmern. (Eigentlich hab ich ja frei dort). Auf alle Fälle lag ich nicht schlecht mit meiner Einschätzung des Aufwands für dieses Projekt. So mach ich das auf alle Fälle nicht mehr. Das ist schon mal „ding“

Naja, auf alle Fälle sind zwei schöne Fliegen-Zeichnungen entstanden, die ich so auch noch nicht gemacht habe. Und wenn sich beim Fotografieren ungewollt das Blitzlicht in Szene setzt, dann kann das auch zu diesem schönen Glanzeffekt steigern, den ich so nicht gezeichnet habe, der mir aber hübsch gefällt.
Buona notte.

heute wieder was gelernt (kritik der kritik)

die menge des in der betrachter*in ausgelösten „kopfkinos“ als kriterium für bildende kunst.
interessant. kopfkino heißt ja noch nicht zwingend, dass das ein guter film ist. so wie authentizität
ja auch kein qualitätskriterium sein kann. boris becker war mit sicherheit immer hochgradig authentisch.
(hier ist der tennisspieler gemeint). irgendwie wird es langsam zeit, dass man sich von dieser welt verabschiedet.
in welcher form auch immer.

heute mittag

am bahnhof: geräusche von krähe, kreissäge und kälte. wiedergefunden in einer verlorenen zeit meiner kinderheit.

notiz

ich hatte als einen wiederholbaren ausstellungstitel bereits benutzt „ich kann mich einfach nicht mehr konzentrieren“. eben beim treppaufsteigen fällt mir ein „tägliches denken“ wäre auch schön. nur mal so als notiz für mich hier.

cdu – dumme kuh

Ich muss zugeben, dass ich mich bei beiden Texten ein wenig erschrocken habe. Das Land, auf das wir wieder stolz sein können. Ich bin stolz, ein … zu sein? Nein, nein, auf das Land, hör‘ doch genau hin. Und endlich wollen wir auch Recht und Ordnung wieder durchsetzen. Stimmt, wir lebten die ganze Zeit in einem der schlimmsten Schurkenstaaten überhaupt, gleich hinter Argentinien, Nord- und Südkorea, Russland und wie sie alle heißen. Endlich endlich kann ich mir demnächst wieder sicher sein, dass mich der Zug pünktlich zur Arbeit bringt, ohne dass ich am Vortag dem Schaffner ein Bakschisch zustecken muss. Der Zug nach Saarbrücken um 18Uhr40 fällt heute leider aus, Grund dafür ist eine plötzliche Erkrankung des Personals. Und die Nebenschlagzeile „Wieder nach vorn“, als wäre es unter 16 Jahren CDU-Herrschaft jemals rückwärts gegangen. Wenn es nicht so schlimm wäre, als dass die Leute es nicht tatsächlich glaubten. Das finde ich eigentlich noch entmutigender als das Ranwanzen der CDU an AfD-Themen, dass dies auf tatsächlich Strömungen in der Gesellschaft hinzuweisen scheint. Hier wird fleißig mitgeschwommen und etwaige Stromschnellen werden leichtfertig in Kauf genommen. Ziehen wir also lieber beim Schwimmen einen Helm an.

Ach ja, die Grünen. Beim Abfotografieren des Plakates las ich – Freud’sche Fehlleistung – SCHUHVERZICHT. Und schon könnte man eine Tirade lostreten im Sinne des wohlfeilen Grünen-Bashings, das ich in der Regel genauso langweilig finde wie Bahn-Bashing. Na klar, Grünes Kernthema: Verbotspartei, jetzt sollen wir also auch keine Schuhe mehr tragen und nur noch freitags Fleisch essen, um die Welt zu retten, und deshalb brauchen wir dann auch auf alle Fälle Wärmepumpen, um keine kalten Füße mehr zu kriegen usw. usf. Ich finde SCHUHVERZICHT durchaus einen  lustigen Verleser. Woher grade die ZUVERSICHT kommen soll, erschlösse sich mir grade gar nicht so super.

Aber schlimm, wirklich schlimm, wird es hier. Bei der AfD. Dieses Plakat war der eigentliche Grund meiner kleinen fotografischen Radtour eben. Das finde ich so still und leise dermaßen was von top-perfide: „Ihr hattet 70 Jahre Zeit“. Ihr habt versagt. Und deshalb muss jetzt etwas Neues kommen, was mit Euren Ideen nichts zu tun hat. Perfide. Ehrlich. Beängstigend. Heil Neuwahl!

vorgetragener nachtrag

leztens hab ich mich ein wenig hinreißen lassen in der beurteilung der sinnhaftigkeit von zeitgenössischer malerei. jetzt muss ich mich ein wenig korrigieren. natürlich heißt das nicht, dass es keine aktuelle malerei mehr gibt, die nicht durchaus interessant sein kann,  und dass hie und da ein einsames pinselhäschen in seiner ecke sitzt und ernstlich an der welt verzweifelt und sie verstehen will. so muss ich nach dem besuch der mannheimer kunsthalle folgendes ergänzen: vielleicht muss ich für mein empfinden anselm kiefer nennen. das ist durchaus mehr als zeitvertreib.

(und ich habe zwei bilder von ambera wellmann gesehen, einer kanandischen malerin, die mir bisher gänzlich unbekannt war, und das war auch mehr als interessant. also bitte&danke.)

noch einer (weil ich noch nie so falsch war auf dieser welt)

Hier ein Text aus instagram. Die saarländische Galerie in Berlin betextet eine Ausstellung von Darja Linder.
Und dieses herausragende Beispiel zeitgenössicher Kunsthistoriker:innen-Poesie goes like this:

Darja Linders @darjalinder figurative Malereien und Installationen sind gespickt mit visuellen Codes, die sich auf die Erfahrungswelt ihrer Generation beziehen – von Dating Apps über Fernsehserien bis hin zu Internetphänomenen. Die farbintensive und schrille Ästhetik ihrer Arbeiten spielt mit der spätkapitalistischen Sehnsucht nach Übersättigung und Überfluss. Sie wirkt jedoch als bunt schillernde Oberfläche, unter der sich häufig schmerzhafte Themen verbergen.

Es werden Fragen aufgeworfen zu Klasse, Geschlecht oder Migration. Linder beobachtet die Zusammenhänge zwischen politischen (Macht-)Strukturen und individuellen Begierden. Sie untersucht in ihren Werken, wie tief individuelle und kollektive Erfahrungen in unsere Identitäten hineinreichen.

->  Spätkapitalismus ist immer super. Damit spielen ist auch immer super. Und dass der Spätkapitalismus, wer oder was das immer ist, davon abgesehen, ob wir uns wirklich in einer spätkapitalistischen Phase bewegen (wer sagt das, wer weiß das, wer hat das nachgemessen?), geprägt ist von dieser im Text behaupteten Sehnsucht: stimmt das denn? Oder ist das einfach mal eine wohlfeile Behauptung, die sich einfach immer mal gut macht? Und unter der schillernden Oberfläche verbergen sich die schmerzhaften Themen. Ja, möglich, aber warum sieht man sie nicht, diese schmerzhaften Themen? Warum werden sie nicht thematisiert? Zarte Schale, rauer Kern? Hier wird doch arg lustig geworthülst. Und lustig vor sich hin behauptet. Aber Hauptsache auch die Oberfläche der Wörter glänzt und untendrunter kann man die ernsthaftesten Themen vermuten. Und zum letzten Absatz: geht es auch ein wenig bescheidener: Unter den Zusammenhängen zwischen Klasse, Geschlecht, Migration, politischen Machtstrukturen geht kaum noch was. Und Begierden und individuelle und kollektive Erfahrungen werden untersucht und und und und blablablupp. Hier wird nix untersucht. Und schon gar nicht systematisch und konsequent. Hier werden bunte Bilder hergestellt und das ganze ein wenig gesellschaftskritisch verbrämt. Ich gehe hier als Betrachterin nicht anders raus, als ich reingehe. Als Betrachter übrigens auch nicht.

Peter Weibel hat in einem Vortrag in Saarbrücken, 1999 war das, wenn ich mich recht erinnere, mal die steile These aufgestellt, die Malerei habe als ernstzunehmendes künstlerisches Medium so um 1930 herum aufgehört, wesentliche Dinge zum Diskurs beizutragen. Ich finde diese Ansicht sehr interessant und bedenkenswert. Und es gab in den letzten Jahren für mich fast nur das Werk von Miriam Cahn, bei dem ich noch eine gewisse Relevanz gespürt habe. Alles andere scheint mir eher Zeitvertreib.

 

Zeichnen und Musik

Was hat Zeichnen mit Musik zu tun?
Linien und zeichnerische Gesten sind als Ausrucksmittel Tönen und Meldiefolgen unmittelbar verwandt. Deshalb bietet es sich an, Musik zu „benutzen“, um das eigene Zeichnen zu verfeinern und zu differenzieren. Krach sieht anders aus als Bach.
Wer sich auf dieses Experiment einlässt, lernt viel über neue Ausdrucksmöglichkeiten. Auch kann es ein erster Zugang zu abstrakten Ausdrucksformen sein.
Ein verstärktes Ausdrücken über differenzierteres Verwenden von Linien kommt aber auch den gegenständlichen Zeichnerinnen und Zeichner zu gute.

Wir hören und zeichnen u.a. zu John Cage, Keith Jarrett, Nick Mason, David Bowie, Charles Ives.

Wir brauchen: Großes und kleines Papier. Zeichenmaterialien unterschiedlichster Art: Kohle, Graphit, Tusche, gerne auch farbiges Material wie Kreiden, farbige Tuschen und was es sonst noch alles gibt.

Anmeldungen sind hier möglich:
https://www.bosener-muehle.de/kurse/courses/50-zeichnen-und-musik


Klavier für Jean Dubuffet, Graphit und Ölfarbe, 1991


ein „Totentanz“ aus Viktor Ulmanns „Kaiser von Atlantis“, Klavierstück, umgesetzt als Aquarell auf schwarzem Papier


zu Pearl Jams „It’s evolution“, umgesetzt mit Tusche auf Papier, 2023

DER KAISER VON ATLANTIS

 

 

FESTIVALZEIT IST SCHÖNE ZEIT. Denn man kann dort Dinge nachholen und wiedersehen, oder erstmals sehen, die einfach nochmals auftauchen. So zum Beispiel Ralf Peters Inszenierung der Oper DER KAISER VON ATLANTIS von Viktor Ulmann. Bilder, ein kleiner Beitrag vom SR und weitere Infos können sofort und eindeutig gefunden werden, wenn auf dieses Bild geklickt wird

-> 
foto: wonderland

retour

Auf unserer Reise ins Valle Onsernone und anschließend einem kleinen Nachklapp in die Nähe von Lahr im Schwarzwald gab es auch einen kleinen Ausflug nach Basel ins Kunstmuseum (-> Abteilung „Gegenwart“ unten am Rhein) in die Ausstellung WHEN WE SEE US.
Auch wenn Basel sich bemüht hat, sich nach knapp 20 Jahren nicht mehr erkennbar zu zeigen, was mit Sicherheit noch einige Gedanken über Erinnerung und die in ihr verankerten Gewissheiten nach sich ziehen wird (den Weg vom Badischen Bahnhof in die Stadt hatte ich wesentlich kürzer und auch anders in Erinnerung, und auch den Badischen Bahnhof selbst…), war dies doch ein interessanter Ausflug. In der Ausstellung war, neben anderen, insbesondere Roméo Mivekannin für uns eine Entdeckung. Anbei deshalb dieses kleine Interview mit ihm.