
Skizzenbuch und permanenter Ausstellungsraum von Klaus Harth



Was ich auch in diesem Jahr nachgeholt und tatsächlich noch nie in meinem Leben gemacht habe: Springen vom 3-Meter-Brett. Und das im Freibad meines Heimatortes, wo ich vor vielen Jahren auch Schwimmen gelernt habe. Zwei abendliche und zwei samstagliche Schwimmrunden im Freibad meiner Kindheit waren mein Sommer.
Das mit Abstand unmotivierteste und uninspirierteste Buch, das mir (in diesem Jahr auch eine Neuerung: ich bin nämlich seit diesem Jahr zum erstenmal in meinem Leben mangels ökonomischer Mittel zum Bibliotheksleser geworden) in diesem Jahr in die Hände gefallen ist: Unruhezone von Jonathan Franzen. Die einzig interessante Passage darin ist die, wo er sich über die Cartoons von Charles M. Schulz auslässt. Das ist wirklich interessant und teilweise erhellend. Der Rest ist Schweigen. Da stelle ich mir einen sehr amerikanischen Durchschnittsmenschen vor, der eine sehr amerikanische Durchschnittsjugend verlebt hat und ziemliche Durchschnittsdinge getan hat. Vielleicht fängt man manchmal auch einfach mit dem falschen Buch an.
Heute morgen auf der ersten Seite der Saarbrücker Zeitung das Foto eines niederländischen sogenannten Supermodels, das am Strand Müll aufsammelt und obdessen gelobt wird. Dieses Foto zu betrachten ist recht lohnenswert, denn es zeigt den Lug- und Trughudeleicharakter der abgebildeten Wirklichkeit. Das Model lächelt uns an, hat eine kleine Papiertüte mit etwas farbigem Abfall darin. Das ganze wirkt so niedlich, dass man sich kaum vorstellen kann, das man mit so einer Tüte mehr als fünf gedankenlos hingeworfene Banananschalen aufsammeln kann. Außerdem wäre das Papier auch ratzfatz durchgeweicht (man bedenke: Strand). Zweitens: Das Model lächelt den Betrachter an und hat die rechte Hand am Boden, als wäre da was zum Aufsammeln: isabernicht! Da ist nix! Guck hin!! Absolut niente!!! Da ist nur eine Hand am Boden. Und die greift noch nicht mal nach irgendwas. Hängt da nur so rum. Drittens: Der ganze Strand ist komplett abfallfrei. Entweder hat die Gute schon mehrere Stunden fleißg gearbeitet (siehe aber auch: kleine Papiertüte) oder das ist jetzt wirklich eine Stelle, wo man fix fertig ist. Viertes: In diesen Schuhen und in diesem Kostümchen würde ich noch nicht mal bei schönem Wetter am Strand spazieren. Fünftens: Verarschen können wir uns selbst.
Wie hat mal ein höherer technischer Abteilungsleiter der Mainzer Allgemeinen Zeitung (für die ich mal knapp über ein Jahr als Reprofotograf gearbeitet habe) zu mir gesagt: Bei größeren und guten Zeitungen gibt es so etwas wie Bildredakteure.
Muss ja nicht jeder haben, aber ein wenig gedankenvoll bei der Arbeit sein und nicht auf der ersten Seite Müll-Fotos verkaufen, das wäre schon auch mal was. Lustig war`s auf jedenfall anzuschauen. So engagiert sich ein bekanntes niederländisches Model für den Umweltschutz.
Und jetzt Computer ausgeschaltet, in den SUV gesprungen und in den Bio-Markt zum Einkaufen! Schließlich ist Samstag.
Andrea Neumann in Neunkirchen. Was hab ich mich so schwer getan mit dieser Präsentation. Zwiegespalten. Einerseits geht man da durch und denkt: was für eine geile Malerei, Auflösung der Formen und und und. Und andererseits bleibt es schal und macht mich fast wütend: um was geht es hier eigentlich? Du gehst durch und nichts bleibt haften. Ich für meinen Teil werde sogar fast wütend, weil die Bilder dich anlügen, sie tun so, als ginge es um etwas, aber es geht eigentlich um nichts, außer um malerische Effekte. Cathrin Elß-Seringhaus von der Saarbrücker Zeitung lobhudelt bis zum Umfallen. Sie mag das: Projektionsflächen für den Betrachter, die Dich optisch umschmeicheln und somit nicht den Hauch eines Gedankens fordern oder sogar dich als Betrachter fordern. (Vielleicht ist das auch falsch beobachtet: Vielleicht sucht sie ja auch Bilder, die es ermöglichen, sich weiter an den eigenen,sowieso bereits vorhandenen Gedanken und Beobachtungen aufzugeilen, sich bestätigt zu fühlen, anstatt vielleicht auch mal ein wenig aus dem Gleichgewicht gebracht zu werden…) Vielleicht ist das der ideale Ausdruck unserer Zeit? Ich bekenne mich zu gar nichts, alles ist mir Mittel zum eigenen Spiel, aber eigentlich nehme ich die Dinge nicht ernst. Musik als Klang-Design. Kunst als Kunstdesign. Dabei funktioniert es sogar teilweise, wenn man sich ein beliebiges Bild herauspickt und sich den Rest der Ausstellung wegdenkt. Ein einzelnes Bild, sich vorgestellt in einem Museumskonzext mit anderen Werken anderer Menschen: da kann ich mir sogar denken, dass dann das einzelne Bild funktioniert. Aber wenn sie alle zusammen hängen, dann nehmen sie sich gegenseitig was, sie eliminieren sich, die Masche wird deutlich und alles ist an der selben Nadel gestrickt. Kein Wagnis, keine existientielle Wucht, kein Mut zum Bruch: alles ordentlich gemalt und ohne Risiko. Meine Begleiterin hat es schön auf den Punkt gebracht, wo ich wochenlang mit Worten und Sinnsuche hadere: „Eine tolle Malerin, aber sie traut sich nix. Soviel vergeudetes Talent.“
So ein bisschen die Xavier Naidoo der saarländischen Malerei.
(Und dann hat man hier so Leute wie Kurt Emser zum Beispiel, die malen, weil es ihnen um etwas geht, und die bei allen Ausstellungshäusern gnadenlos abblitzen.)
Lang lebe die Kreativwirtschaft!

(mir war eigentlich überhaupt nicht klar, welches hoffnungslose Gedicht ich durch meine Buchauswahl auf dem Ausleihzettel provoziere)




Das Bühnenbild. Einmarsch der Protagonisten. Veränderung des Bühnenbilds vor lebendem Publikum kurz vor Beginn.
Katharina Bihler. Nikola Dimitrov. Jörg W. Gronius. Klaus Harth. Petra Jung. Wolfgang Korb. Armin Schmitt. Et voilà: eine neue Ebène! Unglaubliche Publikumsmassen, Begeisterung aller Orten und Menschen, die nie wieder nachhause wollten. Wie konnte das passieren? In nur vier Proben? Lag es am Frack? An der Musik? Am T-Shirt von Jörg W. Gronius? An Armins Klage oder Katharinas rotem Schlankarm? An Petras Gemurmel?
Wer dabei war, wird es nie vergessen. Wer nicht dabei war hat natürlich mal wieder keine Ahnung davon, was er verpasst hat, und warum sich die Welt plötzlich ganz anders dreht als noch am Samstagnachmittag.
ramba ramba ramba ramba ramba
m-bara m-bara m-bara
bara
ramba
bamba bamba
rambababababa
ich ging mit stark gebeugtem herzen, doch zeitlich erfrischt (nicht erbost), solange, bis der eigene freund seinen eigenen kompletten garten wieder aus sich rauswürgt, an einem seichten nachmittag unter seichten bäumen vor einem seichten schatten und unter wolken; nichts war mehr haltbar, während niemand an seinen großvater denkt, und ich selbst mich sowieso dem schlaf übergeben habe, der mich nach einer halben stunde wieder rauswürgt, zeitlich erfrischt und nicht erbost.


Habe ich doch letztens im VHS-Kursraum SB ein Foto aus der Zeit zur Verschönerung des Raumes angebracht, das einen Pudel zeigt mit auffallend rundem Gesicht und Kindchenschemabetonung, das mit dem Satz „Du siehst aus, wie ich mich fühle“ eine gewisse Komik erzeugt. Tatsächlich ist jemand hingegangen, und hat dem Pudelgesichtsfoto links und rechts je eine Dose Haarspray zugefügt, so dass eine durchaus freche Installation daraus entstanden ist. Die Zeichnung oben habe ich mir als kleine Gedächtnisstütze ins Skizzenbuch eingefügt.

Arbeit, Arbeit, nichts als Arbeit. Coole Sachen allerorten. Letzte Woche war ich Komponist mit einer Uraufführung des Stückes „Polyneuropathie – ein Krankheitsbild in 5 Sympromen für Bass, Cello und Viola“ in der Schinkelkirche in Bischmisheim. Am Samstag fand mein erster Kurs für die VHS Neunkirchen statt, gestern war ich zum Fotoshooting des Ensembles des SOLA-Projektes, abends dann zur Probe der DADA-Soirée, die am Samstag im KUBA in Saarbrücken stattfinden wird. Heute nachmittag in der Kantine des KUBA, um mit Petra Jung unsere Wandgestaltungs-Performance vom Samstag schon ein wenig vorzubereiten. Eben, nach einem Ausflug in die Pizzeria Il Giardino auf dem Rodenhof wieder zurück in Wemmetsweiler. Puh.

Heute abend bei der Künstlerwerkgemeinschaft Kaiserslautern, 18-20 Uhr in der Karl-Marx-Straße 35 in KL -> o.T./o.N. Arbeiten auf Papier, anonym gehängt, für 100,-€ das Blatt. Occasion!
Dienstag, 29.11.2016, Frankfurt/Main, Schirn: Ausstellung Giacometti-Nauman.
Eigentlich eine interessante Idee, zwei so verschiedene bildhauerisch arbeitende Figuren miteinander zu konfrontieren, die auf den ersten Blick so scheinbar nichts gemeinsam haben. Doch lässt die Ausstellung einen leicht schalen Beigeschmack zurück, obwohl sie interessante Vergleiche zeigt.
Warum also der schale Beigeschmack? Die Schirn ist mittlerweile mit Abstand das Haus, in dem ich die meisten Ausstellungen gesehen habe. Und meistens geht man dort raus und hat Dinge gesehen, die man so, oder zumindest in dieser Kombination, vorher noch nie gesehen hat.
Also wäre diese Ausstellung doch prädestiniert für ein ähnliches Aha-Erlebnis.
Woran liegt es nun?
Hat man in seinem Leben einfach schon zuviel Giacometti gesehen? Sind es einfach zuwenige Exponate alles in allem, so dass man im letzten Raum automatisch denkt: huch, das war`s jetzt schon?? Oder haben wir einen Raum übersehen?? Oder hat man einfach die falsche Auswahl an Arbeiten getroffen??
Das Konzept der Ausstellung ist nicht schlecht und oft erhellen sich die Exponate gegenseitig.
Man hat das unter verschiedenen Kapitelüberschriften zu ordnen versucht (Die Leere, Figur-Raum, Theater des Absurden, Objekt der Begierde, Malerei-Prozess, Das Mass der Dinge, Körper-Fragment). Spannend finde ich es aber eher dort, wo sich ungewollt aus dem Schattenwurf von Giacomettis Nase plötzlich ein räumlicher Bezug zu Naumans Video „Angle Walk (Becketts Walk)“ ergibt. Natürlich sind auch die Bezüge zwischen Giacomettis fragmentiertem Arm und Naumans Hand nur mit Daumen oder der Hand, die auf ihren Fingern eine zweite Hand balanciert, spannend.
Oder Naumans Korridore mit ihrer extremen Enge und die Bezüge zu Giacomettis schreitenden Figuren. Wobei ich es hier schon fast wieder spannender finde, wie sich eine Aufseherin der Ausstellung entspannt von außen gegen den Korridor lehnt, und so ein ganz anderer Bezug zwischen Figur und Raum völlig beiläufig und ungewollt sichtbar wird. Oder an anderer Stelle die Winterstiefeletten einer jugendlichen Fotografin in hautengen Hosen mit den großen Füßen mancher Giacometti-Figur witzelt (und sie merkt es noch nicht einmal selbst). Oder ein älterer Herr, der sich nur noch schwer am Stock durch die Ausstellung bewegen kann, seiner Frau Nauman-Videos erklärt mit dem Satz: Da geht es um Gang-Arten! (sic). Oder eine jugendliche Zeichnerin beim Stehend-Zeichnen ihre Beine auf skulptural-absurde Weise verdreht, so dass ich aus dem Gedächtnis schon gar nicht mehr rekonstruieren kann.
Wie bewegen sich die Besucher durch diesen Raum? Wie ich mich selbst?
Alles ist Skulptur!
Wenn man sich an diesen Punkt vorgearbeitet hat, dann kann es spannend werden.
Trotzdem geht man raus und denkt: Irgendwas hat einem gefehlt zu sonst.
Für 12,- € pro Nase doch ein bisschen wenig Ausstellung und Erkenntnis, vielleicht.
Und vielleicht dann doch noch ein paar mehr zwingendere Bezüge, so dass nicht ständig sich ein böser Gedanke im Hintergrund rumtreibt, der immer wieder ausruft: Leere, Raum, Figur usw.: darum geht es IMMER in der Bildhauerei, wurscht, wen man jetzt miteinander in Beziehgung setzt.






emmy hennings
arp alt
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hugo ball
hugo ball
hugo ball
richard huelsenbeck
richard huelsenbeck
walter serner
Am 1.12. ab 20 Uhr findet ein Konzert des Trios Hors du Cadre in der Schinkelkirche in Bischmisheim statt. Stefan Scheib Bass, Julien Blondel Cello und Monika Bagdonaite Viola. Im Rahmen dieses Konzertes wird auch eine Auftragskomposition zu hören sein. Eine mehr oder weniger grafische Notation, die sie bei mir zu meiner Freude in Auftrag gegeben haben. Das Stük heißt „Polyneuropathie – ein Krankheitsbild in fünf Symptomen“ und handelt genau davon. Ich bin sehr gespannt, wie sie das akustisch umsetzen werden, ob etwas von den Klängen entsteht, die ich beim Komponieren im Kopf hatte und und und.
Oft war mir die Musik ein musikalischer Katalysator. Und auch wenn ich nicht dazu oder darüber gezeichnet habe, habe ich beim Hören von Musik Formen im Kopf, oft auch Formen, die in Bewegung sind und sich verändern.
Dieser Auftrag brachte mich in die schöne Lage, einmal umgekehrt denken zu dürfen, d.h. mir Musik zu denken und diese zeichnerisch-notativ umzusetzen und gespannt darauf zu sein, wie diese zeichnerischen Bewegungen nun umgesetzt werden.
Donnerstag in der Schinkelkirche in Bischmisheim.
Man soll aber auch nicht übertreiben: Mein Stück ist ein Programmpunkt eines mit SIcherheit auch sonst interessanten Abends.




