
erkläre auf Ltauisch, was Du hier genau zu sehen glaubst: ………………………………………………………etc.
Skizzenbuch und permanenter Ausstellungsraum von Klaus Harth

erkläre auf Ltauisch, was Du hier genau zu sehen glaubst: ………………………………………………………etc.

In einem Artikel von Niklas Maak heißt es dort u.a.:
„…Andy Rappaport, ein Risikokapitalgeber und Kunstförderer aus dem Silicon Valley, erklärte in einem Interview, dass ,Künstler die gleichen Qualitäten haben wie Unternehmer: Selbstmotivation, a sense of drive, die Fähigkeit, an seine Sache zu glauben, selbst wenn einen alle für verrückt halten, die Begabung, allein oder mit kleinem Team in einem Raum zu arbeiten, und die Fähigkeit, die Leute zu dem, was man erfunden hat, zu bekehren…Wenn ich an die Fähigkeiten großer Unternehmer denke, dann sind es die Qualitäten, die auch große Künstler besitzen.` Klarer ist selten behauptet worden, dass Künstler auch nur Start-ups mit veralteten Geräten seien; im Künstler sieht der Unternehmer sein schmeichelhaft-abenteuerliches Spiegelbild. …“






(götterfunkenfrei)

soso ihr Menschlein da draußen im Walde, oder wo es Euch sonst so gefällt, 2016 war ein ausgesprochen interessantes jahr: ** geprägt von beruflichen Umstellungen, daraus resultierenden geldnöthen, getoppt durch flotte steuernachzahlungen. und was man daraus so alles macht: nämlich erstens: unnötige Versicherungen und Abos kündigen, dinge, die man seit jahren bereits vor sich hergeschoben hat. versuchen, mit möglichst wenig Geld auszukommen.
desweiteren: Skrupel verlieren. dinge anleiern, die ebenso seit jahren vor sich hinbrodeln, wo man aber immer denkt: naja, das wird ja sowieso nix, einfach los damit und weg und fort.
desweiteren: drei wettbewerbe beschickt, bei keinem genommen, geschweige denn in der nähe eines geldsegens, ABER: bei der Abholung eines Werkes im Saale der abgelehnten Bilder (mal ganz zu schweigen von den zur Ausstellung ausgewählten Arbeiten) sofort das eigene Bild wie mit fremden Augen wahrgenommen mit dem Gefühl: das ist wirklich das beste Bild hier. (Dann erst gemerkt, das es das eigene ist. Interessante Erfahrung!)
desweiteren: dinge aus dem hut zaubern, die wider erwarten sogar besser funktionieren, als man sich hätte vorstellen können.
alles in allem, eins: es macht mir fast gar nichts mehr aus, auch zum zweitenmal hintereinander nicht der landeskunstausstellung für wert befunden worden zu sein (nur ein ganz ganz kleiner klitzekleiner stich gestern, das war’s aber bisher). das heißt: dies halte ich für eine meiner größten leistungen in diesem jahr:
ich bin auf dem richtigen weg, mich von dieser anerkennungsdingkacke frei zu machen, frei zu machen von einer Definition von außen, frei zu machen von allemallem kunstscheiß –
alles in allem, zwei: die schönsten glücksmomente: trotz aller enge, die tessin-reise als geschenk antreten zu können. unser schönster aufenthalt dort bisher. die einladung, eine komposition für hors du cadre als graphische notation zu erarbeiten und deren berührende uraufführung in der schinkelkirche in bischmisheim. der auftritt mit stephan in kaiserslautern. der dada-abend im kuba. albert herbig und seine idee, die schönen bösen bilder im sali e tabacchi zu zeigen. und anschließend mir eine einzelausstellung dort auszurichten. und die pinguine, die einen gerichtszeichner gebraucht haben. und alle alle alle, ganz herzlich und nochmals ausdrücklich erwähnt, die mich in diesem jahr bei meiner aktion „i like finanzamt“ unterstützt haben!
alles in allem, drei: die dinge sortieren sich um. langsam.
ach, und noch ein glück: langsam und stetig an meiner serie der schriftstellerportraits weitergearbeitet. dröpje für dröpje.
Uwe Loebens „FRESSEN“ im Saarländischen Künstlerhaus.
Uwe Loebens ist einer der wenigen saarländischen Künstler, die sich was trauen. Im Vergleich stimmt das sogar. Allerdings sieht Uwe Loebens schlecht. In der Tat. Das heißt: Wenn er einem auf der Straße begegnet, dann macht er meist ein ausgesprochen verdrießliches Gesicht, um das mal potitiv auszudrücken. Er zieht eine Fresse, so könnte man das etwas weniger freundlich ausdrücken. Viele fürchten ihn wegen dieser Äußerlichkeiten und ob seiner Kommentare zu Ausstellungen von Kolleginnen und Kollegen. Und der Titel FRESSEN bezieht sich nicht auf die Tätigkeit der Nahrungsaufnahme. Das schlechte Sehen führt dann, ebenso wie FRESSEN als Nahrungsaufnahme zu den Kernproblemen dieser Ausstellung. Hier hat jemand ein festgefügtes Bild von der Welt (kein nettes und freundliches, was ja auch im Anbetracht der Welt durchaus nachvollziehbar ist), das er vor uns ausbreitet: Sehet her wie schlecht doch alles ist! Alles Arschlöcher und FRESSEN! Und DU auch! Nur ist dieses Weltbild bei Uwe Loebens seit vielen Jahren unverändert dasselbe. Und dabei völlig ungetrübt von durch Beobachtung der Wirklichkeit abgeleiteter Erkenntnisse. Das erinnert einerseits ein bisschen an Stammtisch. Und andererseits gehe ich aus der Ausstellung und bin nachher so klug als wie zuvor. Hier kotzt einer sein Weltbild raus. Immer wieder und immer wieder. Vomitismus. Und: Kennst du ein Bild, kennst Du alle. Wenig interessante Erfindungen, viel fast einfallslos zu nennende Wiederholungen. Klar: Es ist ja auch immer dieselbe Kotze einer einmal vor Jahren gefressenen Weltverachtung. Wenn ich aber jemandem beim Kotzen zugucke und immer nur dieselben Brocken kommen, dann ist das tatsächlich nur mäßig beglückend. Man will dann schon jemand wirklich leiden sehen. Und auch das passiert hier in keinstem Fall. Das wär wenigstens was: wirkliches Rausgekotze! Extase! Wut! Das Rausgewürge kommt dann doch alles in allem ästhetisch ein wenig zu geleckt. Gedankliche Bewegung? Fehlanzeige (wer denkt schon beim Kotzen?). Wirklicher Hass und wirkliche Wut? Fehlanzeige. Dafür ist die Haltung des Anklagenden, der sowieso schon vorher weiß, wie die Welt funktioniert, allzu wohlfeil. Dann vielleicht doch nur Illustrationen einer unverbrüchlichen Weltsicht? Uwe leidet an uns, das wird klar, aber was jetzt?
Ich muss an die Bemerkung von Horst Janssen denken, der Goyas „Desastres de la Guerra“ heraushebt, weil sie, wenn ich das halbwegs recht verstanden habe, eben nicht plakative Antikriegspropaganda sind, sondern von der Beobachtung leben, vom Gesehenen, das mit zeichnerischen Mitteln dargestellt und verarbeitet werden muss. Ein eher absichtsloses Tun, das die Schrecken tatsächlich zeigt und keine absichtsvolle Zurschaustellung.
FRESSEN begegnen einem tatsächlich jeden Tag eine Menge auf der Gasse. Aber allein schon der Titel der Ausstellung zeigt die Überheblichkeit des festgefügten Feind- und Weltbildes.
Blatt 22 fand ich übrigens interessant. Hier passiert formal etwas mit dem Gesicht, das den Blick ein wenig festhakt und bannt.
Uwe Loebens traut sich was. Indeed. Aber vielleicht will er dann doch, alles in allem, zuviel Kunst machen. Und er denkt zu wenig.
Und er guckt nicht hin. Er will nicht die Welt verstehen, sondern sie uns erklären.

rohes Fett!



roll over a postcard by Lisa Borscheid


eins meiner Lieblingsdetails aus der Wandzeichnung zur DADA-Soirée am 10.12.16

Gestern und vorgestern insgesamt 40 Zeichnungen rausgehauen als Material für SOLA. Was das ist? You will see. Demnächst in diesem Theater. Erst aber mal noch nicht, erst einmal muss gezeichnet und geprobt werden. Heute morgen dann Druckerei und danach Probentag. Morgen dann Druckerei bis etwas länger und dann Probentag. Und heute abend noch scannen von ein paar Zeichnungen. Damit es nicht so langweilig wird.