mastodon

Seit einiger Zeit unterhalte ich auch ein Konto auf dem etwas sozialeren sozialen Netzwerk mastodon. Letztens habe ich dort obiges Foto gepostet. Direkt aus der Arbeit an einem großen Aquarell im Garten. Im Hintergrund die Tulpen, die dort im Hintergrund so wachsen.

Jetzt hat eine Freundin, die ich aus dem richtigen Leben kenne und nicht erst von mastodon, darauf reagiert. Sie mochte mein Foto, aber sie mochte es nicht teilen. Wenn ich (gerne auch nachträglich) eine alternative Bildbeschreibung zufügte für Sehbeeinträchtigte, dann wäre sie allerdings gerne bereit, mein Bild, das ihr gefalle, zu teilen, ansonsten nicht, weil sie dann die Sehbeeinträchtigten von der Teilhabe ausschließe.

Ein interessanter Gedanke, der mich ein wenig überrascht hat. Diese Freundin schreibt selbst, liest viel und Genauigkeit im sprachlichen Ausdruck scheint ihr wichtig.

Letztens hat sie das von sich aus schon einmal gemacht: Eine Zeichnung von mir eigenständig mit einer kleinen Beschreibung versehen und dann geteilt.

Auch damals fand ich dieses Anliegen aller Ehren wert und nachvollziehbar. Aber auch irritierend, denn ich fand meine Zeichnung nur bedingt richtig und außerdem recht oberflächlich beschrieben. Ist damit geholfen? Dass es sich dabei um einen Baumstamm handelt im zentralen Motiv, der sich um einen Stein klammert, davon war z. Bsp. überhaupt nicht die Rede. Trotzdem danke für’s Teilen! Ernsthaft. Und auch danke für die Mühe der Beschreibung. Die Sehbeeinträchtigten nicht auszuschließen, mich aber auch nicht. Auch das fand ich sehr sympathisch.

Aber hier kommen wir dann nämlich auch zu einem mir nicht ganz unwichtigen Punkt: In wie fern lässt sich ein solches Bild überhaupt angemessen beschreiben? Das was der eine zeichnet, wird von der anderen noch nicht einmal wahrgenommen. Oder ein anderes Detail als wichtiger erachtet. Und das wäre nur eine der Hürden.

Wir sind ja nicht im Fernsehen, wo man eine Version für Sehbeeinträchtigte wählen kann und dann unter den Dialogen und der Musik immer wieder eine Stimme hört, die sagt: „Der Mann betritt den Raum, blickt nach links und sieht eine Frau auf dem Stuhl sitzen. Sie hat eine Pistole in der Hand und blutet aus der Nase.“ Da sind die Bilder einfacher zu greifen.

Geht das auch mit einer künstlerischen Form?

Ich nehme meine Bilder und Kritzeleien ernst. Das heißt: die gewählte Form ist die gewählte Form. Wenn ich einen Text hätte schreiben wollen, um ein Thema auf eine bestimmte Weise greifbar zu machen, dann hätte ich einen Text geschrieben. Und ein Bild oder eine Zeichnung arbeitet bis ins Detail mit der über die Jahre erlernten Sensibilität im Umgang mit der Setzung bestimmter graphischer und farblicher Elemente, die am Ende das ergeben und formulieren, was sie ergeben und formulieren. Jeder noch so kleine Farbspritzer und jede noch so kleine Regung der Hand gehört zur Sprache.

Wie will ich das (wenn möglichst auch noch in aller Kürze) sinnvoll verbal-sprachlich fassen? Und ist das nicht eigentlich eine Verkürzung der Aussage, fast schon eine Banalisierung?

Klar, es bleibt natürlich die Frage, auf welche Art man das formuliert und welche Dinge man hervorhebt. Vielleicht geht ja das ein oder andere. Aber noch nicht mal eine super-dupi gedruckte Katalogabbildung kommt in der Regel an das Werk im Original heran.

Und umgekehrt: Wird von einer Schriftsteller*in verlangt, dass sie ihren Text auch gleichzeitig als wortlosen Comic-Strip publiziert, damit Analphabeten nicht ausgeschlossen sind? Oder gleich als Audiodatei hinterherschickt?

Aber: Auch eine Audiodatei ist etwas anderes als ein gedruckter Text. Und ein Text schon wieder etwas anderes als Musik. Oder ein Bild. Eine Comic-Version von Kafkas Strafkolonie ist halt eben nicht Kafkas Strafkolonie und auch nicht Kafkas Strafkolonie in einfacher Sprache ist Kafkas Strafkolonie. Eigentlich alles Binsenwahrheiten.

In meiner eigenen Arbeit habe ich mich immer wieder auch mit genreübergreifenden Ansätzen beschäftigt. In dem Stück „Der Fall Sola“ ging es ganz zentral um Übersetzungen von Sprache in Bild und Bild in Musik und Musik in Zeichnung und hin und zurück. Während einer dieser Aufführungen habe ich sogar tatsächlich  live im Radio gezeichnet. Was bleibt lost in translation? Was ist möglich?

Nicht zu vergessen natürlich auch das literarisch-sprachliche Problem: Beschreibe ich als Schriftsteller*in ein Zimmer, nennen wir es Karls Zimmer, mit den Worten: Es war ein heller Raum mit einem großen Fenster an der Stirnseite und einem schweren Holztisch in der Mitte, dann haben wir alle eine schöne Vorstellung davon. Aber natürlich alle eine andere. Gehen wir hin und beschreiben das Zimmer als ca. 6,20 m in der Länge und 3,50 m in der Breite, vielleicht 2,10m hoch, mit einem etwa 1,20x3m großen Fenster ohne Gardinen an der einen Stirnseite. Der Fußboden aus abgenutztem Holz, ein schwerer dunkler Holztisch in der Mitte etc. etc. etc., beige-vergilbte Raufaser an den Wänden, dann sind wir in der Beschreibung zwar sehr präzise, aber je mehr Details, desto schwieriger kann ich mir das aber alles merken und zu einem wirklich lebendigen Ganzen zusammensetzen.

Ich habe vor Jahren mit einer früh erblindeten Freundin ein Bild gemalt. Sie hat mir ihr geträumtes Motiv beschrieben und die Farben und ich habe die Farben gemischt und ihr beschrieben und wir haben dann die Farben wieder geändert nach ihrer Beschreibung etc. ppp.  Es wurde ein interessantes Bild, von dem weder sie noch ich wissen, in wie fern es das getroffen hat, was es sein sollte.

Ich habe einen Werkansatz verfolgt mit dem Titel „Der Radiozeichner“ , wo es auch um  verbale und musikalische Beschreibung von bestimmten Zeichnungen ging, die mich beschäftigt haben. Und natürlich sind das immer nur Näherungen, Übersetzungen.

(ok, ok, natürlich sind auch Übersetzungen gerade auch von Lyrik von einer Sprache in eine andere Sprache nur eine Näherung …)

Wollte ich nun also tatsächlich auf diesen Wunsch eingehen und die Abbildung einer Zeichnung, eines Bildes, in diesem Fall das Foto einer Arbeitssituation sprachlich fassen, um sehbeeinträchtigte Menschen nicht auszuschließen, dann hätte ich, nähme ich diese Arbeit ernst, mindestens nochmal genau so viel mit der Beschreibung zu tun wie mit dem Erstellen des Werkes selbst. Ein eigenes Werk also. Wenn man es ernst denn nähme.

Oder sollte ich das sogar einer KI anvertrauen? Just another Pandora-Büchse.

Wie gesagt: Inclusive Ansätze sind ehrenwerte Ansätze. Aber zwischen „gibt-es-nicht-einfach-auch-Dinge-die-man-akzeptieren-muss“ und „wir-sollten-aber-versuchen-die-dinge-besser-zu-machen“ gibt es dann halt doch viele Grauzonen.

Und jetzt bitteschön: Beschreib mir all diese ganzen Grau-Töne in eigenen Worten!

Aber: Ich denke darüber nach. Vielleicht poste ich auf mastodon keine Bilder mehr. Nur noch Bildbeschreibungen. Oder aktiviere wieder den Radiozeichner.

Und schließe damit alle aus, die meine Texte nicht verstehen. Nur Englisch können. Oder nur Französisch.

Irgendwas ist immer.

 

 

7.4.26

      1. 23uhr09 23UHR38

im vergleich, so erinnere ich mich an meinen kunst-professor in den früher neunzigern, sei Tapiès im gegensatz zu Arnulf Rainer ja ein richtger intellektueller. Ein interessanter vergleich, weil für mich die beiden so gänzlich was anderes waren in meiner wahrnehmung und empfindung. Aber ich musste daran denken letztens: im vergleich mit Merz war Helmut Kohl tatsächlich ein intellektueller. Zumindest ein kanzler. Obwohl wir Helmut Kohl, angeführt von den poeten der titanic, ja als „Birne“ gesehen haben, als intellektuell minderbemittelten, der in der schule „gut in Hölderlin“ war, wie er das zu formulieren pflegte. Jetzt haben wir hier einen Black-Rock-gebildeten Schnösel ohne jeglichen horizont. Von den franzosen hieß es früher, dort könne niemand staatsmann werden, der nicht ein homme-de-lettre sei. Auch dort hat sich das verändert. Die erste potentielle staatspräsidentin, die jetzt doch erstmal keine werden wird, ist auch alles andere als femme-de-lettre. Aber immerhin scheint sie einen horizont zu haben, wenn auch keinen, der mir sypathisch ist. Können einem horizonte sympathisch oder unsympathisch sein? Here is your princess, and this is the horizon. Merz ist nicht verschrien als minderbemittelt wie es Helmut Kohl damals war. Aber er ist komplett horizontfrei. Und das ist das schreckliche. Er weigert sich rassist zu sein, obwohl er einer ist. Einfach, weil er die definition nicht kennt. Fragen sie ihre töchter. In den ideen des merz. In den iden des merz. Reimt sich vieles auf schmerz. Und auf kommMErz.

rettung

Was hat mir heute den Tag gerettet? Zu allererst: Ein Zitat von David Polzin aus einem Interview in der Feb./März – Ausgabe der „Weltbühne“, die ich zum Geburtstag geschenkt bekommen habe.

Kunst ist Denken und Krise.

Für einen solchen Satz hat sich die Anschaffung dieser Weltbühnen-Ausgabe bereits gelohnt.

Ach ja, und heute abend:

Ich aquarelliere eine nicht ganz so gelungene Zeichnung von heute mittag von der Neubausiedlung hier, wo sich unsere Ferienwohnung befindet. Ich ziehe am Schluss noch einen Lila-Rahmen drum, als Lisa meint, heißt das jetzt, das sei im Rahmen des Möglichen?

Und genau das hatte gefehlt: Dieser Titel.

IM RAHMEN DES MÖGLICHEN.

Jetzt hatte es gepasst.

(Die Zeichnung gibt’s natürlich hier die Tage).

kleiner tagessatz auf eine politische argumentation der c.k. (hilflos, aber wahr)

ich mißtraue dem funkeln der sterne seit wir damals alle eingeschlossen waren kommen sie mir hinterlistig vor und nicht mehr lustig und ich füttere den mond stattdessen der mich beißen wird oder sogar fressen wer weiß aber aus dem mißtrauen gegenüber den sternen wird das vertrauen in den mond der mich beißen wird oder sogar fressen und eigentlich weiß ich das genau aber gleiches recht für alle auch für die die micht entrechten und engrechten und da hinten war ein stern für den sich niemand interessiert hat aber ich es geht ungerecht zu und gleiches recht für alle ihr starrt nur alle auf die zähne des mondes es wird aber nicht so schlimm werden denn die gefahr ist anderswo nämlich in der hinterlist der sterne die schwach funkelnd schon lange nicht mehr die wahrheit sagen was ist also gegen den mond zu sagen gegen seine zähne dank seiner gravitätischen kraft könnten sich neue hoffnungsvolle und alternative sternbilder bilden sie wachsen am himmel sie wachsen am abend und am morgend sind sie auch noch da (ich weiß nicht was ihr wollt) mit neuen horrorskopischen tatsachen bekommen alle diejenigen futter denen das futter zusteht nur diejenigen nicht die gar nicht hierher gehören und wer sagt das das sagen ich und der mond und am schluss nur noch der mond ganz allein allein mit seinen zähnen.

31.1.26

      1. 17Uhr22 bis 17Uhr35

In der Süddeutschen gestern ein Artikel über den Begriff der Kulturschaffenden, der immer mehr um sich greift und, wie der Artikel nachweist, nachweislich aus dem Nazi-Jargon stammt. Das ist interessant. Mein Lieblingssatz aus dem Artikel: „Wer Kultur schafft, hat einen Plan und erfüllt seine Pflicht. All das Überflüssige und Überschüssige, das Nutzlose, Luxuriöse, das Zufällige, Emergente, Explosive, das die Kunst braucht, geht in dem Begriff nicht auf. Und schon gar nicht die seltsame Erkenntnis, dass es oft die Werke sind, die den Künstler formen und nicht umgekehrt.“ Ok, das war mehr als ein Satz. Aber: Wer Kunst schafft, erfüllt seine Pflicht. Kunstsschaffende kommt bei mir fast in einem Atemzug mit „Kreativwirtschaft“. Und vielleicht sind auch hier die Gründe zu suchen, warum mich kaum noch was hinter dem Ofen hervorlockt. Alles funktioniert irgendwie. Passt sich ein. Ist ein Teil der Unterhaltungsindustrie: Jetzt Tickets lösen für die Art Karlsruhe! Die Leute vom Saarbrücker Künstlerhaus bieten seit Jahren Fahrten zur Art Karlsruhe. Dabei war Joseph Beuys, den laut Matthias Winzen diese Woche im Saarbrücker Zeitung Interview kaum noch 5% der aktuellen Kunststudenten kennen, bereits klar: die Mysterien finden am Hauptbahnhof statt. Mit Sicherheit nicht auf der Art Karlsruhe. Dort findet man das, was auf dem Markt funktioniert. Ach, wär ich doch nur ein wirklicher Epikuräer. Kann man das lernen? Ich halt mich da raus, muss mich dann aber auch nicht drüber aufregen? Ich spiele nicht mit, spiele dann aber auch nicht mit? Konsequenz ist was für Anfänger. Belegen wir einen Fernkurs in Misanthropie. Vielleicht macht es das besser. Und: Ich sollte endlich, endlich mal Lutger Lüdekehaus‘ Buch über NICHTS lesen. Das liegt seit 21 Jahren auf meinem Nachttisch. Vielleicht ist langsam Zeit dafür.

3 minuten gehirnwäsche

24.1.26     23uHr20 bis 23UHR24

die kauende schwester zaubert einen ball. Betrachtet ihn. Betrachtet ihn noch länger. Doch sie will und kann es nicht erklären. Oder sollte man nicht besser sagen: sie will und darf es nicht erklären? Nicht über alle dinge darf man sprechen, nämlich. Insbesondere nicht über namenlose bälle. Und endliche bälle. Und namenlose, endliche bälle. Hin und zurück. Schwester hin. Und schwester her. Wir gehen in ihre küche und lesen ein buch. Danach messen wir ihren blutdruck. Es gibt kein zurück. Wir ziehen uns warm an, denn man sollte sich auf alle fälle immer warm anziehen. Alle felle. Aber nicht zu warm. Zu warm kann dann wieder doch gefährlich werden. Die schwester kaut. Aber sie schweigt nicht. Sie hat einen blutdruck und keinerlei gefühl für ihren puls. Was für ende. Was für ein beginn.

nach der handschriftlichen notiz eines traums aus dem dezember

ich war in der wohnung eines freundes. er war munter und voller energie. das war überraschend. er plante und machte, war voller tatendrang und suchte bilder aus. irgendwann wurde er müde. schlief ein. mitten in seinem eigenen satz. ich entdeckte in der wohnung überall hausschuhe. so ein bisschen wie adiletten. darin säuberlich drapiert jeweils ein paar socken. ich dachte: wahrscheinlich vergisst er jedesmal, wo er seine hausschuhe abgestellt hat und kauft sich dann ein neues paar, um es wieder zu vergessen, um sich wieder ein neues paar zu kaufen usw. usf. was für ein drama. und es scheint ihm überhaupt nicht aufzufallen, weil ja alles voller schuhe steht …

er wird wach und ich erzähle ihm diesen gedanken. er blickt sich um, bemerkt all diese schuhe und ist sichtlich verlegen. er begreift und es ist ihm peinlich. er ergreift meinen arm. es ist ihm einfach noch nie aufgefallen. hausschuhe als gedanken, die er immer wieder vergisst, wiederholt und neu irgendwo abstellt. was haben schuhe mit denken zu tun? kann man seinen kopf mit immer wieder denselben hausschuhen vollstellen? vorstellung und vollstellung?

zu: menschen ohne parkplatz

der mensch wird nicht hübscher, wenn er auto fährt, aber er tut es natürlich trotzdem. tagaus und tagein. ohne unterbrechung, vorwärts, rückwärts, meist vorwärts. manche haben vorfahrt und ampeln gibt es. der faradaysche käfig schützt nicht nur vor blitzeinschlag. ist straßenverkehr so etwas wie der alltag? hier bin ich mensch, hier darf ich sein? manche sitzen auch zu viert im auto. wir müssen als erstes an der ampel sein, denn wir sind ein spermium. oder sonstwo. zeit ist leid. welches bild habe ich von der welt, wenn ich immer nur auf grüne ampeln treffe? wenn es nur noch philosophen am lenkrad gäbe? nirgends darf ich aussteigen, denn es handelt sich um eine utopie. parkverbot heißt, dass niemand je ins grüne darf. halteverbot, dass alle rastlos leben müssen. oder rastlos rasen. ich halte mich am lenkrad. ich beiße hinein und es schmeckt kein bisschen nach advent. ich bin nicht gern, wo ich herkomme. und weißt du: das geht allen so!

16.1.26

letztens haben wir geatmet nicht heimlich sondern in aller öffentlichkeit und es war fast schön und angenehm die luft konnte man sogar im spiegel sehen da sie die körper steigerte und dehnte und steigerte und dehnte fast ins unermessliche von dem ungaretti sagte dass es ihn erleuchte aber ich ernähre mich durchs unvergessliche und nicht durchs unermessliche und wenn ich das hier sehe und nicht vergesse dann werde ich platzen platzen und platzen und das atmen wird mir eine qual

3 minuten gehirnmwäsche 4.1.26 4.1.26 9uhr23 bis 9uhR27

am 1. januar flog eine amsel hier gegen die scheibe, so heftig, dass sie verstarb. Amseln sind vögel, die uns glücklich machen. Vor jahren grub ich im garten eine wurzel aus und eine noch recht junge amsel flog immer wieder in meine nähe und beobachtete mich und den aufgegrabenen boden. Ich machte also immer mal wieder eine pause, kletterte aus dem loch und ließ die amsel würmer finden. Danach haben wir wieder gewechselt. Ich buddele weiter, die amsel sitzt und guckt. Etwas später im jahr damals kam immer wieder eine junge amsel in meine nähe geflogen und beobachtete mich beim lesen oder den anderen dingen, die ich im garten tat. Und natürlich war ich der meinung, dass es genau dieselbe amsel gewesen sein muss. Der tod anderer vögel geht uns nicht so nahe. Wenn es sich beispielsweise um hühner handelt, wenn auch aus kontrolliertem anbau. Aber amseln: ja! Sich am ersten januar in den tod fliegen, weil man eine scheibe nicht erkennt: nehmen wir uns kein beispiel!

3 minuten gehirnwäsche, 4.1.26 4.1.26 8uhr31 bis 8uhr36

einer der träume, die mich immer wieder verfolgen: in einer stadt, in der ich früher mal gelebt habe, gibt es noch eine wohnung, die ich nie gekündigt habe, die ich selten aufsuche, in der sich noch eine menge dinge befinden und die ich endlich einmal auflösen müsste. Manchmal kostet mich diese wohnung noch unnötig miete, meist spielt das aber keine rolle. Wichtiger ist, dass die dinge dort verkommen und vorkommen, dass ich es nicht schaffe, das endlich mal zu sortieren und in ordung zu bringen. Manchmal verstecke ich mich vor den nachforschungen der wohnungsgesellschaft, die mir auf die schliche gekommen ist. Auf alle fälle bin ich immer froh, wenn ich merke, dass das nur ein traum ist und es einen ausweg gibt. Das ist von der deutung jetzt auch nicht sonderlich tiefgründig. Aber trotzdem sehr beunruhigend.

WIR FÜLLEN DIE LEERE DURCH ZUFALL.

 

(ein Satz aus dem Jahr 2018. gilt immer noch.)

4.12.25 heute morgen ein kurzer moment des innehaltens und erschreckens: eine plötzliche stille, von der man erst einmal begreifen musste, dass es diese war, die einen irritierte: von einer sekunde auf die andere kein auto mehr auf der straße, morgens, viertel vor sieben, eine epiphanie, wie lange wird das anhalten, wird das sogar ab sofort für immer und ewig so sein, als hätte es niemals … (?) – eine halbe minute war es am schluss, die einem aber unendlich lang vorgekommen ist

3 minuten gehirnwäsche, 17.12.25 23uhR44 bis 23UHR51

Ich denke grade über neue Formen nach. Und über Dinge, die man sich früher so getraut hat. Und die niemanden interessiert haben. Die einen aber freier gemacht haben. Ich hatte zum Beispiel mal die Idee, für ein paar Wochen lang Sonntag morgens so um 6 Uhr rum an der Konzertmuschel im Deutsch-französischen-Garten in Saarbrücken ein Klarinettenstück zu spielen. Dinge, die sich ereignen, die aber kaum jemand mitbekommt. Die sich aber trotzdem ereignet und folglich die Welt verändert haben. Auch wenn sie, diese Welt, das nicht bemerkt hat. Heute lasse ich mich vom Alltag auffressen. Die tagessätze, mit denen ich mich gegen die Vereinnahmung wehre, schreibe ich viel zu selten. Meine Beobachtungen sind meine Beobachtungen und meine Sprache, die ich der Welt entgegensetze, verhindern, dass ich überrollt und aufgefressen werde. Ich schreibe sie viel zu selten, diese Sätze. Ich zeichne viel zu selten die Blätter, die mich am Leben halten. Auch wenn sie keiner sieht, existieren sie und verändern die Welt. Auch wenn sie es nicht merkt. Sprich wenigstens mit dir selbst. Leise reicht völlig. Viel zu viele sind laut genug.