notiz aus freiburg
sebastian (abfallprodukt sisyphosaler bildhauerei)
sisyphos skulpturale



Der früher in Mainz lehrende und mittlerweile verstorbene Kölner Bildhauer Ansgar Nierhoff spottete immer ein wenig über die Maler und natürlich insbesondere über die Zeichner, die ja in ihrer Arbeit ach so unentschieden und geschwätzig seien. Mir waren die Bildhauer immer ein wenig fremd; zwar waren sie in ihrer Formfindung entschiedener, aber der Zwang, die Gegend mit irgendwelchen Dingen vollzustellen, um die man dann drumrumlaufen muss, schien mir immer ein wenig, wie wenn ein Hund überall hinpinkeln muss. Bildhauer pinkeln halt optisch. Wir Zeichner packen unsere Produktion in Mappen und Rahmen oder zeichnen gleich in Bücher und belästigen niemanden damit – ab und zu will einer gucken und findet’s scheiße oder gut, wunderbar. Hat halt was mit Denken zu tun und weniger mit Duftmarken setzen. Nichtsdestotrotz habe ich mich zur Erholung nach der Ausstellungsvorbereitung und -eröffnung im Landtag die Tage einer dreidimensional formgebenden Arbeit gewidmet. Da heute alles gerne nachhaltig ist: diese Form verändert sich zwangsläufig und man kann formgeben, soviel man will, das geht wieder aus derselben. As time goes by…Und ich erinnere mich, dass Ansgar Nierhoff mal zu einem Rundgang in der Bildhauerklasse ein Stück Stahl hingestellt hat, das irgendwie farbig gefasst war, und er es ungemein lustig fand, zu sagen, er sei jetzt auch unter die Maler gegangen.
neues aus dem Landtag, Teil 2: das öffentliche Wort:

hier wächst zusammen, was zusammen gehört: FAIRSAGER und „Wer hier nur einen Vogel erkennt, hat tatsächlich was verpasst!“
Originalität lässt sich nicht aus dem Hut zaubern, wie folgende Sprüche beweisen, die sich auf Zetteln wiedergefunden haben. Eines davon – man denkt es kaum in diesen Zeiten – ist sogar ein nichtkenntlich gemachtes Zitat, quasi Plagiat! Die trauen sich was!!

Interessant fand ich hier, dass jemand das Filmplakatgesicht zu Perry Rhodan in Kombination mit Leonardos Menschenskizze zu einem homo faber uminterpretiert. Da sind gewisse Montagetechniken ansatzweise verstanden worden. In der Kunst geht das manchmal ein wenig weniger plakativ, aber ein Anfang ist gemacht. Das Punktpunktkommastrich-Gesicht, das sich auf einem einzelnen Zettel fand, habe ich dann als homo ludens, den wir nicht vergessen sollten, einfach mal dazugeklebt (Montagetechnik für Fortgeschrittene) und den Perry Rhodan nochmals zeichnerisch uminterpretiert (nur in was??).

Ein tapfer gezeichnetes Vögelchen mit dem Spruch „Umwelt singt“: what does it mean? Ich denke mal: Umwelt singt nicht. Vögel vielleicht oder Menschen. So wie auch kein Land Kunst macht. Sondern einzelne Individuen dies vielleicht tun… Darunter spricht sich jemand gegen die Verspargelung der Landschaft aus, womit er, aus der Zeichnung ist das deutlich erkennbar, Windräder meint. Bei uns kommt der Strom aus der Steckdose. Auf dem Rückweg eben, nachdem ich Kaurismäkis neuen Film Le Havre genossen habe und dessen schöne und fortgeschrittene Montagetechniken, dachte ich, vielleicht sollte man diese Verspargelungszeichnungen mit einer Reihe von Strommasten-Fotos kontern. Wär doch ne Idee. Leute: Klebt Strommastenfotos (oder Zeichnungen)(oder Malereien) darunter! Mein Dank sei Euch gewiss! Ich hab erstmal nur ne Steckdose dazugepinselt und einen Mercedesstern, der den Windrädern so hübsch ähnelt. Übrigens: Das ist Ölfarbe! Und morgen bestimmt noch nicht trocken!!!

Da hat am Tage der Eröffnung jemand die Anleitung zum guten Händewaschen, die sich auf den Landtags-WCs fand, einfach mal dazugeklebt, wie ich später erfahren habe aus Irritation darüber, dass in einer Landtagstoilette auf solche Grundsätzlichkeiten hingewiesen werden muss. Jetzt hat das jemand mit dem Spruch kombiniert: Gesundheit ist ein teures Hobby. Häh? Auf der zweiten Tafel hat so schön jemand bemerkt, dass das mit der Intelligenz und der Dummheit das Ding halt ist, dass sich jemand Schlaues dumm stellen kann aber eher nicht umgekehrt. Also, vielleicht geht’s doch? Und es fällt einem nochwas anderes ein als: Gesundheit ist ein teures Hobby? Mir fällt z.B. ein, dass auf der Toilette (zumindest der Männertoilette) des Unterlindenmuseums in Colmar (dort, wo sie den Isenheimer Altar haben, eines der besten Bilder, die gibt, hin und geguckt, bevor 2012 endlich die Welt untergeht), also dort gibt es Hinweise in englisch, französisch und deutsch. Während in englisch und französisch sinngemäß steht, man solle die Toilette so hinterlassen, wie man sie selbst vorzufinden wünsche, steht in deutsch schlicht und ergreifend: Hinterlassen Sie die Toilette sauber. Salut Salaud! Oder sau. Äh: Oder so.

neues aus dem landtag, teil 1: informieren – deformieren
vierer
sphinx
depression und überheblichkeit
Mary Baumeister, so habe ich es heute zwischendruch im Radio aufgeschnappt, soll ihren Ehemann Karl-Heinz Stockhausen nach einer für ihn enttäuschenden Premiere einmal mit folgendem Satz getröstet haben: Er solle sich nicht vergleichen; es gebe immer jemanden, der besser sei, das führe nur in die Depression, und es gebe immer jemanden, der schlechter sei, das führe zur Überheblichkeit.
Ob man jetzt mit solchen Begriffen wie besser oder schlechter weiterkommt – geschenkt – aber trotzdem was für die Pinwand.
bbinvk (portrait)
lammer
kopfpunkt
zwei einer art
mittagslicht
sisyphos skulpturale (bisher unvollendet) (sic!)
FAIRSAGER
aldi ohne enzensberger
1229 (unten) 1230 (oben)
heute: 15 Uhr Landtag des Saarlandes
Veranstaltungstipp
Der unglaublich zu lobende Mainzer Kunstverein Walpodenstraße veranstaltet gerade auf dem Rinckenhof in Zweibrücken sein 8. MainzerKunstZwerg Festival. Heute noch um 13 Uhr InoxKapell. Gestern abend Datashock, Flamingo creatures und sk orchestra. Aber das habt ihr verpasst!





















