



Skizzenbuch und permanenter Ausstellungsraum von Klaus Harth




10. Juni 2010. Vyšehrad. 12 Uhr mittags. Drei Menschen. Drei Spitzen.
10. Června 2010. Vyšehrad. 12 hodiny v poledne. Tři lidé. Tři vrcholy.

2 vogelbilder, die, fast ein dreivierteljahr in mainz gelagert, gestern in form eines verschnürten paketes mit plastikgriff aus klebeband, zurückgeführt wurden. wie das genau aussah (paket in mainz, am rhein, im schließfach der kunsthalle, rausgetragen aus der kunsthalle, durch die neustadt, im zug etc.) das müsst ihr euch vorstellen (phantasie, vorstellungskraft etc.) heut‘ ist sonntag, da ist zeit für sowas.









Auf der Rückreise ein Abteil voller kleiner Tschechen, so geschätzt um die zehn oder elf Jahre alt, die nach knapp zehn Minuten bereits die Hälfte ihres Proviantes weggefuttert hatten und so aufgekratzt waren, dass sie sich bereits über einen herausfallenden Apfel (jablko) aus einem der Rucksäcke kaputtlachen konnten. Ebenfalls mit im Abteil: ein Finne auf dem Weg zurück nach Finnland.
Der Finne spricht die Kinder auf englisch an, was sie zwar als solches erkennen, aber nicht darauf antworten können (nevím). Auch uns hielten sie wohl deshalb anfangs für englisch sprechende Menschen.
Irgendwann bekamen sie dann aber doch spitz, dass das wohl kein Englisch war, was wir sprachen, der Zug fuhr Richtung Deutschland, also wohl: německý. Sie überlegten gemeinsam und bekamen heraus: dobrý den = guten Tag.
Und dann ging die Assoziationskette weiter: Německo -Hitler; ein bisschen haperte es noch mit dem richtigen Vornamen, aber bald war auch der gefunden, und jetzt ahmten sie erstmal mit Armbewegungen Maschinengewehre nach, allerdings nicht allzu lange, um sich daraufhin in ein recht ernsthaftes und ruhiges Gespräch darüber einzulassen, was sie umeinander alles darüber wussten. Zehn oder elf Jahre alt und in Děčín ausgestiegen und ab auf den Wandertag.
Der Finne guckte aus dem Fenster und fragte, ob das hier bereits Germany sei. Not yet. In der Sächsichen Schweiz dann: Aus dem Flugzeug sieht man das alles nicht!
In Dresden in der Straßenbahn randalierende dreizehn oder vierzehnjährige Deutsche.
Die Sächsiche Schweiz nicht nur nice countryside, sondern auch Hochburg der Rechtsradikalen.
Und vorgestern haben sie in Luxemburg 25 Jahre Schengener Abkommen gefeiert.

Immer wieder werde ich gefragt, zuletzt anlässlich der Veröffentlichung von Peter Webers Flommersfeld-Phantasie. Frau M. aus B. schreibt beispielsweise: „Ist der Herr Flommersfeld real?
Oder gehört er in die Welt der Imagination.“
Ich kann sagen: Er ist real. Ich kenne ihn. Er ist mein bester Freund. Und er macht Sachen. Er hat am selben Tag Geburtstag wie Charles Darwin und Max Beckmann, um nur einige zu nennen. Natürlich ist er wesentlich jünger als die beiden.
Er macht Sachen, die man hören kann, und Sachen, die man sehen kann. Oder auch hier. Ich lese seine Sachen auch gerne vor. Und zusammen machen wir noch andere Sachen. Oder solche.
Und zum Abschluss und dem endgültigen Beweise seiner Existenz folgenden Text aus dem Jahre 1999 oder 98 oder 97?:
Vinci2
Zu Schwester Monika entwickelte ich eine besondere Beziehung. Ich wartete geduldig auf den Beginn des Morgens, darauf, daß sie mich berühren möge.
Einmal brachte sie mir ein weißes Blatt Papier und einen Stift. Sie sagte: „Lalalalala“, und deutete auf meinen Mund, dann auf das Blatt. Bald darauf ging sie und überließ mich meiner Neugierde.
Ich zog erste zaghafte Striche.
Ich dachte dabei an Flugobjekte.
Dicke Hummeln.
Bald aber merkte ich, daß mir das Zeichnen leichter fiel, wenn ich an gar nichts dachte. Der Stift bewegte sich dann fast von ganz alleine.
Als die Schwester die Ergebnisse sah, rief sie: „Mein Gott, Sie schreiben russisch!“ Sie lief aus dem Zimmer und kam mit zwei Ärzten zurück. Sie schauten sich die Buchstaben auf dem Papier an und schüttelten den Kopf.
Ich wußte nicht, was das zu bedeuten hatte.
„Alles wird wieder gut.“ sagte sie. „Alles wird gut.“
Sie weinte.



Zeichnung aus „Herr Heinz“, 2005, Graphit auf Papier, ca. 100 x 120 cm
Beim Aufräumen am Samstag wiederentdeckt. Überhaupt eine Menge Sachen wiederentdeckt: die Fortführung der Vergangenheit mit anderen Mitteln.

sa: räumen im bilderlager
so: räumen in peters haus
mo: kurz in peters haus und erneuter test „bänke“



Peripathos free willy and un free willy: Gestern schritt ich, von Mettlach kommend, den Saar-Hunsrück-Steig gen Cloef und Orscholz. Die Vögel zwitscherteten und die Saar flosstete und außer mir kaum einer im Wald. Aber: sehr schöne Strecke und muss man unbedingt nochmals gehen. Oben angekommen: Essen und Trinken und Gucken. Und dann mal sehen, wie es die Bilder überstanden haben. Denke noch so vor mich hin: früher hatte ich vor Ausstellungseröffnungen immer Bammel, ich komme da hin, und alle meine Bilder sind von der Wand gefallen; und jetzt?: jetzt stelle ich die Dinger einfach so in die Gegend und bin recht gelassen. Nungut. Auf den ersten Blick sah auch alles noch ganz hübsch aus, trotz unbotmäßiger Regenfälle der letzten Tage. Dem zweiten Blick hielt es dann aber nicht mehr stand: der dreifach gestrichene Bootslack zu 26,- Euro die Dose hat versagt: einige der Bilder hatten von oben doch Wasser bekommen, das nach hinten, zwischen Holz und Bild durchgesickert ist und sind abgeblättert. Die Bilder selbst sind noch in Ordnung. Nur kleben sie nicht mehr dort, wo sie eigentlich von mir hingehörend gedacht waren.
Heute morgen dann, eigentlich hat man ja auch anderes zu tun…, mit Auto dorthin, alles abgebaut und nun hängen sie erstmal hier zum Trocknen und dann sehen wir mal weiter… (Wer kommt auch schon auf die Idee, und muss die Bilder unbedingt draußen aufstellen…)
Das heisst also für alle potentiellen Besucher: Bis auf weiteres gibt’s von mir dort nix zu gucken! Der Wanderweg ist schön, aber von mir KEINE BILDER vorerst!





Gestern war die Eröffnung der KREISLAUF Kreis Lauf – Ausstellung des BBK an der Cloef. Die Zeit nach den Formalien habe ich nutzen müssen, um die einzelnen Bänke im Original zu besuchen und sie in einer Planskizze einzutragen, damit der geplante Flyer tatsächlich auch die genauen Standorte der Bänke aufführen kann. Interessant für mich war das Verhältnis zwischen Foto, meiner Erinnerung, dem gemalten Bild und dem Original. André Thomkins hat einmal formuliert, Kunst mache aus etwas etwas anderes. Daran musste ich denken, als ich die Bänke wiedergesehen habe. Was ist Erinnerung? Was ist Realität? Bei der Erstbeschreitung des Geländes habe ich die Bänke fotografisch relativ flott dokumentiert, um geeignete Vorlagen für die malerische Umsetzung zu haben. In räumlicher und zeitlicher Entfernung waren die Fotos dann „das Original“, in all ihren Verfälschungen, die sie bereits enthalten. Ein Empfinden für Raum und Zeit, das in einem drin ist und das sich an den Vorlagen dann wieder auf andere Art entzündet, beeinflusst dann wieder die Malerei. So haben sich, vor allem, räumliche Dimensionen verschoben. Sprich: z.T. kam ich mir vor wie in einer Gulliver-Welt: wo ich Raumgreifendes erinnerte, genügten drei Schritte, um hinzukommen. Zu dem bei dem Projekt gedachten Bezug zwischen versammelten Abbildern an einer bestimmten Stelle im Gelände und den einzelnen im gesamten Areal verteilten Originalbänken, bei denen man sich den Vergleich erinnernd erlaufen muss, kommt das Thema der Verschiebung durch Erinnerung.
Zwei der Motive aus der Peripatetik-Bänke-Serie möchte ich evtl. als Postkarte herausgeben. Ich kann mich selbst nicht so recht entscheiden. Vielleicht könnt Ihr ja mal kurz einen Kommentar abgeben, welches Motiv Ihr gegebenenfalls selbst als Postkarte gerne haben möchtet, bzw. verschicken würdet o.ä. Alle, die sich die Mühe machen, erhalten von mir ein Set mit fast allen meinen derzeit verfügbaren Postkarten zusätzlich der schlussendlich gedruckten aus der Bänke-Serie. Versprochen ist versprochen.
Alle angucken kann man, wenn man rechts in der „Themen“-Spalte Peripatetik anklickt.



Heute morgen ganz in der Nähe der Saarschleife, im Innen-Areal des Cloef-Atriums in Orscholz, Aufbau der ersten 34 Bank-Bilder mit Bänken aus der dortigen näheren Umgebung. Einer der ebenfalls dortigen Mitarbeiter sprach in seiner ihm eigenen sensiblen Art den Satz: Heit Ohmend ess dord awwa Hexxennaaacht unn enn Hochzeit unn de Geburrtsdaach vomm Spoaatvaein, iwwa dreihunnat Leit; do ess moije nix mee doo vonn denne Sache. Sehr beruhigend, alles in allem. Jetzt steht es aber menschengeschützt im Veranstaltungssaal und findet am Sonntag erst den Weg nach draußen. Und ich kann bis Sonntag jetzt erstmal ruhig schlafen…

Irgendwie mochte ich Roger Willemsen noch nie so richtig leiden mögen. Vielleicht ist es die Stimme. Vielleicht die doch immer leicht überheblich wertend klingende Attitüde. Vielleicht auch die Tatsache, dass er in einer seiner Interviewsendungen Hannelore Elsner mal derart klebrig in den Ausschnitt krabbeln wollte, statt sie vernünftig zu interviewen, naja, bei Schobert und Black gab es in meiner Kinderheit mal den „Schwamm-drüber-Blues“ – – – jetzt habe ich am Sonntag beim Aufräumen in Peters Haus ein Exemplar von Willemsens Buch „Deutschlandreise“ entdeckt, und da jeder seine Chance bekommt (naja, fast jeder), lese ich das jetzt. Und heute morgen entdecke ich dann doch einen Satz, der mir gefällt, and it goes wie das:
„…Es ist eine andere Welt, in der man zwischen ‚Freiheit‘ und ‚Freizeit* nicht unterscheiden kann, …“
Das scheint mir doch das ein oder andere gut zu treffen.
Ansonsten war gestern abend Eröffnung der „angezettelt“-Ausstellung im Saarländischen Künstlerhaus und ich habe mich wirklich sehr gefreut, feststellen zu dürfen, dass manche Menschen nicht nur virtuell im Netz, sondern real existieren, Frau Blaumann zum Beispiel. Wir sind uns begegnet, wenn auch nur sehr kurz, leider, und es war schön und gut und jetzt hat man eine ganz andere Vorstellung, wenn man sich die Sachen anguckt und die Kommentare liest. Und umgekehrt vielleicht auch. Und eine sehenswerte Zeichnung von Gerd Brunzema findet sich auch noch in der Ausstellung. Es gibt also ein wirkliches Leben hinter der Internet-Oberfläche! Yeah. Und der Nußbaum fängt auch so langsam an zu blühen!

Das Saarländische Künstlerhaus feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass wurde ein ganz besonderes Projekt ‘angezettelt’, im wahrsten Sinne des Wortes.
Eingeladen waren alle ordentlichen Mitglieder des Künstlerhauses, verbunden mit der Aufforderung, weitere Künstler oder Schriftsteller für die Teilnahme an der Ausstellung / dem Katalog zu gewinnen. Ergänzt wurde die “Einladungsliste” um Gäste aus der Großregion und um eine Reihe von Künstlern, deren Arbeiten in der Vergangenheit im Saarländischen Künstlerhaus gezeigt worden waren.
Trotz gleicher Voraussetzungen – alle erhielten einen Karton im Format DIN A3 – haben die 130 teilnehmenden Künstler diesen in unterschiedlichster Weise bearbeitet. In der Ausstellung gibt es somit außer den bekannten Positionen eine Reihe von interessanten Überraschungen und Querverbindungen zu entdecken.
Zur Ausstellung ist eine umfangreiche Publikation erschienen. Da im Saarländischen Künstlerhaus auch die Schriftkünstler und Schriftsteller beheimatet sind, durften und sollten auch sie ihre Texte beisteuern, die nun ebenfalss mitsamt biographischer und bibliophiler Daten im Katalog abgedruckt sind.
Aatz Julia | Ahnert Cornelia Beate | Akbal Mert | Andler-Laurenz Inge | Baur Julia | Behn Dörte | Behr Ulrich | Belser Ute | Benkert Brigitte | Bettinger Jutta | Binger Dietmar | Blaumann Sibylle | Boecker Arvid | Böhm Sebastian | Bohr Monika | Bonnländer Katja | Börner Edda | Brunzema Gerd | Constroffer Werner | Czerny Ulrich | Dawo Sofie | Delleg Josefh | Dimitrov Nikola | Durrang Joachim | Eberhardt Beate | Ebert Hans-Josef | Ecker Jürgen | Eckhardt Frauke | Eickhoff Gabriele | Eickhoff Joachim | Emmert Gudrun | Emser Kurt | Engberding Reinhold | Fecht Theda | Flommersfeld Stephan | Fritsche Jürgen | Garmer Beate | Gierend Brunhilde | Goller Michael | Grand-Montagne Max Gert | Günther Heidrun | Haag Sigrid | Haake Daniel | Hallauer Till | Haring Anne | Harth Klaus | Hau Monika | Hellenthal Mane | Hendrich Valérie | Hoffmann Ramona | Hoxhaj Zymryte | Hümpfner Juliana | Husel Hans | Hüttermann Birgitta | Jeschonnek Heike | Jodes Diane | Jung Petra | Kattler Vera | Kenn-Fontaine Anni | Kesseler Michi | Kessler Ursel | Klessinger Reinhard | Knigge Ingeborg | Koch Holger | Koenig Jean Luc | Koeppler Christiane | Kolaric Natalie| Kramer Lukas | Krämer Andreas | Kreck Henrike | Kuberek Stefan | Laforsch Markus | Lang Odine | Lebong Ingrid | Leiner Annegret | Liefmann Jürgen | Lindenmeyer Petra | Loos Sabine | Lotz Johannes| Mahren Michael | Maier-Speicher Monika | Martin Brigitte | Menzel Arne | Morsch Brigitte | Müller Pia | Munz Jörg | Münz Inge | Ndabananiye Christophe | Neumann Andrea | Orlinski Annette | Pesic Dragana | Porz Meike | Pötz Natascha | Rammacher Christoph | Riccardo Lyn | Riethmüller Gertrud | Ring Susanne | Rohr Armin | Romeyke Katja | Scheiblich Maria | Scheiblich Volker | Schirra Ralf Johannes | Schmidt Susanne | Schneider Mechthild | Schreiner-Bastuk Ruth | Schrickel Monika | Schuster Lena Lieselotte | Schütz Veronika | Schwarz Rudolf | Seiz-Kupferer Stefanie | Sieben Volker | Simon Ellen | Simon Norbert | Sokolova Maja | Specht Susanne | Steitz Erwin | Steitz-Kramer Christine | Steitz-Lausen Barbara | Stöhr Ann-Marie | Stoll – Wachall | Strugalla Matthias | Sturm Judith | Tar Edith | Terauchi Fumiko | Titz Alexander | Verdet Veronique | Wagner Gabi | Weber Irmgard | Weingardt Elke | Zech Dorothea | Zorn Monika | Astel Arnfrid | Behringer Klaus | Berger Marcella | Bernarding Klaus | Blaß Olgaruth | Bubel Dirk | Diesel Ellen | Dorscheid Nelia | Klaus R. Ecke | Gerhard Hans | Göttel Sabine | Gulden Alfred | Hausemer Georges | Heydrich Mark | Kemmerzell Marion | Kovacs Franz | Latz Gaston | Monk Radjo | Petto Rainer | Pfeffer Paul | Römbell Manfred | Schaus Robert | Schmied Erhard | Schrauff Chris | Schröder Marietta | Ischu | Tänzer Gerhard | Wassermann Mike | Weißmüller Alexey | Ziegler Katrin