
wer grammatik geil findet, ist noch nie in heiligenwald gewohnt…
Skizzenbuch und permanenter Ausstellungsraum von Klaus Harth



An diesem Wochenende mit Stephan geprobt für unsere Lesung auf dem Kunstzwergefestival auf dem Rinckenhof bei Zweibrücken Anfang September. Freie Improvisation über einen Text von Stephan.





ALLES KLEINE ENDET IRGENDWANN EINMAL IM GROSSEN.
heute abend der dritte abend des ersten donnerstagszimmers bei christoph rammacher in der mainzer straße 31. noch kann man sich die arbeiten zum punkte-thema angucken! wollte ich nur mal drauf hingewiesen haben!!!
…gestern wurde ich per E-mail angefragt, ob ich mich in einem Zustand der generellen Unwirschheit befände, angesichts der zunehmenden spitzer formulierten kritischen Beiträge hier im zeichenblock.info. Ich habe keine Antwort darauf. Ich halte mich weiterhin für einen recht freundlichen Zeitgenossen. Natürlich fühlen sich auch freundliche Zeitgenossen manchmal genervt und gestört. Und vielleicht ist es eine Alterserscheinung, dass ich vielleicht öfter einfach mal etwas spitzer reagiere. Hoffe, ich werde dabei nicht krampfig und unerträglich. Aber generell ein schönes Wort: grundunwirsch. …
Der neue Werbeslogan für das Saarland lautet: GROSSES BEGINNT IMMER IM KLEINEN. Mal davon abgesehen, dass diese Aussage nicht haltbar ist, was sie auch immer im Genauen und diesem Zusammenhang des Werbezweckes meinen mag, besteht das grösste Problem mit diesem Slogan darin, dass ein Wunschdenken als Tatsache verkauft wird. Durch das Behaupten einer Behauptung soll eine Tatsache erzeugt werden. Wenn ich lange genug behaupte, ich hätte gesunde Zähne, dann habe ich irgendwann welche. Vor vielen vielen Jahren, noch zu Zeiten des Saarbrücker Tatortkommissärs Jean Fitou, Jaques Filou, nee: Max Palu erinnere ich mich an ein entsprechendes Drehbuch, das im Eishockeymilieu spielte (ich muss zugeben, habe ich nie gesehen, erinnere mich aber an die lebhafte Berichterstattung der Saarbrücker SZ) und man ist zum Drehen extra nach Frankfurtmain gefahren, weil das entsprechende Milieu ici n’existe pas. Alors: Lüg et trüg. Oder etwas anspruchsvoller: Es handelt es sich einfach um einen Fall falscher Induktion:
Das Saarland ist klein. Alles Große beginnt im Kleinen. Also beginnt auch im Saarland etwas Großes.
Wobei Problem: Bereits der zweite Satz ist Nonsense.
Merke: Sätze mit „immer“ sind immer falsch!
Merke weiter: Die Leute sind zwar oft doof, aber nicht immer.
ES GIBT KEIN WAHRES LEBEN IM KLEINEN.
brötchenesser sind doof (oder haben zumindest doofe kinder)…darauf kann man kommen, wenn man sonntagmorgends in wemmetsweiler in der bäckereifiliale beim rewe markt ausnahmsweise mal brötchen kauft. die bäckertüte verspricht ein „rätsel“ auf der rückseite, das aussieht wie folgt:

…und man denkt noch: gehört unbedingt in die sammlung angewandter zeichnung… und dann entdeckt man auf der seite die lösung des „rätsels“:

Wahnsinn! (Wäre das nicht ein prima Titelbild für’s nächste Buch von Thilo Sarazzin?)

Eben auf dem Balkon gestanden und ein Zigarillo geraucht (wann schaff‘ ich es endlich, mit dem Rauchen anzufangen?) und ein Gläschen Bushmills dazu getrunken und mich im Küchenfenster gespiegelt: mit geschnittenem Haar sehe ich aus wie der Bruder meiner Mutter. Manchmal sehe ich für einen Moment aus wie mein Bruder. Was mich auf folgende Idee bringt: Wäre doch mal interessant, eine Reihe von Selbstportraits in der Rolle verschiedener Personen aus meiner Verwandschaft. Wurzel-Erforschung. Abneigungen und Aneignungen. Mal sehen. ob ich das schaffe.
Dr. Sabine Graf schreibt heute in einem Auftragsartikel für die Saarbrücker SZ über die Jubiläumsausstellung Jo Enzweiler im Museum Schloss Fellenberg in Merzig.
Der Artikel endet mit folgenden Gedanken:
„Die Ausstellung versammelt das, was man von Enzweiler kennt: Die gerissenen Karton-Collagen in leuchtendem Gelb in immer neuen Variationen, die Farbkombinationen sowie Nuancen einer einzigen Farbe auslotenden Gouache-Drucke, die das Verhältnis von Raum und Zwischenraum erkundenden Papierschnitte beziehungsweise Zeichnungen und die seit einigen Jahren gefertigten Skulpturen, die das Zusammenspiel geometrischer Formen erkunden.
Das ist altvertraut, doch stammen die gezeigten Arbeiten aus dem Zeitraum zwischen 2006 und 2014. Es wäre ein Leichtes, daher von der Wiederkehr des Immergleichen zu sprechen. Doch geht es hier gerade darum, die Qualität herauszukehren, die in der dauernden Befragung des Materials und der Entdeckung weiterer Kombinationsmöglichkeiten von Vorhandenem liegt. Hierin begegnen sich Kunst und Leben. Zudem geht es wie in jedem künstlerischen Werk um Wiedererkennbarkeit. Die Wiederholung ist dafür ein probates Mittel. Sie schafft ein Markenzeichen, um einen Künstler den Tag hinaus einen Platz in der Kunstgeschichte zu sichern.“
An folgenden Punkten muss wiedersprochen werden:
Es wäre nicht ein Leichtes, von der Wiederholung des Immergleichen zu sprechen. Man muss hier von der Wiederholung des Immergleichen sprechen. Denn darum handelt es sich. Und aus der bloßen Wiederholung erwächst erstmal per se keine Qualität. Sich zu wiederholen heisst noch nicht, dass man dabei Entdeckungen macht.
Es ist zwar eine interessante Frage, ob es möglich ist, und ab welchem Zeitpunkt Quantität in Qualität kippt, ob aus der bloßen Wiederholung irgendwann etwas Erhellendes wächst, aber Sisyphos, der täglich seinen Stein zu rollen hat, ist eine andere Veranstaltung. Auch Entwicklung gehört zum Mensch-Sein. Zugegeben, es mag natürlich auch an mir liegen, dass ich hier keine Entwicklungen sehe. Ich sehe hier keinen Suchenden, der ein Thema umkreist und mit sich und der Welt etwas zu klären und mir folglich etwas Interessantes zu sagen hätte. (Wie ich es durchaus bei Sigurd Rompza oder Lukas Kramer sehr). Ich sehe hier jemanden, der in seinen jungen Jahren einmal eine Idee hatte und uns seit 30 Jahren immer wieder dasselbe Bild zeigt, oder dasgleiche, das spielt hier kaum eine Rolle. Kennste eines, kennste alle.
Heftig wiedersprochen werden muss dem (ich bin ja nicht Dr. Sabine Graf, aber diese hätte früher einfach folgendes Adjektiv in den Raum geworfen, das ich nie mochte, aber das Imperium darf ja auch mal zurückschlagen, also bitteschön:) hirntoten Satz „Zudem geht es wie in jedem künstlerischen Werk um Wiedererkennbarkeit.“ …bei jedem künstlerischen Werk!? Das ist in seiner groben Verallgemeinerung eine derartige Frechheit und Anmaßung von Urteilskraft, dass man sich das nicht lange genug immer wieder vorlesen kann…; Vielleicht geht es bei Jo Enzweiler um Wiedererkennbarkeit. Aber das ist generell schon eine hahnebüchene Bemerkung. Es geht von mir aus um solche Dinge wie „Schönheit“, Erkenntnis, Wahrheit, Leben und Tod, die Welt an sich, aber doch nicht um Wiedererkennbarkeit. Angenommen, auch Litaratur sei Kunst, was ich gerne annähme, hat Vrginia Woolf so stilistisch unterschiedliche Bücher geschrieben, weil sie in ihrem Schreiben um Wiedererkennbarkeit gerungen hat? Liebe Literaturwisschenschaftlerin: behaupten kann man vieles, aber halten lässt sich oft davon nur wenig. Max Ernst rang um Wiedererkennbarkeit? Fuck off.
„Die Wiederholung ist dafür ein probates Mittel. Sie schafft ein Markenzeichen, um einen Künstler den Tag hinaus einen Platz in der Kunstgeschichte zu sichern.“ Diesen Satz kann sie noch weniger ernst meinen. Ich kann das nur so verstehen, dass sie, mit dem Güllepfosten winkend, dem Enzweiler Joachim (wie heisst man wirklich, wenn man „Jo“ heisst?)(Josef?)(Jorinde?)(Joringel?) eins reinwürgen will, sich vor der anerkannten Fachkraft aber nicht das zu sagen traut, was sie sagen möchte, wo sie doch jedem anderen hergelaufenen Künstlersmann oder jeder hergelaufenen Künstlersfrau einen reinwürgt, wenn sie den oder die sich tiefer dünkt, und sich auch noch was drauf einbildet.
Fuck off, die Zweite.
Es gilt Billy Wilders Prämisse: Du darfst nicht langweilen!
Jürgen Küster hat dieses kleine Büchlein zusammengestellt, das ich hiermit des Blätterns anheimgeben möchte.
Wir hatten vor einiger Zeit begonnen, uns gegenseitig mit elektronischen Zeichengeräten erstellte Zeichnungen hin unf her zu schicken, um sie zu ergänzen, zu bearbeiten, zu verändern. Ein lustvoll-spielerischer Prozess, der sich an unser Fehler-Projekt angeschlossen hat. An einem bestimmten Punkt war der Reiz vorbei und Jürgen hatte die Idee, in einem Büchlein Zeichnungen aus dieser Aktion mit anderen Arbeiten, die unabhängig davon entstanden sind, zu kombinieren. Das ist jetzt dabei herausgekommen. Jeder von uns hat Vorschläge für entsprechende Doppelseiten gemacht, Jürgen hatte die Endredaktion und ich finde, das kann sich schön sehen lassen!
so meinte doch letztens jemand, endlich habe sie es erkannt: jetzt wären das glück, das schicksal und die wahrheit ganz auf ihrer seite. was die menschen gerne halt so glauben. da arbeitet man sich jahrelang daran ab, die dinge zu hinterfragen, die zwischentöne zu lokalisieren, die begriffe zu bestimmen, die wahrnehmung scharf zu stellen und was derer dinge sonst noch welche sind, und dann schlägt einem diese gewissheit entgegen.

oben eine von mir in plötzlichem erkenntniswahn wahrgenommene wahrhaftige und einzig mögliche darstellung des schicksals. vielleicht sollte man sich nochmals mit der tradition der allegorie beschäftigen? ach nee, non m’interesse.










Noch nicht ganz fertig, aber 90% hängt. Bildkonzept für eine bestimmte Raum- und Arbeitssituation. Belichtete Druckplatten, teilweise übermalt und überzeichnet. Die Zeichnungen auf den Druckplatten sind teilweise gescannte Originalzeichnungen, negativ gestellt, dann auf die Platte belichtet, oder aber im Photoshop erstellte Zeichnungen (mit der Maus gezeichnet), die dann belichtet wurden. Die fotografischen Abbildungen sind in Photoshop bearbeitet, beruhen teilweise auf aktuellen Fotos des Ist-Zustandes der Räume, teilweise auf alten Fotos vor der Renovierung und Inbetriebnahme des Gebäudes. Zu den Bildideen mehr unter dem Reiter „Kunst im Bau“.

Von welchen Kriterien hängen Jury-Entscheidungen ab? Von Zufällen, Verstimmtheiten, Gestimmheiten, Sympathie und Antipathie. Hat man in einer Jury ein Alphatier, oder vielleicht zwei Alphatiere. Sind eher Schauspieler darunter oder eher Produzenten oder eher Menschen, die auf die Bilder schauen?
Generell ist ein Wettbewerb wie der Max-Ophüls-Preis eine interessante Woche. Man sieht z.T. Dinge, die man sonst vielleicht nicht sieht. Man kann sich eine Woche lang Gedanken um eigene Präferenzen und Kriterien machen. Das ist schön und lehrreich für einen selbst.
Und dann werden am Schluß Dinge herausgehoben und andere bleiben unten am Boden stehen.
Man hätte auch andere Dinge herausheben können.
Vieles ist hier von Zufällen abhängig.
Zufällen, die aber zu Entscheidungen führen, die Dinge verändern. Den einen fördern, den anderen vielleicht hemmen.
Das ist das Geschäft, aber muss das so sein?
Ein Tröstliches hat es dann auf die Jahre dann aber doch: Es gab Filme der letzten Jahre, die haben keinerlei Preise oder Erwähnungen bekommen, an die denkt man noch immer. Die sind sogar nach ein oder zwei Jahren auch mal in dem ein oder anderen Kino aufgetaucht.
Ebenso gibt es Preisträgerfilme, die sind irgendwie nie wirklich in den Kinos aufgetaucht.
Ein bisschen Trost, dass Ranglisten dann doch nicht alles sind.