11.8.1967 – 5.9.2020 Christoph Rammacher

Letztens hatte ich noch seinen Katalog für artmix08 in der Hand, für den ich die Druckdateien erstellt hatte. Und jetzt erreicht mich per Mail eine Nachricht, dass er am 5. September verstorben ist. Ich habe ihn sehr geschätzt, als Mensch und als Künstler. Einer derer, deren Kunst es verdient gehabt hätte, gerühmter und bekannter zu sein. Und er hätte das auch verdient gehabt. Mindestens. Keine Zeitung wird einen Nachruf schreiben (vermute ich mal) – und das wird seinen Pessimismus in dieser Hinsicht bestätigen. Manche konnten und können sich besser verkaufen. Ich bin dankbar für die Dinge, die ich zusammen mit ihm machen durfte, so unsere Ausstellung FALSCHE VERSPRECHNUNGEN in Sulzbach (mit Julia Baur und Stephan Flommersfeld) und auch Aktion, Ausstellung und Buch ZEICHENGEBER (mit Vera Kattler). Und natürlich auch das gemeinsame Portraitzeichnen am Fließband für die Großregion (mit Susanne Kocks, Katharina Bihler und Stefan Scheib).  Ach scheiße.

narziss mit goldmund

Ein Foto beim Geldscheinzeichnen am letzten Sonntag im Foyer des Saarlandmuseums. Dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt von Otmar Serf.

herr berger

herr berger, während des telefonats (oben)

 

nach dem telefonat

 

Das schöne am Älterwerden: man muss ja nicht mehr alles tun. Da ruft jemand an und will einen für ein Buchprojekt mit Zeichnungen gewinnen. Man kann „nein“ sagen, wenn man den Eindruck hat, dass man es nicht tun möchte. So einfach. Und so schön.

alle sind traurig – aus gegebenem anlass

ein tagloses leben

ein argloses beben

der tod ist keine figur in einem raum

der tod ist ein bleistiftstummel

ein scheu-seeliges rinnsal

ein hund ohne nase

ein hüpfendes etwas

ein maul voller bäume

wir

sie

er

du

ich

ein fallendes rot

ein springendes grau

kein tiefes schwarz

ein wachsender baum

ein zartrosa blau

das ankommen am strand

ein doppel-mercedes

ein audi tt (t)

ein stein ohne berg

ein krampf ohne muskel

ein stetes bergauf

ein argloses leben

ein tagloses beben

 

andrea neumann ist verstorben. eine künstlerkollegin, die ich kannte, mit der ich aber nicht so viel zu tun hatte. die meldung verbreitet sich auf facebook. und mehr als die todesnachricht, irritieren mich immer die vielen worte, die plötzlich geschrieben werden. „so traurig“, „wie traurig“ etc. ppp. – – – ja. natürlich. und eben: natürlich. allen scheint plötzlich wieder aufzufallen, dass es so etwas wie den tod gibt. als hätten sie nie davon gehört. tot sein ist nicht schlimm. ich habe die nachblutungen nach meiner mandeloperation kurz vor meinem 7. geburtstag selbst nur knapp überlebt. ich fand die ganze situation damals in keinster weise bedrohlich oder beängstigend. und wenn ich gestorben wäre, wäre es mir nicht sonderlich aufgefallen. dahinsiechen ist schlimm. wachkoma, je nachdem. agonie. krankheit. der sterbensprozess kann schlimm sein. der todeskampf. tot sein ist schlimm für die, die übrig bleiben. denen ein lieber mensch genommen wurde. und die an ihre eigene endlichkeit erinnert werden. binsenweisheiten. mich irritiert immer die beflissene sprachliche hilflosigkeit solcher beileidsbezeugungen, als wäre es wichtig, dazu etwas zu sagen, obwohl es eigentlich nichts zu sagen gibt. manchen gelingt da ja durchaus was glaubwürdiges, aber bei weitem nicht allen. ist die öffentliche zurschaustellung der persönlichen betroffenheit ein akt des mitgefühls? oder nur irgend so ein eitles ding. facebook ist nicht der rechte ort für trauer. denke ich.

wer nach seinen traurigen worten morgen lustig weiterpostet, für den kann es nicht so schlimm gewesen sein. the games must go on.

 

8argos

auf dem blog 8argos findet sich ein gemeinsames Gedicht von Stephan Flommersfeld und mir. It goes like this:

 

eine schnecke auf dem asphalt
aschige hütten schweben im dunst
verbergen ihre brut in rauchschwarzen kemenaten
schmutzige kinder schmirgeln die dielen
sie singen kein lied
sie haben kein leid
einem zeppelin ohne den nötigen überblick
schlitzt ein kirchturm den bauch auf 
jezt wollen Jörn Budesheim und ich Zeichnungen dazu anfertigen. Das hier wäre die meine. 🙂

SPOTIFY

JETZT IST ES SOWEIT. DANK DER UNERMÜDLICHEN VORARBEIT VON STEPHAN FLOMMERSFELD, MEINEM LANGJÄHRIGEN COMPAGNON UND MITSTREITER, GIBT ES NICHT NUR DEN BLOG  8argos, WO ER, JÖRN BUDESHEIM AUS KASSEL, DANIELA DAUB UND OLIVER SCHULTZ AUS WIESBADEN ET MOI TEXTE, ZEICHNUNGEN UND ANDERE SACHEN AUSPROBIEREN, SONDERN AUCH EINEN AKUSTISCHEN ABLEGER AUF SPOTIFY. UNSERER BERÜHMTHEIT STÜNDE ALSO NIX MEHR IM SOGENANNTEN WEGE.

HIER DER LINK ZU wir hauchen den weg frei, EINER KOLLABORATION MIT STEPHAN

UND HIER DER LINK ZUM BLOG 8argos ITSELF.

 

ZEICHNEN UND MALEN IM URWALDCAMP

In diesem Jahr sind wir etwas früher: 2. August!!! in Worten: zweiter August!!! wie üblich zwischen 10Uhr30 und 17Uhr. Anmeldung auch wie üblich unter la.mora@web.de 45,- € incl. geistige und körperliche Verpflegung. Kann auch bei schlechtem Wetter stattfinden von wegen weil Urwaldcamp. Die Corona-Abstandsregeln können 1a eingehalten werden. Sowieso bewegen wir uns eh nur an der sog. frischen Luft. Malen, Zeichnen, Ein- und Ausatmen.

doppelmercedes – what you see is what you get

Der Doppel-Mercedes basiert auf einer Mercedes-Benz-Anzeige, die ich letztes in der ZEIT entdeckt habe (Ausgabe Nr. 25 vom 10. Juni 2020). Ich fand das sehr bemerkenswert. Das weiße Feld oben links ist in der Anzeige ein schwarzes und enthält außer dem Mercedes-Stern im unteren Teil folgenden Text: „Gedacht für die Wildnis. Gemacht für Euch: der neue GLA. Jetzt bei Deinem Mercedes-Benz-Partner. Mehr erfahren unter…“ Der Hund rechts. Die Platzierung auf einem Parkdeck. Der zurückgelehnte Blick. Der Blick auf eine Stadt. Und zwar auf den Teil einer Stadt, in dem so eine Mercedes-Fahrerin nicht unbedingt wohnen wollte. Die Fahrerin: lässig zurückgelehnt, weißes Shirt mit roten Streifen (es sind keine drei, sondern zwei). Wenn man sich das Foto nochmals genauer anschaut, entdeckt man auch Tatoos auf dem linken Unterarm, direkt hinter dem Handgelenk. Ca veut dire quoi? Die potentielle Kundin ist weiblich und wird geduzt. Die potentielle Kundin ist gut situiert, trotzdem lässig und selbstbestimmt und traut sich sogar in die urbanen Vorstädte. Wenn auch der Blick ein sicherer Blick einer sicheren Plattform aus ist. Man muss Suburbia nicht betreten. Man steigt ins Auto und fährt gefahrlos nachhause. Das Auto bietet also Sicherheit, Unabhängigkeit und verträgt in seinem Inneren auch einen Hund. Naturverbundenheit wird suggeriert. Wenn auch die Wildnis hier wohl eher die Stadtlandschaft abseits der Shoppingmalls und Edelsteingeschäfte zu sein scheint. Sauvage hieß mal ein Duft, für den mit Johnny Depp geworben wurde. Und Amseln waren früher scheue Waldvögel. i-Tüpfel: den Wagen bestellt man natürlich im Internet (Kontakt-Angaben dazu rechts oben im Himmel.)

8argo

hier geht`s ab sofort ab. -> LINK

Schreiben ohne Landkarte

Das Projekt 8argo der Argonauten Budesheim, Daub, Flommersfeld, Harth, Schultz ist kein weiteres Webprojekt, das Literatur und Bildende Kunst ins Web verlagern will und damit auf Interaktivität und – Medialität anstelle einer fundierten Ästhetik vertraut. Es greift eher eine dynamisch-labyrinthische Struktur auf – die Teilnehmer schreiben aufeinander zu oder voneinander weg, benutzen Wortfelder als Absprungbasis in unbekanntes Terrain, lassen kleine Lichtungen oder unerwartete Pfade entstehen, schlagen eine Schneise oder drohen zu verwildern.

 

Es geht darum, Sprache zu materialisieren, sie als formbares und lebendiges Medium zu begreifen, das bei „falschem“ Gebrauch neue und unerwartete Zusammenhänge freigibt und uns das Land „dahinter“ näher bringt. Magellan, der portugiesische Seefahrer, mußte sich bei seiner Weltumseglung irgendwann auf seine bloße Beobachtung und seemännische Erfahrung verlassen, da er auf keine Seekarten mehr zurückgreifen konnte.
Die Autoren/Künstler wollen ihre Interaktion im Netz hier dokumentieren und mit Lesungen und Performances begleiten.

noch ne Weissagung

Es wird stattfinden! Unser VHS-Mal-und-Zeichnen-Treffen am 20. Juni 2020! Sofern sich genügend Menschen anmelden. Zeichnerische und malerische Stadterkundung. Wagwiesenthal Neunkirchen!

Wagwiesenthal: Thema „Parklandschaft“Kursnummer 5208An diesem Termin beschäftigen wir uns mit der Parklandschaft und mit Menschen im Park. Es geht auch um die Farbe „Grün“ und um die Nähe zur Stadt. Hier darf neben den üblichen Skizzen natürlich auch gerne ausgiebig gemalt werden.Termin: Sa, 20.06.2020, 14.15-18.00 Uhr Ort: Zwischen Skatepark undTuS-Halle (Zugang von derBrunnenstraße aus), Neunkirchen Leitung: Klaus Harth Entgelt: 15,00 €; keine Ermäßigung möglich

Anmeldung unter: 06821 – 202552

 

DCIM106MEDIA

weissagung

ein geglückter moment gesterday. nichts ging so recht vom kopf in die hand. überhaupt der kopf. die hand hat ja eh selten ein problem mit den dingen. selten. manchmal und bei manchen dingen dann doch. und gestern abend dann ein kleiner moment im garten. handke. eine alte suhrkamp-ausgabe: Stücke 1. „weissagung“. handke war nie so mein ding. und diese „weissagung“ fing ich an, als literarisches experiment zu lesen. bis es irgendwann einklickt. alle diese einfachen sätze, die einfach in die zukunft verlegt werden, als könne es nicht jetzt schon so sein. und dann fängt es an, alles auf den kopf zu stellen. und nichts löst sich wirklich auf, dass man sagen könnte: 1 und 1 macht 2. noch nicht mal 1 und 1 macht 5. dann hätte man ja auch eine lösung. nee. ich sitze auf einem kleinen kinderstuhl im garten und bin ganz 1:1 bei mir selbst und schraube mir meine welt wieder anders zusammen. und das stück (was für mich eher ein langes gedicht ist) versucht die welt zu greifen, indem es eine sprache findet, die nicht abbildet und nichts erzählt. und damit die welt besser trifft als manch anderes.

und ist das nicht meine tägliche aufgabe und verpflichtung? die welt immer wieder neu zusammenzuschrauben, sie zu greifen und umzudeuten? es ist wie es ist und es wird wie es wird aber nichts war wie es war.

„Und die Umgewandelten werden sich wie umgewandelt fühlen“. (P.H. in W.)