COMMERTZ, CORONA UND COMA

In dem kleinen Anzeigenblättchen zur Ausstellung von Art Ashram in der Walpodenakademie in Mainz kommt es zu folgendem kleinen Interview, das ich hier gerne nochmal einer gewissen Aufmerksamkeit anheim geben möchte, da es für mich so schön zur Situtation zu passen scheint.

EINKAUFAKTUELL interviewt den geläuterten ehemaligen Vertreter des Mainzer Kunstvereins Walpodenstraße 21 e.V., der als erster Vorsitzender und freier Künstler 25 Jahre lang für den Raubbau an der Natur mitverantwortlich war, die sich nun mit einer furchtbaren Pandemie gerächt hat, bis der uersättliche Kunst- und Kulturmoloch endlich durch die notwendigen Maßnahmen der Bundesregierung in seine verdienten Schranken gewiesen wurde.

EINKAUFAKTUELL: „Herr Brand, wie fühlen Sie sich seit der Säkularisierung des Kunstorts Walpodenakademie durch Art Ashram? Bitte bekennen Sie sich!“

Stefan Brand: „Ich habe mich fünfzig Jahre gegen den Kapitalismus gewehrt. Seit unserer Konvertierung durch Umwandlung des unkommerziellen Vereinsheims in einen florierenden Laden haben wir alle an Lebensfreude gewonnen. Die Kollaboration mit dem totalen Konsum hat uns einen neuen Sinn gegeben, den unsere Mitmenschen in unserer Kunst nicht finden konnten. Endlich sind wir systemrelevant und haben unsere wahre Bestimmung gefunden. Mammon, wir danken dir!“

Zur Hintergrundinfo: Die Ausstellung der Künstlergruppe Art Ashram wäre als Ausstellung vom zweiten Lockdown betroffen gewesen. Kurzerhand wurde das ganze in einen Einkaufsladen umdeklariert und konnte als solcher die Tore offen halten. Unter den gegebenen Hygienebestimmungen versteht sich.

zum tee bei dubuffet

BrandStifter aus Mainz und memyself sind B+H Klangkörper. Unter diesem Namen gab es 2018 während der Ausstellung PAFF THE MAGIC in Kaiserslautern unsere erste kleine 1/2 stündige Performance. Jetzt in Mainz (gesterday) haben wir das in Walpodencekalender zeitversetzt ergänzt und wiederaufgegriffen, um damit das Raum-Zeit-Kontinuum nachhaltig zu beeinflussen. Während ich aber eben auf die Uhr schaue, habe ich den Eindruck, dass es uns nur bedingt gelungen ist. Leider.

Wie auch immer: Nachhaltig erwerben kann man seit gestern nun auch bei mir eines der 100 signierten und mit einer CD ausgestatteten, 24seitigen, A5 großen Hefte mit Zeichnungen von mir, die von BrandStifter nochmals gestempelt, collagiert und überarbeitet wurden. Bei mir gibt es die gerade durchnummerierten Varianten 1/100, 3/100 bis 99/100. Falls jemand eine bestimmte Nummer möchte: nur zu!

Ein wildes Heft, das in etwa einen guten Eindruck unserer Performance wiedergibt. Die beiliegende CD enthält leicht gekürzt den akustischen Mitschnitt der Veranstaltung.

Die Freunde wilder Druckprodukte und geräuschhafter Geräuschmusik werden hier ein Eldorado für ihre Sinne vorfinden. Das Heftlein kann bei mir bestellt werden:  klaus_harth@web.de  16,- € incl. Versand.

Jetzt am Samstag in der Walpodenakademie, Neubrunnenstraße 8 in MAINZ, DEINZ oder auch SEINZ:

Performance im Rahmen des Walpodencekalenders, täglich Performance im Schaufenster der Walpodenakademie im Advent.
Klaus Harth & Brandstifter durchbrechen am Samstag 05.12.2020 das Raum-Zeit-Kontinuum, indem sie im Schaufenster der Walpodenkadmie ihren gemeinsamen Aufritt in der ehemaligen Pfaff- Fabrik Kaiserslautern live überspielen und überzeichnen werden. Ähnlich wie William S. Burroughs, der durch Playback Magie mittels Polaroids und deren Wiedergabe via Tapeaufnahmen unliebsame Menschen und Ort erfolgreich verwünschte, werden B.H. mit neuen Bildern und KlangKoerpern zur Wiedergabe ihres Videos https://youtu.be/lM1wjHClWMs von 2018 keinem geringeren als dem Coronavirus zu Leibe rücken!
WALPODENCEKALENDER

 

walpoden-kalender

Unser A4 Walpodenwandkalender 2021 mit 12 Motiven diesmal gestaltet von den Walpodenkünstlern Brandstifter, Klaus Harth, Albert Herbig, Bernd Schneider, Michael Klotzki mkcreare, Sandra Kruse, Hundefaenger KRD, Harnolft Rosenhajn, Jürgen Rinck, Barbara Rößler, Violetta Vollrath und Nicolaus Werner sowie dem HOME IS WHERE MY ART IS Logo gestaltet von Feine Sache Kreativbüro ist fertig. Er ist sehr schön geworden, mit Malerei, Fotografie, Grafik, Landart, Konzept – so vielseitig und bunt wie eben die Künstler des Mainzer Kunstvereins Walpodenstraße 21 e.V. sind…

Wir würden uns sehr freuen, wenn sie unseren Kunstverein durch den Erwerb eines Walpodenwandkalenders ab Euro 12,- unterstützen würden.

Die Einnahmen sind auschließlich für die Unterstützung unseres Vereins vorgesehen. Sie erhalten den Kalender solange der Vorrat reicht (nur 75 Exemplare!) auf Bestellung per Mail zum Selbst Abholen oder per Post (+ Versand).

Gerne nehmen wir auch darüberhinausgehende Spenden zur Durchführung unseres Jahresprogramms 2021 entgegen. Auf Wunsch stellen wir Ihnen eine steuerlich absetzbare Quittung aus:

#Kontoinhaber_Mainzer Kunstverein Walpodenstraße 21 e.V.

#Kreditinstitut_Mainzer Volksbank

#BIC_MVBM DE 55XXX

#Iban_DE 5455 190 0000 3909 39 015

Besuchen Sie unsere Veranstaltungen in der Walpodenakademie, Neubrunnenstraße 8, 55116 Mainz!

Kontakt & Newsletter bestellen: info@kunstzwerg.net

Danke & alles Gute von den Walpoden!

wach

Heute nacht einen schönen Traum gehabt: Ich musste mich einer Art Aufnahmeprüfung unterziehen. Auch Kinder durften da mitzeichnen und -malen. Und es wurde – auch von einem Kind – eine bestimmte Aufgabe gestellt. Ich war unsicher und machte aber das Einzige, was mir zu dieser Aufgabenstellung eingefallen ist. Und siehe da: Es hat funktioniert. Ich wurde gelobt und habe die Aufnahmeprüfung bestanden. Mit Anerkennung! Die Zweifel waren nicht berechtigt. Au backe: immer noch!, dachte ich mir beim Wachwerden. Aber auch: Ich sollte mir diesen Traum hinter die Ohren malen.

aus persönlichem Interesse

Ziemlich genau vor einem Jahr durfte ich mit Stephan F. in Wiesbaden lesen, in der Kulturstätte MONTA , präsentiert und durch eine kleine Lesung begleitet von Daniela Daub. Sehr schön, wie und was sie da macht. Und letztens kam dann über facebook die Werbung für dieses kleine und feine, handgeheftete Bändchen aus dem Dielmann-Verlag in Francoforte. Bestellen kann man  es für 9,- € ebendort. neugier@dielmann-verlag.de <- dort kann man es bestellen.

Mehr zu Daniela HIER

maledetto homöpatho

Wem tut die Homöopathie eigentlich was Böses? Die Frage muss man sich ja schon einmal stellen dürfen. Von allen Seiten wird scharf geschossen. Merkwürdig. Wo es sich doch angeblich nur um Humbug und Scharlatanerie handelt. Die taz textete „Hokus Pokus Globuli“, die FASZ verteilt auch immer mal wieder eine mehr oder weniger deutliche Spitze. Und gestern dann auch nochmal im Tatort aus Wien schwerste Geschütze. Häh? Wer fühlt sich hier bedroht und schlägt so heftig um sich? Non capisco perchè.

Kurz zu meinem Hintergrund: Vor ziemlich genau 15 Jahren bin ich zum erstenmal mit klassischer Homöopathie in Berührung gekommen. Als diesem Phänomen absolut neutral entgegenstehender Mensch. Ich kannte das Wort. Sonst nix. Ich habe damals eine Homöopathin in Ausbildung kennengelernt, die mir das ein oder andere erzählt hat. Klang interessant. Und mir mein Konstitutionsmittel verabreicht hat. Mit dem Ergebnis, dass ich einen Tag später einen dicken, fetten Eiterpickel auf der linken Wange hatte. Den Tag darauf einen dicken, fetten Eiterpickel auf der rechten Wange.

Nun muss man wissen, dass ich bis zu meinem zwanzigsten Lebensjahr etwa mit dicken, fetten Eiterpickeln übersät war, nicht nur auf den Wangen. In meiner Hilf-, Ratlosigkeit und Verzweiflung erklärte ich mich damals bereit, ein neu auf den Markt kommendes Medikament zu testen. Roaccutan. Möglicherweise leberschädigend (sic!), deshalb wurde das regelmäßig überwacht. Es hat geholfen und ich war`s zufrieden. Allerdings habe ich das Leid um diese Zeit und diesen Hautzustand nie vergessen.

Und kaum schlucke ich mein Konstitutionsmittel, wird, so sprach die Homöopathin, die von dem Medikament nur unterdrückte Krankheit angetippt und kommt wieder zur Erscheinung. Und zwar stante pede. Es war ihr ausdrücklich peinlich, mir diese Pickel ins Gesicht gezaubert zu haben. Sie wusste nix von meiner pubertären Leidensgeschichte. (Und bis zu diesem Konstitutionsmittel-Moment waren die Pickel auch nie wieder ans Tageslicht getreten.)

Mit dem Placebo-Effekt braucht mir keiner zu kommen, der ja oft im Zusammenhang mit der Homöopathie bemüht wird. Placebo-Effekt setzt auf Heilung durch Glaube an die Wirksamkeit eines Mittels. Wer dran glaubt, wird geheilt. Auch die Schulmedizin setzt durchaus auf solche Effekte. Soweit, so gut. Und vielleicht trifft das manchmal sogar zu.

Aber lässt es sich denn damit so einfach abtun?

Gibt es denn auch einen negativen Placebo-Effekt? Dass etwas passiert, was ich mir gar nicht wünsche?

Dass es auch passiert, ohne dass ich weiß, dass es passieren soll?

Dass ich in psychische Nöte stürze, weil ich irrtümlich das Medikament von jemand nehme, den es stabilisieren sollte?

Das will mir nicht so ganz einleuchten.

In der klassischen Homöopathie gibt es den Begriff der Arzneimittelprüfung. Das heißt: Man nimmt ein Präparat, dass eigentlich gar nicht für einen gedacht ist, und bekommt in der Regel die Symptome eines Leidens, für das das Präparat gedacht ist. Auch dieses habe ich an eigenem Leibe erlebt, unbeabsichtigt und unwissentlich. So werden übrigens im homöopathischen Verfahren generell die Wirksamkeiten der Präparate getestet. Und wer einmal eine Materia medica von innen gesehen hat, wie dort aberhunderte Arzneien in detailliertester Wirkung getestet wurden und beschrieben werden, kann eigentlich kaum noch von, ja von was eigentlich, sprechen? Humbug? Scharlatanerie? Unwissenschaftlichkeit?

Ich staune auch immer wieder über all die Menschen, für die es von vorneherin Humbug sein muss. Aus eigener Erfahrung? Oder weil die Wissenschaft, wie immer betont wird, keinerlei Wirkung belegen kann? (Oder will?)

Oder dass nicht sein kann, was nicht sein darf? Weil ich es mir nicht vorstellen kann?

(Da hätten wir in den Köpfen vieler im aktuellen Covid19-Scheiß ja weitere hübsche Beispiele.)

Da komme ich in ein merkwüdig philosophisches Dilemma: Ich spüre am eigenen Leib, ohne dass ich es eigentlich will, quasi gegen meinen Willen, ohne dass es mich eigentlich interessiert, entsprechende Wirkung und alle schreien: gibt es gar nicht! Aber es ist keine Fehlinterpretation von Welt wie bei den aktuell ach so beliebten Fake-News: ich kann es an meim Körper beobachten. Hmmm.

Und nochmal: hmm. Eigene Wahrnehmung und Wirklichkeit. Ein echtes philosophisches Problem.

In der klassischen Schulmedizin gab und gibt es immer nur state of the art. Das liegt in der Natur der Wissenschaft. Der aktuelle Stand der Erkenntnis isr der aktuelle Stand der Erkenntnis. Und das ist auch gut so. Und alle betonen immer wieder, dass es ein Merkmal der Wissenschaft sei, dass sie sich weiterentwickle und aus ihrem Nichtwissen und ihren Irrtümern lerne. Ihre Ekenntnisse immer wieder überprüfe und weiterentwickle. Und es wäre schön, wenn sich alle immer darüber bewusst wären. Dann wäre man in vielem vielleicht ein wenig bescheidener.

Homöopathie ist ein Ansatz, der sich dem Individuum und seiner ganz speziellen Konstitution verpflichtet fühlt. Auch hier wieder ein Verweis darauf, wie speziell die Wirkungen verschiedener Präparate in einer Materia medica ausdifferenziert sind. Habe ich Bluthochdruck, bekomme ich von der Schulmedizin denselben Betablocker wie mein Nachbar. Denselben Blutverdünner wie meine Mutter. Und nicht zuletzt eine sich in ihrer Wirkung oft aufhebenden und widersprechende Medikamentierung, speziell im Alter, wenn ich für jedes Gebrechen ein eigenes Medikament verpasst bekomme. Auch das kann man ja immer wieder erleben: dieser Spezialist verschreibt – nur so als Beispiel – Cortison, was aber der Wasseransammlung, die an anderer Stelle im Körper ein Problem stellt, kontraproduktiv zu Gute kommt. Und auch das Blutdruckmittel führt vielleicht zu Schlaflosigkeit und innerer Unruhe. Aber wurscht. Nimm dies. Was anderes haben wir nicht. (Wer in Deutschland nimmt keinen Betablocker?).

Das was als wissenschaftlicher Beleg gilt: eine Reihe von wiederholbaren Versuchen gleicher Versuchsanordnung mit wiederholbaren Ergebnissen, widerspricht eigentlich der grundlegenden Idee des homöopathischen Ansatzes, in so fern ich das richtig verstanden habe. Man gibt halt nich 20 wahllosen Probanden dasselbe Mittel und kann ähnliche Reaktionen belegen. Die Eiterpickel in dieser Größe bekomme allerdings nur ich mit meinem Konstitutionsmittel und meiner Vorgeschichte. Im Gegensatz haut Roaccutan jedem Pickelgeplagten die Chemiekeule um die Ohren und die Pickel von der Haut.

Oft erscheint mir die ablehnende Haltung vieler Schulmediziner als eine bornierte Haltung der eigenen Disziplin gegenüber. Und die Haltung vieler Nichtmediziner ebenso. Wer sagt nicht, dass man plötzlich die Wirkweisen der homöopathischen Mittel versteht? Und wissenschaftlich belegen kann? So wie man irgendwann auch kapiert hat, was Viren sind und was man dagegen tun kann. Und manchen Phänomenen vor dieser Erkenntnis hilflos gegenüber stand. Um es mit Karl-Ove Knausgaard zu sagen: „Es gab auch schon weiße Blutkörperchen im Mittelalter“.

Es geht – für mich – auch nicht darum, die beiden Ansätze gegeneinander auszuspielen. Es gibt Bereiche, in denen die klassische Schulmedizin die besseren Verfahren hat, mit einer entsprechenden Krankheit umzugehen. Alles, was mit Chirurgie zu tun hat, Versetzen in künstlische Komata etc. Aber es gibt auch Bereiche, in denen der homöopathische Ansatz das klügere Verfahren sein kann. Arnica vor OPs ist sehr hilfreich und die Niederländer haben es angeblich sogar im Rettungswagen mit dabei.

Auch damit habe ich übrigens sehr gute Erfahrungen gemacht, schon bevor ich meine Homöopathin getroffen habe.

Ich bin, so wird vielleicht deutlich, mit Sicherheit kein Dogmatiker. Ich war beim Hausarzt aber noch nie beim Heilpraktiker (ich habe ja meine Homöopathin zuhause). Aber ich verstehe aus eigener Erfahrung die Abneigung, und die derzeit zunehmende Abneigung des homöopathischen Verfahrens, gar nicht. Null. Zero. Nicht. Und ich verstehe schon gar nicht den aktuell zu beobachtenden Trend, Homöopathie öffentlich zu diskreditieren und zum Feind zu stempeln.

Zum Feind von was?

PS: Mein ganzes Zeichnen und Tun ist nur dazu da, zu verstehen, was da draußen vorgeht. Wie das alles funktioniert und was die Meschen wollen und was ich eigentlich will. In diesem Sinne war auch dieser Text jetzt einmal wichtig, als Versuch, zu verstehen, was da grade vorgeht. Weil grade so viel vorgeht, das mich zusehends verwirrt und sich einer klaren Beurteilung entzieht. In diesem Sinne.

 

gegend Aquarellkurs

Wer oben auf das Bild klickt, kommt sofort zur Anmeldung zu unserem Aquarellkurs GEGEND an der Bosener Mühle am Wochenende vom 10./11.Okroberer 2020. Aquarell vielleicht ein wenig anders als sonst. Langsamer, präziser, abwechslungsreicher. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir uns dort sähen!

11.8.1967 – 5.9.2020 Christoph Rammacher

Letztens hatte ich noch seinen Katalog für artmix08 in der Hand, für den ich die Druckdateien erstellt hatte. Und jetzt erreicht mich per Mail eine Nachricht, dass er am 5. September verstorben ist. Ich habe ihn sehr geschätzt, als Mensch und als Künstler. Einer derer, deren Kunst es verdient gehabt hätte, gerühmter und bekannter zu sein. Und er hätte das auch verdient gehabt. Mindestens. Keine Zeitung wird einen Nachruf schreiben (vermute ich mal) – und das wird seinen Pessimismus in dieser Hinsicht bestätigen. Manche konnten und können sich besser verkaufen. Ich bin dankbar für die Dinge, die ich zusammen mit ihm machen durfte, so unsere Ausstellung FALSCHE VERSPRECHNUNGEN in Sulzbach (mit Julia Baur und Stephan Flommersfeld) und auch Aktion, Ausstellung und Buch ZEICHENGEBER (mit Vera Kattler). Und natürlich auch das gemeinsame Portraitzeichnen am Fließband für die Großregion (mit Susanne Kocks, Katharina Bihler und Stefan Scheib).  Ach scheiße.

narziss mit goldmund

Ein Foto beim Geldscheinzeichnen am letzten Sonntag im Foyer des Saarlandmuseums. Dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt von Otmar Serf.

herr berger

herr berger, während des telefonats (oben)

 

nach dem telefonat

 

Das schöne am Älterwerden: man muss ja nicht mehr alles tun. Da ruft jemand an und will einen für ein Buchprojekt mit Zeichnungen gewinnen. Man kann „nein“ sagen, wenn man den Eindruck hat, dass man es nicht tun möchte. So einfach. Und so schön.

alle sind traurig – aus gegebenem anlass

ein tagloses leben

ein argloses beben

der tod ist keine figur in einem raum

der tod ist ein bleistiftstummel

ein scheu-seeliges rinnsal

ein hund ohne nase

ein hüpfendes etwas

ein maul voller bäume

wir

sie

er

du

ich

ein fallendes rot

ein springendes grau

kein tiefes schwarz

ein wachsender baum

ein zartrosa blau

das ankommen am strand

ein doppel-mercedes

ein audi tt (t)

ein stein ohne berg

ein krampf ohne muskel

ein stetes bergauf

ein argloses leben

ein tagloses beben

 

andrea neumann ist verstorben. eine künstlerkollegin, die ich kannte, mit der ich aber nicht so viel zu tun hatte. die meldung verbreitet sich auf facebook. und mehr als die todesnachricht, irritieren mich immer die vielen worte, die plötzlich geschrieben werden. „so traurig“, „wie traurig“ etc. ppp. – – – ja. natürlich. und eben: natürlich. allen scheint plötzlich wieder aufzufallen, dass es so etwas wie den tod gibt. als hätten sie nie davon gehört. tot sein ist nicht schlimm. ich habe die nachblutungen nach meiner mandeloperation kurz vor meinem 7. geburtstag selbst nur knapp überlebt. ich fand die ganze situation damals in keinster weise bedrohlich oder beängstigend. und wenn ich gestorben wäre, wäre es mir nicht sonderlich aufgefallen. dahinsiechen ist schlimm. wachkoma, je nachdem. agonie. krankheit. der sterbensprozess kann schlimm sein. der todeskampf. tot sein ist schlimm für die, die übrig bleiben. denen ein lieber mensch genommen wurde. und die an ihre eigene endlichkeit erinnert werden. binsenweisheiten. mich irritiert immer die beflissene sprachliche hilflosigkeit solcher beileidsbezeugungen, als wäre es wichtig, dazu etwas zu sagen, obwohl es eigentlich nichts zu sagen gibt. manchen gelingt da ja durchaus was glaubwürdiges, aber bei weitem nicht allen. ist die öffentliche zurschaustellung der persönlichen betroffenheit ein akt des mitgefühls? oder nur irgend so ein eitles ding. facebook ist nicht der rechte ort für trauer. denke ich.

wer nach seinen traurigen worten morgen lustig weiterpostet, für den kann es nicht so schlimm gewesen sein. the games must go on.