Denkanstoß

In einem Artikel über eine Ausstellung von Vija Celmins schreibt Kolja Reichert in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 8.12.2019 u.a. folgende Sätze:

„…Und so steht man, ähnlich wie vor Albrecht Dürers Hasen oder seinem Rasenstück…an der Schwelle zwischen der Natur, die den Menschen nicht braucht, und ihrer menschlichen Anverwandlung unter Aufbietung aller Kräfte der Konzentration und Wahrnehmung. Und das Schöne daran, an dieser Schwelle zu stehen, ist zu verstehen, dass da, wo die Kunst der Natur am nächsten kommt, sie ihr am allerentferntesten ist. Dass es, wo Kunst ist, keine Identität geben kann. Und die Herausforderung nicht darin besteht, möglichst naturgetreu zu malen oder möglichst unmittelbare Wirkung in der Welt zu erzeugen. Sondern die Spannung zwischen Vorbild und Abbild bis ins Äußerste zu treiben. Also nicht die Realität zu malen, sondern den eigenen Blick und die eigenen Mittel.“

Die Hervorhebung stammt von mir.

Ich finde das einen unglaublich interessanten Satz.

Die Spannung zwischen Vorbild und Abbild bis ins Äußerste zu treiben.

Ein Plan für die restlichen Tage.

 

Veranstaltungstipp

Freitag, 13. Dezember 2019, 19.00 Uhr

Eröffnung der Ausstellung

JAN DE VLIEGHER

WHAT YOU SEE IS WHAT YOU SEE

Am Tag darauf, Samstag, 14. Dezember 2019, 10.00 bis 12.30 Uhr, treffen sich Interessierte in der Ausstellung zur gemeinsamen Ausstellungserkundung mit dem Zeichenstift. Jan de Vliegher ist ein Maler. Die malerische Auflösung der Formen ist recht interessant und wir erobern uns diese Art der Bildgestaltung nicht malerisch, sondern zeichnerisch. Dadurch erarbeiten wir uns mehr oder minder spielerisch ein Vokabular, sowohl die Farben, als auch die malerische Lockerheit entsprechend umzusetzen, was natürlich der eigenen zeichnerischen Sprache sehr zugute kommt.

Auch diese Veranstaltung ist im Rahmen des KULT-Jubiläums in Neunkirchen kostenfrei! Eine Veranstaltung der VHS Neunkirchen.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Saarbrücken kann ich (mit eingeschränkter Platzzahl) gerne wieder mit nach Saarbrücken mitnehmen, da dort im Anschluss die Samstagsmalklasse der VHS Saarbrücken stattfinden wird.

zitatewitsch

Aus der brandmeldung 250 des Kollegen BrandStifter aus Mainz. Ich finde, das hat er recht gut auf den Punkt gebracht. Deshalb sei es hier frechweg zitiert und in die Köpfe der geneigten Leserinnen und Leser transportiert. Zur geneigten Kenntnisnahme.

Zum nahenden Jahresende meine 250. (zweihundertfünfzigste!) brandmeldung, das heißt mehr als zwanzig Jahre Einladungen und Infos zu Events und dem kontinuierlichen Werken des Rhizoms V.E.B. Freie Brandstiftung per Emailnewsletter, die ich immer wieder gerne mit Euch teile, diesmal ausnahmsweise etwas ausführlicher.

Ich wollte nie etwas werden, sondern immer nur sein. Was das sein könnte, ist (mir) manchmal immer noch nicht ganz klar. „That I want to do nothing, does not mean I have nothing to do“ oder „There’s no business like NO!business“ und damit alles seine Ordnung hat, hatte ich mich Mitte der 90er Jahre in Bingen selbstverstaatlicht, um die Arbeit besser unter mir aufteilen zu können. Neben meiner Aktivität als interdisziplinärer Aktionskünstler leite ich seit fast zwanzig Jahren einen Kunstverein mit rund fünzig Mitgliedern aus Deutschland und Paris und habe gelernt, dass die (scheinbar) erfolgreichsten Künstler, Autoren oder Musiker nicht unbedingt die sympathischsten und auch bei weitem nicht die Besten oder Interessantesten sind. Umgekehrt aber schließen sich Professionalität und Dilettantismus nicht aus, denn wie soll man von seinem Beruf erfüllt werden, wenn er ohne Liebe und Hingabe verrichtet und lediglich ausgeführt wird? Die Kunstszene, der kapitalistisch geprägte Kunstmarkt und ihre albernen und sinnentlee(h)rten Mechanismen und Rituale waren und sind mir immer noch äußerst suspekt, insbesondere wenn dabei weder der Mensch noch das Leben eine Rolle dabei spielen (Authentizität!). Glücklicherweise hatte ich während meines Langzeitstudiums gelernt Form und Inhalt sauber zu trennen und das Abstraktionsprinzip verinnerlicht, und mir damit den Weg zur konzeptuellen Kunst eröffnet.

Zehn Jahre später verwandelte sich der V.E.B. Freie Brandstiftung in Mainz mit Unterstützung der Bundesagentur für Arbeit in eine V.E.B.-Ich-AG. Inhaltlich hat sich NICHTS verändert, außer dass ich seitdem meinen Lebensunterhalt mit BRANDstiftung bestreite. Seit meinem offiziellen sechsmonatigem New York Landesstipendium 2009 bin ich, der es eigentlich nie werden werden wollte, „offiziell“ als professioneller Künstler anerkannt (Hallo Jodeldiplom!), seit meinem Literaturstipendium 2008 im Künstlerdorf Schöppingen als Autor – was immer das auch heißt. Und was ist bitte ERFOLG – etwa Geld oder Macht? Laut Bob Dylan, wenn man es schafft, morgens aufzustehen und abends ins Bett zugehen und zwischendurch das tut, was man will… Und es geht weiter, immer weiter,  hoffentlich gut!

Einstweilen alles Gute & feurige Grüße, Dein/Ihr/Euer, BS

aus der täglichen arbeit

 

et voilà: 2 zeichnungen aus der gestrigen probenarbeit: heute abend dann um 20uhr04 in sr2 kultur oder lieber life in der alten feuerwache in saarbrücken (da solte man aber schon etwas früher da sein, da ja alles life über die bühne geht). die beiden schauspielers Marina Frenk und Florian Steffens sind wirklich eine Super-Besetzung für das Stück!

kehraus für monika hau (musik im bau)

Raum 1, der eigentliche Arbeitsraum:

 

Raum 2: draußen vor der Tür, im Umgang vor dem Atelier

 

Raum 3: Ölschinkel (sehr kleiner, sehr stumpfer Raum)

 

Raum 5: Marsch durch die Institutionen (mein Liebstes, bei the way):

Am 24.11.2019 war der letzte offizielle Tag im Atelier Monika Hau in Sulzbach. Die Arbeit geht natürlich weiter (und wir dürfen alle sehr gespannt sein), aber der erzwungene Abschied von den sensationellen Arbeitsräumen war natürlich eine traurige Angelegenheit. Drei Tage war das Atelier zum Abschied der Öffentlichkeit zugänglich und es waren auch sehr viele ältere Arbeiten zu sehen. Jetzt nicht mehr. Non c`è più an dieser Stelle. Morgens beim Spaziergang hatte ich die Idee, nicht nur auf einen kurzen Besuch vorbeizufahren, sondern auch mein Saxophon mitzunehmen, um die Räumlichkeiten in ihren Unterschieden ein wenig festzuhalten. Avanti dilletanti! Hier nun die vier Tondateien.