

Skizzenbuch und permanenter Ausstellungsraum von Klaus Harth








am sonntag halbwegs friedfertig stimmung im garten. einige skizzen nach wachsendem gemüse. gesessen und gelesen. muss an solchen stellen immer ein wenig an die illustration von walter trier zu erich kästners fliegendem klassenzimmer denken: wo der autor sommers auf der wiese sitzt und eine kuh sich nähert. habe immer den autor sitzend im sommer vorm inneren auge, seit ich das buch als kind mehrfach inhaliert habe (darf man das sagen in zeiten, wo eine atemwegsarkrankung alles lahmlegt – und auch ich mich eines merkwürdigen hustenreizes heute kaum erwehren kann?). allerdings denke ich nie an die kuh. und stelle mir das bild in erinnerung auch ganz anders vor. der saar-tatort abends, den ich mir ausnahmsweise auch mal angetan habe, war zwar auch anders, aber auch nicht mehr als das. man hat es mal mit ernst probiert. es reicht aber eben nicht, die kommissare auszutauschen, wenn der drehbuchautor bleiben darf. bisschen bei den haaren beigezogene story. und wenn die alte dame wirklich schon in den 40er jahren als zwangsarbeiterin schlimmes erleben durfte, dann dürfte sie jetzt flott mal 90 jahre alt sein – – – so sah sie aber nicht aus und war für dieses alter denn aber mal ebenso flott am zerschlagen des jugendlich dynamischen enkels. mittags dann auch im vierten versuch roger willemsens „knacks“ abgebrochen. ich breche selten bücher vor der letzten seite ab. fing teilweise gar nicht soooo schlecht an. aber irgendwann wusste ich eigentlich überhaupt nicht, was er mir da so wichtiges sagen wollte. nur, dass er es besonders schlau tun will. wollte er ja aber auch eigentlich immer. ich hab mir echt mühe gegeben und dachte, es ginge irgendwie um irgendwas…wenn ich dann aber das gefühl habe, ich gebe mir mühe, der autor sich aber nicht, dann brauche ich zwar etwas überwindung, aber dann war`s das dann auch. man wird älter und die zeit knapper. ein jahr im parlament habe ich übrigens gar nicht ungern gelesen. da war er am weitesten von einem formulierungsgewixe entfernt. mich macht der fucking virus übrigens nicht locker und entspannt, wie man merkt. auch wenn ich mal im garten sitze (oder dort sogar arbeite) und mehr fahrrad fahre 🙂





INVITO MAIL ART
QUARANTENA
In diesem Moment, in dem ”L’ora é confusa e noi come perduti la viviamo” (P. P. Pasolini) “Die Zeit verworren ist und wir sie wie Verlorene erleben” ist es mehr denn je nötig, uns an Schönheit zu nähren und uns mit Kunst zu “infizieren”. Wir brauchen die Wärme eines Gegenüber, des sich Vorstellens der Gefühle eines anderen und wir glauben, dass die mail art uns etwas von dieser unterbrochenen Körperlichkeit geben kann. Diese schwierige Lage vereint uns im Schmerz und wir schlagen vor, dass sie uns auch in der Kunst verbindet. Aus Brescia, aus der Lombardei (Italien), aus den von der Pandemie betroffenen Gebieten laden wir Euch ein, uns ein künstlerisches Zeichen zu senden.
Die Kunstwerke bitte im Postkartenformat
(10cm х15сm) an diese Adresse senden:
Giovanni Arici – Via dei Santi 59
25014 Castenedolo – Brescia – Italia
In der ZEIT vom 8.4.2020 ein Interview mit Peter Sloterdijk. Folgender Auszug. Including my new Lieblingswort.
Sloterdijk: Wir erleben ein großes medientheoretisches Seminar. Man erkennt, im Ausnahmezustand entsteht Monothematismus. Dann sieht man erst richtig, wie moderne Gesellschaften in ihren Stimmungen von Tag zu Tag gewoben sind. Dank der Medien leben wir in Erregungsräumen, die durch wechselnde Themen gesteuert werden. Themen sind Erregungsvorschläge, die von der Öffentlichkeit angenommen werden oder nicht. Dabei schießen die Medienmacher immer etwas Übertreibung zu. Denken Sie an die AfD-Aufregung im Lande: Sie ist ein Luxusthema für unterbeschäftigte Übertreiber. Denken Sie an die Me-Too-Welle: Sie hatte einen ernsten Kern, um den lagerten sich sofort die Übertreibungsunternehmen an. Denken Sie vor allem an den Terrorismus. Über den wurde zumeist im Modus der Halbernsthaftigkeit berichtet, man durfte und musste immer zusätzlich übertreiben. Ein Mann wird getötet, 82 Millionen sollen sich bedroht fühlen, die freiheitliche Demokratie wankt.
ZEIT: Sie meinen, die Medien verfehlen ihre Aufgabe, maßvoll zu informieren?
Sloterdijk: Aus der Sicht der Medien ist etwas, das passiert, nie schlimm genug. Man weiß ja nie, was wie schlimm ist. Das entspricht im Übrigen der klassischen Rhetoriklehre. Quintilian sagte: Bei Gegenständen, deren Bedeutung und Dimension nicht sicher bestimmt werden können, ist es besser, zu weit zu gehen als nicht weit genug.
ZEIT: Und jetzt übertreiben wir bei Corona?
Sloterdijk: Bei Corona erleben wir zum ersten Mal, dass die Anfangsübertreibungen durch die Geschehnisse eingeholt werden. Das ist ganz neu. Zuerst dachte man, die Medien schreiben die Dinge hoch, weil es ihr Job ist, zu übertreiben. Aber nein, heute ist eine nüchterne Beschreibung der Verhältnisse in italienischen, französischen, spanischen Krankenhäusern schlimm genug, um Nachrichtenwert zu haben; tendenziell ist es sogar zu schlimm für realistische Berichte. Wir zählen Leichen, für Übertreibungen ist kein Platz mehr. Die Medien würden jetzt lieber die Probleme verkleinern, statt zu dramatisieren. Die Zahlen steigen, die Bilder halten sich zurück. Sehr ungewohnt.
Und jetzt zu meinem new Lieblingswort: Themen sind Erregungsvorschläge! C`est ca, je crois. Wenn ich klug gewesen wäre, hätte ich gerne bei Schlotterdeich studiert. Aber so blieb nur die verborgene Karriere als Kritzelonkel.









Da faseln doch alle in der Corona-Krise, ALbert Camus sei der Autor der Stunde, bloß weil er sowas wie „Die Pest“ geschrieben hat.
Nonsense, completely nonsense: Beckett ist auferstanden!
“ Für mich ist Design, wozu Menschen sich aufgrund ihrer Bedürfnisse entscheiden“, sagt Kraš. „Design ist nicht Dekoration. Design ist, etwas zum Funktionieren zu bringen. Design ist ein Denkprozess, das Lösen eines Problems:“
Ana Kraš im ZEIT-Magazin vom 2.4.2020
Und: „Und ich versuche immer Spaß bei der Arbeit zu haben. Wenn man Spaß hat, zweifelt man nicht. Man zweifelt nur, wenn man krampfhaft versucht, ein Statement zu machen.“
Judith Polgár antwortet im ZEIT-Interview auf die Frage, was für sie Schönheit im Schach sei, mit der für mich schönen Antwort: „Schön ist das Unerwartete. Das, was nicht den Mustern entspricht und trotzdem funktioniert.“
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