11.1.21 – 19UHr34 bis 19UHr 39

Was, wenn ein tag in einem kopf keinerlei spuren hinterlassen hat? Trotzdem es ein schöner tag hätte gewesen sein können?: Man hat einen schönen spaziergang gemacht. Schöne luft geschnappt. Alles. Was bleibt von alledem? Draußen springen die menschen umher und sind verrückt. Wenn ich etwas gelernt habe: der mensch kann per se alles gut oder schlecht finden. Man kann morgen das gegenteil von heute begründen mit denselben argumenten. Ich sitze als kind am fenster des hauses meiner großeltern und zeichne vögel mit einem kugelschreiber in meinen dreiähren-block. Ich sehe heute im wald ein von einem specht angenagtes vogelhaus. Woher soll der specht das wissen?

3 minuten gehirnwäsche

keine neue idee, aber eine interessante und gute: täglich für ein paar minuten die gedanken kreisen lassen und mitschreiben. Ein paar minuten, damit es eine regel hat. Regel und kontinuität. Arbeit und struktur. gehirn-wäsche im positiven sinn. wir nehmen die gedanken raus, waschen die ein wenig und tun den rest wieder rein. kann ja nix schaden. 🙂

 

10.1.21, 11uHR22 bis 11uHR28

Wie man dem toten Rasen das Leben erklärt. Wie sich die Himmel ähneln. Hier ein Blau, dort ein Grau. Wir wünschen uns dasselbe Essen wie gestern. Einfach, weil es uns geschmeckt hat. Abwechslung ist etwas für Anfänger. Vom dunkelsten Grau (nein: Schwarz gibt es keines) über Rosatöne, Rosa-Grau vor hellstem Blau. Der Horizont alleine macht nicht satt. Ohne ihn wollen wir aber auch nicht leben. Nur er trennt das Feste von der Luft. Und ohne Luft geht garnix. Ein leuchtendes und festes Weiß unten, ein Trennungsstrich, der uns Luft verschafft, und dann darüber alles andere. Strahlen. Unten ein Grün mit viel Rot-Anteil. Könnte man es etwas heller drehen, könnte es auch mitten am Tag sein. So wie gestern. Aber so, genau so, hatten wir es noch nie! An meinen Füßen wachsen krumme Finger.

abendspaziergang (der wille als welt der vorstellung):

warum bewegen sich die menschen in ihren häusern?

hier und da ein neuer vorgartenleugner

wohnhaft: straße der überflüssigen balkone 13

wohnhaft: appendicitisweg 12

wohnhaft: gonorrhoegasse7a

warum heißen die straßen in den

sogenannten sozialen brennpunkten

immer käthe-kollwitz-

nie aber helmut-kohl-

gerhard-schröder-

oder henry-ford-?

gedicht und bewegung

jesus schreibt ein gedicht über den

30jährigen krieg

einstein meint:

hätte man sich damals nur 1 wenig schneller bewegt,

wäre alles viel früher vorbei gewesen

cogito ergo denk denk

die gedanken der menschen halten sicherheitsabstand

die hand ist kein gedanke

der hund ist kein gedanke

das hemd ist kein gedanke

der gedanke ist kein gedanke

& du

hai Q

2 uhren

1 krümel

& 1 nuss

werfen dir

ihre zeit

entgegen,

ihre kalorien

& ihr fett

du fängst es auf

und zerstreust es

auf deinem weg

zum tod

putzige poetik

 

putzen ist poesie

wäre poesie par excellence

die exkremente des herrschers

im täglichen vergleich sind poesie

wären poesie

sind keine poesie

allerdings die arschbacken

der unsichtbaren kaiser,

kaiserinnen, kassiererinnen und

kassierer

könige

wären im alltäglichen vergleich

lupenreine demokratie

keine

wie so oft

kleiner buddhistischer zeichner 2

von der gegenwart befreit

mache ich in der zukunft alles richtig

an der spitze meines bleistifts

gibt es weder früh noch spät

aber festhalten muss ich ihn trotzdem

8argo

hier geht`s ab sofort ab. -> LINK

Schreiben ohne Landkarte

Das Projekt 8argo der Argonauten Budesheim, Daub, Flommersfeld, Harth, Schultz ist kein weiteres Webprojekt, das Literatur und Bildende Kunst ins Web verlagern will und damit auf Interaktivität und – Medialität anstelle einer fundierten Ästhetik vertraut. Es greift eher eine dynamisch-labyrinthische Struktur auf – die Teilnehmer schreiben aufeinander zu oder voneinander weg, benutzen Wortfelder als Absprungbasis in unbekanntes Terrain, lassen kleine Lichtungen oder unerwartete Pfade entstehen, schlagen eine Schneise oder drohen zu verwildern.

 

Es geht darum, Sprache zu materialisieren, sie als formbares und lebendiges Medium zu begreifen, das bei „falschem“ Gebrauch neue und unerwartete Zusammenhänge freigibt und uns das Land „dahinter“ näher bringt. Magellan, der portugiesische Seefahrer, mußte sich bei seiner Weltumseglung irgendwann auf seine bloße Beobachtung und seemännische Erfahrung verlassen, da er auf keine Seekarten mehr zurückgreifen konnte.
Die Autoren/Künstler wollen ihre Interaktion im Netz hier dokumentieren und mit Lesungen und Performances begleiten.

21.6. – tag des geburtstages mehrerer menschen

schwarzgekleidete menschen

werfen kleine sonnen in 1 korb

atheisten & ungläubige

dank ihrer statur

existentialisten

&

existenzartisten,

existenziell gefährdete

sie haben frisuren

& sie tragen sie auf dem kopf

sie zeigen ihre knie

& sie zeigen ihre brüche

& springen in die höhe & haben eine zukunft

& fangen

& greifen

& werfen

kleine sonnen in 1 korb

& zählen keine erbsen

fugenpoet auf der gass

ich spiele auf der straße mit einem kleinen grünen unreifen Apfel Fußball, der Schuss misslingt und ich springe fast vor ein Auto, Zone 30, das Auto weiß das und hält sich daran, hier sind die Hecken auf den Millimeter gestutzt und der Fahrer des Autos aus der humorfreien Abteilung: er fährt vorbei ohne den Hauch einer Mine – sein Auto heißt JUKE, ich aber lese: JUNKIE

Botanischer Garten Burbach (p1) – ein alter Text aus Neunkirchen

Heute morgen blätterte ich in einer alten Zeitschrift aus dem Jahr 2008. An den Rand der zweiten Seite habe ich damals mit Bleistift zwei Notizen geschrieben. Beides Beobachtungen aus dem Neunkircher Stadtgeschehen. Neunkirchen/Saar ist meine Geburtsstadt. Burbach ist die Fortsetzung von Neunkirchen mit anderen Mitteln. Oder umgekehrt? Jedenfalls erinnere ich mich tatsächlich dunkel an diese Begebenheit. Ich saß in einem Straßencafé und habe folgendes Treffen zwischen einer älteren Frau und dem Wirt aufgeschnappt. In Neunkirchen sollte man sich des öfteren einfach mal morgens in ein Kaffeehaus setzen. Falls es denn eines gäbe. Auch das ist in Burbach nicht ganz anders. Der Wirt damals, und da beginnt mein Gesprächs-Aufschnappen, bietet der älteren Frau für nachmittags ein kostenloses Schnitzel an: Komm heute mittag einfach vorbei und ich mach Dir dann ein kleines Schnitzel. – Egal wann?,: Egal wann!,  komm einfach vorbei, einverstanden? (Wo kommt eigentlich dieses Wort her: „einverstanden“), und: Kennt der Wirt diese Frau? Ist es vielleicht seine alte und kranke Mutter? Oder ist es einfach eine alte Frau, die von der Hand in den Mund lebt und einfach mal gefragt hat, ob sie irgendwelche Reste abhaben kann?

erster august

es gibt häuser ohne musik es gibt städte ohne musik köpfe komplette menschen ohne musik es gibt humor es gibt humor ohne musik es gibt musik ohne humor es gibt müdigkeit müde augen & wache körper wache körper ohne humor und ohne musik rhythmus und blut ohne humor es gibt autofahrer und kaum jemand, der das nicht tut. (1.8.19)