
Skizzenbuch und permanenter Ausstellungsraum von Klaus Harth



Mit dem Zug in ein Zeitloch gefahren, zwischen Karlsruhe Hbf und Neustadt/Weinstraße. Unwirkliches oder vielmehr sehr wirkliches Wetter vor den Fenstern. Autos im Regen auf der Landstraße, die ein Sprühwassergewitter an ihrem Heck bilden. Ist mir vorher noch nie aufgefallen sowas. Ich schaue auf die Anzeige im Nahverkehrszug, sie zeigt: 20.06.2001. 11Uhr18. Ich schaue zweimal. Die Uhrzeit stimmt. Heute morgen bei meiner Abreise war noch der 3. Februar 2021. Falls jetzt die Schaffnerin käme und ich sie darauf aufmerksam machte und sie verdutzt guckte: „Wie: 2021“?? Dann wäre alles doch ein wenig merkwürdig. Mein Vater lebte noch und die Zwillingstürme in New York wären zwei normale Zwillingstürme in New York. Es kommt aber keine Schaffnerin, die ich fragen könnte.






Ich bin ja nicht so der Comic, oder wie das heute höchstedel heißt: Graphic Novel – Freak, aber manchmal gibt es doch eine Entdeckung. In der Neunkircher Biobliothek, die Biobliothek mit der wahrscheinlich weltbesten Kosten-Nutzen-Rechnung (1o,- € Jahresbeitrag und das wars dann, keinerlei zusätzliche Leihgebühren pro Film oder pro Irgendwas) gibts jetzt auch ne Graphic-Novel-Ecke. Das meiste greif ich raus und stell`s sofort wieder rein. Weil ich das meiste zeichnerisch zu „wie-man-es-halt-so-macht“ finde und mich dann die Geschichte auch nicht interessiert. Aber den hier hab ich mit nachhause genommen: David Small mit seinem Buch STICHE. (Original: Stitches). Der ist einfallsreich, detailverliebt, bildnerisch mutig und er kann zeichnen, d.h. man sieht: er muss das keinem beweisen. Manchmal reichen dann eben dreienhalb Striche. Und die Geschichte, seine Geschichte, ist interessant genug, um dem Buch bis zum Schluss zu folgen. Mittlerweile hab ich ein eigenes Exemplar. Weil ich das ein oder andere nicht nur nachblättern, sondern vielleicht auch mal nachzeichnen will. Kopieren, sozusagen. Kopieren heißt kapieren. Meinen nicht nur die Japaner.






Einer der inhaltlich und formal kompromisslosesten Filme, die ich in der letzten Zeit gesehen habe. In der Städt. Bücherei in Neunkirchen kann man ihn ausleihen (sobald wir ihn zurückgegeben haben 🙂 )


Flaubert imitiert meinen Bruder.






Ein sensationell präziser Film. Präzise in seinen Bildern. Präzise in seiner Erzählung. Nicht beim Ophüls-Festival. Sondern auf DVD gesehen. Original mit englischen Untertiteln. Sollte einen aber nicht abschrecken.




incredibile: die hand lässt sich langsam wieder etwas sensibler steuern: dieses blatt wurde vor dem unfall angefangen und jetzt dann doch fertig gemacht. eine komplette faust kann ich aber immer noch keine machen.
des kaisers neues kleid ist des kaisers neues kleid. Was geht mich der kaiser an? Des kaisers neues kleid ist wie der gesunde menschenverstand: von allen benutzbar. Dehnbar. Es erklärt immer den eigenen geschmack. Verklärt die eigene meinung zur allgemeinen meinung. Der hut von beuys kann des kaisers neuer hut sein. Darunter bleibt er nackt und alle sehen es und keiner sagt es. Fett bleibt fett und kein mensch ist ein künstler. Was bleibt ist der schnee von heute. Schnee wird selten. Zumindest hier bei uns. Nur ich allein kann seine weißheit erkennen.