
Skizzenbuch und permanenter Ausstellungsraum von Klaus Harth


lese in dem buch „gefolgt von niemandem dem du folgst“ mit den tweets von jan böhmermann einen tweet zu theresa may und denke: was hat die nochmal gesungen? resp.: wie hat die nochmal ausgesehen? bzw.: ach scheiße, das war ja gar keine billig-sängerin…
Si tacuisses, philosophus mansisses. Im Zeitalter des sozialen Medienzeugs: nirgends mehr Philosophen. Nur noch: viele.
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wie schön waren die gedanken, als ich sie noch für mich hatte – zwischen die steine konnte ich sie legen, unter den sand buddeln, mit dem dreirad konnte ich ums haus fahren, an der tür wurde nach mir gerufen, von draußen nach drinnen: kommst du? Und: was gab es denn bei euch zu essen? Und: was ist das für eine schlechte musik? Opa schlachtete den hasen, ansonsten war er 1 sehr friedlicher mensch. Er musste 2 kriege überleben, hatte aber immer gerade eben noch das richtige alter.
Sing mich in den Schlaf. Jahrelang hab ich alleine gewohnt. Wenn ich abends nachhause kam, habe ich meine Wohnung begrüßt: Hallo Wohnung! Und wenn ich nachts nicht schlafen konnte, dann habe ich das Radio angemacht. Deutschlandradio Kultur. Mit langen merkwürdigen Musiksendungen, z.B. einer Spezialsendung nur über Filmmusiken. Mit einem Moderator, der da die unglaublichsten Sachen wusste und kannte. Eine Welt für sich. Und das war nicht die einzige Welt, die sich da entfaltete. Um 1 Uhr immer die Diskussionssendung, wo Menschen zu einem bestimmten Thema anrufen konnten. Und auch dort schien es die immer ein und selben Schlaflosen zu geben, die zu allem etwas zu sagen wussten. Weltbeobachtung und Weltkommentar aus nächtlicher Sicht. Wobei ich dann nicht schlaflos war. Ich schlief gut unter akustischer Begleitung. Wurde stellenweise wach und schnappte etwas auf. Mein Hirn kam nicht auf dumme Gedanken. Manchmal nahm ich einen Fetzen aus Strawinsky wahr. Oder Mahler. Oder was auch immer. Und hatte meine Verbindung zur Welt. Und etwas Vertrautes, was einfach da war. Wie andere ihre Wellensittiche haben. Wellensicht. Wellensichtiche. Nachtsicht. Nachtschicht und Nachsicht. Wellenweltnachtsicht-Gerät. Selbst heute mache ich das ab und an, wenn ich alleine zuhause bin. Ich bin mir dann vertraut und gut gewogen. Wellenweltnachsichts-Gerät.



Ein schöner Arbeitstag: Proben-Check mit Daniela Daub. Auf dem Weg zu einem kleinen Bühnenprogramm mit Texten, Projektionen und musikalischen Beilagen.





mit dem fahrrad hatte ich meine schwierigkeiten. Es hat lange gedauert, bis mein vater die stützräder abmontieren konnte. Wahrscheinlich hatte er es schon aufgegeben. Und trotzdem bin ich zum passionierten alltagsradler geworden. Das fahrrad halte ich für die größte erfindung des menschen. Mit dem schlittschuhlaufen war es anders. Als kind ausgeprägt unsportlich, was sich erst so mit zwölf, dreizehn jahren änderte als ich mit dem handballspielen anfing, war das eis sofort mein freund. Freunde stellten mich drauf. Sportliche freunde. Und ich konnte es sofort besser als sie. Und was motiviert einen mehr? Ich hatte etwas, was ich konnte. Sogar besser als die, die soviel besser waren. Zeitweise war ich, war die halle offen, zweimal wöchentlich auf dem eis. Jahrelang dann nicht mehr, mangels gelegenheit. Die letzten jahre dann wieder ab und zu. Was ist das besondere? Ich bin ja auch kein tänzer? Aber auf dem eis bewege ich mich leicht und elegant. Locker und elastisch. Ich vermute, es ist die bindung an vorgegebene bewegungsabläufe. Die schlittschuhe geben gewisse bewegungsabläufe vor, innerhalb derer man frei ist. Man muss den kräften, die sich zwischen den geschliffenen kanten, dem eis und dem eigenen richtungswunsch entspannen, nachgehen. Man darf nicht etwas anderes wollen. Man muss diese kräfte und ihren ausgleich spüren und ihnen nachgehen. Man darf nichts zwingen. Besser sogar: man muss nichts zwingen. Man muss nicht überlegen: wie beweg ich mich jetzt? Hat man angst vor dem eis, dann fällt man hin. Traut man ihm, so wird man getragen. Nachdenken über die bewegung führt zum misserfolg. Und das scheint mir sehr zu entsprechen. Wenn ich überlege, bin ich oft schlecht. Anders als auf rollschuhen, wird man beim fallen auf dem eis kaum gebremst, was weniger schmerzhaft ist. Man fällt leise.
Ps: im november 2019 war ich in schwenningen zu besuch und morgens zum schlttschuhlaufen. Ein gewöhnlicher wochentag. Außer mir war kein mensch in der halle. Ganz allein auf frischem eis. Alle spuren waren am ende ganz allein von mir. Auch eine zeichnung. Und etwas, was ich so wohl nie wieder erleben werde.
pps: wer vollendet mein schlttschuhläuferisches werk, wenn ich tot bin?


gestern abend beim zoom-treffen…





