11.3.21

      1. 8UhR49 bis 8UHr59

mit dem fahrrad hatte ich meine schwierigkeiten. Es hat lange gedauert, bis mein vater die stützräder abmontieren konnte. Wahrscheinlich hatte er es schon aufgegeben. Und trotzdem bin ich zum passionierten alltagsradler geworden. Das fahrrad halte ich für die größte erfindung des menschen. Mit dem schlittschuhlaufen war es anders. Als kind ausgeprägt unsportlich, was sich erst so mit zwölf, dreizehn jahren änderte als ich mit dem handballspielen anfing, war das eis sofort mein freund. Freunde stellten mich drauf. Sportliche freunde. Und ich konnte es sofort besser als sie. Und was motiviert einen mehr? Ich hatte etwas, was ich konnte. Sogar besser als die, die soviel besser waren. Zeitweise war ich, war die halle offen, zweimal wöchentlich auf dem eis. Jahrelang dann nicht mehr, mangels gelegenheit. Die letzten jahre dann wieder ab und zu. Was ist das besondere? Ich bin ja auch kein tänzer? Aber auf dem eis bewege ich mich leicht und elegant. Locker und elastisch. Ich vermute, es ist die bindung an vorgegebene bewegungsabläufe. Die schlittschuhe geben gewisse bewegungsabläufe vor, innerhalb derer man frei ist. Man muss den kräften, die sich zwischen den geschliffenen kanten, dem eis und dem eigenen richtungswunsch entspannen, nachgehen. Man darf nicht etwas anderes wollen. Man muss diese kräfte und ihren ausgleich spüren und ihnen nachgehen. Man darf nichts zwingen. Besser sogar: man muss nichts zwingen. Man muss nicht überlegen: wie beweg ich mich jetzt? Hat man angst vor dem eis, dann fällt man hin. Traut man ihm, so wird man getragen. Nachdenken über die bewegung führt zum misserfolg. Und das scheint mir sehr zu entsprechen. Wenn ich überlege, bin ich oft schlecht. Anders als auf rollschuhen, wird man beim fallen auf dem eis kaum gebremst, was weniger schmerzhaft ist. Man fällt leise.

Ps: im november 2019 war ich in schwenningen zu besuch und morgens zum schlttschuhlaufen. Ein gewöhnlicher wochentag. Außer mir war kein mensch in der halle. Ganz allein auf frischem eis. Alle spuren waren am ende ganz allein von mir. Auch eine zeichnung. Und etwas, was ich so wohl nie wieder erleben werde.

pps: wer vollendet mein schlttschuhläuferisches werk, wenn ich tot bin?

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