
Skizzenbuch und permanenter Ausstellungsraum von Klaus Harth





Der Doppel-Mercedes basiert auf einer Mercedes-Benz-Anzeige, die ich letztes in der ZEIT entdeckt habe (Ausgabe Nr. 25 vom 10. Juni 2020). Ich fand das sehr bemerkenswert. Das weiße Feld oben links ist in der Anzeige ein schwarzes und enthält außer dem Mercedes-Stern im unteren Teil folgenden Text: „Gedacht für die Wildnis. Gemacht für Euch: der neue GLA. Jetzt bei Deinem Mercedes-Benz-Partner. Mehr erfahren unter…“ Der Hund rechts. Die Platzierung auf einem Parkdeck. Der zurückgelehnte Blick. Der Blick auf eine Stadt. Und zwar auf den Teil einer Stadt, in dem so eine Mercedes-Fahrerin nicht unbedingt wohnen wollte. Die Fahrerin: lässig zurückgelehnt, weißes Shirt mit roten Streifen (es sind keine drei, sondern zwei). Wenn man sich das Foto nochmals genauer anschaut, entdeckt man auch Tatoos auf dem linken Unterarm, direkt hinter dem Handgelenk. Ca veut dire quoi? Die potentielle Kundin ist weiblich und wird geduzt. Die potentielle Kundin ist gut situiert, trotzdem lässig und selbstbestimmt und traut sich sogar in die urbanen Vorstädte. Wenn auch der Blick ein sicherer Blick einer sicheren Plattform aus ist. Man muss Suburbia nicht betreten. Man steigt ins Auto und fährt gefahrlos nachhause. Das Auto bietet also Sicherheit, Unabhängigkeit und verträgt in seinem Inneren auch einen Hund. Naturverbundenheit wird suggeriert. Wenn auch die Wildnis hier wohl eher die Stadtlandschaft abseits der Shoppingmalls und Edelsteingeschäfte zu sein scheint. Sauvage hieß mal ein Duft, für den mit Johnny Depp geworben wurde. Und Amseln waren früher scheue Waldvögel. i-Tüpfel: den Wagen bestellt man natürlich im Internet (Kontakt-Angaben dazu rechts oben im Himmel.)




von der gegenwart befreit
mache ich in der zukunft alles richtig
an der spitze meines bleistifts
gibt es weder früh noch spät
aber festhalten muss ich ihn trotzdem
mache ich in der zukunft alles richtig?
an der spitze meines bleistifts
gibt es weder früh noch spät
aber festhalten muss ich ihn trotzdem
hier geht`s ab sofort ab. -> LINK
Das Projekt 8argo der Argonauten Budesheim, Daub, Flommersfeld, Harth, Schultz ist kein weiteres Webprojekt, das Literatur und Bildende Kunst ins Web verlagern will und damit auf Interaktivität und – Medialität anstelle einer fundierten Ästhetik vertraut. Es greift eher eine dynamisch-labyrinthische Struktur auf – die Teilnehmer schreiben aufeinander zu oder voneinander weg, benutzen Wortfelder als Absprungbasis in unbekanntes Terrain, lassen kleine Lichtungen oder unerwartete Pfade entstehen, schlagen eine Schneise oder drohen zu verwildern.
schwarzgekleidete menschen
werfen kleine sonnen in 1 korb
atheisten & ungläubige
dank ihrer statur
existentialisten
&
existenzartisten,
existenziell gefährdete
sie haben frisuren
& sie tragen sie auf dem kopf
sie zeigen ihre knie
& sie zeigen ihre brüche
& springen in die höhe & haben eine zukunft
& fangen
& greifen
& werfen
kleine sonnen in 1 korb
& zählen keine erbsen





ich spiele auf der straße mit einem kleinen grünen unreifen Apfel Fußball, der Schuss misslingt und ich springe fast vor ein Auto, Zone 30, das Auto weiß das und hält sich daran, hier sind die Hecken auf den Millimeter gestutzt und der Fahrer des Autos aus der humorfreien Abteilung: er fährt vorbei ohne den Hauch einer Mine – sein Auto heißt JUKE, ich aber lese: JUNKIE









zum Auswaschen von Kühlschränken eignet sich übrigens Janis Joplin (also: ihre Musik) ganz wunderbar. Like a ball and chain!