Es war, wie sie schlussfolgerte, das Urteilsvermlögen selbst, an der es der Welt mittlerweile mangelte. Den Extremfall verkörperten Eichmann, dem es vollständig abhanden gekommen war, und seine monströse Unfähigkeit, sich mit der Realität zu dessen zu beschäftigen, in das er so begeistert eingewilligt hatte. …
„Ist unsere Fähigkeit zu urteilen, das Rechte vom Unrechten, das Schöne vom Häßlichen zu unterscheiden, von unserem Denkvermögen abhängig? Fallen die Unfähigkeit zu denken und ein verheerendes Versagen dessen, was wir gemeinhin Gewissen nennen, zusammen?“
…
Ihre Antwort lautete Ja – es war die Gedankenlosigkeit, die dem Bösen den Boden bereitete. Das war die wichitigste Erkenntnis. Diejenigen, die Widerstand leisten, ob in Diktaturen, totalitären Regimen oder gegenüber der hinterhältigen Tyrannei, die mit dem Gruppendenken und der performativen Politik in Demokratien einhergeht, sind diejenigen, die auf die Stimmen in ihrem Kopf hören, auf das andere „Ich“ im „Ich bin“, das mit Sokrates sagt: „Ich kann es nicht mehr mit mir selbst aushalten, wenn ich das mitmache, egal was es kostet.“