Eine meiner Lieblings-Hetz-Geschichten, kolportiert von einem ortsansässigen Elektrofachbetriebs-Betreiber, selbst umfangreich schwergewichtiger Ich-selbst-arbeite-16-Stunden-am-Tag-Typ.
Und eigentlich müsste man hier schon eine kleine Zäsur machen: Diese Ich-selbst-arbeite-16-Stunden-am-Tag-Typen, denen man von ihrem Körpergewicht gesehen noch nicht mal mehr als drei Stunden am Stück zutrauen würde: Ich selbst würde deren Arbeitstag gerne mal sehen.
Zur Baustelle fahren, die Arbeit besprechen und an die Angestellten verteilen, zurückfahren, Angebot schreiben, woanders hinfahren, um ein wichtiges Teil zu besorgen, zurückfahren, um eine Rechnung zu schreiben, ach, was sind die Tage voll. 16 Stunden Arbeit, 8 Stunden Schlaf, wann wird denn jetzt gefrühstückt, gemittagesst, geabendesst? Alles Arbeitszeit. Wie auch immer. Gefahren wird übrigens G-Klasse. In was anderes passt man ja auch nicht rein. Die Rechnungen sind entsprechend, aber abgesehen von Baumarkt und Selbermachen Monopolist im Ort. Feuerwehr.
Sei immer vorsicht, wenn Dir so jemand sagt, wieviel er so arbeitet. Schlaue Menschen arbeiten weniger. Nur Künstler*innen arbeiten rund um die Uhr. Und selten gegen Geld.
Wurscht.
Dieser Ich-selbst-arbeite-16-Stunden-am-Tag-Typ hat bei einem Kunden die Zeit, sich über die „Asylanten“ zu beschweren (als ob man sich bei diesem Körpergewicht noch mehr beschweren könne…) (Und: gehört diese Erzählzeit jetzt auch noch zur Arbeitszeit?) – auch wurscht – jedenfalls hat diesem Ich-selbst-arbeite-16-Stunden-am-Tag-Typ ein Bekannter berichtet, dass er gesehen habe, wie „Asylantenkinder“ sich im Aldi Wasserflaschen gekauft hätten, auf den Parkplatz raus seien, das Wasser einfach weggeschüttet hätten, um dann frech den Pfand einzulösen. Skandal!
Du denkst: Aha, „Asylantenkinder“ gehen ins Aldi, kaufen Wasser, schütten es weg, um den Pfand zu kassieren. — äh? Hab ich da was falsch verstanden?
Vor lauter „Hä?“ kann man da gar nicht empört zustimmen und weiß auch gar nicht, ob nicht der Ich-selbst-arbeite-16-Stunden-am-Tag-Typ da was falsch verstanden haben könnte.
Als Super-Geschäftsmann jedenfalls könnte er bemerkt haben, dass die Geschichte an einer bestimmten Stelle ökonomisch-überlegerisch nicht soooo ganz aufgeht…
Wie auch immer.
Das Narrativ ist gesetzt. Die Empörung erheischt. Das Weltbild gefestigt.