im letzten Kapitel von Canettis „Masse und Macht“ geht es u.a. um „Herrschaft und Paranoia“. Ein erstes Unterkapitel heißt: Afrikanische Könige. Dort wird ein Ritual aus Gabun beschrieben, wie ein alter König abgesetzt und vor allem, wie ein neuer gewählt wird. Ein Gremium hat den neuen König gewählt, der von dieser Wahl sieben Tage nichts weiß.
„Als er am Morgen des siebenten Tages am Strande spazierenging, wurde er von der ganzen Bevölkerung überfallen. Man vollzog nun einen Brauch an ihm, der der Krönung vorangeht und der jedem außer einem sehr ehrgeizigen Manne die Lust auf den Thron benehmen muss. In einer dichten Masse umringen sie ihn und überhäufen ihn mit Schimpfworten, wie sie nur der wüsteste Pöbel ausdenken kann. Einige spuckten ihm ins Gesicht, einige schlugen ihn mit Fäusten, einige gaben ihm Fußtritte, andere warfen nach ihm mit ekelhaften Gegenständen, während die Bedauernswerten, die zu weit außen standen und den armen Burschen nur mit ihren Stimmen erreichen konnten, ihn, seinen Vater, seine Mutter, seine Brüder und Schwestern und seine Ahnen bis zu den entferntesten Geschlechtern zurück beschimpften. Ein Fremder hätte keinen Pfennig aufs Leben dessen gesetzt, der eben zum König gekrönt werden sollte.

Du bist noch nicht unser König. Jetzt können wir noch mit dir machen, was wir wollen. Dann werden wir dir schon folgen müssen.


Alle Feindseligen Regungen gegen den Toten (der verstorbene König) werden erst an seinem Nachfolger ausgelassen.

Er bleibt aber ruhig, weil er weiß, dass diese Feindschaft eine verschobene ist, sie wird gespielt und gilt nicht wirklich seiner Person. Es muss alles trotzdem als peinlicher Beginn seiner Herrschaft immer in seiner Erinnerung bleiben, die Drohung dessen, was jederzeit geschehen könnte.

Übrigens erhält der neu gewählte König nach seiner Krönung den Namen des alten.
Was sowieso interessant ist: Manche Könige geben sich wie Päpste programmatische Namen.

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