Botanischer Garten Burbach – Brachlandgeschichten – zwei Gedichte von Ilse Kilic, Wien

Ilse Kilic

wegrand 1

der rand des weges sagt,
dass es den weg gibt und wo er verläuft.
hätte der weg keinen rand,
wäre alles weg. oder nichts.
alles braucht einen rand. zum beispiel die stadt,
der wald und der teller.
den rand des weges kann man betreten.
dort wachsen gelegentlich hagere blumen.
ist der weg eine straße,
parken am straßenrand autos.
er wird dann parkraum genannt.
fußgänger drehen die köpfe.
am rand eines fußwegs piepsen die spatzen.
brösel fallen aus einem zerknüllten jausenpaket.
tauben gurren kläglich,
dass niemand sie mag.
sie haben die bloßen füße verletzt
am scharfen blech einer dose.
und gestern
fand ich am wegrand ein stückchen papier,
etwas feucht, mit filzstift beschrieben,
an den ecken vier löcher,
vermutlich vormals mit nägeln an baum oder zaunpfahl befestigt,
ich las:
das wirtshaus am ende des weges hat zu.

 

 

wegrand 2

am wegrand wächst das grüne gras
schau ihm zu
dann lernst du was

 

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