Archive for the ‘wörter’ Category

9.7.21:

Samstag, Juli 24th, 2021

nach einem solchen tag
bin ich eine einzige platitüde,
eine ambiguitätstarantel &
grobberstende schuldmutter,
schmerzarm armselig

22.7.21

Samstag, Juli 24th, 2021

Ich trage mich
210fach
die treppe hoch
voll mit dehnbarem mut
in aller stille
fast bis unter´s dach

die fliege
am fenster
im flur
stirbt
derweil
einen lautstarken tod
sehr sachlich
und unbedacht
mit einem einzigen ton,
der
völlig zweifelsfrei
daherkommt.

negativer rilke (jesus-maria)

Dienstag, Juli 6th, 2021

du wusstest um sein allzu lautes knie
darauf die birnen faulten. So
taub und faul erloschen sah man ihn noch nie, so
hört er, nur von draußen, ganz fest angeschraubt,
was haltlos ist und stumpf,

nichts greift und alles licht verschluckt.
Das ist der grund, weshalb man dich von hinten sieht,
nichts an, nichts ab, oder du, in einem lauten stand,
nichts als verstand, mit bitterem gesicht,
nur an die ränder denkst, wo gar nichts geht

das ist der grund, weshalb sich dieser schwamm ganz klar
befindet, entsetzt oder lieber dann doch undurchsichtig hebt
und leuchtet laut so wie die haut von einem toten tier;
und in der mitte dieses schwamms, zerquetscht durch raum
und zeit: die schwarzen löcher, deren stille stellen wahllos blind,
durch die man dich nicht sieht:
du musst so bleiben, wie sie sind!

oder kürzer:

Mittwoch, Juni 16th, 2021

fussball ist deko!

ist das noch sport oder kann das weg?

Mittwoch, Juni 16th, 2021

das verhältnis von eishockey zu fussball erinnert mich daran, was vor jahren mal jemand vom verhältnis tapiès zu arnulf rainer gesagt hat: gegenüber rainer erschiene ihm tapiès fast schon wie ein intellektueller – – – ich fände wohl eher rainer den flotteren und tapiès einen langweiligen fussballer – fussball ist deko, eishockey sport

Mittwoch, Juni 16th, 2021

viele laien
kochen einen brei
und schenken mir
eine stunde, die
gut schmeckt,
weil ich sie
verschlafen kann,
ohne zu kauen –
geschmacksfreie zeit…

do I wiederhol myself??

Sonntag, Juni 6th, 2021
Die Straßen des Neubaugebietes heißen Paul-Gauguin-Straße, Max Liebermann-Straße etc. Kaum einer dürfte dort eine Vorstellung davon haben, was das wirklich bedeutet. Mir schwebt eine Bilderreihe vor: Max Liebermann-Straße im Stil Max Liebermanns. Paul-Klee-Straße im Stile Paul Klees. Wie spiegeln sich Neubaugebiete als bildnerische Herangehensweisen?

aus: der Radiozeichner

Freitag, Juni 4th, 2021

 

Zeichnung Nr.23: Saul Steinberg, aus der Reihe Spiegelungen, 2. Spiegelungen-Blatt aus „Die Entdeckung Amerikas“, Diogenes, 1992

Unser Blatt ist sehr puristisch gehalten. Keine Farbstifte, kein Aquarell, all das, was dieser Zeichner sonst immer wieder gerne benutzt hat: genau das fehlt hier. Ein roher, etwas krakeliger Strich, der teilweise an Kinderzeichnungen erinnert. Eine Zeichnung, die uns ästhetisch nix dahermacht. Eher was zu Denken als zum Genießen.

Wir sehen ein Querformat. Seitenverhältnis grob etwa 2:3. Waagerecht findet sich etwas oberhalb der Mitte: ein Horizont. Eine schnurgerade Linie, nicht krakelig, mit dem Lineal gezogen: Die Spiegelachse, die Leitlinie, an der sich, oberhalb und unterhalb, alles orientiert, ordnet und abspielt. Beziehungsweise abspiegelt.

Das Blatt gehört sinnigerweise zu einer Reihe mit dem Titel „Spiegelungen“.

Am unteren Blattrand, etwas rechts, steht an einem angedeuteten Ufer ein kleiner Mann mit Hut, der das ganze Szenario betrachtet. So wie wir auch.

Was spiegelt sich nun? Wir lesen das am besten von links nach rechts:

Ganz links am Blattrand: der Rest einer Insel, die gerade noch ins Blatt ragt. Ein stilisiertes Bäumchen darauf.

Danach, im Himmel: das Wort OHIO. Vier Buchstaben mit etwas Abstand, die sich exakt genau so unten in der Wasserfläche wiederfinden. O gespiegelt mit O ergibt O. H gespiegelt mit H ergibt H. Und so weiter und so fort eine glasklare geometrische Spiegelsache.

Danach sehen wir im Himmel einen Schwan, Kopf nach links. Aber ach: Er schwimmt und bespiegelt sich an einer kleinen eigenen Spiegelachse entlangschwimmend bereits an sich selbst, und zwar oben im Himmel, als sei hier bereits auch schon See. Doppelschwan im Himmel, der sich als eben diese Doppelfigur, wen wird das wundern, natürlich auch als Doppelschwanselbstbespiegler-Spiegelbild unten im Wasser wiedererkennbar wiederfindet.

Man könnte so drüberweggucken. Wie über so vieles im Leben.

Dann, weiter in Leserichtung nach rechts, wieder eine Sprachspiegelung. Im Himmel das Wort STAR. Stern. So etwas erwartet man da oben. Yesjawoll. Gespiegelt wird aber nicht S als S, T als T usw., sondern von hinten nach vorne: aus dem Stern werden die Ratten, aus dem STAR werden die RATS. Das gehört in die Schublade der Ideen, die ich selbst gerne gehabt hätte. Semantische Fallhöhe hoch 3. Mindestens. Einfach mal so eben weggespiegelt.

Um das verdauen zu können, macht es uns Saul Steinberg am rechten Blattrand etwas einfacher. Da finden wir dann wieder den Anfang (oder das Ende) einer Insel, vielleicht einfach auch nur einen Kai mit einer kleinen Fabrik mit rauchendem Schlot. Der Rauch stiehlt sich sowohl in Himmel und Wasser über den rechten Bildrand aus dem Geschehen heraus.

Unten rechts steht am Ufer der Mann mit Hut. Er allein bleibt ungespiegelt. Guckt aber in dieselbe Richtung wie wir. What you see ist what you get.

Zeichnen sei Denken auf dem Papier hat Saul Steinberg einmal gesagt.

Ja!

Ein ausgeprägter Spieltrieb kann beim Denken aber sehr gut helfen.

erkenntnis des tages (schlauer geht immer)

Mittwoch, Juni 2nd, 2021

ich empfehle formal intuitives denken und handeln

ein letztes ornament im stehn

Freitag, Mai 28th, 2021

zwischen und und und ein etwas

und etwas daneben

stehe und oder sitze ich oder nicht

14. 4. 21

Mittwoch, April 14th, 2021
      1. 7uhR33 bis 7UHR48

gestern wurde ich an paris erinnert. Paris ist eine stadt, die es gibt. Man kann das überprüfen, indem man hinfährt. Wenn man denn hinfahren darf. 2005 war ich das letztemal in paris. Das ist schon 16 jahre her. Ich vermute aber, dass es die stadt immer noch gibt. Damals war es anfang märz. Ich bin über meinen geburtstag hingefahren. Alleine. Und bin am ersten tag abends rumgelaufen und hab gedacht: was für ein schwachsinn: dir geht es nicht gut und dann fährst du alleine in eine solch große stadt, wo du niemanden kennst und noch alleiner rumrennst als eh bisher. Ich bin dann mit diesen gedanken auf einem platz am eingang der sorbonne gelandet. Es gab dort buchläden, wie es sich für eine universität gehört. Da gucke ich dann gerne die auslagen. In prag habe ich dabei gelernt, dass die teschechische ausgabe von günter grass´ blechtrommel auf teschechisch plechový bubínek heißt, was ich sehr lustig fand. In paris fand ich nix lustig an jenem abend. Entdeckte aber ein buch, auf dessen titel ich abgebildet war. Also, zumindest sah der mann, der da auf dem titel am strand auf den betrachter zugeht, vermutlich der autor (ich vermutete sowas wie einen philosophen), so aus wie ich selbst in etwas dünner. So sehr, dass es mich total irritierte. auch bei wiederholtem blick. hatte ich ein doppelleben, von dem ich nichts wusste? Aber auch zurückholte in die welt: ich war nicht allein. Es gab ein buch, auf dessen titel war ich drauf in dünn. Ich konnte etwas versöhnter zurück in mein hotel laufen, das man sich besser als eine art pension vorstellt, und das in dieser nacht vor allem von einer italienischen jugendgruppe bewohnt wurde. Mein zimmerchen war ganz ganz weit oben, und da das alles so out of control war, war in dem zimmer nebenan eine art pubertärer partnervermittlungsbörse dieser italienischen jugendlichen. Mit entsprechendem getrappel, gerufe und entsprechender aufregung. Schlaf war da nicht viel. Bei denen nicht und bei mir nicht. Am nächsten morgen im frühstücksraum gab es eine riesenkanne kaffee für mich und 1 croissant. So ungefähr. Marmelade mag ich nicht, also blieb nur croissant in kaffee. Aufbruch in den tag. Es war sonnig und hat leicht geschneit. Ich hatte vorher noch nie die idee, dass es in paris schneien könne. Paris: Stadt ohne schnee. Ich schlenderte den Boulevard de Strasbourg entlang, ganz entspannt, als eine Schneeflocke bei ihrem Fall nach unten einen kleinen Rückzieher macht, das heißt, in einem Kringel wieder nach oben fliegt und in meinem rechten Nasenloch verschwindet. C´est tout. Ein Zufall als Zeichen.

13. april 2021

Dienstag, April 13th, 2021

22uHr53 bis 22UHr56

heute mit dem finger gewackelt. Ein kurzer moment des mutes. Noch ein glück: das rad kann jetzt auch wieder atmen. Wir drehen uns elliptisch. Und haben keine Ahnung, wie dieses Schleudertrauma uns noch Freude bringen kann. Ich freue mich nicht mal mehr über meinen Finger.

11.4.21

Sonntag, April 11th, 2021

11uhr48 bis 11uhR52

in die welt hineinrufen, in der hofnung, die welt ruft nicht zurück. Eine amsel sitzt auf ihrem baum und ruft hoffnungfroh in die welt. Meine vorstellung sofort: alle alle alle rufen und brüllen das tier zurück und nieder. Stante pede. Just sofort. Muss wohl daran gelegen haben, dass es morgens war. Abends hatte ich diese vorstellung noch nie.

2.4.21 nachmittags

Samstag, April 3rd, 2021

nachmittags – ohne genaue uhrzeit, jedenfalls in der sonne

 

ich krabbele von innen an der scheibe entlang. Woher die kraft nehmen und nicht stehlen? Der nachbar geht seine wiese auf und ab. Er kann uns alle sehen. Wir können nur ihn sehen. Wer führt für wen ein theaterstück auf? Er für uns? Wir für ihn? Ich rutsche an der scheibe ab und falle zu boden. Vieles weiß man, bevor man es fühlt, auch hier.

2.4.21

Freitag, April 2nd, 2021

9uhr5 bis 9UhR13

nachts lege ich meine hand an meinen kopf, damit sich die finger in der krümmung üben. Mein kopf scheint mir dafür ein geeignetes werkzeug. Er ist da und halbwegs rund und muss sowieso gehalten werden. Viel mehr gibt es nicht zu sagen: ich schlafe ein und morgens ist er wieder voller gedanken. Kann irgendjemand morgens im bett lesen? Ich kann es nicht. Abends vorm einschlafen lesen, damit sich die aufgenommenen dinge einen platz suchen können: ja. Morgens liest man die zeitung, kurze berichte aus der wahren welt, damit man wieder weiß, was die stunde geschlagen hat. Aber das ist ja kein lesen. Ein bisschen so, als wenn vögel morgens zeitung läsen. Ich lasse die tagesereignisse in mich hineinzwitschern. Und natürlich wissen alle, warum twitter twitter heißt: es sind einfach nur lebenszeichen. Auf elektronischem weg. Ein neuer tag. Ich lebe noch. Twittero ergo sum. Der mensch unterscheidet sich von den vögeln nur dadurch, dass er einen schließmuskel hat. Die wenigsten allerdings einen verbalen. Vieles weiß man, bevor man es fühlt. Warum aber facebook facebook heißt?

28. märz 2021

Sonntag, März 28th, 2021

6uhr44 bis 6UHR51

Klaus Harth & die egoband: vereitelte eigenmythen: so könnte eine schallplatte heißen. Kann ein mond tröstend sein, auch wenn er selbst schwer verwischt am himmel hängt? Es ist sommerzeit und ich habe meine sparkasse repariert. Wohin mit dem geld? Wohin mit den schlechten gedanken? Die dunkelheit drückt auf die leere, die leere zieht die bettdecke von mir weg. Bevor ich schwebe, probiere ich es mit autogenem training: ich bin schwer. Ich bin schwer. Ich bin schwer. Ich bin keine schweizerin. Kein schwede. Kein schwarzer schwabe. Nur schwer. Der mond ist leicht, aber verwischt. In einem anzeigenblatt haben die letztens eine mondlampe angeboten. Die leuchtet leichtfüßig und unverwischt und schwebend. Ich leuchte noch nicht mal unter der schwebenden decke. Damals in wiesbaden war ich betrunken. Meine couch begann mit mir zu fliegen und ich konnte das mit aktiv-autogenem training in den griff bekommen. Eine nacht des erfolges. als ich das letztemal so richtig betrunken war, schrieben die menschen das jahr 1996. der 13. dezember war damals ein freitag. Also war es der 14. dezember. Es gab österreichischen wein in einem schaufenster in halle an der saale. Und rohes hackfleisch auf brötchen. Nichts für einen vegetarier. Eine nacht mit einem abgebrochenen philosophen. Dem war ich nicht gewachsen. Und wachse auch weiterhin nicht mehr. sparkasse hin. sparkasse her.

20.3.21

Mittwoch, März 24th, 2021

7uhr24 bis 7uHr29

die sprache des autoverkäufers. Er benutzt ersatzstücke. Nichts unterliegt einer inneren logik oder eines weltbildes. Vorne am eingang sagt er dies, hinten am ausgang jenes, beim unterschreiben des vertrags innerhalb von 20 sekunden das gegenteil von eben. So wie es ihm zu dem moment und uns zu passen scheint. „wie sage ich immer?“ – dieses bauteil benutzt er oft. Bringt einen versatz aus seinem leben. „Da ist man froh, wenn man dann das geld hat!“ – deshalb dann doch besser totalkredit statt anzahlung. Ein mann auf du und du. Und ich und ich und ich. Nur weiß man am schluss nicht mehr, wer man selbst ist und ob man das so gewollt hat. Ja, na klar hat man das so gewollt. Der verkäufer hat es einfach nur besser erkannt als man selbst. Schließlich verkauft er bis zu 500 autos im jahr. Großmütter gehen derweil unwillig rückwärts über die tische.

fast zweiter gedanke des tages

Sonntag, März 21st, 2021

lese in dem buch „gefolgt von niemandem dem du folgst“ mit den tweets von jan böhmermann einen tweet zu theresa may und denke: was hat die nochmal gesungen? resp.: wie hat die nochmal ausgesehen? bzw.: ach scheiße, das war ja gar keine billig-sängerin…

fast erster gedanke des tages

Sonntag, März 21st, 2021

Si tacuisses, philosophus mansisses. Im Zeitalter des sozialen Medienzeugs: nirgends mehr Philosophen. Nur noch: viele.

16.3.21

Freitag, März 19th, 2021

17UHr29 bis 17UHR34

wie schön waren die gedanken, als ich sie noch für mich hatte – zwischen die steine konnte ich sie legen, unter den sand buddeln, mit dem dreirad konnte ich ums haus fahren, an der tür wurde nach mir gerufen, von draußen nach drinnen: kommst du? Und: was gab es denn bei euch zu essen? Und: was ist das für eine schlechte musik? Opa schlachtete den hasen, ansonsten war er 1 sehr friedlicher mensch. Er musste 2 kriege überleben, hatte aber immer gerade eben noch das richtige alter.